Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 871 — pril sie frintn Branntwein trinken, »a» sie hinsichtlich ihrer Kitionalität verdächtig macht. Der Artikel der „S1 W." ist irrigen« nur gegen die jüdischen Grundbesitzer gerichtet, ob. schon r» anzuerkennen wäre, daß die jüdischen Kapitalisten ihn Kapitalien dem Grundbesitz tuwenden. da durch diese Konkurrent der Werth de» Grunde» und Boden» immerfort smg> Auf die von der „W. W." angegebenen Zahlen ist Mnig i^ewicht zu legen; noch »veniger auf die Autorität hrl griauften Juden, den sie anführt. Getaufte Juden in Sufiliiub gehören zu den ärgsten Feinden ihrer früheren -taube,i«genosten und haben mehr zur Verfolgung der letzteren ,nd zur Vernichtung ihrer wohlthätigsten Institutionen bei- «iraaen. al» alle russischen Christen, die Plünderer und labiichläger au«aenomme»! Mose« Frinkind. /tte». Besonder» eigenartig ist hier die Montefioregaer gestaltet worden. Am Montag 2 Uhr Nachmittag« tajammcltc sich in den Räumen der i«raelitischen Volksküche «mr glänzende Brrsammlung. Die Tische waren mit Fruchtjchaalm besetzt, deren Inhalt von den vornehmste» Damen der Gemeinde zu guten Preisen verkauft wurde. Bilder de« ykskierikn, wie Medaillen (Gold, Silber und Bronce) zur itnnnrruna a» die Feier wurden rbenfall« feilgebotrn und zu guten Preisen abgesetzt. Eine Sefer Thora wurde fertig geschrieben. nachdem der Kronrabbiner, Herr Zuckermann, n»c Ansprache gehalten hatte. Di» letzte Wort „J»rael" schrieb Herr Israel Brodiy, der Man», der so viele Tausende für da« ttrankenhau» und dir Volksküche gespendet hat und der al« Nacheiferer von Sir Mose« gefeiert wurde. Alle reit« gitjcn Lchattirungen waren vertreten und kamen zu Wort — »er Rabbi der lithauischen Geuieinde neben dem hebräischen öchrislsteller Zeitlin und Profrsior Dr. Mandelstamm. — 3000 Rubel ist der Ertrag de» Feste» gewesen, welche» dem Gedanken der Lolonisirung Palästina» gewidmet war. vermischt» «»d »e«eftr Aachrichte». Gerkl». Daß der Antisemiti»mu» auch in die heiligen Hallen de« Freimaurerthum« eingedrungen, haben wir früher schon berichtet, hier ein neuer Beweis. Die Loge Royal Bork galt von jeher al» Vertreterin de» Liberali«mus in der Frei- »aurrrei gegenüber der Orthodoxie der großen Landesloge. W>, G.nehmigung de» Kaiser» al» Protektor» änderte sie den» auch 1873 ihr Grundgesetz und gewährte Juden die Ausnahme. Inzwischen wurde der Antisemitismus Mode »ab es bildete sich eine Fronde, welche jeden Juden durchfallm ließ. Fünf schwarze Kugeln gehören nur dazu. Im »ärz diese» Jahre» meldet Baurath E.. der Erbauer de» inikn Lügengebäude», einen Eollegen, Baumeister D.. an. der eine« bedeutenden Rufe» in Architektenkreisen genießt und auch vom Kaiser hochgeschätzt wird. Ader die Fronde ließ ch» durchfallen. Da» gab große Erregung und hierzu trat da« Gerücht, die jüdischen Mitglieder wollen sich rrvanchiren »»d jeden Christen durchfallen lasten. Kurz, weder Juden »ach Christen wagten mehr, ein neue» Mitglied anzumelden, »»d die Loge, welche sonst jährlich bi» 100 neue Mitglieder »fnahm. siagnirt völlig. Man geht nun wieder damit um, >«» Grundgesetz zu ändern, d. h. die Zahl der zum Durchfall »ithigen schwarzen Kugeln so zu vermehren, daß sie von der Zahl der jüdischen Mitglieder nicht erreicht werden kann. Au« Mllaßer i. W. wird der „Rhein. Wests. Schulztg." ^schrieben: Au» einer Bekanntmachung de» Herrn Oberprisidenlen unserer Provinz vom 12. August cr. ist zu ent- «chmen. daß die Marx-Heindorffsche Stiftung zur "Übung von Elrmentarlehrern und Brfördeiung Handwerkern und Künstlern unter den Inden eine Ein- »ihme von 17,636 Mark 11 Pf. erzielt und eine Ausgabe 17,760 Mark 96 Pfennig buchte, mithin mit einem ^N>t>t von 224 Mark 8b Pfennig abschlirßt. bezüglich der Lehrerbildung sagt der Bericht: Im abge- '»»frnen EtotSjahre sind in die Lehrerbildungsanstalt neu ausgenommen drei Zögling«; e» wurden entlasten sech»-.Seminaristen, von welche« vier geprüft sind und da» Wahl. fähigkeitSzeugniß erhalten haben; den beiden anderen ist die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle übertragen. Die Volk«, und Religion«schulktaffe zählten zusammen 66 Schüler und Schülerinnen, von denen 18 unentgeltlich unterrichtet werden. lHautAurg, 21. November. Gestern Abend sprach Herr vr. Werner hier im jüd.