Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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manität fast verdrängt, Aristokratie in einer Zeit, die nirgend« chren demokratischen Grundzug verleugnet, und vollend« Geldaristokratie, da doch die Aristokratie de« Geiste« heut mehr al« je zur Macht geworden ist. Selbst der Ausdruck „glaubenSfremd" ist nur zum Theil berechtig So völlig glauben-fremd sind doch die Juden den Chn en nicht. Hartman» hat zwar schon in früheren Schriften die Behauptung ausgestellt, daß da« Judenthum al» „Gesetze-religion" und da« Christenthum al« „Erlösungtreligion" absolut unterschieden sindt Jndeß diese Unterschiede sind dein schlichten Deuischen viel zu subtil. Dieser weiß, daß daheilige Buch der Inden auch ihm heilig ist. daß auf alle» chriitlichen Kanzeln über altbiblische Texte und Persönlichkeiten gepredigt wird, daß altisraelitische Lieder von allen Kirchenchören gesungen werden, daß selbst noch in de» specifisch christlichen Büchern Anklänge genug an jüdische Weisheit sich finde», daß also eine recht innige Verwandtschaft zwischen Judenthum und Christenthum besteht. Nun ist e« freilich eine alte Erfahrung. daß gerade, wenn Streit zwischen Bcrwandien auobricbt, dieser lichterloh entbrennt. und so haben diese beiden Religionen sich von jchrr nicht gut mit einander vertragen. Aber da« ist doch kein Grund die Verwandtschaft zu läugnen und un« al- .glauben-» fremd" den Christen hiiizustellrn. fast hätte ich gesagt, zu — denunzircn. Und welchen Anschauungen begegnen wir i» der Ab» Handlung, die sich mit der „winhschaftlichen Ausbeutungder Deutschen durch die Juden beschäftigt. Der Handel ist — nach Hartmann — überhaupt eine sehr nicdrige und mit Recht gering geschätzte Art menschlicher Beschäftigung; daß er dir Völker | zusammengeführt und dadurch auf- Cntschicdcnstr die Kultur gcsürdert hat, davor schließt Hartman», der sich hier zum Bannerträger der allerneuesten deutsche» Adrlsvorurtheile hingiebt, absichtlich die Augen. Jndeß da« geht uns hier nicht« an. Gegen die Jude?« jedoch bringt er im nüchternsten und kühlsten Tone dir härtesten Dinge vor; jeder Mensch schätzt! leine Arbeit, so deducirt Hartmann, nach ihrem Werthe für daallgemeine Wohl und nach ihrem Nutzen für sich; der Jude hat jedoch nur einen Maßstab: wa« bringt« mir ein? denn die „Wirth-vülker sind ihm gleichgültig"; c« sind eben die un» schon bekannten Windmühlen, gegen die Hartmann mit der Ausdauer de» alten spanische» Ritter« ankämpst; so neu wie in diesem Zusammenhang das Wort: „Wirthsvölker", so neu ist undie Sache, so neu die Behauptung, daß j un» Deutschland gleichgültig ist, höchstens nur in soweit wichtig, wie etwa die Kuh dem Bauern, dem sie Milch giebt. Wie läßt sich da« widerlegen? Aber Hartmann erweist un« aus der andern Seite wieder zu viel Ehre; wir haben bi«her den Juden, welcher durch schlechte Streich« zu Vermögen kommen wollte, schlechtweg für einen Spitzbuben gehalten, der auf Kosten der Andern sich bereichern will. Hartmann schiebt auch diesen Schurken ideale Beweggründe unter und meint, sie arbeiten für da« Judcnthum, um dessen Machtstellung in dem Weltkampf zu stärken. „Wie ander« al» in andern Köpfen malt sich in diesem Kops die Welt." Schreiber dieser Zeilen giebt ihm die Llersicherung, daß er trotz seine« jüdischen Bekenntnisie« schon oft von Juden über'« Ohr gehauen worden ist; täglich erfahren wir, wie sich jüdische Konkurrenten auf« heftigste bekämpfen; der Taschendieb, der aus Märkten und Messen sein Unwesen treibt, fragt nach der Schivrrr der Geldbeutel und nicht nach der Religion ihrer Inhaber; der »jüdische Gemeinsi»»" von dem Haumann redet, und der allerdings vorhanden ist, äußert sich A. s. D. nicht in Gemeinheit, sondern er ist nur eine Triebfeder bei honetten Leute»; wer schwindelt und plündert, hat bei Jud' und Christ wohl einen gemeinen Sinn, aber keinen Grmeinsinn. Hartmann sagt, „kein Jude, der einen andern Juden die Wirth»vülker