Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938187--5475-5377539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 868 — felnirfl uxrbc ber Mainzer Born sich dahin rectificiren, jene» ganze Elucubrattönchc» al» da-, was e» in Wirklichkeit ist, al» „Mache" zu erklären, da kennen Sie Buchholze», will sagen Ochmann nicht, der ruft Ihnen mit dem galanten ÄbW zu: „3ir irren sich im Lokal." In manchem „stummen" Redaktion»- lokal ist r« Sitte, ja verdienstliche That, einem Soharketzer und ähnlichen Scheusalen etwa» an, Zeuge zu flicken: Wahrhaftig. Ahr Berliner harmloser Plauderer — den ich dieser Tage aui einer Reise nach der Stöckerstadt kennen zu lernen so glücklich war — hat Recht, wenn er so oft daran erinnert: Wie r» sich christelt. so jüdelt r» sich. Da» Oalnmniare andacter! txlt übrigenda» „srummr" Blatt schon weidlich grübt, das weiß alle Welt, besonders die. welche faate de inieux an Skandälchen ihre größte Freude und Erhebung findet. .Ja. da« aiebt sich. Und da» übl sich Und man lrnn'« mit der Jeii.- Und iver wollt' es dem Rebbe-Redacteur verargen! ^hnc solche Skandälchen würden sich ja seine Darbietungen gar bald zur ödrstcn Langweiligkeit verwässern. Aber ein Lkandäichen machen, ist einem gewissen Pubtico wie„Meisteriang« holdselige Kunst" so süß. — Gelst nicht die Sage, daß die rrste „Singschule". genannt Frauenlob. zu Mainz gksiiflct worden? Ich möchte schier glaube», daß sich jene Xunit auf unfern „Go»n" vererbt hat. und ihm nach mittelalterlicher Sitte als künstlerischem Genie einen «ranz crldeitkn. ivenn er das nicht als Otnwleaa ha^ojina vcrdaiunile. Eine Jdeen-Assoclation führt meine Feder zu einem andern Meister-S i» ge r: Dir Hinneigung de» Sohar zu gewisse» Dogmen und die Lehmännische Apotheose desselben iiellt ihn dein Singer recht nahe, der uns Juden „minneolioh" rath. mit dem liberalen Protest,! »tiSmus zu pactircn und als jüdische Ehristrn im Ehristenthum zu existiren. Paciire» und Existiren reimt sich, nicht wahr'? Wenigstens dem schall »ach; aber auch' im Leben, im Lebe» mit Andern, mit uns. mit unserm Gott'? Und reimt sich auch so»» Alle»'? Letztere Frage zu beantworte», ersuche unser Ainilrr-Singer Herrn Stöcker und seine Getreuen, die liberalen sallkaiholische») und dir »ichtliberalen Katholiken, die verschiedenen übrige» »ichtkatholischen christlichen Sekte», die» jangr» katholischen Staaten, dir von vornherein der Judenhetze rin ministerielles re. Utftu entgegengesetzt ic- ,c.- — 0. wa« singt unser Meister-Singer entzückend, berückend, >a minnigtich! Fort mit allem mürrische» Widerspruch, fort mn der erregung-vollen Erörterung de« Für und Wider, nner solchen Leistung gegenüber! Ich bin noch ganz berausch, von der Lektüre, noch ganz lustgesättigt. noch ganz — «mnrsiech. Ich möchte Jedem rathen, sich da« Minnelied: »sollen die Jude» Ehristrn iverde»'?" anzuschaffen, man kan» den schnöde» Mainmon gar nicht besser verwenden. O. an den Früchten erkenut man den — Baum. Es ist unserm Meiner-Luigrr bereit» au« Wien eine theatralische, will Inge» litlerarische Briklärung. rin Minnesold geworden, der allerdings ein iveing an d«i» proverbiale Lob de« Hinz erinnert, den der Kunz gelobt. Wahrlich, Bäuerle'» großes Don: »'s ist nur a Kaiserstadt. '« ist nur a Wien" — gilt noch heut'. Und nun: Nicht» für ungut! Sobald Sie. wie ich hosse. Ihre Stellung zum ..Heiligen Sohar" ändern, wende ich mich Ihnen wieder zu. Bl» dahin aber groll' ich, bis dahin schmoll' ich. Hilari». Permischte und ne»rstr Nachrichten. . Zn» der Ntzeinprooinz. (Or.