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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 49. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 49.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 874 — elftere Betrachtungsweise vorwiegen, so wird man sich vielleicht für die Beschenkung jüdischer Linder entscheiden; stellt man sich strenger auf den kirchlichen Standpunkt, so dürfte man mehr geneigt sein, sie von derselben auszuschließen. — Man hat mir al« Parallele vorgehalten, daß doch heidnische Linder von den Missionairen am WeihndchtSfest beschenkt werden; doch sind diese Linder solche, welche mindestendem Bor Allem muß ich eS in Abrede stellen, daß die in Rede gestellte Angelegenheit „vom Standpunkte der Mission oder dekirchlichen Bekenntnisseszu'betrachten sei. Wir haben ti hier ganz einfach mit einer Schulfrage zu thun, und da» ist um so entschiedener zu betonen, al« sich bei Festhaltung diese« Standpunktedie Beantwortung derselben unschwer ergiebt. Bon dem Standpunkte der Schule au« sind auch die jüdischen Linder, w.lche die Schule besuch.'«, nur Schüler, und al« solche stchen sie in allen Beziehungen Ehristenthum nicht entgegen sind, vielmehr der Wahrscheinlichkeit nach der Taufe entgegen gehen." — .So tveit da« angeführte Schreiben. An diese Darlegung de« Sachverhalte« und der ihm zu Theil gewordenen Beurtheilung schloß sich die Bitte, um Mittheilung meiner Ansicht. Ich habe sie dem geehrten Fragesteller nicht vorenthalten und wtll, wa« ich ihm schrieb, hier in etwa» ausführlicher Motivirung wiederholen, weil ich annehmen darf, daß die vorliegende Frage, ob jüdische Linder von den Geschenken empfangen sollen, welche die Schule am Weihnacht-fest ihre» Schülern darbietet, auch Ihnen, m. Fr., von Interesse sei» werde, auf gleicher Linie mit ihren Mitschülern. So wenig man jene jüdischen Schüler von irgend einer Gabe, welche die .Schule in» Unterricht und Erziehung darbietet, ausschließt, so wenig darf man sie al» Schüler von Empfangnahme der Weihnachtsgeschenke ausschließen, welche die Schule den ihr überwiesenen Lindern gewährt. Da« ist, wie mich dünkt, so klar, so einleuchtend, daß dagegen kaum ein Widerspruch erhoben werden Kinn. — Nun aber lasten sie un« auch nächst dem Empfangenden den Geber in'« Auge fasten. In dem vorliegenden Falle ist e« der Lehrer, gleichviel ob er au« städtischen oder au» schulischen oder aueigenen Mitteln die in Rede sichenden Geschenke darbietet. Auch wenn er am Weihnachtsfeste schenkt, ist und bleibt er Lehrer, d. h. er schenkt, um zu lchren. zu lehren, daß ein heiliger Strom der Freude durch alle Welt geht, der Freude darüber, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat. auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht sterben werden, sondern daewige Leben haben. Da« will er allen Lindern durch da» ihnen dargebotene Geschenk gleichsam anschaulich machen, da» will er selbst denen nahe zu bringen suchen, welche den Inhalt jener großen Gnadenbotschaft »och nicht zu fasten vermögen. Die ihnen dargebotene Gabe soll wenigsteneine Ahnung davon in ihnen erwecken, welch' ein hohe», selige» Gut in Ehristo der Welt geschenkt worden ist, damit von dieser Ahnung auein weitere» Berlungen nach ihm und nach den in ihm dargebotenen Heilsgütern in ihrer Seele erwache. Sollen denn nun von dieser Belehrung die jüdischen Linder auSgeschlosten werden, „welche der Lehrer so gern in seinen Religionsstunden gesehen hat"? Ist nicht vielmehr gerade für sie auch dieser Weg der Belchrung zu suchen, damit einerseits sie mit hineingezogen werden in den Bereich der Freude über da« in Ehristo erschienene Heil, und.damit andererseits nicht» Unterlasten werde, »a» sie zur Annahme der auch ihnen ongr. boteuen Gnade willig machen kann?