Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 2 (1884) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
2 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492351-8722841-5938195--0010-5377587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

^hc«. Dir zufällig aufgrfallene Ziffer, welche die Seitenzahl Bti Blatte« bezeichnrte. ob grab oder ungrab, entschied für itn gegen einen fraglichen Gegenstand. Latte er einen Mifelhasten Gang zu machen, handelte ra sich darum etwa« i itjun oder zu unterlaffen. war e« ihm zweifelhaft, welcher W,'chen ztveien »naben der Schuldige sei, immer wurde der ilmud von ihm um Bescheid gefragt, so daß eine Seiten« M nicht selten auch darüber de» -lusschlag gab. ob eine lmie Rase mit Schnupftabak zu stopfen fei oder nicht. Da geschah ra eine« Tage», daß die gute Rebbczin zu ihm Inrtmt. .Rabbileb". sprach sie ihn nach gewohnter Art an. „I fiel f» rin. unser Glück zu ve>suchen und einmal in der dtterie zu spiele»". .Du kannst e« allerdings »hun, Rebbezinleb!" enviderte r. gewohnt dir Einfälle seiner Frau al» gute Eingebung »jusel>en. .Ich wollte aber. Rabbileb. daß Du mir die Nummern ■ftfll. dir ich setzen soll". .Ich soll sagen'?", versetzte der Rabbi mit rinein stolzen Mein, »der heilige Talmud soll's sagen!" .Das meinte ich ja eben". .Gut. so wolle» ivir den heiligen Talmud befragen". Er schlug den Lalmud aus und verkündete laut dir kaim,ahl: »Nr. 5!" .Fünf, meinst Du. so'?" .o« fünf!" .Meinenvegrn fünf — nun weiter". — Der Rabbi griff wieder eine Blätterzahl. .Fünsunddreißig" vrckündete er laut. .Gut fünfunddreißig — also weiter". Der Rabbi machte ivirder einen l^riff im Talmud. .Dreiundachtzig!" .Fünf" wiederholte dann der Rabbi, da« Ergebniß zu tzapier bringend, .fünsunddreißig und dreiundachtzig". Er übergab hieraus den Zettel seiner Frau, dir sich mit man .guten Tag" au» dem Zimmer entfernte. .Ach wenn mir Gon dir Gnade erweisen wollte" fing di Aabbi darauf an. der gewohnt war. alles was ihm am H-,r» lag, vor uns auszusprechen .ivenn mir Gott die Suade erweisen wollte und mich jetzt in der Lottene gewinne» bche. — >va» wäre das für eine schöne Sache! Das Me« la»des"> möchte ich ja trotzdem nicht aufgebe», denn mein von lautet ja immer: wen» ich Kaiser wäre, würde ich «ch reicher, als der Kaiser sein, weil ich ja nebenbei zut*ücn’") möchte. Ich würde also jedenfalls beim Mehrfache Unten. aber ich möchte mir drei große Zimmer mirthen. tarnt wir es bequem haben und einen Dienstboten möchte ich ausnehmen, damit die gute Rcbbezin sich nicht so sehr lag und Nacht abmühe, Ach wer mir von Euch diese llesora loba***) bringen wird, dessen Schaden soll e« gewiß »«hl fein!" rschlufi folgt». Allerlei für de« Fa«ilieutifch. peffa». Der hier ansässige Berwaltcr der Schatulle mserr« Kaiser«. Herr Baron von Cohn, hat vom Könige tan Bairrn da« Großkrruz des Verdienstorden« vom fl- Michael erhalten. K»«g»r§ Der kürzlich hier verstorbene Kaufmann «m» Räe (Bruder de« Abgeordneten Dr. Anton Räe) hat a vermögen von ca. fünf Millionen hinterlassen. Da der taswrbene finderlo« war. hat er im Einverständniß mit der lavin eine Million Mark den Verwandten und vier Mil» lionru zum Bau von Freiwohnungen an Unbe» tailtelte. ohne Unterschied der Religion (R. war jüdischer llaifession), bestimmt. Die erste Millionen fällt gleichfall« Inrt*T gewissen Modalitäten an die Stiftung zurück, so daß *) fidjifa*.!