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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 887 — Waffenscheine. die er im Hause hatte, al« der Fälschung verdächtige confi«cirt! — Auffällig werden dieJuden in Nowo Alexandrow«k „n dem Geschworenendienste ausgeschlossen. — Aber ist e« Ztii. gegen Ehrverletzung aufzutreten, wo da« Leben, der Wohnsitz, die UnterrichtSberecht'gung gefährdet sind? — Freilich da« Urtheil de« Kriegsgericht» in Rischnei Nowgorod h» doch in vielen Kreisen die Meinung, daß die Juden ngelfrei seien, vernichtet und damit für einige Zeit eine tzchutzioehr aufgerichtet. Al» Vertheidigrrin der Juden hat sich in «üdrußland die Sekte der „Schudna" hervorgethan. Zu jhm> Glaubenspflichten gehört die Vertheidigung der Schwachen. In rinem Falle haben sie eine Judenhrtze im Beginne «flickt. Marsch««. Da» Hauptantisemitenblatt hier geht in den Fußtapscn der Pariser l'Antisemitique und Antiprussien. wie jene unsauberen Gesellen schnüffelt auch der „edle Pole" »mher, wo Juden in einem christlichen Geschäfte angestellt Kim. Diese Firmen werden mit dem Fluche belegt und so beschimpft, daß mancher Prinzipal, um Ruhe zu haben, seine jüd. Angestellten entlasten hat. Der Gouverneur von Kiew hat mit Mißfallen gesehen, bog die Austreibungen der Jude» aus den Dörfern innner «eniger werden. Deshalb erinnert er in einem Erlasse, daß Jude» nur aus eigenem Grund und Boden Schenken haben, sich in Dörfer» nicht neu niederlassc» und nach Ablauf ihre» Pachte« nicht längrr im Dorfe bleiben dürften. In Baus! (Kurland) hat der Rabbiner am Monlefiorctagc im Kaddisch einschaltrn lasten: Uwohaje hasaor Mosche ben Jossef Eiiah Montefiore — (wir seiner Zeit m Arabien der Namen de» „MaimonideS" an dieser Stelle genannt wurde). _ vermischte und neueste Nachrichten. AerN«. Hier ist zum Zweck einer Chanukahbescheerung die summe von 10,008 Mark gesammelt worden, außerdem für 4000 Mark Kleider; als es sich um das Arrangement der Beschcrrung handelte, venveigertcn die drei Rabbiner ihre Mitwirkung, weil — „ach Ansicht des Berliner Rabbinats — öffentlichesBeschenken unjüdisch sei! In BreSlau hattcJoSl im vorigen Jahre rin Chanukabescheerung. die sehr eindrucksvoll war, in Wie» und Prag findet schon seit Jahren zu Ehanula eine derartige Feier statt, nun soll sie mit einem Male — unjüdisch sein. $krft«. Die Verzögerung der Ausführung de» von der Rabbinerversammlung gefaßten Beschlusses bezüglich der Veröffentlichung der stenographischen Berichte sängt bereits an. bittere Früchte zu tragen. Einige russische und polnische Zeumigen erzählen ihren Lesern, daß in Berlin eine Radbinrrversam ml ung statt gefunden hat. welche neue Religionagrundsätze an Stelle der talmudischen festgestellt habe. (!!) Daraus wurden dann die Folgerungen gezogen, daß die Juden selbst den Talmud nicht mehr zu vertheidigen wagen u. drgl. m. Wir wissen »icht, wen dir Schuld trifft, aber daß nach vollen 6 Monatkn — die Rabb.-Vers. tagte am 4. Juni rr. — nicht ^mgsten« die Eröffnung«- und Schlußrede de« Präsidenten 2r Jo»l, dir ja geeignet waren, alle auch von jüd. Blättern Vflistentlich au-gei «reuten Verdächtigungen der Tendenz der «Nammlung glänzend zu zerstreuen, durch den Druck verffsrntlich, und verbreitet wurden, erregt bei einem großen Akil der Theilnchmer einen leider nur zu berechtigten llnwillrn. (Der EentralauSschuß ist an die,rr unliebsamen Verzögerung nicht schuld; ein Mitglied derselben hat uuiimchr mr baldige Einberufung de» Au»schustr» zur ersten Sitzung deanttagt. damit die Sache endlich in Fluß komme. Red.) (Or.