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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 869 — I So wird frrnrr „brr jüdische ©ott rin Gott de« Zorne« Lgt de« fortaktyrrnbnt Grimme«" Ernannt. Zu welchem I(MI Mrtrn bmn abrr (Shrh'tMd und frtnr Apostel? Die lK,Mw>t giebt Joh. 4.22: Wir wissen, wo« wiranbeten. I^cnn da« Heil komm« von den Juden. — Eigenste I Borte Übrifti! I Und wie hier Christ»«. so haben die edelsten und ge- Ilchrlestcn Christen aller Zeiten über da« Iudenthum geurtheilt. >E» sei hier nur noch ein Wort von Ernst Renan au« seinem Ikortrage: „Iudenthum und Christrnthum" erwähnt: „Wie I»»nberbar ist da« Schicksal ihres (derInden) heiligen Bnel>eS, Idrr Bibel, die der ©eiste»- und SittlichkeitSq nel l Iber eivilisirten Menschheit geworden ist!" I Schon diese flüchtige Skizze wird hoffentlich jeden Vor- I »rtheilssreirn befähigen, den (Erhalt der fraglichen Notizen I nktiiia zu schätzen, sie wird ihn befähigen, sich zu überzeuge», I daß keine Neligion, auch nicht die Tvchirrreligion de» Juden» Itdum». welche diesem erwiesenermaßen ihre besten Lehren I entnommen, da» Verhältii'ß Gotte» zum Menschen grist- und I herzerlirbrnder verkündet, al» da» Alte Testament; sie wird I ihn befähigen, die lautere Quelle zu erkenne», au» der wir | Jubelt stet» Trost. Mnth und Siegcsgrwißheit inmitten eine» i Marnirium» ohne Gleiche» geschöpft und noch lieute die I Hoffnung auf de» religiös-sittlichen Fortschritt der Menschen I schöpfe». wenngleich man u. A. denselben Propheten, iPfalmisle» und jüdischen Golte»männer» überhaupt die An- I betung eine» ..Nacht'Gotte«" znschrribt, a» deren unsterblichen Alommrnworlen und unerreichbaren Lieder» Millionen vleiil'cben in Shimgege. Kirche, Schule und Hau» für echte Eenes und Menschenliebe sich brgrislert halten, und fort mb fort sich ltegristern werden. Dr. Kronrr, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. )ie Siegelung der Lutzeren SiechtSverhält» »ifle der israelitischen SieligionS-Olenosseu» schaft in Oesterreich. Wie bekannt, wurden die staatsrechtlichen Verhältnisse der Protestanten in llugarn im Jahre 1860 und jene in bnt österreichischen Grönländern im Jahre 186 l durch Patente geregelt. Dir äuHerrn RechtSverhältniffe der katholische» üirche wieder wurden durch da» Gesetz vom Jahre 1874 ßeorbnei. Hingegen bilde» dir äußeren Rechtsverhältnisse der israelitische» Religion» Clenossrnschaft ein Chaos von alte» >i»d neuen Gesetze» und Verordnungc». Run ist r» gewiß wtilir, daß die Regelung dieser Anqelrgenlieit nicht so bringend »nd nolhwendig, wie dir Regelung jener der Protkflaiiten und Katholiken, respektive deren Kirchen war; den» abgesehen davon, daß die Zahl der Juden speciell gegenüber imen der Katholiken eine verbältnißmäßig kleine ist, so kommt auch noch hinzu, daß der Staat weit öfter mit der Kirche al« mit der Synagvge in Berührung und dal>er auch zeitweise in Conflict kommt. Man würde jedoch irren, wenn «an glaul>en wollte, daß die Regelung der äußere» Rechts- «rrlwltniffc der israelitische» Religions-Genossenschaft nicht briegend. ja sehr dringend sei. E» handelt sich da nicht blos um Cullua-, sondern um Cnliuriragen und diese de ^>h>e» iiiclit nur die betreffende Confessio»: denn jeder Stillstand ober gar Rückgang in der Culinr schädigt nicht nur bit betufsrndrn Per sone», sonde»» auch da» Gemeinwesen. In der Thal ha« da» Ministrrinm für Cultu» und unterricht diese« Moment gewürdigt und die diesbezüglichen "rocesje. dir vor dem Verwalt»ng»gericht«hvfe ausgetragrn würben, konnte» r» nur i» seinem Vvrlwben bestärke». In lalcher Weise kam e». daß da» Ministerium im Jahre 1881 |u,f Cnqnvie einberirs, dir au« Israeliten säilimtlichcr Krön- Wader, in welche» Israeliten zahlreich wohnen, bestand, unter auch Radbiner, Prediger und ein jüdischer Hhtvcilcr waren, die überdie« Veit verschiedene» religiösen Paririru innerhalb de» Iudenthum« angehvrten. Diese Enquötr wurde ein die«bezüglicher Gesetzentwurf