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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 868 — tut Anschluß an dm Unterricht im Pmtatmch, der in seinm wichtigsten Abschnitten währmd der achtjährigen Schulzeit durchgenommen sein muß. so daß di« Schüler die Fähigkeit erlangen, Abschnitte von mittlerer Schwierigkeit selbstständig zu übersetzen. Für die älterm Schüler wir» während de» Sommer-Semester» allsabbathlich eine Erbauang«stunde abgehalten, in welcher im Anschluß an da» Mincha-Gebet ein Der» au» dem betrrsfrndm Abschnitt au» Aboth katechetisch oder homiletisch behandelt wird. — Alljährlich am Schuschan Purim findet eine öffentliche Prüfung statt. stzütiwitz. «Verspätet eingesandt.) Am 28. Oktober, dem Vorabend de» hundertsien Geburtstage» de» großen Philanthropen Sir Mose» Montefiore, fand h,er die feierliche Installation der,Huinanita«-Loge" vom Orden B'nailg'rith. der achten Loge auf deutschem Bodm. durch den Delegirten de» provis. Äroß-Logen-Komitä». Hrrrn Lergel au» Berlin statt. An den Akt der Jnstallirung schloß sich ein solenne» Festrssm, an dem sich über 100 Brüder, von hier, au» Beuthen O.-S.. Kattowitz. Bre»lau betheiligten, vr. MatterSdors begrüßte die Gäste und brachte da» Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser Wilhelm au», welche» alle Anweimden stelimd vernahmm und in da» sie daun jubelnd einstimmtm. Der Redner sühne au», wie e» eine der Hauptaufgaben de» Orden» sei. Liebe zuin Vaterlande und zu den, Rrgmten in seinm Mitgliedern zu pflegen, gedachte der glänzendm Tugenden und unsterblichen Verdienste unsere» geliebten Kaiser» und König» und hob besonder» seine wahrhaft rührende Dankbarkeit hervor, welche Tugend dir Orden»mitglieder nachzuahmen und zu bethätigen aufgefordert wurden. Bon den übrigen Toasten wollen wir nur noch erwähnen: den de» Herm Kleczow«ki auf da« Exekutiv-Kam»» in Rew-Uork, den de» Herrn vr. m«d. Rahmer (Benthe,,). auf da» Großlogm-Komit» in Berlin, sowie denjmigm de» Buchdruckerei-Bcsitzer» David aus die deutschm Schwesterlogen. insbesondere diejrnigm i» den Rachbarstädte» Beuthe» und Kattowitz. Zur Erhöhung der Feststimmung trugen wesentlich bei die von den Herrm Dr. Matkdrsdorf und «lrczowski gedichteten Festlieder und ein Toast de» Herrn Buchhändler W o l f f (Beurhen) in gebundener Rede, welcher, anknüpfend an den Namen der neuen Loge (Humanita»), ihr die Pflichten einer solchen auf da» ergreifendste an« Herz legte. Glückwunschschreiben und Telegramme waren von den nicht durch Delegirte vertretenen Schwestrrlogen in Berlin. Halle und Stettin eingegangm. Am nächste» Tage ward ein am Festabend beschloffene» Telegramm an Sir Mose» Montefiore abgesandt. Da» größte Verdienst um die Gründung der hiesigen Loge hat sich Herr vr. Rahmer in Bcuthm in Verbindung mit dm Herren L. Stein und I. Rund von hier erworben. H. £«• Kesse». (Or.-Eorr.) Wie in vielm Gemeinden unserer Provinz die Lehrer von den Gemeindeältesten gar viel zu leiden haben, dafür möge Folgende» einm Bewei« Sebrn. Der jüdische Lehrer der Gemeinde R. steht in gutem Einvernehmen mit seinen christlichm Lollegen und anderen gebildeten Kreisen. Oft sieht man ihn mit diesm verkehren. Nicht» weniger aber al» Freude bereitet diese» dem Gemeindeältesten. dessen tägliche Beschäftigung sich auf dm Einkauf von Ziegenfrlle», Verkauf von Lotterieloosen u. dgl. erstreckt, und wünscht, daß der Lehrer mehr mit ihm verkehre. (Dieser kann jedoch den Geruch de» Fellelrocknr»« nicht gut vertragen.) Dann gehört der GemrindÄlteste auch zu dm sogenannten „Frommen", der ,Kodausch" nach allen Seiten hin und e,rca zwei Fuß in die Höhe hüpft und den traulich«, Verkehr mit Christen nicht gerne sicht. — Kürzlich Freitag Nachmittag« machte der lüdische Lehrer mit dem älteren christlichen Lollogen einen kleinen Spaziergang. Beide vergleichen aber erst ihre Uhren mit der Synagogmuhr. da man sich dein, Gotte«dimste stet» nach dieser richtet, um noch vor Beginn desseldm zurück zu sein. Diese» alle« hat aber der Gemeindrälteste bemerkt und klüglich bedacht, wie er jetzt doch einmal deu Lehrer drankriegen