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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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wehrende Vater wurde durchaeprügelt und verhaftet. Nachher stet mau über die Gegenstände her. «awu Alle« in Beschlag, was Feld». Dymttri als Eigenthu« Lhoja's bezeichurte; sie selbst wurde in die Lasern«, dann früh in die Kirche geschleppt. wo sie getauft und gleichzeitig mit Dymitri getraut wurde. Man hat auch ihr einige Jahre alte« Kind getauft. Geaenwärtig wird Lhasa aus Furcht vor den Juden in den Kasernen gehalten. Lhasa K. hat also L Männer 6» fkoto und d« ja». Im Art. 207 des Ehegesrtzes vom I. 1836 heißt es nämlich: .ein nichtchrisUicher Batte, der sich tausen läßt. habe das Recht eine Scheidung zu verlangen, sobald der im noch christlichen Glauben verbliebene Batte sich weigert, mit ihm im ferneren Lhrverhältnisie au bleiben oder Dir Erfüllung der neuen Blaubenspflichten fldrt;* das wäre also nur ein Grund der Scheidung, dir erst die gerichtliche Behörde auyusvrrchen berechtigt ist — so lange das aber nicht der Fall ist, herrscht die reinste Polyandrie. Der Later Ehaja's bat beim Staatsanwalt« die Klage rtngereicht, dieser aber scheint nicht zu wisien, wo« da zu thun sei, denn er »Hut nichts. ^emserß. Wie begründet der durchaus nicht günstige Ruf der Gerichte unsere« Kronlandes ist. wir besonder« die häustge Aufhebung der gegen Juden erlasienrn Urtheile kündet, daß der höchste Gerichtshof i» Wien dem Friede» nicht traut, da» beweist auch rin Fall, der vor dem am meisten berufenen Landgerichte Lemberg spielte. Am 21. März er. hatte dieser Gerichtshof einen hoch angesehenen jüdischen Gutsbesitzer zu zwei Jahren Gefängnis verurtheilt wegen eines Berbrechen« E die Sittlichkeit. Auf die erhobene Beschwerde nach wurde da» Urtheil aufgehoben und die Sache zu nochmaliger Berhandlung an dasselbe Landgericht verwiesen. Bor Kurzem war die vier Tage währende zweite Berhandlung vor dev Geschworenen. — Der Angeklagte hielt eine fulminante Bertheidiaung»rrdk. in der Stellen vorkamr», wie folgende: „Nicht tiksgrwurzeltr Wahrheitsliebe, nicht Streben nach Recht und Gerechtigkeit hat meine Richter dahin geführt, meine Schuld so hoch zu schätzen und mich so Hort zu strafen # wegrn cingr That. dir ich nicht begangen habe, sondern Judenhaß glüht wie Fruer in ihren Herzen — der Jude ist rin Dorn m ihren Augen. Hätten sie'« vermocht, sie hätten mich zum Tode verurtheilt. Stur der Blick auf da« Obergrricht und einige Rücksicht auf die öffentliche Meinung hat sie ein wenig in Schranken gehalten. Wenn Recht und Gerechtigkeit walten würde, würde nicht eine Kleinigkrtt so aufgebauscht worden sein. Sehet Euch doch unter den Guisbesitzern um. wie sie ungerügt fast Harrmewirthschast treiben. Werden dir Klagen dieser armen Weibsbilder nicht mit Spott und Hohn abge> wiesen'? Und zioar weil alle Richter von Klein bis Groß Freunde der Gutsbesitzer sind, mit ihnen jagrn und trinken! Wenn ich nun auch rin Gutsbesitzer bin. den kein Heer von Gläubigern verfolgt — so bin ich doch ein Jude — und darauf kann ich einen heiligen Eid leisten, daß ich in meinem ganzen Leben keine fremde Weibsperson unkeusch berührt habe, am wenigsten eine Richtjüdin, wa» mir rin religiöse» Berbrechen ist. — Die Anklage war aus Anstiften eine» ruthenischen Geistlichen von einem seilen Frauenzimmer erhoben worden. — „Mein Hoffen auf Gerechtigkeit der Richter hat sich al« falsch erwiesen. Der Jude gilt Euch nicht al« Mensch! — Ich bin ein Hebiäir, denn eine >üd. Mutter hat niich geboren, im Gesetze de« Judenthumbi« ich hrrangewachsrn, und nie werde ich meine« Gotte» vergessen, nie aufhörrn, mich deffrn zu rühmen, daß ich ein Jude bin". Mit dem Hinweise, daß er Steneni Shle wie jeder Bürger und jeder Herr, verlangt er gleiches echt vor den, Gesetze. Er schloß: »Genug der Schande, tmß der höchste Gerichtshof immer wieder Eure Urtheile umstvßt und damit beweist, daß Ihr da» Recht nicht kennt. Deshalb richtet diesmal mich gerecht und erkennet mich unschuldig. Denn wenn Ihr mich wieder verurtheilt, werde ich bi» zu den Stufen des