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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 858 — Wodurch wird jene Behauptung erhärtet? Durch ttnige mißverstandene, mißdeuttte alttestamenta rische Verse, denen eine viel grOfem Zahl ähnlicher neutestamentarischer Verse gegenübergesiellt werden kann. Da« biblische und »achbiblische Judenthum saßt da« verhältniß Gölte« zum Menschen al« ein unmittelbare« auf und bezeichnet daher Gott al« Vater (Ab. Abba), und ztvar in de« Worte« edelstem Sinu. Diese Auffassung und Bezeichnung bildet einen Grundzug jüdischen Lehren« und Leben«. Al« die Welt noch vor ihren Götzen knirtt. im Staube kroch vor den unversöhnlichen Göttern undRacheqüttinnen — hat J«rael von seinen GotteSmännern schon vernommen: „Linder seid ihr ve« Ewigen, eure« Gotte«!- (6. M 14). Darum betrübt euch nicht allzusehr, so Jemand von Euch scheidet, wie e« die wohl thun, die Gott nicht kennen; denn der Tod selbst ist eine heilige Veranstaltung, welche zum Later führt da« vollendete Lind (Talmud). Vergl. Hiob 1,21. „Ist er nicht dein Vater, der dich sich geeignet, dich gebildet und bereitet hat?- (VM. 32.6). ,,0 Ewiger, du bist unser Vater, wir der Thon und du unser Bildner und deiner Hände Werk sind wir Hilf". (Jes. 64,7). „Vergißt wohl ein Weid ihre» Säugling«, daß sie sich nicht erbarmte ihre« Herzenskindes? Und ob sie auch vergäße, so will ich dein doch nicht ver» gessen- (das. 49,15). Welch eine unvergleichliche Fülle von Liebe — oder »von Rache und fortwährendem Grimme"? — bekundet diese Stelle! »Mein Vater, der Traute meiner Jugend bist du!" (Jerem. 3.4». „Mit unendlicher Liebe liebte ich dich, darum leitete ich dich an der Liebe Band" (dos. 31,3). ,^>aben wir nicht Alle einen Vater, hat nicht ein Gott un» erschaffen? Warum sollen wir den» »reulo« sein, E>ner gegen den Andern?" (Mal. 2.10). Esr. 2. M. 4.22; 5. M. 1,30, 31; das 8.5; Hos. 2.1 und überau« zahlreiche andere Stellen. Israel, da» der Welt die Einheit Gotte« gegeben, hat auch die stirfväterlichc Eifersüchtelei der heidnischen Götter gebrochen. Er. der da rief: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einig-einzig", konnte auch gebieten: »Du fällst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele nnd ganzem Vermögen" (5. M. 6.45). Einen Gott nur kann ich ungethrilt liebe». Einem Vater kann ich Lind se-n mit vollster Angehörigkeit. Darum heißt e« auch Jerem. 31,9: „Ich bin Israel zum Vater geworden und Ephraim ist mein Erstgeborener". Daß nicht nur für da« Volk, sonder» auch unzweifelhaft für da« Individuum die Vaterschast Gotte« zuin Ausdruck kommt, zeigen noch 2. Sam. 7.14: »Ich werde ihm (dem Salomo) Vater sein und er mir Sohn"; ferner Ps. 68,8: „Vater der Waisen und Richter der Wittwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung"; das. 89,27: „Mein Vetter bist du, mein Gott und der Hott meine« Heils"; das. 103,13:» Wie rin Vater seiner Linder sich elbarmt, so erbarmt sich der Ewige seiner Verehrer" — u. v. a. St. Scheint sonach Gotte« Vaterschaft und Liebe sich besonder« auf den