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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 3 (1884) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
3 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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Füdische Silhouette» am» Salizte». Bon Ralhan Samueltz. II. A»fer -tzeder (Schluß Wir konnten kaum den ZiehungStag abwarten. Als endlich der heißersehnte Tag hereinbrach, tvarm wir alle früh Morgenauf den Beinen. Äaum, daß der Eollectant feine Stube öffnete, sah er sich von zweiundzwanzig Jungen bestürmt und umlagert, dir ihm den Zettel, über das Ergrbniß der Ziehung, aus den Händen riffen. War es möglich? Wir sahen einander erstaunt an und sahen dann wieder in den Zettel — da stand eS klar und deutlich ausgeschrieben: fünf, fünfunddreißig. dreiu n d a ch t z i g. «Liner über den anderen stürzten wir mit lauten Freudenrufen die Gassen entlang in'S Chedrr, undjbaldlbraufteeswie ein sturm von zweiundzwanzig polternden. schreienden Jungen, von denen jeder Einzelne in geschwungener Hand seinen Zettel emporhielt: .Rabbileb gnvonnen! Hwr ist der Zettel!" Der überraschte Rabbi brauchte eine geraume Weile, bis er zu sich kam. .Jetzt Kinderchen setzt Euch nur ruhig nieder", sagte er. .gut, daß die Rcbbezin nicht da ist. Diese Besora") soll sie au» keinen, anderen, als au« meinem Munde vernehmen. Niemand von Euch, darf ihr davon etiva« verrathen. Also ganz ruhig Kinderchen!" Wir ließen uns ruhig nieder und sahen mit inniger Freude auf da« Gesicht de» Rabbi, das in Freuden strahlte. .Da kommt die Rebbezin!" stieß einer von uns bald aus. D<r Rabbi winkte un» Ruhe und erhob sich feierlich, mit dem Talmudbuchc in der Hand ihr zur Thüre entgegengehend. .Rebbezinleb!" fing er an. als sie, die schürze mit Einkaufen beladen. in'S Zimmer trat. .Rebbezinleb, küß dieses heilige Buch hier!" % .Was soll da«'?" sragte sie, über diesen Einfall verwundert. " - .Frag nicht viel und küß diese« heilige Buch, sonst —' Die bekannte Hand mit der großen Prise zwischen Daumen und Zeigefinger erhob sich drohend. .Da brauchst « ja nicht erst einer so schrecklichen Drohung, um ein so heilig Sefer"*) zu küßen!" lachte die gutmüthigr Frau und küßte da« ihr dargercichtc Buch. .Jetzt sollst Du aber auch wissen, warum Du dieses heilige Buch geküßt hast" fing wieder der Rabbi feierlich an. .So wisse denn, daß da« heilige Buch uns den Weg zu unserem Glücke, gezeigt hat. — Hier hast Du den Zettel vom Lottcrieamt: 5. 35, 83!" Die Rebbczin starrte oen Zettel an und erblaßte. .Ich bin etwa« zu rasch gewesen", murmelte der Rabbi vor sich, .eine so freudige Botschaft darf nicht so schnell verkündet werden". Doch es stellte sich bald heraus, daß der Grund ihres Erblasiens leider nicht freudige Ueberraschung war. Sie hatte nämlich, als sic in dir Lotterie gefetzt, Zabl 5, dir ihr schon früher, ihrer Kleinheit wegen, nicht recht war, mit 4b vertauscht. Jetzt war die Reihe a» dem armen Rabbi zu erblassen. Doch er geivann bald seine Fassung wieder, als er die große Verzweiflung der guten Rrdbezin sah, die schluchzend und mir beiden Händen ihr thränrnüberschwemmte« Gesicht bedeckend sich auf die Bank »iedersinken ließ. ,Wd)' Närrin", tröstete er sie, .sind wir nicht alle Gottlob gesund. Wie, ivenn wir unser tbeure« Kind verloren hätten, als es jüngst so krank war. Ist e« nicht besser so, daß Gott un» da« Kind am Lebe» erhalten? Man darf sich nicht versündigen!" "> «-isch-il. -) »um. Die arme Frau jedoch schluchzte