au-beuten sieht, kann sich, so lange er dem jüdischen StammcSarfühl treu bleibt, dem tadelnden Untf der letzteren anschließrn, sondern muß vielmehr dm Stam««. Senoffen trotz seiner im WirthSvolk verachteten und verhaßt, lu«beutung«thätigkeit, ja sogar wegen derselben lobe» u) ehrm. insofern derselbe durch diese Thätlgkeit den £onta, intrressrn de« Judenthum» turnt." Wir warm eben im Begriff die Wahrheit diese« Sitzet zu lmgnen. aber da lefen wir auf derselben Seite' „« ij| ganz sinnlos, wenn von jüdischer Seite diese Konseqmi,,«, abgeleugnet iverden." Rur wäre e«, wenn wirklich eine solche gefährliche Sippe im Lande existirt, und die Behörde g« ihr Krnntniß ha», geradezu Hochverrat!, sie länger im zu dulde» und e« ist ein überau« merkwürdiger Grad doi Judenfreundschast seiten« de« Herrn v. Hartmann, daß n sich dieser Brut »och annimmt, e« sei denn höchsten«. bei die Juden am Cnd« doch nicht ein so schwarzes lyemiq habe», al» sie e« nach der philosophischen «onstruktion habe, müßten. „Jedermann", meint Hartman», „betrachtet die reelle» ns) soliden jüdischen Geschäftsleute al« Au«»ahmen von der Wcyrl* Da begegnen wir schon wieder dem Herrn Jrderman», de, guten Freunde jmer Schriftsteller, die ihren eigenen Meinunga, durch einm anerkannte» Gewährsmann eine großm Autorität geben wollen. Ob da nicht der Le>si»g'schc Aaltz Play greift, daß man mit Jedermann'« Gedanken ruhig j, Hause bleiben soll. Hartmann wirft dem Rabbinerkongreß, der A »sangt Juni 1884 in Berlin getagt bat. vor. daß er „gcwalija, die ReligionSurkundm im Sinne einer kosmopoliliich gleißmäßigen Moral interprctirt hat;" wir suche» vergcbcns nacj den Kriterien einer gewaltsamen Interpretation, wen» cinjah daran erinnert wird, daß e« in der Bi et hei»t: ,li sollst den Fremdling lieben. Du sollst de» Fremde» «uhl bedrücken und nicht quälen"; indeß zugegeben selbst, tu« Interpretation ist gewaltsam. so sind die Religionsbücha. die in jüdischen Schulm in Gebrauch sind, so viele,11k»,qe Predigten, die im Drucke vorliegen, Zengniß dafür, da» de deutschen Juden zur Liebe und Gerechtigkeit gegen ihre Mbürger angeleitet werden, daß der Rabbinerkongn-ß. wa» längst gelehrt wurde, nur in eine kurze Formel gebracht hat Und diese Lehren sollten so gar keine Frucht getragen »ade»? Ein Autor der Gegenwart, vor dem Hr. v. Hiriinaiu gewiß Respekt hat, urtheilt über da« Judenihu.n: .Da» Iude,- lhum hat in der kurzen Frist seit der Emancipalio» a« größere Wandlung durchgcmacht, al« man zu hoffe» berechn^ war; man darf daran die berechtigte Erwartung knüp en. daß diese Wandlung in einem immer schnrlleren Tempo sow schreitcn werde." Wenn diese» Urtheil korrekt ist, — und et rührt von Herrn v. Hartmann selbst her — wie kan» er sagen: „Jedes mit Juden gesegnete Volk bereut cS tief un# schwer, daß seine Vorfahren den Juden eine Hennslältc gewöhn haben." Oder wie kan» er behaupten: „Wen» mai den Juden mit einem Blicke zeige» könnte, auf wie unterhöhltem Boden sie im deutschen Volke stehe», sie würde» »der ihre Lage erschrecken und in sich gehen, um die Ver,öh»unj mit dem deutschen BolkSbewußtsem zu suchen und Kataslropd» vorzubeugen." Wa« könne., wir denn noch mehr thu». alt sogar die Erwartungen de« Hrn. v. Hanmann üderncssc». Wir glauben nicht an diese Schrrckbilder, dir uusa phantasiebegabter Autor aufsteigen läßt, nicht an de» unmhöhlten Boden, nicht an die Katastrophen, sondern wir traun unseren Auge» und wir haben grset»en. daß bei GelegciilX< der politische» Wahle» fast alle Parteien den A.>t>sc»»ti«>«»s von ihren Rockschößr» abzuschütteln versucht haben und M man >h» nur i» Berlin gewähren ließ, weil dort nur W verwegene und in ihren Mmeln scruppellose Agiialio» gcgeaüber dem Liberalismus einen Erfolg habe» konnte, daß I* denn auch einen l-alben Erfolg verzeichnen kann. Der Boden wäre unterhöhlt, wenn wir erst die Versöhnung mit dem deutsche» Volksbeivnßtsein suche» müsMi aber die ist längst vorhanden und dem deuischen Volle >»>"