Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 — pietät-voller Verehrung werden für edle Menschen, und sie werden hier vernehmen oen Ruf de» Geiste»: „Löse die Schuhe von dringt Füßen, denn du stehst auf heiligem Boden" Amen I Allerlei für de« Fa«ilie«tifch. Am 2. Januar wurde in Marsch«» ein 86iähriger Profestor der Mathematik, Rameu« Frackiewicz, berrdiAt. irr war sehr angesehen. Gern erzählte er da» Ereigniß. welche» ihn vor mchr al» KO Jahren zum Juden freunde bekchrt hat. .Im Juli reiste ich mit mehreren Freunden nach -rakau. Im Postwagen, der langsam und schwerfällig durch den tiefen Sand hingezogen wurde, war e« drückend heiß, so daß wir au»stirgcn. um zu Fuß nebenher zu ziehen. Gern bfcte ich mir ein Pfeifchen gestopft, doch keiner au» der Gesellschaft hatte Feuerzeug bei sich. Da sahen wir au» dem nahen Walde Rauch aufsteigen. Wir eilten hin und ein Jude stand vor un», der dort Kohlen brannte. Reden dem Meiler war eine in die Lrd« eingegrabene, kleine, raucherfüllte Wohnung. Weib und Kind glänzten von Ruß; die zerrissenen Kleioer. die Magerkeit ihre» Gesichte«, der hohläugige Blick waren beredte Zeugen ihre« Elend«. Mitleid beschlich mich mit dieser Familie, die im einsamen Walde hinlebte und ich fragte den Mann: .Wa» arbeitest Du hier so schwer? Hättest Du'» al» Ackerbauer nicht leichter und bester?" .Und woher soll ich den Acker zum Bebauen nehmen?" so lautete die Gegenfrage. .Warum machst Du e« nicht wie olle Bauern hierzulande?" meinte ich; .dem Herrn, der Dir Hau« und Feld giebt. diene al» Knecht und Du hast e« gut!" Da entgegnete er: .Lin, einem Herrn verkaufter Knecht zu sein, hat Gott Israel verboten. Den» damal«, da Gott un« au« Egypten, au« dem Knechte«hause. befreit hat. befahl er un« in seiner Lehre, daß wir nie wieder al« Knechte un« verkaufen dürfen". .Mir seien der J«raelitrn Knechte, meine Knechte sind sie. die ich au» Egypten geführt Hab«, sie solle» nicht al» Knechte verkauft werden". Und auch dem hebräischen Hern« hat die Thora geboten: «venn Du einen hebräischen Knecht kaustt. soll er 8 Jabr dienen, und im siebenten — ohne Entgelt frei herau« gehen." Diese Worte de« Jude» haben auf mich einen gewaltige» Eindruck geübt, denn nie hatte ich geglaubt, daß solch' herrliche Worte, in welchen der Freiheitsgedanke ko schön sich au»drückt. au» dem Munde eine« so arme« und gedrückten Menschen kommen könnte». Seitdem habe ich ander« über dieEigenschastcn der Juden, über ihreGesinnung und ihrenGlauben gemtheilt." l Da mal« waren dir Bauern noch Leibeigene!) «L»d»iß ». Hürzy. Line« der hervorragendsten Mitglieder unserer Tchriftstellrr-Generation ift Ludwig v. D 6 czy. der Verfasser de» vorige Woche aus der Pester Bühne zur ersten Aufführung gelangten Lustspiele« „Utol«ö iMrolem" l,Letzte Liebe"). Einige biographische Daten über den in verhältnißmäßig jungen Jahren zu bedeutendem schriftstellerischen Rufe und hervorragender gesellschaftlicher Stellung gelangten Dichter dürfte» hier am Platze sein. Ludwig v. Däczy (früher Dux) wurde al« armer Eltern im November 184ö zu Römet-Lerrßtur Kreuz), bei Ordenburg, geboren, «st demnach heute S8 Iah« alt. Er absolvirte unter Entbehrungen da« Gymnasium H Oedenburg. dieiuridischen Studien zu Budapest, woraus « sich zurrst in Wien der deutschen, dann in Budapest der ungarischen Journalistik zuwendete. Hier wirkte er «h Mitarbeiter der.Reform" und de« .Bor«ßem-Jaukä" und mach» seine ersten dramatischen Versuche, von denen der erste. .X, ntoli6 profiU“, in der Ofner Arena mit Erfog zur Aufführung gelangt Im Jahre 1888 ernannte ihn der damalige Minister. Präsident Graf Andrässy zum Konzipisten im Preßt»,rea^ Al» solcher wurde er, nachdem Garf Andrässy Minister de« Aeußrrn wurde, im Jahre 1871 nach Wien versetzt, wo er im Ministerium de» Aeußern immer höher stieg und heute nachdem er durch zahlreiche Orden und Verleihung de« ungarische, Adel» ausgezeichnet wurde, al« Hof- und Ministrrialraih