kann. Er geht zwanzig Minute» früher zur Synagoge (sonst kommt er gewöhilch seine» Geschäfte» wegm später al» er selbst a»geschr,eb«, hat), läßt die Uhr IS Minuten weiter stellen und kurz öjraif von einem Gemeindemitglird vorbcten. — Der Lehrer, no» mehr ober der christliche Eollege, waren über solch' Bub«, stück entrüstet, wa» sich ja leicht denkcn läßt. Aber war ttjun? Der Lehrer muß e» eben leiden und stille sein. Bielleich dürfte den geehttm Lesern al» Fortsetzung die Schildern^ der Zustände (beffcr wohl der Mißständ.) unserer hessische, Gemeinden, die doch zu den bestorganisirten gezählt werdet intereffant sein, in welchem Falle ich bereit bi», da« idyllische Leben in dmselben, so viel al» mir möglich, anderen begreiflich z, machen. (Bon Zeit zu Zeit ist auch Derartige» willkommen, ttcft.j 15. November. Ueber die Feier de» 2Sjahriga Amt»jub>läum» de» Rabbiner» Hr. vr. Rülf referirei, «r nach dem „Tilsitrr-Tagebl" wie >olgt: A,n Freitag, da 14 d. Mt»., erschienen zunächst die Deputationen der jüoischa Gemeinden au« den benachbarten Russischen Stävien u») üdrrbrachten ihre Glückwunschadreffen und ihre Geschcnlr. An eben diesem Tage stellten sich auch die Mitglieder da hiesigen Beth-Hamidrasch Gemeinde ei», die gleichfalls >>m Glückwünsche in Form einer Adresse darbrachien und d» Jubilar einen werthvollen silbernen Armleuchter verehn». an welchem die Widmung auf einem besonderen goldeua 'Täfelchen in hebräischen Schriftzügen eingravirt war. kl, Sonnabend war Gottesdienst in der Synagoge; nach dicsai kamen die Gemrindeinitglieder nach der Behau>ung de» Jubilar», um zu gratuliren. Zum Hauptfestlage aber war »«h einer von dem Vorstand« der i»raeli«»chen Gemeinde geiroffma Veranstaltung der Sonntag au»e.sehen. An diefem Luzc versammelten sich Mittag» 12 Uhr in der Wohnung dr« Jubilar» die Vorstände und Repräsentanten der hiesigen S«a«> g»gen-Gemeinde, der Vorstand der Polnischen-«y»ag^ der Vorstand der Gemeinde in Ruß. eine Deputation de» Armen-Unterstützung- Verein«, eine Deputation de« Handwerker- Verein«, Herr Rabbiner vr. Bainberger, au» Königsderz und endlich eine Deputation de» Personal» de» „Menuler Dampfboot»", dessen Redakteur der Jubilar ist. Rachden die Vertreter der oben angeführten Vereine ihre Gratulalwna dargebracht hatten, ergriff der Jubilar selbft da» Wori, un für dir vielfache» Beweise der Liebe und Verehrung Allen da besten Dank au-zusprechc». Derselbe rriniierle daran, wt man ihn vor 17 Jahren, als sich in Preußen ein NoihfUiU verbreitete, in ein Eoinitre gewählt habe, ivelche» die Lcilu»t der Armenunterstützung in seine Hand nehmen sollte. £k Funktion sei der Anfang einer Thätigkeit gewesen, wclchc ihn seit jener Zeit unausgesetzt in Anspruch genomme» habe und deren weitgehende Erfolge ihn mit Genugthuung uut Freude erfüllen. Wenn in de» letzten Zeueu seine tijätijfeit auch vorzugsweise seinen Glauven«grnossen in Rugluid gewidmet gewesen sei, so habe er die» doch nicht allein geihuL weil solche Jude» wäre», sondern weil sie unterdrückte hilft bedürftige Menschen wären, überhaupt habe er alle«, was il>» zu thun .beschieden gewesen sei. nicht al« Jude de» Zuda. sondern äl» Mensch den Menschen gethan. Dem Jubilar gingen in ca. 100 Telegrammen und 200 Briefe» Kundgebungen aller Art zu, desgleichen viele ivecthvollc Gej-heule. Am Nachmittage fand dann noch rin Festgotte»d>en>i full und de« Abend« um 8 Uhr vereinigte sich eine Gesellschaft von etwa SO Personen. Er herrschte eine recht frohe ©tmiinuii| und wurden auch bei dieser Gelegenheit die Verdiensle Nt Jubilar» durch ernste und launige Reden in gebührender äw gewürdigt. chZestekreich-Uttgar«. B. S6U«, 21 November. (Or.-Eorr.) Zwei vor de« hiesigen Schwurgerichte durchgrführte Preßprocesse bilden da au«aiedigen Gesprächsstoff der Residenz. In beide» trat der Judenfresser Schönerer al«Kläger auf, und der überraschend« Auägang der Verhandlungen, welche mit A«' urthrilung sämmtlicher Angeklagten (darunter zwei Glaube«»' genossen) endete — stempelten Schönerer zum Helden des

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