Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 861 — (ünbcii und mit den Christen keine gemeinsame vaterländsche» Angelegenheiten hätten. Und doch ist Bamberger gewählt M'rdcn — trotz der widerwärtigsten Verläumduiigcn und ^Kobnunaen aller Juden in .Wort und Bild durch die Lucht'pille''. welche in tausenden von Exemplaren in Stadt Und Land heimlich verbreitet und in dir Häuser geschoben afcrr iui dieselben geklebt wurde. Polizei und Regierung IdRt die« Alle» ruhig geschehen und wehrt dem agitatorischen ItrilHit selbst hochstehender Beamten nicht. Ob die» solchen jint^linngen de« Volk» gegenüber gerechtfertigt ist. mag andcrsivo erörtert werden. Jndcß ebenso auffällig ist. dag in verschiedenen Wahlkreisen unserer Rachbarschaft Juden, und -,«är intelligente und hervorragende Juden, sogar Vorsteher ierael. ReligionSgrmrindrn mit an die Spitze der nationalliteralen Partei. Heidelberger Richtung, welche au» ihren intiiemitische» Gesinnungen »nd Bestrebungen kein Hehl «acht, getreten sind. Dir Wahl ist vorüber, aber die Verhchuugrn dauern fort; die unterlegene Partei kündigt Juden und ireisinnigrn Christen, die man .Judenknrchtc" nennt, den geichailliche» und socialen Berkehr. Schon lange che rcuischland rin einheitlicher Staat, al» r» politisch noch zernsie» war. halben Juden in Betreff antisemitischer Judensnndschaft den Erfahrungssatz ansgestrUt: Ganz Deutschland Ul ltm Staat; r» zeigt sich jetzt »ach der politischen Cinigung, vtldK ^nden haben schaffen helfen, leider noch und ent recht so. Z»>» deutlichen Beweise, das> darin kein Unterschied ,«isch» Süd- und Rorddcutschland vorhanden ist, weisen wir daraus hin, dag dort ein Senlinar-Dircctor an der cpipe der national-lilieralr». antisemitischen Agitation stand, dier ei» Schulrath bei einer Scniinar - Prüfung Berthold Auerbach'» Schriften verbot, weil er ein Jude sei. Ci. .Herr cchulralh. wann» verbieten Sie nicht gleichzeitig die Lektüre de» Alte» Testament», nebst den kirchliche» Propl>etcn »nd Halme», ja sogar de» Neun, Testament«, denn alle die,e Schriften haben Juden zu Autoren? Warum vrrbiriru Sic nicht auch die Musik Meyerbeer'«. Mendelssohn'», .Halcvy'» und Anderer, die alle Inden sind? Im Gegensätze zu der i» Tentschland geübte» christliche» Toleranz und Lielv verweisen wir ans de» jüngst in England grfcierlen l00 jährige» dledurtotag Sir Mose» Montefiorr«, wo nicht blo» i» allen Synagogen, svndeni auch i» de» Kirchen für den Jubilar zebetct und über deffen Leivn gepredigt wurde. In England aber ist im Allgemeinen mehr orthodoxe«, mehr kirchliche» und praktische« Christenthum z» finden, al« in Deutschland. Aetrübrnd ist die Aussicht auf eine Zukunft, für welche die jungen Lehrer im Antisemitismus grob gezogen werden, die ulodann diese Saat in da» Volk und iu die untersten -chichten de» Bolke» tragen. Wir vertrauen zwar Gott, dem Hüter Jerorl«; al>er wir dürfen solcliem Treiben nicht unüuiig gegenüber stehen. Wäre e« da nicht wohl an der Zeit, daß Volürher und Rabbiner und Alle, denen da« Wohl der Acligio» und der Gemeinden Israel» anvertraut ist, zusammen beneiden über da», tva« zu »hu» sei? 9. November. Ueber den hcbr. Littrraturdem» „Mrkize Rirdanim" sind un« folgende authentische Rlliheitungen zugrgongen. Der auch diesem Blatte vor eiligen Wochen l>eigelegte „Austuf" zur Wiedererweckung de« Kühnen Be-rrin« „Mekize Rirdanim" hat bereit« rinn, für Anfang recht erfreulichen Erfolg erhielt. Eine Anzahl von Freunden und Förderer» der hebräischen Littrratur hat bn> Beitritt zum Verein mit einem Jahresbeitrag (von je zehn Mark) erklätt. Auch ist die ansehnliche Gab« eine» Räcen» mit 400 Mark dankbar zu verzeichnen. Da der -lusrus erst jetzt in hebräischer Sprache für Polen und Rubland M Verbreitung gelangt ist, so ist noch von dort l>rr eine solche Thrilnahme zu erwarten, die hoffentlich hinreichend lein wird, um die Publikation für da» erste Jahr frstzustellcn und mit »er Drucklegung vorgchen zu könne». Da e« sich d>n um keine buchhändlerische Spekulation handelt, so mutz Verein, um nicht durch Raddatadzüge oder besondere -Honorarr in seiner Kasse gekürzt zu iverdeu, einstweilen auf die Vermittelung durch Buchhändler oder Agenten Verzicht leisten. Um so dringender ist daher die Thätigkeit der Herren Rabbiner oder sonstiger Gelehrten erforderlich, die für diese rein wissenschaftlichen Jntereffen in ihre» Kreisen, wenn nicht viele, doch so Manchen gewinnen könnte». (Exemplare de» .Aufruf»" können zu diesem Zwecke von Herrn vr. Berliner. Berlin, Jnvalidenstr. 