_) vrt«an«t»rrtcht «ethetten. »me «otschast. die Verwandten nur die Nutznießung haben. So wird Hamburg mit dem neuen Sfift künftig dir bedeutendsten derartigen Wohltätigkeit«anstaltrn in Deutschland besitzen. Jke««»dria Dir circa 10000 jüdischen Seelen, welche während der Cholerazeit hier geblieben sind, haben sich im Iudenviertel aufgehalten, da» aus Betreiben des Chacham Jomtob so gründlich gereinigt worden war. daß nur geringe Verluste sauf 300 Erkrankungen 16 Todesfälle) zu beklagen sind. Al« „Maffageurs" (Kneter des Körpers) wirkten junge Leute, dir der Chacham dazu aufgerufen hatte. In Konlkantine sind 2 jüdische Handelsrichter gewählt worden. — Eine Rettungsmedaille haben erhalten: der Kaufmann Tinsit für Rettung eine« Kinde« aus dem Meere; Herr Haim Lcvy für Rettung eine« Mädchens au« Pctroleumfcuer die goldene Medaille von Mczzofantc. Zkßier. Wir weit die Gemeinheit von Freidenkern gehen kann, zeigt folgendes Pröbchen: Die Familie Saffar hat die löbliche Absicht gehabt, dem verstorbenen Saffer, der nicht in der Ehrenrcihe beerdigt worden ist. folgende Grabinschrift zu widmen: ..Hier ruht Saffar, Opfer drS Consistorium« und des Oberrabbinrrs. — Wir Alle bedauern diesen tugendhaften Mann, tvelcher vom Himmel herab wacht über die Freiheit des Denkers!" Natürlich wird das Consistorium dieser Frechheit nicht Raum lassen und daS Anbringrn der Inschrift verbieten, lieber diese »Intoleranz" speit der »Petit Colon" schon im Voraus Feuer und Flamme. Mmeriü« Die Ausführung der Bülte des Baron Kalb, welche in AmiapoliS ausgestellt werden soll, hat die Regierung der Vereinigten Staaten dem israelitischen Bildhaticr Ephraim Kaysrr in Baltimore übertragen. Eine sehr «etannte Kßeaterprrsönlichkeit Mieu's, Richard Lewy. der ehemalige Olvr -Inspektor der Hof-Oper, ist gcstorl>en. Richard Lewy war die rechte Hand Jauners und fiel auch mit diesem. Seither lebte Lewy in vollständiger Zurückgezogenheit und artvitetc an einem Memoiren - tvcrk, welches er in einzelnen Feuilletons in Wiener Blättern veröffentlichte. Die interessanten, die Kenntniß des Wiener Musikleben» ziveiscllos bereichernden Dcnktvürdigkeiten: »Ander Mappe eines alten Musikers", sind zum Theil in Buchform erschienen. Richard Lewy zeichnete sich durch eine Art boshaften, schneidigen Witzes aus. Es cirkuliren im musikalische» Wien eine große Anzahl witziger Epigramme, ivclchc Richard Lrwv zum Verfasser halben. Am bekanntesten wurden die epigrammatischen Grabschriften, die Lewy den Kapellmeistern Proch und Esser nachrief. Dem an konstanten Geldkalomitäten laborirenden Proch widmete Lewy die Grabschrift: »Hier ruht Heinrich Proch. Wer borgt ihm noch'?" tvährend der auffallend »tagere Herr Esser mit folgender Liebenswürdigkeit bedacht wurde: »Hier ruht der biedere Esser. Die Würmer, diese Fresser. Speisen tvv ander« besser." Kein Wunder, daß Richard Lewy, wie alle scharfzüngigen Menschcn, sich keiner sehr großen Beliebtheit erfreute. Die Thatsache. daß Richard Wagner ihm in hohem Maß: zugethan war und seiner auch zu wiederholten Malen in seine» Schriften gedachte, erfüllte den kleinen Mann mit großem Stolze. Er ertheilte Gesangsunterricht und verstand r« musikalische Talente zu erkennen, Stimmen heranzubilden und die angehenden «ängrr und Sängerinnen für die Wirksamkeit auf der Bühne heranzuschulen. Die Mailing er war in früheren Jahren eine seiner bevorzugtesten Schülerinnen. Auch Lucra betrieb eine zeitlang ihre Studien unter seiner Leitung. Oi» fr«»Msche> gttfctf älet »rartz' S-lchtcht« der A«de». Alexander Weil! begrüßt dir bisher erschienenen 2 Bände der Geschichte der Juden von Graetz, (in'S Französische übersetzt von Wogue) mit folgenden Worten:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.