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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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] Au« V»se« geht un« mit Bezug auf dir Lvrrrspondenz au» Ailehne und dir bctr. Anmerkung in vor. Rr. dir berichtigende Mitthcilung zu. daß, nachdem man sich darüber «einig«, daß da» zu stiftendeReligion«lehrer> Seminar kein au«ge- ,proäx'n .orthodoxe«' und dir Leitung nicht ausschließlich in Hände de« r i n e n Rabbiner« gelegt sein soll. Die beiden Rabbiner VOr. Feilchrnfeld und Bloch haben. — nach Zaine» — einander beucht und beschlossen gemein» schasilich da« gute Werk in die Hand zu nehme», und die Mitglieder ihrer Gemeindeu zu Geldzeichnungen zu animiren. Da« Zusammengehen dn beiden geistlichen Führer hat allgemein einen guten Eindruck gemacht. (Auch wir erblicken darin (in günstige« Prognostikon für da« Zustandekommen de» für die Zukunft sicherlich segensreichen Werke«.*) — Jüngst starb in Posen hochbctagt. Hr. Paul Jolowicz, an Mann, der für die Au«bildung jüd. Krankenpflegerinnen unermüdlich thätig war. (Während dir erste Rr. diese« Jahrgang« einm eingehenden Artikel über diesen wichtigen Segeiisiand au« seiner Feder brachte, meldet die letzte Rr. diese« Jahrgang« seinen Tod. Auf seine Anregung haben «,r die Tochter eine« jüd. Handwerker« in Posen zur Ausbildung als Krankenpflegerin vor einigen Monaten in der diesigen Kahlenberg'sche» Stiftung untergebracht. Sein An» daikcn sei gesegnet und seine Idee der Ausführung empfohlen.) W. Stettin, 18. Dezember. (Or.-Eorr.) Die Notiz in Rr. 50 der »Israelitischen Wochenschrift' au« Berlin, daß da« Rabbinat seine Mitwirkung bei einer Ehanukabeschciilung verweigert habe, hat hier Benvundrrung erregt. Hier glaubt man nicht, daß öffentliche« Beschenken unjüdisch ja. hier verfolgt man — und wohl mit Recht — da« Prinzip, so viel Gaben al« möglich zusammen zu bringen und armen Kindeni eine Freude damit zu bereiten. Ich habe Ihnen schon öfter über die Ehanukabescheerung driichlci. die der hiesige »Israelitische Knabenverein' alljährlich vrranstaltet. Dieselbe fand Heuer am Sonnabend, den 13.d.M. Abend« im großen Sitzungssaale der hiesigen Gemeinde statt und wurde mit dem Anzünden der Ehanukalichter und mit dem Absinge» de« Liede« »Moau« Zur' eröffnet. Hierauf hielt der Vorsitzende de« Verein«, der Primaner Herr G. Eamuel, Sohn unsere« gleichnamige» Gemeindevorsteher«, ei»e kurze Ansprache an die Anwesenden, in welcher rr die Ziele und die Wirksamkeit de« Verein« darlegte und die Verdienste unsere« Eantor« Herrn Sarasohn um den Verein von seiner Gründung bi« jetzt hervorhob. Die eigentliche Festrede hiell nun Herr Rabbiner Or. Vogelstein, darin besonder« heworliebrnd, ivie sehr er sich freue, daß die Kiiabkii sich schon frühzeitig daran gewöhnen. Wohlthaten zu üben und die Roih armer Kinder zu lindern. Nach ihm ergriff Herr Earasohn da« Wort, welcher el>enfall» die Knaben anfruerte, «cht zu laffe» von dem »Gcmillu« Ehassadim', denn diese« sei unsere erste Pflicht. Nachdem der ernste Theil der Feier damit erledigt >oar, folgte der heitere und zwar zuerst der Prolog, gedichtet von Herrn Sarasohn und voraetragen von ^Ism jüngstem Sobne. Dann folgte die Aufführung de« vtücke«: »Der Purim vor Gericht.' Im Hintergründe de« vaale« war zu diesem Zwecke eine Bühne gebaut und die Knaben: Frirdebrrg. Samuel, Pacully u. a. in den eigen« dazu A^rtigten Eostümrn darauf spielen zu sehen, erregte viele Freude und fanden dieselben vielen Beifall. Zum Schluß nsolgic die Brschenkung der armen Kinder. Auf einer langen wl lagen die Geschenke alle, die der Verein au« eigenen «itii-ln theil« gekauft, theil» von gute» Freunden geschenft *) Die in derselben ilorrespondenz Vorkommen de Bezeichnung der «dndiia mit .bluiiaem Handwerk" ha» bei einigen Schächtern «nstob wie seiner Zeit die Bezeichnung .Metzgerhandwerk". So sehr mr die letzier« al« unpasiend und verletzend betrachten, so wenig ist die« ersteren der Fall. Wir wisse» e« au« eigner Erfahrung, daß mncvolstiinde sich gegen die Verbindung de« Elementarlehramle» mit ” e*fd)iu de«halb ftrtiuben, «eil besonder» in kleinen Gemeinden e« »»Nommi, daß der Lehrer vom Unterricht zum Schlachten abgerufen mn> und bl ui bespritzt