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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 884 — ttbtr nirgends ist et leibet rin solches Wahrwort alt in dm (Innen Mischen Gemeinden. Und da giebt et keinen Unter» schied der religiösen Richtung: mit einer traurigrn Einmüthig» fett sehen orthodoxe wie reformirte Gemeindebeamle ihrer Zukunft und der ihrer Sinder hoffnungslos entgegen; sie birgt für diese Armen ach nur die »schwarzen Loose* in ihrem! Gchooß. Unvergeßlich schein» mir in seiner rührrndrn Ein-! fall jener arme jüdische Beamte — „Schatz-Matz* nennt sie! ironisch die übliche Abbreviatur — der nur einmal da« trau» i rige Loos seiner Berufsgenossen aut der Bibel demonstrirte. und zwar aus den Schristworlen, 5. B. BR. 11,29.): ha-klolo »I h»r-«w*l, „der Fluch liegt auf dem Räwell* (Deminutiv von „Raw'). — Run denn, an uitt Allen liegt et, diesen Fluch in Segen zu verwandeln und die Lehrer unserer Jugend, die Führer unseres religiösen Lebens von dem Ebal auf dm Gerisim zu führen, und ihre Zukunft, soweit et menschliche Kräfte vermögen. auch menschenwürdig zu gestalte». Einen schönen Anfang hierzu hat der D.-J. G.-B bereits gemacht. Unter der Aegide unseres edjt humanrn Kronprinzenpaare» hat er vor wenigen Jahren jene Stiftung begründet und nun besitzt dieselbe bereits ei» Kapital von 38,000 Mark und eine Berficherungshühe von 200,000 Mark. Das ist viel, sehr viel für die kurze Zeit, wenig aber, blutwrnig für die Sache.selbst, ein Tropfen nur in dem Meere der Roth, dessen Wogen die tausrnd kleinen jüdischen tztemeinden umbranden, die sich selbst kaum zu helfen wissen, geschweige drnn den unfähig gewordrnen alten Beamten und noch wrniger deren Wittiven und BLaifrn. Eine entsetzliche Perspektive thut sich vor den Blicken des Menschenfreundes Angesichts dieser Rothlage auf. Man denke sich den Prediger auf der Kanzel, den Lehrer in der Schule, dm Borbeter vor dem Altar — und sie Alle mit der nagen» dm Sorge, der hirnverwirrenden, herzzerreißmden Sorge — nicht nur um das tägliche Brod, sondern auch um die düstere Zukunft der Ihrigen, des heiligen Amtes waltrn! Um unserer selbst willen, um unserer Kinder willen, um der Ehre des Judenthum» willen, muß hier Wandel geschafft» werden. Seltrn war die Gelegenheit günstiger wie dieses Mal. In dm Ehanukatagm fliegm die-Sammellisten des D.-J. G.»B. aus in alle jüdischen Gemeindrn des deutschen Baterlandes vom Belt bis an die Isar. Sie findrn überall empfängliche Herzen, begeistertrn jüdischen Sinn, der sich an den Grogthatrn der Vorzeit nährt und erhebt und bereit ist. Edles zu thun, um sich det MokkabäernamenS würdig zu erweisen. Mögen alle diejenigen, die des fabbatlichrn Segens theilhaftig werden wollrn, weil sie sich eifrig mit den Angelegenheicen der Gemeinde beschäftigen, diese günstige Zeit >m Interesse jener Stiftung benutzen. Wenigsten» zehnmal so hoch muß dat Kapital sein, um alle bedürftigen jüdischen Gemeindebeamten, wenn auch nur in der bescheidensten Weise zu versichern. Das ist ein großes Wort — aber wann wäre in Israel an dm Edelmuth, an den Wohlthätigkeitssinn. an die praktisch werkthätige Hülfe, vergeblich appellirt worden? Sicher auch dieses Mol nicht. Gilt et doch ein Liebetwerk, zu dem sich alle Parteirn brüderlich die Hand reichrn können! Run drnn, so mvgrn, wenn die Ehanukalämplein frmndlich in unsere Häuser und ihre Herzen ihren milden Schimmer werft», überall, wo drntsche Judrn wohnen, so weit d-e deutsche Zunge klingt und da« jüdische Herz schlägt, die Sammlungrn für die Friedrich-Wilhelm-Biktoria-Stistung eröffnet werden! Mvgrn sie allüberall freudige, eifrige Sammler, einflußreiche Fürsprecher, und was da» Wichngste, edle Spender. wohsthätige Männer und Frauen finden, die willig ihr Echärflein alt eine Scheckelspende zu dem großrn Zwecke darbringen: die Zukunft unserer Gemnndebeamten vor Roth und Sorge und Elrnd sicherzustellrn I Dat ist ein hohes und edles Ziel — bat ist »praktisches Judenthum!