-Eorr.) Die in einem, von lügnerischen Achten strotzenden, orthodoxen Blatte enthaltenen Angaben über eine hier entstandene, sogenannte Sqmratgemeinde ist »unz und gar erdichtet. E» existirt hier keine Separatgemeiätz», sondern nur ein Privatminjan von etwa 10 bi» 18 Personen (incl. Knaben über 13 Jahre), in einem Privathause; während die Synagoge regelmäßig — auch an Nicht-Predigttagen — von nahezu 40 Personen besucht wird. Vom Au«tritt«gesetz soll hier nur ein Mitglied Gebrauch gemacht haben. £««>«»§, 4. December. Hamburg» erster Arzt, vr. Eduard Cohn, ist heute Vormittag gestorben. Cohn war wiederholt auch vom dem Fürsten Bismarck, wenn derselbe in Fricdrichsruh weilte, zu Rathe gezogen worden. Neutra (Ungarn.) Hier ist ein Jude, der seinen Antheil am ewigen Leben für 10 Gulden beim Weine verkauft hat, vom Gericht unfähig zur Eidesleistung erklärt worden. In T o k a i hat ein vom Richter hart in'S Gebet genommener Angeschuldigter sich zu der Aeußerung verstiegen: .So inquiriren könntrn auch nur antisemitische Richter." Wegen Beleidigung des Gerichtshofes bekam er. 3 Tage Haft. Nasal. Die französische Colonie gedenkt eine besondere Schule einzurichten, um ihren Kindern die Muttersprache frühmöglichst brizubringen. Ein Herr Samuel ist Mitglied de« GründungScomiiö». -koudau. Nach dem „Jew. Ehr." hat Amerika jüngst wieder England aufgefordcrt, bei den curop. Mächten dahin zu wirken, daß der Antisemitismus als gemeingefährlich von allen Staate» gesetzlich verfolgt werde. <£««»««, Dezember. (Or.-Eorr.) Zwei der bedeutendsten wissenschaftlichen Vereine im Lande haben jüngst zwei Glaubensgcuostcu mit besonderer Auszeichnung beehrt. Prof. Sylvester, einer der gefeicttesteii Mathematiker im Lande, ist in den Rath der Royal Society gewählt worden. Dersc be ist der erste Jude, dem diese hohe Auszeichnung zu Theil geworden ist. Der zweite Verein — die Social Science Astocialion — ernannte den Baron Ferdinand v. Rothschild zu ihrem Präsidenten. — Viel Aufsehen macht jetzt hier ein jüd. Tenor — Herr Amsel aus Polen — der eine Stimme von seltener Schönheit und Lieblichkeit besitzt. Nari». Die i«r. Gemeinde und die jüd. Journale sind uugemein darüber erregt, daß die Budactkommission dabei beharrt, daß die 32,000 Fr. für das Rabbinerscminar gestrichen werden. Dem allgemeinen Hasse der Radikalen gegen d i e Religion überhaupt mischt sich ein wenig besonderer Judenhaß, denn für die Protest. Facultäten ist der Credit lviedcr eingestellt worden. — Am 14. Dezember findet Gottesdienst (mit Predigt des Grand -Rabbin Z. Kahn) nebst Sammlung für den Verein, der für arme Wöchnerinnen sorgt, statt. Neteraburg. Ueber die sogenannte Juden-Kommission unter dem Präsidium des Grafen Pahlen liegen der .Petersb. Ztg." einige neue Daten vor. Deinnach hat dieselbe zur Zeit alle Gutachten und Memoires der örtlichen Koininissioncn in Sachen der Judenfrage, die in den letzten Jahren in den nord- und südivestlichcn Gouvernements lhätig geivesen sind, systcmatisirt und zusammengestellt. Diese Gutachten spreche» sich u. A. gegen die Zulassung selbstständiger jüdischer Kleinbürger- oder Handwerker-Gemeinden in den kleinen Flecken und gegen die Korobka- und Lichtstener aus. Soweit das Petersburger Blatt. (Die Komniission wird wohl mit ihren Arbeiten vor End« diese Jahrhunderts nicht fertig werden.) Neter»I«rg. Auch dieser Tage wieder haben die Beaufsichtiger der jüdischen Handwerker in der Werkstatt eines Uhrmacher» ein Protokoll aufgenommen. daß alle feine jüd. Gesellen au» der Stadt zu weisen sind, weil sie — zum Mittagessen fortgegangen, also — »icht gearbeitet haben! Solch' Unsinn kann zwar selbst hier nicht durchdringeu, aber er verursacht doch Aerger und Kummer und Kosten! Mehrere Zeitungen berichten, daß die Judenkommission bald ihre Arbeiten abschlirßen werde. (?) Jede» Mitglied soll rin Referat übernommen haben. Diese die Mitte haltenden Beschlüsse iverden dem Minister Grafen Tolstoi überreicht, der sie — dem geheime» StaatSrathe unterbreitet.

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