-litterar. Verein über ein etwa« weitangrlegte« Thema, nämlich über .d>e Blüthezrit der jüdischen Poesie und de» jüdischen Misten« im Mittelalter." Der Bortrag erfreute sich allgemeinen Beifall«, dennoch glaube» wir, daß ein solche» mehrere Jahrhunderte (X—XIII) umsastende Thema in einer kurzen Stunde nicht genügend erschöpft werden kann. Al» Verkörperung der Zeit — führte Redner nicht Gabirol, — da er einer pessimistischen also unjüdischen Anschauung gehuldigt habe — sondern Jehad» ha Leri an. dessen Leben und Dichten in an-führlicher Weise geschildert wurde. Al« Repräsentant ..de» Denken»" wurde Maimonide» hingestellt. Zum Schluste hob Redner hervor, daß auch in der neueren Zeit Freiheit und Theilnahme an der kulturellen Entwicklung jüd. Denker und Dichter (Mendelssohn. Auerbach) hervorgebrachl habe. Mleatzadea (Euriosum). Ein hiesiger israelitischer sehr vermögender Einwohner trat alsbald nach Publication de« AuStrittSgeseheS mit seiner Familie au» der israelitischen CultuSgemcinde. Nachdem er sonnt da» ceremoniclle Judenthum verkäste» hatte, ist e» nicht bekannt geworden, daß er sich irgend einer anderen Religio»«gemcindr angeschlossen hätte; nur soviel hat man in Erfahrung gebracht, daß er seinen Sohn, der eine hiesige öffentliche höhere Lehranstalt besucht, an dem evangelischen Religionsunterricht» derselben theilnehmen läßt. Al» dieser unlängst da« 13. Lebensjahr erreicht hatte, ist cr in der Synagoge der hiesigen orthodoxen sogen, alt» israelitischen EultuSgemeinde (israel. Religion»- gesrllschaft i la Lehmann) Bar>mizwah geworden. Kikdeatzei«. Die hiesige Synagogengenicinde hat vor ihrer Synagoge durch Verlegung der Freitreppe und Umfriedigung der erstrren inanch« Verbesserungen geschaffen, die allerdings mit erheblichen Kosten verknüpft »vare». Unter Anerkennung diese« Vorgehen» wurde der Gemeinde auf Antrag ihre» Vorstande» da» eingefriedigte Terrain mit Einstimmigkeit al» Eigenthum übenvicse». STarta. Herr S. Eugen Levy. welcher dir SchiffsahrtS-, Handel«» und Fabrikintrrrsten der spanisch - amerikanischen Republiken journalistisch behandelt, hat von Venezuela den Bolivarvrden, Herr Falko, persischer Consul, vom Schah den Großosfizierrong vom Löwen- und Sonnenorken erhalten. Mahkaad. Rach dem antisem. Blatt „Kieblanin" ist au» der Synagoge der Stadt Ratno ein »Standbild Mosi» mit vergoldeten Händen zerbrochen und gestöhlen worden." (so gut kennt da» Gelichter da» von ihnen befehdete Judenthum i Natürlich ist hier nur eine .Jad" d. h. eine handfürmige Silberstangr. welche zum Zeigen beim Bor» lesen der Thora dient, gemeint — und diese „Hand" ist zur Havd einer Mosisstatue geworden!) Die Gemeinde AMsawelßgrad hat dem Erzbischöfe von Odesta, der dorthin amilich gekommen ivar, eine viele hundert Rubel beioerthetr Bidet als Ehrengabe durch eine Deputation überreichen lasten, welcher der Kronrabbiner Herr Schapira Vorstand. Ehrenvolle Aufnahme und fast eine Stunde dauernde Unterhaltung krönte der Kirchrnfürst dadurch, daß er noch am seilen Tage dem Rabbiner einen Gegenbesuch machte. In der Schule ermahnte cr zu einträchtigem Zusammenleben aller Schüler. Eine 38aataacr SchnopSfabrik empfiehlt sich damit, daß kein Jude bei ihr Anstellung oder Arbeit findet. (Ja e« giebt gut russisch-christlichen Schnaps — da» haben Balta. Elisabethgrad und viele andere Kraivallorte gezeigt.)