Throne« meine Klage dringen!" — 2)n Erfolg war, daß der Mann fr ei gesprochen worden ist. (Roch dem »Jwri".) Raflttb. Die hiesige Gemeinde hat — nach bnl »Peter«b. List." — eine Bittschrift einarreicht. es möchte ip 8«stattet werden, mit dem Ueberschuße der Grmeindekasse ei, lckerbaukolonie in der Gegend von Wilna für verwahrloi»! Kinder ohne Unterschied der Eonfession für anfänglich izz männl. und weibl. Inquilinen zu begründen. Da a«. reichende Mittel vorhanden sind, hat Fürst Kochanow di, Bitte beim Minister befürwortet. — In Dorpat haben jüd. I Studenten Anfang« dieses Jahre« einen Berein für jüdisch, Geschichte gegründet, der schon nach '/, Jahr einen Bernh über seine Thätigkrit veröffentlicht. Nicht uunttrrrffant sich die Themata der 10 Borträge (der T lmud und sein lü» wirken, dir Juden unter römischer Herrschaft, dir Juden Enz. lands bi« zum 17. Jahrhundert, Stellung der Jude» « Spanien, zumal in der Zeit der Inquisition, der Propdn Jesaias, die Juden und die Reformation, die Herrscher an dem Geschlecht» der Hosmonaeer, Stellung der Juden da den Römern von 70—140, die Juden in Polen bi» zu, 17. Jahrhundert, Sabbatai Zewi). — I» vielen Gemcmda führt da« Streben, Mittel für Lolonisatio»«zwrcke zu t* schaffen, auch manche gute Beränderungen herbei. So wurde in Bialy stok dir Unsitte, daß der IahrzeiterGeld gab, wrlchtt womöglich sofort in Schnap« umgesetzt und in der Synagoz, verzehr« ward, abgeschafft und dir Spenden zu obigem Zweck, fortan verwrndet. Rach der ..Rvw. Wrrmja" wird man ft anfangen, die jüd. Kinder au« den Mittelschulen hinauez». drängen. (Wenn die Juden nicht« lernen, werden sic ta Russen ebenbürtiger. Red.) Fnrrll (Kalisch). Gewisse deutsche Blätter gefallen sich über die russischen Juden Nachrichten und Berichte zu bringe, welche sie der »Rowoje Wrrmja' entnehme», obschon sie w»dl wiffen, oder doch wiffeu können, daß diese genannte Zenschrift den Antisemitismus in gehässigster und verleumderischen» Weise betteibt. E« ist die« da« ausgrsprochenr Handwerk da »Rvwoje Wrrmja". So las man jüngst folgenden Attibl au« der »Rowosr Wremja" in mehreren deutschen Zritungeu: »Bor hundert Jahren wurde der erste Versuch gemacht, Juda, al« Ackerbauer anzusiedrln und dieser Versuch hat lang, fast ein halbe« Iaht hundert lang gedauert. Um ihnen z» zeigen, wie der Ackerbau betrieben werden soll, wurden unia ihnen deutsche Eolonisten angesiedelt und Musterwirthschasrei gegründet. Wie viel aber diese« gefruchtet hat, kann ma» au« der Aeußrrung eine« Gutbesitzer« der dortigen Gegen» Dumoschewskij, der selbst Jude war, schließen. Im Jahn 1800 berichtet er. die Jude» seien zu'jeglichem Opfer dem« um vom Ackerbaustande loszukommen. Jetzt brauchen sie kein Opfer mehr zu bringen. Bessarabien zählt nach da letzten Revision 1812 jüdische Grundbesitzer, in Wirklichkeit aber leben nur 83 von ihnen auf ihren Besitzungen. Deshalb braucht man nur ja nicht anzunehmcn, daß sie weich Land besitzen oder genüge Einkünfte beziehen. Sie hat» ihr Land an Ruffen verpachtet und leben in den Städte, um »Geschäfte zu machen". So hat jener Besuch geendet, die Juden in Rußland für den Ackerbau zu gewinnen." Da» Richtige ist. daß die jüdischen Ackerbou-Eolonien in Lüd- Rußland noch heute bestehen und nach deu Umständen u»t Berhältniffen unter welchen sie existiren. sogar floriren ürhielt doch die übrige Welt Kund» von ihnen dadurch, daß zur Zeit der russischen Judenhetzen und Verfolgungen sich auch große Hauftn auf diese Eolonien warfen und die ausplünderten und mißhandelten; so wurden z. B. jüngst >» da Kolonie Repetyna bei Pultawa, dir von ungefähr 100 jüdischen und 16 deutschen Familien bewohn« wird, du in Frieden ihre Felder bearbeiten, überfallen und die jüdift» Häuser ausgeplündert und di« Hausgrräthe demolirt. Uebngeiis steht der gute Ruf der jüdisch-russischen Arbeiter und zw« hinsichtlich der schwersten B^chäftigungeu so fest, daß a durch dn »Rowoje Wrrmja" nicht erschüttert «erden kan». Allerdings paffen sie nicht in den Rahmen der „Rowase Wremja" (Neuzeit), ersten» well sie Inden sind, und da«

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