Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 862 — zögrrmrgen des Gottesdienste», die. ohne dem konservativen Geiste der Gemeinde etwa» *u vergeben, wohl beseitigt werde» Konten. Zu diesen gehör» nnn zunächst die Monotonie der Mischeberach'S der jedem zur Thora Aufgerufenrn, die dem Gottesdienste rin gut Theil seiner Weihe und Würde nimmt, die ihm durch emrn tüchtigen Lantor und einen gut geschulte» Synagogrnchor gegeben wird. Mögen jene nun für Koasxalsälle bestehen bleiben, mögen der liebe» Gewohnheit in dieser Beziehung noch andere Konzessionen gemacht werden, unbedingt aber ist ihre bisweilen in's Ungeheuerliche gehende Anzahl zu redurirrn, sic können unbedenklich in Wegfall komme».*) Wenn au» der gänzlichen Beseitigung de» hier hervorgrhobenen Ucbelsiande» der Grmeindr ein materieller Rocht heil lnlftrhe» sollte, so kann dieser nicht erheblich in» Gewicht fallen, und da» Beispiel vieler anderen, selbst kleineren, Gemcüiden könnte für dm vorliegenden Fall zur Richtschnur dimen. Eine weitere Reformbedürftigkrit zeigt der Gottesdienst in Bezug auf dir große Zahl der im Machsor angesannnrltcn poetischen (?) Stücke (Pijutim^ die für den Kenner und Fachmann von litterarischem Werth sein möge», der großen Gcsammtheit aber unverständlich bleibm und hier von einem Minimum von Grmeindemitgliedern abgrhaspelt werden: während die herrlichen Gebetstlicke ihrer erbaulichen Wirkung verlustig gehen. Eingewurzelte Urbelslände lasse» sich nur ganz allmählich beseitigen, will man einer an und für sich guten Sach« nicht schaden. Hier zeigt sich die Wahrheit des DichtrrwortrS: Da» Jahr übt eine heiligende Kraft — Was grau vor Alter ist. da» ist ihm göttlich. Alle Achtung vor der Pietät gegen die ältere» Mitglieder der Gemeinde, deren konservative tVesinnung man mit einer gewissen Scheu in allen internen Angklrgmhritcn des Gottesdienstes respertirt. allein eine znweit getriebene Rücksicht mvolvirt gleichzeitig eine Rücksichtslosigkeit gegen die heranwachsende Generation. Diese ist ihrer ganzen Erziehung in der überwiegenden Majorität für einen in der vorbezrichnrirn Richtung liegenden Gottesdienst nicht empfänglich. Es geht ihm zunächst die umfasiendrrc Kenntniß de» Hebräischen ab. das eine frühere Generation mit um so grünere Liebe und größer»», Eifer pflegen konnte, als sie sich mit dem Erlernen lateinischer, griechischer und sranzösichcr Bocakln nicht zu befassen brauchte. Heute haben sich die Zeilumstände geändert, und die sogenannte moderne Bildung sänat leider Gottes an. dm herrlichen Fruchtbaum jüdischen Geisteslebens a» seiner Wurzel zu benagen. Will man nun die Heranwachsende Generation beiderlei Geschlecht» dem Judenthum nicht rntsremden, so biete man ihr zunächst einen erlmulichc», abgerundeten, in sich abgeschlossenen Gottesdienst, der ihr etwa unter dem Namen ^ErliauungSstunde* ein bis zwei Mal monatlich »ach gewissen sestzustellendr» Normen zugänglich gemacht werde. Für die jüdischen Schüler k» hiesigen Gymnasiums besteht bereit» seit Jahren ei» solcher, ivohl mehr aus dem Grunde, weil der Hauptgottesdiensl in die Lehrstunden fällt. Der jüngere weibliche Tl)eil der Gemeinde gcht jedoch ganz leer anS. Und doch ist nichts dringlicher, als die Pflege religiöser Gefühle in denjenigen, welche berufen sind, dereinst als Hausfrauen und Mütter kn Herr- *) Das Herteler» der Mislbederaib'S mit dem obliaatc» ,Lch»odcr»E <”H1C “H3S3) ist ein Schandfleck am össtnstichc» jüd Voilesdienst. Die Einseftnungeu bei Lasnnlsälle» hat der Rabbiner in wiirdiger Weise in der LandeSspracke im Anschtnff an das <Sebe> für den V'andesvaicr vorzunebmen, dir Spenden möge der bete, dlngeho >ac in ei» ilmi znzustndrndcs Spendenbuch rimragrn. Das öffenlliche Prunke» mit kleineren »der gröberen Beilrögcn für diesen oder >.r-en Bereiu ist eine jüdische Unfitte geworden, dir dem tstelstr und auch dem Worte unserer Religionsaesrpdllklrr vollständig widerspricht und un« von unser» Minern auch schon zum Vorwurf gemacht worden ist. Di« »Mischeberoch -chnodereitst ebenso unschön und unftatthast, w>e die ehenialige .Mizwo» Vcrsiei gerungenim Tempel. Und wen» auch durch dir stbschnffnng der eine oder andere