* IC* ^ammtäifleu liege» dieser Cr. bei. Gerichte «ftfc De»tf«bla»d. Mnßteßnrg „Hameliz* hebt e» triumphirrnd hervor, daß selbst zwei auf so rntgegengesetztem religivsrn Stand, punkte stehende Männer, wie Herr Rabbiner vr. Hildes, heimer in Berlin und Prof. vr. Grätz in Breslau, de, EolonisationSplänen der Kattowitzer Versammlung zustiinmtn. UnS vermögen in einer so eminent praktischen Frage mit politischen Verwicklungen weder Seminardirertoren noch GeschichtSprofefloren. die ja immer doch mehr von der »graue, Theorie* umweht sind, zu überzeugen. Daß es mit (9efühltschwärmerei und Nationalität-Phrasen nicht geht, z» der Einsicht scheint mau ja in Kattowitz endlich gekomme, zu sein, davon zeugt auch der nüchterne »Aufruf" Hilde», heimers, der alle biblischen Verheißungen dabei ignori«: ma» will jetzt vor Allem »lÄeld" (200,000 Mark Hot man bereut zusammen). Aber Geld allein thut'» auch nicht, wenn du politischen Mäche und die dabei interessirten Staaten nicht dafür gewonnen werde»; eine Paschalaune, ein Sultan-serman ein russ- Federstrich — da» hat ja jüngst der« noch immer nich, zurückgenommene Landunasverbot gezeigt — und viele hundentausende von Rudel und Mark sind unnütz in» Wasier geworie». X. Zn» de« ErotztzerzsgtAnm Kessen» I. Dezember. (Or.-Lorr.) Jetzt, da die Hochfluthen der Wahl glücklich verlaufen sind, gestatten Sie mir wohl, auf da» Ausirrte, einiger Herren, die partout eine Rolle spielen wollten, zurückzukommen, um Ihnen und Ihren geschätzten Lesern zu deweisen, wie leicht die Judenheit durch unvernünftiges und ungeschickte» Gebahrrn Einzelner in eine schiefe Lage gebracht nerven kann. Zwei Herren au» Gießen, ein Hsn M. H.r, Kaufmann, Stadtverordneter und Präses der jüdischen Ge>neinde. der auf seine vielen Ehrenämter nicht ivenig stolz ist und ein l)r. R.g. ebenfalls Mitglied des Vorstände», glaubten sich berufrn, ihre hohe Barde durch einen offenen Brief a» die Judengemeinden manisestirri zu sollen und forderten diese in sehr schwülstigen Borte» auf, deutsch-freisinnig zu wählen. Run wäre ja gegen die Sache selbst nicht» einzuw.nden, und >vohl die »veitaus größte Mehrheit der Juden au» dem Großherzogthum Hessen hat mit dieser Partei geivählt. Ein Abgeordneter au« Hessen ist der als Parlamentarier der freisinnigen Partei hochgeschätzte vr. Ludwig Bamberger und in seinem Wahlkreise haben d« Juden — obgleich Bamberger » Judenthum nicht sehr wal geht und er meine» Wiffen» sich noch nie an irgend einer jüdischen Sache betl»eiligte — recht wacker mitge.irbeiiet und sind für seine Wahl eingetreten. E» ist die» ganz natürlich. denn die Gegner, obwohl sie sich nationalliberal nannte,, haben doch von dein Umstande, daß B. Jude ist, Kapital grschlagen und den Antisemitismus gegen ihn anfgeboie». Da war e» Ehrensache. Ganz ander» stand aber bei un» >» Oberhessen die Sache. Daru»n dursten die Herren nicht de» Gegnern Waffen in die Hand liefern, so daß man offen sage» konnte: „Seht Ihr, die Juden betrachten sich al» „politische Partei!* Haben wir — die Eonservativea, Rationalliberale» und Eentrumtleute — also nicht Recht, wenn wir die sog. Frw sinnigen eine „Judenpartei* und ihre Zeitungen „Judenpreffe' nennen? Da» ist vielfach gesagt worden; hat dem 'flnttsemitiSmu», der hier in Oberhefftn wenig Boden hat. erst recht auf die Leine geholfen und der freisinnigen Partei sehr viel geschadet. Wenn auch Herr WolfSkeh'l au» Darnstadt, der ivohl der einflußreichste Jude Hessen» und bat einzige jüdische Mitglied der hessischen Kammer ist, al« Mitglied der nationalltberalen Partei, gegen diesrn Mißbrauch de» Borsteheramte» in Gießen energisch auftrat — sein Bari drang nicht überall hin, »vährend die Feinde der freisinnig" Partei von dem unpolitischen Schreiben und von der Fabel. — die Juden sind eine politische Partei, die Freisinnig" sind von dm Judm bezahlt «. — dm ergiebigsten @cbiaM machten. Einem nicht unberühmten jüdischen Gelehrten an» der ersten Hälfte de» Jahrhundert«, der aber sehr leicht a

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