-Eorr.) In dem Leitonilcl zu Rumnier 48 „Lehrer und Metzgerknecht-, dem sicherlich nicht allein alle Leser der .Wocheuschrist-, sondern alle wirklich da» Judruthum erhalten wollenden Juden dei- »>mme>i. findet sich ein Au»druck, der besonder» in Rordu»d Ostdeutschland die schlimmsten Mißverständnisse hervorzurufen geeignet ist. E» heißt dort: „Man stellt als» eine» Schächter an, und dieser i>t nebenbei Lehrer. Ist ein solcher nicht gewissermaßen auch Metzgerknecht nnd Lehrer'?" In all' den Gegenden, in welchen die Schechita würdige» und kcnntnißreichen Männern anvertraut ist, wo mau nicht durch da» Auswendiglernen eine» deutschen Büchleins sich heranbildct, wo der Schachet sich einen WissenSgeuossen de» Rabbiners auf dem Boden des Talmud. wenigstens im Bereiche der Schechita, weiß — könnte man meinen, daß Herr vr. Rotschild von extremem Rcformstandpunkte im Schachet herabwürdigen wollte! Sicherlich hat dem würdigen Herrn diese Absicht fern gelegen und er spricht nur vou dem, wa» ihm vor Augen steht. Hier im Westen ist unter deu viele« verkommenen religiösen Institutionen die Schechita die verkommenste. Jeder jüdisch« Mrtzgerbnrsche wird eben — Schachet. Wie viele Schuld die Berhältnisse, wie viele die Rabbiner daran tragen, da» mag ich nicht näher untersuchen. Genug, es ist so. Also allein seine Schochtim und nicht diejenigen, welche eine tseilige Amtsverrichtung durch Ausübeu der Schechita vollziehen, kann Herr vr. R. gemeint haben.*) Die Schechita. wie sie hier zu Lande geübt wird, entwürdigt den Eantor und Lehrer — die Schechita, wie sic nach dem Gesetze sein soll, ist ein ehrendes rAigiöses Amt. das mit jedem der genannten BerufSzweige sich ganz gut verbinden läßt. München. Bor kurzem starb im Alter von 82 Jahre« die Tochter Jean Paul'». Da >oird daran erinnert, daß neben der Herzogin Amalie von Weimar und Herder der jnd. Kanfma»» E>nanuel ihr Pathe gewesen ist. Einige jüdische Zeitungen knüpfen daran die Frage: Würde inan heute auch »och so tolerant sein'? (Wir meinen auf die Gefahr hi», zu den Intolerante» gezählt zu werden, daß der Jade bei einem kirchlichen Akte als handelnde Person nicht» zu schaffen hat!) Wokfßage« (Reg.-Bez. Cassels. Am 28. v. Mt», waren c» 25 Jahre, daß die hiesige Synagogeugrmcinde die Einweihung ihres schönen Gotte»l>auses in übe,auS glänzender Weise geieitit hatte. Zuin Andenken hieran wurde dieser Tag von den Mitgliedern dieser Gemeinde festlich begangen. Die Synagoge war zu diese,» Zivrcke in sehr ansprechender Weise dekorirt und an dem Bormittags von 0 bis 10 Uhr abgehaltenen Gottesdienst mit Predigt uahin die ganze Gemeinde Tlseil. Der Abend vereinigte die Meiste» zu eine» kleinen Eoncert mit darauf folgende,» Tanzvergnügeu. Am Nachmittage desselben Tage» fand auch eine gottesdienstliche Feier zu Ehre» Montefiore'» statt. <Lo«do«, t4. Rov. (Or.-Eorr.) Jn Lcicester istsoebe» Herr J-rael Hart einstimmig zum Mayor (Oberbürgermeister) acivähll worden Da» Meikwürdige bei dieser Wahl ist, daß daselbst nämlich nur äußerst wenige Jude« wohnen, und daß im Jahre 1230 Simon de Montfort, der damalige Beherrscher der Stadt und U,ngege»d, ein Edict erließ, demzufolge kein Jude oder Jüdin „so lauge die Welt bestehtdie Erlaubniß habe, dort zu wohne». Selbstverständlich ist da« fragliche Edict jetzt außer Kraft nnd die einstimmige Wahl eine« Jaden zum Mayor beweist zur Genüge, daß man jetzt in L. ander« über Juden denkt al« zuvor. Aaflo. Die ÄewerbeauSstellung. vou welcher die Juden ausgeschlossen sind, hat selbst nach der antisemitischen „Beriet* nova“ Fiasko gemach l. Neterodnrg. Der Schulinspektor nnd jüd. Religion»» lehrer Herr DakowSzyk hat eine Medaille am Bande de» Stanislausorden» >oegen seiner Berdienste um deu Jugeuduulerricht echalten. In ganz ^stodokle» ist am 13. Oktober ein Erlaß erfsangen, alle jüdischen Gotteshäuser und Klause» zu schließen, ür welche die Gemeinden keinen stattlichen Besitztilel ansz«» weisen vermögen. — *) Wir selbst haben e* gar nicht anber« oerstanben, saust hLtten wir nicht versehl«, un« tu einer Rate dagegen an«znsprechr»; wir selbst kannten sehr würdige RabdinaiSinitgiieder, die zugleich „Schachtim- «aren. sRed.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.