151, erlangt werden). Dtrakek (Rm» Höxter). Dem wcrthen Einsender der Corrcsp. .Au» den» Regierungsbezirk Cassel" iu Ruinmer 46. Herrn S. A., habe ich Folgende« zu erwidern: Auch ich habe wohl eiilpfunden. dab e« unter Umständen und Verhältnisse». besonder« hinsichtlich der DiSciplin und Achtung von Seite» der Gemeinden und der Schüler, mißlich sein kann, wenn wir Cultu«beamten die Kinder auffordern, un« i» unserem Bestrebe» und hohen Ziele zu unterstützen. Doch wenn wir wiederum bedenken, wie wir un» so oft »nd gern Qlöm 12 nennen und nenne» höre», dann dürfen wir die 012 schon recht frühzeitig zu Werke» der Bahinhrrzigkeit anlritr». E» mag ja wohl sein, daß nicht überall eiue derartige Sammlung angeregt nrcrde» darf; dagegen dürfte e« aber Gegenden grbc», >vo eine solche auch uicht den geriitgste» Anstoß errege» würde. Meine Idee ist eben: .Jeder in seinem Kreise nach seinen besten Kräften!" Ob wir »nsern Peusion«sond« für i»rael. Cultusbeamte au» Cigarre»abschnitten. ob au» Geschenke», ob au» frstzustellrndeu Jahresbeiträgen begründen, darüber können ja die Ansichten weit anSeinandergehcu. Ich wollte eben einen W.g zeigen, der allen Geiueiudeu und Beamte« am wenigsten theuer zu stehen käme. Wie nolhwendig sogar ein Peiision»food auch für die, in Bezug aus Ocffentllchkeit der Schule definitive Anstellung glücklichen Lehrer im RegierungsbezirkCassel ist. da» illustriere tolgender Fall. Ein Lchrcr, Borl»etcr und Schächter, der in einer und derselben Gemeinde diese» Regierungsbezirke», welche recht wohlhabend ist, circa 50 Jahre gewirkt, wird pensionirt und erhält von derselben 400 Mark Pension. Wenn nicht der Staat und tw« Borstehcramt in Cassel noch einen Beitrag zahle» würde», dann wäre doch diese Pension sehr, sehr dürftig. Dem Manne ivürdcu doch hundert Mark mehr nicht ganz unwillkomme» sein. Aber gerade im Regierungsbezirk Ccffel, wo die Lchrcr so schr für da» Dipl 2W1Ö in Jerusalem wirken.*) dürste doch die Idee von einem 2121 2W10 auf günstigen Boden fallen, und nrrn» fromme Frauen Challagelder zu geben sich angelegen sei» lassen für ganz fremdslehende Glaubensgenossen. daun dürfte» wohl auch gutgeartcte Kinder für einen näheren, doch wohl tvenigstkn« ebenso hohen Zweck sich begeistern lassen. Wen» wir un« der Mühe unterziehen wollen, für unser und unserer Nachfolger Wohl zu wirken und zu streben, welche jüdische Gemeinde würde e« wohl fertig bringen. u»serer Mühewaltung noch Hinderniffe zu bereiten k Vorläufig rufe ich allen l. College», die mich mit heizlicher Zuschrift erfreut haben, freundlichen Dank zu. dieselben zu gleicher Zeit bittend, bei der ersten paffenden Gelegenheit die Kinder oder auch gute Freunde zur Mithülfe aufzufordrrn, wie überhaupt für die ganze A»gelegenl-eit Propaganda zu mache». I>r. S. Weinstein. Itzeulße» H.S, im Oct. Die jüngst verflossene« Festtage de» Monat» Tischri haben auf» Reue die Rrformbe» dürstigkeit unsere» öffentlichen Gottesdienste» gezeigt. Bor dem Worte „Rcforin" pflegen auch diejenigen zurückzuschrecken, welche in allen wichtigeren Fragen, die jüdische« Jntcreffe berühren, einen rührenden JudiffcrentiSinu« a.i den Tag legt«. Man denkt unwillkürlich an da« Schreckgespenst der Orgel, an Einführung deutscher Gebete, au Verlegung de« Sabdath«. Wenn hier überhaupt von einer Reforin gesprochen werden kann, so bezieht sich diese auf gewisse störende Ber» *) Man beachte nur die Spenden Bnzkichniffe »»» vr. Lnlvendit