Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 888 — 8C:ntnt raube man ja nicht diesen Hochgenuß, mit einem luftoahde von v Pf. seinen Lieben sagen zu können, was sein Herz erfüllt; dem Reichen — wenn nur sonst da« Herz aus dem rechten Fleck sitzt — wird'« nicht schaden, neben diesem unbedeutenden Luswand« für wohlthätige Zwecke auch noch anderweitig zu sorgen. S« giebt der Wege viele, da« bereute Ziel zu erreichen; den vorgrschlagenen halte auch ich für durchaus unangemessen. K. Lohen, Lehrer. R«Ola«d. Hketersöurg, 4. Decbr. (Or.-Eorr.) Unlängst ist seiten« der residenzlichen Polizei eine Maßregel ergriffen worden, welche ohne Zweifel baldigst auch anderweitig eine Nachahmung finden wird und die geeignet ist. abermal« viele jüdisch« Familien, welche bi«her ihr tägliche« Brod einigermaßen „v«-IroM«ck" in der Residenz fanden, an den Bettelstab zu bringen. In der vorigen Woche wurde seiten« de« hiesigen Stadt Hauptmann« dem sogenannten Handweick-amtr strrngstrn« eingrschärf», fernerhin die etwaige schlaue »Machinatioii* der» Kiigen Juden, welch« auf Grund von ProfessionSzeugniffen « Domicilrrcht in der Residenz behaupte», dadurch zu paralysier», daß da« obige Amt darüber wachen solle, ob diese Juden wirklich auch ihr Handwerk betreiben. In Folge deffen wurde auch bald daraus im Lokale obigen Amt« eine Generalversammlung der resp. Handwerk-zünfte anberaumt. Sobald unter de» verschiedenen Handwerkern der Residenz der Zweck der Bersammlung, den Jude» ihre Rechte zu kürzen, bekannt wurde, sammelte sich ihrer zu bestimmten Zeit eine große Menge; von ihren jüdischen Lollegen war keiner zugegen, weil diese keine Einladung erhalten hatten. Auf die Frage de« Präsidenten, ob nicht Jemand anivesend sei. der für die Juden da« Wort nehme» wolle, ertönten von allen Seiten Rufe: ,'rau« 'rau« mit den Juden! Wir wollen sie nicht mehr in unserer Mitte!" Diese würdige Bersammlung kam endlich zum Entschluß, daß man diese neue Lufficht über die Juden nicht den resp/Polizeibehörden aufbürden könne, da letztere ohnehin schon genug Pflichten habe»; ebensowenig könntm die Handwerker selbst sich mit diesen« »Aufspüren" der Juden befassen, und wurde daher eine Resolution angenommen, wonach von nun an 12 tüchtige Personen angestrllt werden sollen, welche die strikte Beaufsichtigung der in der Residenz ansässigen jüdischen Handwerker» täglich zur Aufgabe hätten, und sollten sich unter den letzteren solche finden, die sich mit ihrem Gewerbe nicht beschäftige», so müssen die obigen Personen unverzüglich die Polizei davon i» Ikenntniß setzen, welche letztere die gänzliche Ausweisung dieser Juden zu besorgen hat. Zu diesem Behufe hat von nun an jeder Handwerker eine jährliche Steuer von 3 Rubel zu entrichten, von deren Ertrag die angestellten Personen zu besolden sind. Diese rinsttmmig gefaßte Resolution wurde gleich darauf dem Stadthauptmann überreicht, der dieselbe seinerseits dem Minister der Finanzen zur ,Sanktion vorletzte. Wie die .Deutsch. PeterSb. Ztg." mitzuthrilen weiß, ist diese schmähliche Maßnahme denunciatorischer Art auf Befehl de« Finanzministerium« schon in Kraft getrettn, e« ist nicht zu ermessen, wie viel Unheil sie in der Residenz anstiften wird, denn wie sehr leicht kann e« Vorkommen, daß mancher wirklich arbeitende jüdische Handwerkrr gerade während de« Besuche« jener Aufseher nicht zu Hause ist und doch daraus sofort den totalen Ruin seiner ganzen Existenz erleidet! — (@. unter .Neuesten Nachr") Al« Pendant hierzu bringen von Seiten de« obengenannten Administrator« die Blätter einen Befehl an sämmt» liehe Revieraufsrher. wonach letztere strengsten« zu beobachten haben, daß jüdische Bäcker bloß ihre eigenen Erzeugniffe, al« Brod u. s. w.. keineswegs aber andere Leben«mittelfeil bieten. Die seiten« derjenigen Beamten, welche unter dem Re- (gment Jgnatiew« angestrllt wurde» oder die deffen Geinnung theilcn. in Scene gesetzten Maffenausweisunaen der» jenigen unserer Glaubensgenosse»', welche zum Aufenthalte nach den sogenannten »temporären Vorschriften" in einige Orte Rußland« ftin Recht