Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wo erzählt denn die hebräische Bibel, daß Gott „durch eine Sündfluth in blinder Wuth die Guten mit den Bösen umgebracht" habe? Der hebr. Text kennt nur Mabbul, d. h. die Wasierfluth, dieser Text läßt ferner Gott den damaligen Menschen zur Besserung eine Frist von 120 Jahren gewähren und ihn über die Entartung und den Untergang seiner Geschöpfe „sich in seinem Herzen betrüben", sowie Roah, dessen Frau. Söhne und deren Frauen retten. Der Ausdruck „an die Wand harnen" ist nicht derber als „die Peren vor die Säue werfen" und andere neutestamenlliche Redewendungen, dir ich nicht gerne wiedergebe. Die betreffende Borherverkündigung de» Geschicks eines ruchlosen Herrscher» und seiner ebenso entaneten Umgebung (s. l.Kön. 14, 13) erinnert mich heut lebhaft an de» verewigten Dieftenveg Verherrlichung der ' jüdischen Propheten, al» der Männer, die in unvergleichlicher Weise „Männerstolz vor Königsthronen" geziert habe. Gegen eine Revision der Bibelübersetzung (Luther'») bezw. einen Bibelauszug für Schulen habe ich nichts einzuwenden. Wie Sie au» meinem Artikel wisse», bedienen sich die jüdischen RcligionSlrhrer und deren Zöglinge fast alle eine» Auszuges beim biblischen Geschichtsunterrichte. Hochkomisch ist übrigen» die Bemerkung in dem — mir gütigst übersandten — Evang-protrst. Wochenbl., „daß in dem bäuerlichen Ehristenthum noch gar viel Judenthum und Heidenthum stecke". Ist denn nicht da» Christenthum überhaupt auf» Judenthum gebaut? Sehe sich doch der betr. Herr Correspondent de» Evang.-orotest. Wochenblatte« nur die fast überreiche Fülle alttestanientlicher Parallelstellen, die bei Luther :m R. T. vermerst sind, einmal an. E« ist in der That possierlich, wenn Leute über die hebr. Bibel urtheilen wollen, die nicht einmal den hebr. Urtext, ja nicht einmal Luther'« Uebersetzung genau kennen. Und nun meine Schlußbemerkung: Ich verehre keinen „Judengott" und keinen „Christenaott", sondern den Gott aller Menschen, dessen PriesterAlle— gleichviel ob schwarzröckig oder nicht — in Wahrheit sind, deren Lebensinhalt Arbeit und Liebe (d. h. Nächstenliebe ohne Rassen-, Klassen- und Glauben», unterschied) ausmacht." — Herr Wörnle zieht sich mit folgender Bemerkung au» der Affaire: #gu vorstehendem Artikel habe ich: weil ich diese Angelegen heit meinerseits al» erledigt betracht«, nur noch zn Omrrlo Pr Krone« . m>r Or hier *b««brwfM «a de» Herrn Pr Kroner edemow«nl» znoekommen ist, al« k* 9rrU|»0iNi>r*i «in« DrmkkchierOrichtlanng Entweder | Mb«» an «in« nnrtchtig« Adrefst |«Mn»l oder es «i» veriown." (—?l) _ Endlich hat auch „Hameliz" Stellung zu der Warnu^ de» Herrn Scheid vor weiterer Einwanderung in Palast,ä, genommen. Kleine wirkli.he oder scheinbare Ungenauigkene, werden über Gebühr bemängelt. dann aber ehrlich zugrstande^ daß große Fehler gemacht warben sind, besonder» in ba Auswahl der Personen. Ader der Hinweis auf Ammst, wo mit unvergleichlich größeren Mittel noch viel mchr Fehls gemacht und noch viel weniger geleistet wordni ist. soll Alle» erklären. Mehr al» »500 Personen sind in 2 Jahren nach Palästina auSgewandert darunter Biele, welche allen Ad< Mahnungen nur einen bekannten Bibelver» in freier U, modelung entgegensetzten: „Besser ist e» uni im Lande der Väter in Gotte» Hand zu fallen, al» hier in die Hand unsmr erbarmungslosen Hasser!" — DaS Beste, wa« wir seit langer Zeit von colonisation-freundlicher Seite gelesen haben, dringt der Rundschauer de» „Hazephira". Bekanntlich spottet diese« Blatt über all' die kleinen Mittelchen, mit welchen man Almosen für die Colonisten sammelt, die Simcha». lhoraspenden, die Errw Jomkippurbüchsen, dir Montefiorebilder u »gl Eine Versammlung von Delegirten hat in der russ-prerj. Grenzstadt Kattowitz über 8 Punkte berathen; deren erst» lautet: Wie wird überhaupt eine große Colonie gegründet und in welcher Weise kann eine jüdische Colonie in Palas««« errichtet werden? Da sagt der Red. Herr Sokolow ganz ver- »ünftig: Sehet, wie Engländer, Portugiesen u. s. w. Colonie» gegründet haben — So macht«! Der Pilpul über Opserdarbringen, über Zehnten und Hede hat sich nicht, wie vor 15 Jahmr breit gemacht, dafür ergoß sich ein Meer von Phrase» über Rattonalität und KoSmopolitiSmu«. — Da» macht» nicht. Hefellschaften für Handel, für Fabrikation, für Export und JmpoN müssen mit Capital sich bilden, dann werden die armen Colonistri mit Hilfe der kleinen Sammlungen an Ort und stelle kommen und don Arbeit und Brod finden. Ohne solch große Gesellschaften dringt die Colonisation nur eine nere Chaluka hervor, denn, wa« sich nicht lebensfähig erweist, verliert bald jeglich: lliiterstiitzung! „Auch die Templer" vereinen Ackerbau und Handel. Die Vorschläge, für welch Fabriken u. s. w. angelegt werden sollen, scheinen Lunq' Jahrbuch für Palästina entnommen zu sein. Auch die Frage warum die Türkei die Einwanderung nicht gestattet, wird sch vernünftig beantwortet. Weil nur Vermögenslose einwaiideri- So lange die Sache nicht von kaufmännischem Standpunkte au» angefaßt wird — so lange bleibt sie eine schöne Idee! Spaße» halber sei erwähnt, daß polnische Blätter sich aut Berlin haben berichten lassen und damit in den Kreisen da ColonisationSsrcunde furchtbare Erregung hervorgerufen habe», daß Fürst BiSmarck einen Stamm deutscher Auswanderer nach Syrien und Palästina lenke um auch dort deutsch Colonie» zu begründen. An Kamereu und Angra P^uenr habe Deutschland nicht genug u. l. f. — Die Kattowiser Versammlung war ziemlich resultatlo». Berichte «ud Correfpotrdenzen. Deutfcdlamd. Merktn. Der Stöckersche Anttag auf der Branderburger Provinzialsynode betreffend die Mitwirkung de» Generalsynoden-Borstande» bei Besetzung von Kirchenämter» u« Ernennung von theologischen Professoren, der nach den Ä* tiven und Beispielen, die Stöcker selbst anfühN, (Bender, Pfleiderrr, Dillmann) einen flagranten Eingriff in die theol Lehrfreiheit enthält, hat — trotzdem er mit 88 gegen R Stimmen angenommen wurde — bei allen liberal denkender