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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 886 — dftoft ko» »od kann bwnmc* ßea% schwatzt», nef eiumol Rin sciner Zuhörer *n: mnrn TO 0D2N .Wa« ist?m rief brr «jaltirte Mensch entgegen, »gehr mich nichtan". .Leid also fein oan*. erwidert» ruhig d»r Andne. — Wenn' bn Herren in Gießen in bescheidener Weise al« Privatleute gesprochen hätten, so hätten sie nur reven tvnnr». Niemand Btre etwa« daran ausgefallen. So sie aber al« Männer •ott Amt und Würde, auf die markanteste Weise al« Vorsteher der jüdischen Religionagemrinde der Provinzialhauptstadl ausstiegen. kau» man ihnen mit Recht zurusen: Kümmert ibich >n Zukunft um den Eult» « in Eurer Synagoge, um bat Koscherflrisch und da« rituelle Fraurnbad, um Religio»«- «terricht u. dal. Dinge: aber kümmert al« Borstände Euch »ich« um die Politik. Dag Ihr nicht sehr politisch seid, habt Ihr bewiesen. Ein deutsch-freisinniger Jude. Aue MLnitzen geht un« von sehr achtbarer Stelle sagende Richtigstellung zu: „Der Eorrespondenz-Artikel „8 au« Khcinhessen" i» Rr. «4 Ihrer sehr geschätzten Wochenschrift ^spricht Wahlangelrgrnhkiten und dir Eandidatur de« Hrn. vr. v. Schnutz von hier, von welchem gesagt wird, datz er Inttjimit sei, aber wegen seiner vermeintlich semitischen Abstammung von der hiesigen Freimaurer-Loge abgewiesen wurde. Die Ehre der hiesigen Loge, deren Mitbegründer und Ehrenmitglied ich bin. legt mir die Pflicht auf. Ihrem Eo»respondenlen 8 entaegknzuirrtrn und Sic der Wahrheit gemäß zu msichern. daß man hier tveder von semitischer Herkunft noch »an antisemitischer Gesiinung de» Herr» Oe. v. Schaub irgend etwa« weiß und daß die hiesige Loge seit ihrem Beuchen ununterbrochen drei jüdische Mitglieder in ihrem Beamienmthe hat und daß ich selbst Jahre lang den zweiten Hammer führte. Herr Dr. v. S. sich aber nie um Aufnahme meldete, sondern der Loge in Alzey angehärt. Nachdem Zeitungsarlikrl in andere Blätter sehr leicht übergehe», glaubte id Sie von genannten Thatjache» unterrichten zu müssen and möchte mir noch ferner erlauben, Ihrem 8>Eorrespondenten den wohlgemeinten-Rath zu geben, nicht leichtfertig Beschuldigungen in die Welt zu senden, die ganz geeignet sind, dazu zerstören was Ander rmühselig und >m Interesse de» Judenlhum« ausgebaut haben. — Mit der Versicherung vollster Hochachtung und Verehrung rc." Stntlgorl, 6. Der. (Or.-Eorr.) Am ersten Sabbat- Etzannka den 13. December d. I. wird hier ein Doppel» Zubilaunt zweier husigcn israelitische» Gemeindebedicnslrten gesneu, da» Die Veranstalter nicht weniger al» die Benrrirten ehrt. Da» fünfzigjährige Dienstjubiläum de« Kirchenralh» ^abdiner» vr. von Wassermann ist noch in frischer Erwnerung und nun folgt der Ehrentag zweier verdienstvollen Tlnse. die in frischer Iugendkraft im Amte stehen und wirken Der eine ist Mose» Eichberg. Oberkantor an der Synagoge und der andere. Heinrich Stern, Sekretär bei dn israrl. Oberkirchrnbehörde und Gemeindepfleger bei der israel.Kultgemeinde. Mose« Eichberg, geboren den 6. Dez. iWtö, feiert sein öüjährige» Dienstjubiläum; 10 Jahre sun- «irte rr al« Vorsänger in seiner Vaterstadt Mergentheim, und srit 50 Jahren in der schwäbischen Metropole Stuttgart. Der Jüngste von noch 12 Geschwistern, Sohn de» dortigen Aorbeter«, war der Hunger Obcrkoch im väterlichen Hause; aber da wurde die Sentenz zur Wahrheit: „Gehet sachte um »t den Kindern der Armen, denn sie sind die Träger der lhora." Der junge Mose« kam mit seinem 1.3. Lebensjahre u> d,e Talmudschule nach Fürth und galt bald al» einer der "»«gezeichnetsten Talmudjünger; rr blieb dort bi« die dortige orschiba aufgelö-t wurde. Im rabbinischen Wissen tiefgelrhrt, konnte er kaum deutsch lesen, denn darauf stand Relegation *rnn man in Beschäftigung mit deutscher Lectüre betroffen wurde. Seine prachtvälr Sopranstimme erregte schon in Fürth Bewunderung; er lauschte den Synagogengesängen de« Aaddi I«ra«l Levi. Vater« de« Eomponisten Halevi, der al« Pariser Ehasan weltberühmt wurde; unterstützt durch sein ftlue« musikalische« Gehör, konnte er den religiösen Texten, o>e Melodien der neuesten Opern unterlegen, und al« Stellvertreter