haben, dauern ohne jegliche Unterbrechung noch immer fort, und wird dabei mit ttn« solchen Grausamkeit und Brutalität zu Werke gegangen, fc un« dir besten Erinnerungen an di« »alte, gute Zeit," fei Jgnatiew'schen provisorischen Reglement« wachrufen. — So ließ, einer Mittheilung de« »Wo«chod" zufolge, « Batum der Polizeichef die dorttgen Juden sich schriftlich oa. pflichten. daß sie Batum sowie die Umgegend. Batum'«, tu schon ihre Ureltern sich angesiedelt hatten, binnen 14 läge, verlassen würden, wodurch natürlich der völlige Ruin t* abermal« unzähligen jüd. Familien herbeigefühn wird. E« ist daher gar kein Wunder, wenn angesichts dieser ttaurigen Situation, in welcher sich gegenwärtig unsere Glaube,», genossen in Rußland rc. befinden, und in Anbetracht dessen daß vorläufig auch für die Zukunft noch keine irgend« besseren Au«sichten vorhanden sind, dir sogen. »Emigration«, idee" immer festeren Fuß gefaßt und die Zahl der Auswanderer nach Amerika immer größere Dimensionen annimmt. Dagegen theilt dir„RowoSki" mit. daß der Slrafunj. General-Gouverneur au« Sibirien einen gleichen Befehl erlassen habe, daß die Juden, die sich i» Sibirien angesiefeb haben, die sogar da« Recht haben, im Innern Rußland« z, wohnen, wie z. B. Kaufleute erster Gilde, Profrssionisten u. brgl auszuverweisen seien. Die Polizeibehörden haben schon einig, dieser Juden de« Lande« verwiesen, nur denjenigen, die fe unbnveglichr« Eigenthum besitzen, wurde noch auf 1 Jahr Zeit gegeben, den Heimathsvrt z» verlassen. Dir« würde gewij wieder viele tausende jüd. Familien an den Bettelstab gebrach haben, wenn nicht der Senat auf Grund de« Allerhöchsten Befehl« einen UkaS erlassen hätte, daß diejenigen 3üben, welche ein Recht habe», in Rußland zu wohnen, sich auch tn Sibirien ansiedel» dürfe». Diese Bestimmung des Senat« haben wir einem Advokaten in PrterSburg zu verdanken, welcher die sibirische» Jude» beim Senate vertheidu.te. - Lö ist au» den gegenwärtigen traurigen Zustände» fer Juden in Rußland auch etwa« Erfreuliche« herau-zuheden. daß noch mancher humane Sinn bestrebt ist, die prctän Lage unserer GlaubeSgcnossen zu verbessern: wie z. B. russisch Blätter mitzutheilen wissen, hatte .Dir zeitweilige Grselljchaft zur Verbreitung von Jndusttir und Ackerbau unter de» ruß. Juden" dem Ministerium rin neu au-gearbeitttr« Gesetz zur Bestätigung vorgrlegt, welches die „temporären Beschränkung«- gesetze" gegen die jüd. Ackerbauer und Handwerker bedeuten« erleichtert. In Folge dessen hat die Grfellskhaft ei» Gesuch eingereicht, um den Juden im ganzen russ. Reiche b* Gründung von Acker bau-Eolonie» zu gewähren. — Bei bet jüngst stattfindenden Evnferenz im ersten Departement de« dirigirenden Senat«, an der auch andere Minister theilnehaen. soll die Frage zur Verhandlung kommen, ob man jüd. aniländische Handwerker gestatten solle, in Rußland sich niederzulassen um ihr Handwerk zu betreiben. Dem „Odesski Wiestück" wird au« Eherson mitgecheill, daß die AdelS-Deputirten-Brrsammlung in Verbindung «u den Adelsmarschällen die Bitte der jüd. Edelleute und Staat«- räthe vr. Marguli« und vr. Bernstein, sie und id» Nachkommenschaft in die Adelsmatrikel de« Gouverueineutt Eherson auszunehmen, in antisemitischer Tendenz abschlaglich beschirden hat. Mose« Feinkliid.'i yrtetsfstf. Am 16. November wurde der Rech» schastöbericht der kaisrrl. Kunstakademie verkündet. Boa M Schüler» erhielten der Bildhauer Günzkerg. die Maler: » Maimon, Jacob Goldblatt. Benzion Kroner dir große silber« Medaille, der Maler J-rael Fluß den Titel: Klassisch« Künstler H »lasse, die Bildhauer Mose« «edlik. Jsak Goldman» und Aoigdor Somaitsch denselben III Klasse. — Tauner, al« Staatsanwalt und Gendarmeriechef verkl» det, haben einem Juden in Sympheropol 89 Rum •) Ihre un# z. Z. gesandte Lorrrsp. über die .dtbl. BriiberschA stand kurz vorher in eine« Berliner jüd. Blatte «l# »Orig, vorn» (nicht an# der ,D. P. Z.-), darum druckten mir sie nicht ad: weaa v» aber, wie Sir un# schreiben, der Bersasser diese# Art. ln der „IJ«» find, so werden wir ihn (au##ug#weise) noch bringen.