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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 875 — fibrr. Za biefrm Ziele dürfte die Sache am ehesten dadurch!;rintrt werden, daß die geehrte Redaktion die in Frage ichende« Bestimmungen für die kath. und Protest. Kirchen in Preußen und den andern Bundr«ländrrn zum Abdruck brachte und daß College» au« den deutschen Staaten, in welchen da» Iudenthum al« Religion anerkannt ist, dir dort geltendr» Verordnungen in diesem Blatte veröffentlichten* Wir «heilen hier zunächst unsere Ansicht über obige Frage mit. Wa« den Kernpunkt derselben anlangt, so unterliegt e« nicht de« mindesten Zweifel, daß in den Gemeinden, bei «eichen r« Usu« ist, in dem Gebete für Kaiser und Reich ,rrsp. LandeSvatrr und Baterland) auch eine Fürbitte für die Mitglieder de« Reich«, resp. Landtag« einzuschallen, die« ganz noadhängig von der jeweiligen politischen oder religiösen Gesinnung Einzelner oder gar der Majorität der Bolk«vrrtrrtu»g zu geschehen habe. Denn sonst käme man ja dahin, diese Unterscheidung auch bei der Gebetsormrl für die Obrigkeit überhaupt und schließlich gar beim Staatsoberhaupt selbst «oche» zu wollen. Der Betende Hot sich nicht zum Gesinnuna»- richtrr auszuwrrsen. Diese« ganze Gebet entspringt dem Gefühl der Ehrfurcht vor den Staatsgewalten, und diese« darf weder mit der politischen Gesinnung der letzteren, noch der de« Betenden wechseln. Dir Gebetsormrl muß stabil und von vom herein so gehalten sein, daß sie ihre innere Wahrheit auch bei den verschirderistm politischen Strömungen und Systemen behält.*) So gem wir nun auch dem Wunsche de« Herrn Fragestellers entsprechen und um Mittlfeilung der verschiedenen für dir katholischen und protestantischen Kirchen Deutschlands hierüber bestehenden Verordnungen ersuchen, so glauben wir doch, daß es wesentlicher sei, die gebräuchliche» Gebrtsormel» kennen zu lernen. Hier in Magdeburg haben wir folgende Einschaltung «jhrend der Land- resp. ReichStag-srssio»: .Laß deinen Segen ruhen auf den Räthm de« König« (wie aus den versammelten Vertretern de'« Lande« resp. de« Reichert utid erfülle ihre Herzen mit Einsicht. Wahrheit und Gerechtigkeit* Ioöl hat in seinem Gebetbuch folgende Formel: .Laß deinen Geist der Einsicht und de« RatheS ruhen auf de» Vertretern de« Volke», die für da» Heil de« Vaterlandes tagen und derathen* $» einer solche» oder ähnlichen Formel dürfte wohl kein Gemeindemitglied Anstoß »ehmrir. Gerichte und Correspondeuren. Deutschland. Magdelnrg. Der .GlobuS" stellt folgende 2 Notizen nebeneinander. oh»e dir Folgerungen zu zirl)en, welche sich doch so ungrsucht ergeben: ,.l) Die neueste Zählung hat für Rumänien 4,424,081 Eiinvohnrr ergeben. — Rach dem Glaubrnsbekenntniß geordnet finden sich 4,198,884 orthodoxe Griechen, 134.188 Juden, 45,152 röm. Katholiken, 28,903 Protestanten, 8,734 Grrgorianer, **.*08 Armenier und 1323 Mohanimednner. DaS fremde Element in der Bevölkerung setz» sich, von den Juden ab» Itsehen. zusammen cu« 28128 Orslerrrichern. 9625 Grie- <tfn, 3868 Deutschen.u. s. f. (zusammen 37318 Personen. Dir städtische Bevölkerung beträgt nur 781170, die jändlichc dagegen 3,843,783 Seelen. 2) 700 in der Dobrudscha angrsirdrlte deutsche Familien beobsichljgeu nach der .A. Zig." nach Thessalien auSzuwandern. Rachdeui zu Anfang de« letzten Kriege« ihre Ansiedelungen von Tscherlesfin »iedergebrannt worden waren, kamen *> Vir «Schiri, liier noch onf eine dir tkrklSroii, de« detresirndrn *r««i,e «Pirte Kf bot 3,2), für den Landessürüe» und di« Obrigkeit zu di,.weisen, «t» heis,, dnsetdft: 7112 Sv SlT NvlSvv und »ich« SlP, gerade um dir «nzu deuten, d«ü r« sich hierbei nicht u« den so »der s» gesinnte» Berneter der Odrigkeit, sondern u« die * “*»'9 und Obrigkeit zu» Au«druck kommende HSdereStaawtdee, um * f<n»„ifirail*o der 