seine« Vater«, wurde rr in Mergentheim al« Phänomen eine« Eantor« angestaunt. Er suchte im Wissen«» drang al» Autodidaft, in den deutschen und musikalischen Fächern sich au«zubilden und brachte e« dahin, daß er bei dnc staatliche» Prüfung«kommissio» da» Lehrer- und Borsängerexamen mit recht gutem Erfolge bestand. Rach de« Pater» Tode erhielt er dessen Stelle übertragen, die er bi« 1834 verwaltete und in Stuttgart al» Lehrer-Vorsänger gewählt wurde. , Bon 1834 bi« 1884 in einem halben Jahrhundert in der amtlichen Wirksamkeit de» Jubilar«, wa« hat sich in dieser Zeit nicht geändert! Damals waren e« 164, jetzt 2500 Israeliten; bei srinem Amt«a»tritte mußte Eichberg erst den öffentlich eingerichteten Äotte«dirnst cultiviren; al« der selige Kirchrnrath v. Mnier al« Rabbiner installirt wurde, hatte der Vorsänger, nachdem er 14 Tage fungirte, schon einen kleinen Chor gebildet und Festaesang improvisirt. Mit der neuen Synagoge ist die Renaissance de« Synagogengesang« eingrzogen und die Verballhornung der traditionellen Melodien durch profane verschnvrkrluna. beseitigt worden; vr. Faist componierte »ach Eichbera» Andeutung die Synagogalmelodirn, die Eichberg al» Gesange«heromeisterhaft vorträgt. Sein musikalische» Talent hat ihn mit den bedeutendsten Tonkünstlern und Komponisten befreundet, sein Hau» war ein offene« für Kunstfreunde bi« zum Tode seiner Gattin, die mit ih»en vier Töchtern Kunstmusik und Gesang pflegte. Er hatte auch al» gesetzlicher Stellvertreter de» Rabbiner» diesen im Vrrhind.-ruiig-salle zu vertreten, keine geringe Aufgabe nach so berühmten Musteni die Kanzel zu betreten. Bi« heute steht der Jubilar noch in voller amtlicher Thätigkeit. Der zweite Jubilar, Heinrich Stern, ist am 26. Juli 1814 geboren und hat da« siebzigste LebrnSjahr überschritten; er gehörte dem Lehrerstande an, war mehrere Jahre Mitarbeiter an der höheren Bürgerschule de« vr. Reh fuß in Heidelberg, trat dann in den vaterländischen Schuldienst über, den er 1840 i! dem Amte eine« Kanzlisten auf der israel. Oberkirchenbehördc vertauschte, wo er bi« zum Sekretär vorrückte, da» Kassiereramt der kgl. i«r. Eentralkirchrnkassc wurde ihin übertragen, die kassenvcrwal- »ung de« i«r. Waisenhauses ist in seiner Obhut; für die i«r. Gemeinde versieht er die Stelle al« Kirchenpfleger. Sein Pflichteifer und seine Arbeiskraft. sind musterhaft. — Die beiden Jubilarc sind Freunde und neidlo« begehe,; sie gemeinschaftlich ihr Jubiläum. Htee» a. Nh Der Artikel „Vom Rhein" in Nr. 48 überhedt mich der Mühe, den Lesern dieses geschätzten Blatte» auch meine Ansichten über Rosch-HaschonoGratulationen ausführlich au«ei»andrrzusrhen. Sie stimmen vollinhaltlich mit denen de« geehrten Herr» Eorrespondrnten überein. Warum wollte man auch die schöne Sitte, beim Jahreswechsel den Lieben in der Ferne durch Ucbersendung einer Karte zu zeigen, daß man sich ihrer noch erinnere, zu Grabe trage»'? *) Ja. ich erachte r« al« eine Verletzung einer der heiligsten Pflichten, denen, die un« lieb und theuer sind, solches nicht bei einem so wichtigen Zeitabschnitte kund zu thuu, und nicht wenigsten» durch Uebersendung einer Karte denselben ein Lebenszeichen von un» zu geben, wonach sie sich vielleicht schon lange vergeben» gesehnt haben. — Wa« ich hinzufügen möchte, iväre die Bemerkung, daß ein übertriebener Luxus bei Berivendung der Karten vermieden werden könnte. Eine gewöhnliche Postkarte genügt ja schon für solche, welche nicht vorziehen würden, um der Mühe de« Schreiben» überhobeu zu sein, eine bedruckte Karre zu verwenden. Dem minder Be» »1 Die schöne «Nie. dab man leinen verwandten und Zreunden zu oder vor iT"! schreibe und graluttre, wollie der Berliner Ve.-Eorrespondrni ia durchaus ntchi adgeschassi nnssen, die liehe sich auch aar nicht abschasfen, denn sie «urzeli viel zu lies im Herzen jede« religiösen Juden; nur dem argen Mihdrauch, der mit den bedruekien und de» matten, poetischtn und unpoelischen Unsinn enthalienden, oft iheuren »ralulaltonskanen gelrieben wird, sollte — zu Gunsten irgend «ine« wohlchitttgen Zwecke» gesteurn — werden. (D. Red.) |

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