vorgelegt» in welchem da« Wefrn einer jüdischen Gemeinde, respektive eine« derartigen religiösen Vereine», genau »mschrieben, deren Besugniffe geregelt, die Norme» für die Wahl der Vorstände und der Funktionäre, die Rabbiner mit «»geschlossen, ausgestellt und die Mittel zur Erhaltung der Gemeinde fixirt wurden. Die Berathung wurde dem Ernst der Sache angemesien gepflogen und da und dort Veränderungen, die zedoch da» Wesen de« EntwurfeS'nicht tangirten, vorgeschlagen. Man erwart«e und hoffte, daß das Ministrrinm in der darauffolgenden nächsten Session de» ReichSrathrS da» Gesetz zur verfassungsmäßigen Behandlung einbringen werde. Doch dis heute ruht e«. Nun mag da» Ministrrinm gewiß seine guten Gründe haben, wcßhalb es zögert. Es sei nn» jedoch gestaltet, die Motive, wen» auch nur in änßcren Umrissen, anzugrbe», die rS als dringlich erscheine» lasse», daß der au» der Initiative des Ministeriums hcrvorgrgangrnc Ge» srtzcnttvnrf mit den Amendements, die vom Ministerium acceptirt wurde», auch Gesetzeskraft erlange. Zunächst mag auf die Anomalie hingrwiesrn werden, daß heute »och in der Rechtsprechung Gesetze rc. zu Grunde gelegt werden, die im vorige» Jahrhundert unter ganz anderen Voraussetzungen erlassen wnrvr». So hat da» Judrnpatcnt für Böhmen vrm Jahre 1797 das josefinische Tvleranzpatent als Unterlage, während jedoch nach den jetzt bestehenden StaatSgrnndgcsctzrn dir Jude» nicht tolcrirt, sondern gleichberechtigt sind. Dies im Allgemeinen. Wir wolle» nun SprriellrS hcrvorhrben. Wie bekannt, hat der Statthalter von Mähren vor kurzer Zeit VcrtranenSmänner einbernfc», die über finanzielle Frage», in welcher W<eisc die CultnSgemcinden für die Cultusbedürfniffc aufkomme» könne», zu brrathen hatten. Und in der Thal ist der Bestand der Gemeinde» und ihrer Institutionen bedroht und gefährdet, wen» nicht, den neuen Verhältnissen kiitsprcchcnd, rive Regelung erfolgt. In Böhmen wieder kamen im Jahre 188.4 unter den Juden mehr als 1400 Ehen vor, bei welche» »ach de» bestehende» Gesetzen 127 a. b. G. B rc.) von amtswegen cingeschrittc» werden müßte. Docli sind die Zustände i» Böhmen und Mähren noch glänzend gegenüber jenen in Galizien zu nenne». Schon im Jahre 1820 befahl Kaiser Franz, daß die Rabbiner den Naclnrei» über die genossene philosophische Bildung bribringcn müsset'. Wir zähle» jetzt 1884 und man frage, wie viele Rabbiner in Galizien diesen Nachweis erbracht haben, wie viele überhaupt auf dem Niveau allgemeiner Bildung, oder was dieser ähnlich ist. stehe». G«viß sind c» sonst brave, wackere Leute; aber von ihrem beschränkten Gesichtspunkte aus leiten sie nicht bloü die religiöse» Angelegenheiten, svndeni sie suchen jede» Fortschritt hintanzuhalten und stellen sich der Aufklärung in den Weg. In der Einfalt ihres Herzen» mischen sie sich auch da und dort in ökonomische, mcrcantilc Angelegenheiten rc. und stiften Wirrwarr. WaS die Gemcindcvontändr, rrspcctive die Wahl derselbe» betrifft, so ist die Intelligenz als solche vom activrn und passiven Wahlrechte ausgeschlossen. Während sonst ein graduirlcr Doclor als solcher das active und passive Wahlrecht für de» Grmcinderath, Landtag und RcichSrath besitzt und dort, wo Wahlkörper bestehen, in den zweiten Wahllörpcr eingereiht ist, kan» ein graduirlcr Dvctor, Israelit, als solcher, weil» er keine Cultnssteucr entrichtet, nicht i» den Vorstand der israelitischen Äcmeinde lvählcn und nicht gewählt >verden. Laut not leaat. Nach den ltestehcude» Gesetzen steht e» den Vorständen der jüdischen Gemeinde» zu, die Lehrpläne für den israelitischen Religions-Unterricht in de» Volks-, 'Bürger- und Mittelschulen frstzustellr». ES gibt daher ein fjanzcs Kunterbunt derartiger Lehrpläne »nd manche dar» wer ind ivahrlich derart, daß man die Hände über dem Kopf zusammenschlagni könnte. Wir denk«>, dir vorgcbrachtc» Momente reichen hin, z» beweise», daß eine Regelung dieser Verhältnisse i» höchstem

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