'Dtajrftit, handelt. sie durch die rumänische Besitznahme au» dem Rege» in die Traufe: absolute RechtSuusicherheit, Brandschatzung durch die rumänische» Eteuerpächter und Vertreibung von HauS und Hof zu Gunsten walachischrr und moldauischer Bojaren zwingen sie jetzt rine neue Heimath zu suchen. E« ist wahrhaft jämmerlich zu sehen, daß der deutsche Name in einem, von einem Fürsten deutscher Herkunft regierte» europäischen Lande noch immer nicht genügt, seine Träger vor der gemeinsten Vergewaltigung zu schützep!" Also die Juden macht man so in Paranthrsc zu Ausländern, d. h. in Rumänien Rechtlosen — und dafür hat man kein Wort der Entrüstung. — li» ist wahrhaft jämmerlich zu sehe», daß Männer der deutschen Wissenschaft, daß Ethnologen in dem hochgepriesene» 19. Jahrhundert Recht und Unrecht nur an dem Grade ihre Zugehörigkeit zu den Betroffenen meffe» und schätzen! Aber da» ist die Nemesis: Wa« man am Juden eingeübr hat. das erprobt man am Deutschen! Spricht doch der Jude, wie der Deutsche im Slavenlande dieselbe Sprache. Aerti». Auswärtige Blätter wiffcn über Vorgänge in unserer Hauptstadt oft mehr zu erzählen, al« die inländische Presse. So erzählt die .Neue jüd. Pester Ztg* ihren Lesern Folgende«: .Ein Berliner Blatt (welche«? R. d. J«r. W) meldet: .Al« Kaiser Will-elm nach Verlesung der Thronrede am 20. November die Stufen de« Throne« herabstirg, strauchelte er, da der Teppich sich enva« verschoben hatte. Doch rechtrritig sprang der Abgeordnete Ludwig Löwe herbei und fing den greisen Monarchen i» seinen Armen aus. Der Kaiser verneigte sich freundlich lächelnd, Herrn Löwe dabei die Hand drückend, der auf den bibelfesten Monarchen die Worte der Schrift: .Siebenmal fällt der Gerechte — und steht wieder auf* jynt Sie 220 anwandte. Doch Kaiser Wilhelm soll darauf schlagfertig erwidert haben: .Sic haben wohl Recht, Herr Löive, lieber ist e« inir aber doch, daß Sie mich vor dem Fallen geschützt haben und ich da« Wieder»ufstehen dadurch n-spart habe.* Aa1t««itz Der Eongrcß der üolonisationSfreunde hat hier in den Räumen und unter Leitung der Loge B'nai Brith (Concordia) vom 6. bi« 10 November stattgcfundcn. E« waren Delegirte aus Frankreich, England, Deutschland. Galizien. Rumänien, Rußland anwesend. Der Berichts de« .Hameliz* nennt nur die Kattowitzer .Herren, an der Spitze den dortigen Lehrer Freuthal. Die Herren, welche da« Bureau bildete», werde» nur ,*N*VN2 bezeichnet: Ein Rabbiner, der groß in Thora und Gottesfurcht — ein berühmter praktischer Arzt*) — ei» ZritungSredaktcur! Da« ist um so bezeichnender, al« z. B. Herr S.... l (Berlin) zu .einem der großen Bankier«* avancirt. Ein 18glirdrige« Comit« und rin Ausschuß von 5 Mitgliedern sollen fortan die Centralbrhörden bilden, ivelche da« Montefiorc'S Namen tragende Werk fördern sollen. Herr Louis Kalischer au« Thor» schenkte da« Stück Feld, ivelcheS sein Vater in der Nähe tag Rahrlgrabe« gekauft hat. Die türkische Regierung soll um die Erlaubniß zur unbehinderten Ansiedelung jüd. Colonisten in Palästina angegangen und zwei BeriraucnSpersonen nach Palästina gesandt werden, um die Zustände der bisher daselbst bestehenden Colonien zu prüfen. Neue Colonien solle» vor der Hand nicht gegründet werden. Die Ausarbeitung eines VerbandSstatut« und die Centralisation der verschiedenen Geldsammlungrn wird-vor Allem in die Hand genommen. Ordentliche öffentliche Rechenschaftslegung thut sehr noth. (Wie au« der soeben un« zugehende» Nr. 89 de« .Hamrsiz" ersichtlich ist, scheint in Kattowitz zwischen den leitenden Persönlichkeiten au« kleinlichen Gründen ein Zer« «ürfniß geheischt »u habe». „H. Rabbiner vr. Cohn, ein Schüler Hildesheimer«, und sein Anhang erschien bei den •) Vir ,«» der neueslrn Ae. der .Jüd. Pr.* zu ersehe», prttsidlrte H. Dr. Ptu«ter au« Odftsa.

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