Berlin einen Ausfall baden sollte, so ist der uioratische Söew'nn desto bedentender; die gebildeten Elemente sollten danim aus Abschaffung dieser Unsitte dringen. Freilich wird Bielen dadurch ein sehr beiicbler UaterhaltnvgSpoff «öhrcnd de« .Laiuen«- verloren gehe» (R.) lichm Geist jüdischen FaniilirnlebcnS zu pflegen, dcss,. wohlthStigr» Einfluß aus die harmonische Erziehung de» Menschen selbst unsere grhässigstrn Widersacher Stöckerich« Richtung anrrkrnnm müsim. Pflege» wir also besonders dir Liede zum Judenthum in dem weiblichen Tlfeile der Gemeinde. Ihm ist da» Gotteshaus so gut wie verschlossen; den» der Sabbath-Gottesdienst hat bei ihm keine Anziehungskraft, da Feiertägliche ist ihm nur in sehr beschränktem Maaßc gänglich und am Colnidre-Abend (laut öffentlicher dtund. machung) sogar verboten. Darum — videant consules! > Schluff soigi. Z»» Kesse». (Harmlose Plandrreien.) Har Redactrur! Ich bedauere. Ihnen eröffnen zu müssen, dar, ich nunmehr Ihrer unheilvollen .Wochenschrift" Lcbeivohl gejag, und mich allein dem heiligen .Israelit" mit Leib und Last ergebe» habe. Welch ein herrliches Blatt dieser .Israel»'! Kann sich Ihr Blatt auch nur entfernt mit deniscll'c, messen? Seitdem ich sündiger Ehalle, durch das Beispiel gewisser .Frummen" verleitet, .Ranon" gesrhrn und gcbün. kann ich nie an den galanten Abbö brr Operette denken, ohne daß mir unser .Gvön" in den Sinn konn.tt, und ui», gekehrt. »Schöne Geister begegnen sich" — auch in miicrn Gedanken. Schade. Jammcrilhade, daß unser Redde auch rin Ehaltr gcrvvrdrn, sonst hätte er in seiner bekannte» 8». lauerlust gewiß das geistreiche Witzchc» gelristel, dem „Clianc' ein » anzuhüngcn. Wie sei», wie nokl das „Volk" nt. das an dem „Israelit" inilarkilct. cnvrist wieder einmal ei» jüngste» Artikelchr», das sich mit Ihne», dem Redalicm der „Jar. Wochenschrift", befaßt. Ach, Sie böser Mau», warum haben Sie jüngst urdi et orbi künden lassen. u> ivrlch saubere englische GtsrUjchast der Goön-Rcdaktenr ge rathrn. Run grollt er. »un schmollt er. .Das dumpfe in» re stnurie», Da» undeilvolle Murreu Brttündet stiue Wnlh — Sei» ('trimm ist schon ivach, Und bald riichl er die Schmach.- Und wie rächte er sie. eines Gvv» würdig! El zriglt Ihne», oder, was hier dasselbe, ließ Ihnen zeige», wir iriii sich diejenigen selbst schaden, dir den „lsriligen Lvhar" mebt für unfehlbar halten: W«rs will das auch sagen, daß 3k eine, linder- und vermögensreichc" Witiwe mit ihrem Sclwagci nicht copulirtcn: rin Rrbbc Lehmann hätte ohne ^weiicl mehr vermocht; er hätte, vermöge der „Schemas-, dir ihm 9ct »lstklige Sohar" an dir Hand gegeben, allgegenwärtig, allw ifcnd und allmächtig, die Witlivc vor der ftandeSamtiichen Tr>i»»»z rntlveder anderswohin versetzt, oder mittelst einer scina Hrirathsbürrau-Annvnccu andenvcitig a» de» Mann gedrat» Eine Bagatelle gar lvärc cs dem .heiligen Rrbbc" geiveim. vermöge feiner Bekanntschaft mit dem Engel des ktr essenden Ressorts IfPVCT Ss WOBH) dir Beranlaffung zu einer Bns- Mila a priori zu verhindern! Sehen Sie. mri» ehrter. das ver.nag die „Keduschoh", die kr „Sohar halodoich' verleiht, und wenn auch nach so viele orthodoxe Rabdinea. wie Rabbi Jakob Eindcn, gegen ihn geeifert. Da» inag Fünc» vielleicht al» ein „Midrasch hancelom". als verhüllte Deutung erscheinen, und doch bleibe ich daki, Sic würden erst dann rin „Raja Mchcmna", ein „treuer Hirt" nach Rebk Lebmann'« Herzen, ivenn Sie den Sohar als infallikl erklärte». Dann würk es Innen auch Rcbdr Lehmann gern vergeben, daß an Ihrer Reiigionsschule ein Eiscnbahnsekretär einige Stunden wöchentlich jüdische Eurrrntschrift u. dgl. lehrt: er würde ihn dann rknsmvcnig kn ersten Rctigionsledrer nennen, ivic kn christlichen Rechen-, Zeichenokr Scbreidlehrer an gcwiffen „frummen" Schulen Süddeutschlands. viel Toleranz ivürk er dann sicherlich üben — ob mit?Kudsicht auf die Feindseligkeit geivisser Loharstellc» gegen den Talmud, okr auf die Hinneigung dcrselku zu chriltiicben Dogmen, besvnderS zur TrinitätSlchre — weiß ich wirklich nicht, ich bin leider kein „Kodosch". Wenn S>e in km Briefkasten Ihrer „Wochrnschr." Rr.-t-' vermeinen, auf die Kundgak eine« Eingeweihten aus Mag'