*) Sie sehen, «.Fr, der Lehrer tft und bleibt Lehrer, auch wenn er in dem vor. liegenden Falle al» Geschenkgeder auftritt. und e« ist gar nicht abzusehen, warum er von dieser seiner Lebrthätigken nun plötzlich gewisse Linder au-schließen soll, welche doch sonst täglich da« ganze Jahr hindurch seine Lehreinwirkung in welcher Form sie auch auftrete, erfahren. t Sie kennen, m. Fr., da« schöne Wort de« hohen Liede«: „Siebe ist stark wie der Tod". O. wenn wir doch in de, Lämpsen, die auf geistigem Gebiete durchzufechten sind. alle, zeit mit jenem mächtige» Bundesgenossen in den Sire« gingen — der Sieg würde immer auf unserer Seite sein!“ — So weil der Herr Proviuzial-Schulrath ft. Bormain,. — Wie hat man vom Standpunkte de« Judenthume» au» obige Angelegenheit anzusehen? vr. I. Gold sch m id t — Weilburg. Uni der Praxis. Unter dieser Rubrik wollen wir eine Reil-e von Anfrage, au« der religiösen Praxi«, wie sie theil« von Borstände,. theil» von Eollegen, oder von Lehrern, Eantoren (auch Schächtern) an un« gerichtet werden, zur Besprechung stelle,. E» soll in diesem öffentlichen Sprechsaal manche religiöse, im modernen Gemeindeleben austauchende Frage eine der Lehre und dem Leben entsprechende Erledigung finden, (ft sind nicht nur Theologen (und Juristen) von Fach, sonden auch die Männer der Verwaltung. die Eultusbeamtc» ei», geladen, sich an der Debatte zu betheiligen. Hr. Dr. Lewin Eoblenz schreibt un«: Einen Gegein'iand. der jüngst in einer Gesellschaft eifrig verhandelt wurde, möchte ich hierdurch der öffentlichen Erwägung und Erörterung bereit« stellen. Ein Rabbiner pflegt in der Sabbathliturgie während der Reichstag«, und LandtagSsessio» den Satz einzuschalten: „(Wir erbitte» Gotte» Segen) für die Abgeordneten unseres Bolke». welche zur Zeit um den Thron unsere« Laiserl (Lönig») versammelt sind". E« wurde nun erzählt, daß einige Mitglieder der betreffenden Gemeinde den Wunsch hegte,, dieser Satz möge wegfallen; ja. daß in der Gemeindevertretung darüber verhandelt worden sei. ob nicht der Rabbiner zum Fortlaffen diese« Passus aufzufordern sei. Begründet wird dieser Wunsch damit, daß der Antisemitismus in de, Legislativen mehr al« wünschenSwerth vertreten sei, daß die Zusammensetzung eine noch eigenthümlichere werden konnte, so daß e» am Ende für die Synagoge gar nicht passend wäre, wenn in ihr solche Bittgebete abgehalteu würden. Bon der andern Seite wurde hervorgehoben, daß die Gesinnungen der einzelnen Mitglieder der BolkSvertretung an der Beipflichtung nicht« änderten, die wir al« Bürger hätten, für ein gedeihlich^S Eiuwirken der Berathnngeu auf da» Wohl de» Paterlande« zu Gott zu beten. E» sei ferner nicht in da» Beliebe» der einzelnen Geineinden gestellt, diese» Gebet aufznnehme» oder abzulehnen. Denn wenn auch die Staatsbehörden da« Judeuthum (in Preußen wenigsten«) unbeachtet ließen, f* hätten die diesbezüglichen Reskripte der Ministerien, ivelchc an die Protest, und kathol. Lircheubehörden erlassen ivorde, sind, für un» Juden, wenn auch keine juristische, so doch volle moralische Gültigkeit. — Ich ersuche die Leser der Woche»- schrift, welche in den einschlägigen staatsrechtlichen, wie theologischen Fragen zu Hause sind, um gefällige Darlegung ihrer Ansicht, damit die öffentliche Besprechung Llärung der schauuugeu und vielleicht auch eine einheitliche Regelung herbei' •) Da» läuft doch aber wieder aus den .Standpunkt der IViiS*«* htuau», de» der Herr Schutrach selbsi al» unberechtigt habe» wollte! (>ed. d. I. W.»

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