nur um so mehr. fc, Rabbi, so sauer ihm selber zu Muthr war. versuchte p scherzen und drohte ihr mit der Prise Tabak, allein diese» Mittel wollte nicht verfangen. Da» gutmüthigr, hen» Lächeln, da» sonst bei einer solchen Drohung auf ihren Lipye, erschien, wollte sich nicht zeigen. Sie weinte ungestillt fta Eine Stunde später nöthigte sie Fieberfrost. sich Bett zu begeben. Tag» darauf war ihr Zustand derart, daß man ärztlich Hilfe herbeiruien mußte. Den dritten Tag gingen wir alle zweiundzwanzig Kinda unter Anführung de» Rabbi in die Synagoge, um (tau Hilfe für die Schwerkrankr zu erflehe». — Der gute Gott erhötte un» gnädig, sie wurde wird« gesund und wieder sahen wir ihr treulich Gesicht m,i dc, gulmüthige» Lächeln, da« darauf wie ein Lichtstrahl spielte Wir sahen sie seit jener Zeit oft vor den Rabbi bi,, treten mit de» Worten: .Frag den heiligen Talmud, welche Nummern ich in die Lotterie setzen soll!" Der Rabbi fragte. Allein der heilige Talmud, al« wäre er erbost darüber, daß man einmal seine» guten Rath mißachtet hatte, wolllr nimmermehr die echten Nummern verkünde». — Allerlei für den F»«ilie«tifch. Der Weihuachtsbaum und die jüd. Aamilir. Den folgenden Briefwechsel zwischen einer christliche, Dame und dem Redactcur der ,Arch. i»r." in Pari» werbe, uitsere Leser, gleich un«. sicherlich mit Interesse lesen. Tie Dame schreibt au« Rumänien an Herrn Jsid. Eahen: .sehr geehrter Herr! Ich nchtr eine Frage an sie, aus tvelchc ich Sie bitte mir eine Annvort in Ihrem geschätzten Blatt zukommen zu lasse» Ich bin Ehristin, vor Allem aber Französin, wa« sagen tvill, daß c; für mich keinen Unterschied in der Religio, girbt und daß ich alle Menschen als Brüder bettachte. Ich bin in Rumänien, wo ich ein kleines .'> jährig" Mädchen erziehe; da» Kind ist seiner Mutter beraubt: der Vater ist ein sehr »rommer Israelit: ich beobachte alle religiösen (Gebräuche, aber zu Neujahr (nicht für Weilmachtml hatte ich die Absicht, ein Kinderfest zu geben und um dieici, Freudenfeste mehr Relief zu geben, hatte ich beschlossen, rin« Baum zu schmücken ohne religiöse« Symbol, sonder» nur um a, denselben lNschrnkc und Wachslichter für die Kinder zu binden. Man hat mir die» zu thu» untersagt, unter dein Vorwände. daß die« der Religion zuwider sei; ich war schon i» mehreren israelitischen Familien und es ist da» erste Mal. daß man die Religion anrust, um dieses (wie ich glaul>e> unschuldige Vergnügen zu verliindern. Ich wende mich daber an Sic. mein Herr: Ihre erleuchteten Kenntnisse iverden meine Handlung in Zukunft leiten. Wen» sich ein solcher Fall darbietet, wünsche ich zu missen, ob ein solcher Bau« gegen die jüdische Religion verstößt oder nicht; wenn nach 5hrcr Ansicht da« rrstere der Fall ist. werde ich mich danach richten mit aller Hochachtung, die man dem Glauben au (M* schuldet, unter ivclchen Namen auch immer man ihn anrust. Danke im Voran« für Ihre Auskunft und genrbmigcn Sie die Versicherung meiner dankbarcn Elesühle. .... den 3l. Tecember 1883. Eine fleißige Leserin der .Archive« Israelit"' Ter Redactcur der »Arch. i»r." cnvidcrie hieraus: Unsen Antrvvrt auf obige Frage ist nicht zweifelhaft:- der Vater, fl» Israelit au« Uederzeugung, hat vollkommen Recht gelM seinen Talon nicht einem vollständig christlichen Gebrauch j» öflnen; man bemerkt, daß der Baum keine religiösen Embleme gehabt hat; mit einem Wotte ein .weltlicher" Baum! Ist aber der Grund, ihn aufzupflanzrn. nicht ei» religiös"

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