zu« Unterricht zurüEkrhn. Sin »Hand werk" ist me «drchaa, allerding» «in durch di» Religion geweihte«. Red.) bekommen hat und wer die freudigen Gesichter sowohl, der- Geschenkgeber al« auch der Beschenkten gesehen, der kan» nicht sagen, daß so etwa« unjüdisch ist. Vielleicht ist e« im nächsten Jahre möglich, zu dieser Feier ein größere« Local zu nehme» Der Andrang ist so groß, daß jede Bewegung zur Unmöglichkeit wird. Ist aber zu diesein Zwecke ei» Saal vorhanden, dann ist e« vielleicht möglich, den weiteren Abend zusammen gemüthlich zu verleben. — Run habe ich' noch von einer anderen Feier zu berichten. Seit Anfang diese« Jahre« besteht hier die »Stettiner Bettel-Academie', deren Zweck derselbe ist. wie der der Reichsfechtschule, nur mit dem Unterschiede, daß er von seinen Beiträgen re. nur hiesige arme Kinder ohne Unterschied der Confessio» zu Weihnachten beschenkt. Und so wendete sich der Verein auch an den Vorstand der hiesigen Gemeinde, 12 Kinder, je 6 Knaben und 6 Mädchen zu bestimmen, die die für sie bestimmte» Geschenke in Empfang nehmen können. Ebenfalls im Sitzungüsaale der Gemeinde, wozu der Vorstand und Repräsentanten sowie viele andere Personen geladen, fand diese Faier statt. Gesang unter Leitung uns. Eantor« Herrn Sarasohn eröffnete dieselbe, dann folgte die tiefergreifende Rede unsere« Rabbiner« Herrn Or. Vogelstein und auf dieser die Beschcnkung, bestehend in einem neuen warmen Winter-Anzug für jede« Kind, Schlußgesang beendete diese Feier. Wie schön ist e« doch, wenn man in einer Zeit, wo der Antisemitismus immer noch so kühn sein Haupt erhebt. von einer derartigen Feier berichten kann, von einer Feier, die so recht da» Gepräge allgemeinster Menschenliebe trägt. Die hiesige »Bettel-Academie", deren erster Vorsteher Herr Rcdacteur Han» v. Rheinsel« ist. kann stolz auf ihre Tl)ätigkeit sein. 200 Kinder danken ihr für neue Anzüge. Schließlich noch von einer dritten Ehanukafeier. die jedoch erst heute Abend für die Knaben de« hiesigen jüdischen Waisenhause« stattfindet. Auch hierbei geht e« so zu. wie bei dem Knaben-Berein. — Trotz dieser drei Ehanuka-Be» scheerungen finden wir nicht« Unjüdischc« dabei oder an un« und wir hoffen, daß wir mit dem „Gute« thun' nicht» Schlechte« gethan haben. X. Au» Lesse». (Or.-Eorr.) Herrn Or. Weinstein'« Aufruf hat acwitz in den Herzen aller Lehrer freudigen Anklang gefunden. Bei reiflicher Ueberlegung stellen sich aber doch viele Bedenken ein. Solchen Bedenken hat schon Herr College 9. A. in Nummer 46 Ausdruck gegeben. Die dort geäußerten Bedenken kann ich aber nur insoweit theilen, glich ebenfalls nicht für Heranziehung der Kinder mich erwärmen kann, obwohl ich sie doch auch nicht ganz für unmöglich halte. Aber gegen den Plan selbst habe ich Bedenken. E» existireii schon zwei Centralvcreinc in Deutschland: die -Achawa' sür Rabbinen und Lehrer und die „Unterstützungskasse für die Eautoren in Deutschland.'*) Die „Achawa" girbt ja schon alten, dienstunfähigen oder ohne eigene« Verschulden stellenlos gewordenen Lehrern und Rabbinen Pensionen, allerding« unter dem Namen „Unterstützung'. Aber da« würden auch die Pensionen au« der neu zu de. gründenden Pcnsionskasse sein, und wenn die Achaiva nur die Bedürftigsten und diese leider auch noch ohnehin in nicht ausreichendem Maße unterstützen kann, so ist wohl mehr und etwa« Andere« auch von der neuen Kasse nicht zu erwarten. Wa« Herr Or. Weinstein vorgeschlagen, ist sehr behcrzigrnSiverth und sollte nicht unversucht bleiben, aber die Erträge sollten den beiden schon bestehenden Vereinen zugewandt werden, dainit die Kräfte nicht zersplittert würden und nicht allein von dem neuen Verein nicht» Ersprießliche« geleistet, sondern auch die bestehenden beeinträchtigt würden. Diese Vereine, deren Verschmelzung mit der Zeit wohl möglich *) Der Herr Einsender ve>gis>> hier die durch den D. I. Äemeindebund begründete .Eentral-Bersicherung» und PenstonSkasie für jüdisch« Aemeindedcamte" (Friedrich-Wilhelm-Bictoria-Stisiungi. für welche gerade in dieser Goch« eine allgemeine Eollecte in den Gemeinden Deutschland« abgehalten wird, die ihr bisherige« Grundkapital von 36,000 Mark um «in Bedeutende» vermehren wird. Red.

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