wich. Im Jahre 1872 geivann er mit seinein Lustspiele o««Sk“ (.Der Kuß") den Telrki-Prei« der Akademie und degründete durch diese«, auch aus deutschen Bühnen in seiner eigenen Bearbeitung mit großem Erfolge aufgeführte Wer! seinen Ruf al» dramatischer Dichter. Ludwig v. Döczh deherrscht überhaupt die ungarische und deutsche Ber«sprache mit gleichein Geschick und seine in zahlreichen Auflagen oer breitete ungarische Uebersetzung de« .Faust" ist ebenso formgewandt. al» seine Uel>ertragungen ungarischer Dichtung in'« Deutsche in ihrer Art mustrrgiltig sind. Auftiutt eiue« ^»ude». De« Förster« K. Revier wnd oft von Wilddieben heimgesucht Sein .Cäsar" ist rin treue« Thier, auf dessen unglaublich feine» Jnstinct er sich verlasse, kan», er »stellt" ihm jeden Wilddieb. Letzten Sonntag geht der Förster mit Cäsar inspieirend durch den Wald. da hon er Cäsar bellen, er muß rinein Wilddieb auf der Spur sein. Er eilt hinzu. Nichtig stellt da« Thier einen alte» — Handel»- juden. Der Förster fährt diesen an und sagt ihm den Waldfrevel auf den Kopf zn. Der alte Mann betheurrt sei« Unschuld. Der Förster aber vertraut auf seinen.Cäsar'. Der Jude muß alle seine Päckchen ausbinden, alle sei,« Taschen umdrehen. E» findet sich nicht« von Wild vor Er betheurrt und klagt, daß e« einen Stein erbannen köimlc. Alvr immer tzrftiger fährt der Förster den Händler a,: „Donnerwetter, Sie müsse» etwa« von Wild bei sich Halen oder gehabt haben. Der Hund hat Sie gestellt. Der Hund ir-rt sich nie!" Vergeblich,'« Betheuern. .Da« wird sch zeigen!" ruft er und will den Alten vor sich hertmden zur Försterei. Der halbtodt Geängsiigte bricht in Wehklage» au«. Aller alle» Bitten und Beschwüren prallt an da» Förster ab. Plötzlich indessen scheint dem Händler in seiner Herzensangst ein Licht aufzugeheu. ..Herr Förster!" — .Äa« soll'« sein?“ ruft dieser. — „Sollte Ihr Herr Hund viellnchl meinen Namen gerochen habe»? Ich heiße — Hirsch!" SMr dt« durch Brau» Grfchckdtaten tu A>a«rfoi und Galat« ging«» ferner etur «u» Rlrndura a. W. von Herrn Lehrer J.chekmann (Sammlung der Mtllgioitffdmlo: Reicht». Harr», Paul, Ina. Martha und Hedwlg Slelnberg Ml. t.—. üieschw. Henni u. Jullu» Harnrnerschlag . 1.—. tlieschw. Rosa u. Bernhard lltoldschinldt . l.—, Qkbc. Jona« und Loul« Beennann . 0.80. «ieschw. Lina. Olga, Max u. Arnold Ocfmann . 1—. Maller StUibem . 0.46. Frieda woloschrnldt . 0.60. Kattan Lahn . 0.60. Z^n^Vat^mibt . 0.80. Mt. 0.10. . 0.60. . 0.60. . 0.60. . 0.60. Jene fclfl Sophie Abraham Albe« Löivendach Loul» Mareu» Jullu« Otoidschrnidt Summa Mt^ 8.86. Au« Malchow Un Mecklenburg» durch Herrn Lehrer B. ötadtnowitz, gesammelt von solgende» Schillern: Heinrich, August u. Alsried Schlomann Mt. I.—. Clio, Viustav und Jenin» Jacobson » 0.76. Llara Lade»>tg „ OJJO. Paul Valentin „ 0.26. So. Jda u. Llna Levr, . 0.80. s u. Rich. Schlomann^» 0.60. Summa MkUtzo. abziigllch Porto Mt. 0.60. Rest VttTSM. Lingesandt vom Landrabbiner vr. Defsaurr > Metutnaen, gesammelt i» der Reliaionsschule da selbst durch Herrn Lehrer Lang» Oteschw. Reumann Mt. l.—. Henr Lang . 0.80. Oieschw. Siegel „ 1.00. Rejchw. Rilgheimer , t.OO. lüeschiv. Rose . 1.00. I. Ruhbaum „ 1.00. I. Tasse . 1.0>,. Else Sack« „ 1.00. Lauchen Iran! „ 0.60. Lise Mai „ 0.60. liirsch. S. Holllinder . 0.6». DHella «libler . 0.60. Reschw. «oldschmidl . 0.60. I. Friedman» , 0.60. «eschw Levh „ 0.60. «eschw. H. Holländer . 0.60. ^annck^Otoldmann . 0.10. Oiescht». Dockter ldeschw. Rosendach Waltber Reschw. R. Reumann Oieschw. Heinemann Siegslied Köhler Karl Nöbler Schwab Malsch Bergmann liieschw. M. Dockte, Paula Ledermann Walter Levh Leopold Ledermann Oteschw. Lang Mt. . «ja . v ia ii. " vsa . u.M . u* VÄ " via ” v«. ' o>. V« - o.ja o.sa Summa M Durch Herrn Lehrer yetwer in Uelzen an» den «*jP büchscn seiner |0b. Schüler Ml-3 w Verantwontlcher Redakteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg, vertag von Robert Friese, Leipzig-