Gottr«verchrer zu erstrecken, so wird dagegen u. A. im Hiob 31.13 ff. dieselbe al« allen Menschen sich tundgebend gedacht,.so daß selbst der Sklave al» Gotte« Lind erscheiut. Daneben ist dir Geschichte der verschiedenen Bunde-schließunge» zur Rettung der Menschheit, soivie der ganzc ethische Theil der mosaischen Gesetzgebung, insonder« da» Gebot der Nächste»-. Fremden- »nd Feindetlirve — wurzelnd in der Lehre vou der Aotte«kindschaft und Gotte«rbenbildlichkeit de« Menschen, s. 1. M. 1, 26. 27 — zu beachten. Zu einer tiefern Erfassung de« göttlichen Wesen« al« Vater fühtt u. A. noch Jes. 43,25: „Ich, ich allei» bin e«. der deine Mifftthaten tilgt, um meinttwilleu, und deiner Sünden gedenk' ich nicht"; daselbst 55, 1c „®* verlasse der Frevler seinen Weg. und der Mann der Unthat seine Gedanken, und kehre zurück zum Ewigen, und er wird sich sein ttbarmen, denn reich ist er im Verzeihen"; 1. St. 8,41. 43: .Auch den Fremden, der nicht von deinem Volke J«rael ist. und er kommt nnd bettt in diesem Hause, erhöre d, , immel nnd thue alle«, um wa« der Fremde zu dir nur, s. 27,10: „Wenn anch Vater nnd Mutter mich verlas der Ewige nimmt mich auf"; das. 138,6: „Erleben ist«. Ewige nnd sieht doch auf den Niedrigen"; das. 145,9: ist der Ewige gegen Alle »nd sein liebende« Erb-im, nmfaßt alle seine Geschöpfe". (Dieser Psalm»«» kommt wiederholt in den täglichen Gebeten z« J,raeliten vor). Esr. 3 M. 19,33. 34; 5. M. 10.1*1* o. 24,17. c. 27,19. Zach. 7,10. Ps. 148,9. In b talmudischen und liturgischen Schriften heißt Gott »„vityy Mal: Vater. Vater im Himmel, barmherziger Vater ähnlich. Tiefergreifend sind dir Neujahrs» und Versöhnung«. Feslgebtte für da« leibliche und geistige Wohl aller Mensche, al« Linder eine« Vater«. So: „Wer ist Dir gleich, al liebender Vater, der du gedenkest deiner Gebilde zum in liebendem Erbarmen"; ferner: ,.E« möge» dich. Ewig, ehrsürchten alle Wese», sich dir beuge» alle Geschöpfe »n sic alle einen einige» Bruderbund bilden, deinen Wille» p vollführeii mit aufrichtige« Herzen . . . Und die Edrl, mögen e« schauen und sich freuen, daß da« Laster verst»«,-. aller Frevel wie Rauch vergcht, daß du bannest d» Herrschaft de« Uebermulh« von der Erd.!" Allerdings hat da» Iudenthum, namentlich für fc, ha rtnäckigen Frevler auch strenge Mahn- und «tniwarte; abe> sind dieselben ttwa herber, al« die de« Acre« Testaments? Wir citireu Math 13,41.42: »Dir llniech thun. werden in den Feurrofen kommen, da wir» fein Heulen und Zähnklappen!" Dis. 25,11: »Gehet hin von mir. ihr verfluchten, i» dasewige Feuer, da« bereitet ist dem Teufel und seine, Engeln" Das. v 46: »Und sie werden in die ewige Peru gehen " Otr. Mark. 9. 44.46.48, Apostelgesch. 17 31; 2. Äor. 5,10; Röm. 2.6.8.9; insonder« 2. Thess. 1. * 1 wo denen die Rache Jesu und seiuerEngel, ewige» Elend, verkündet wird, die Gott nicht kenneu und dm Evangttio nicht gel)orchen. ES liegt mir sehr fern, mit Anführung dieser nrutrfnmentarischeu Stellen hier ttwa« Andere» al« die FrsbirUmg der wissenschaftlichen Wahrheit zu bezwecken. Da« werde. Sie. vetthtttt Redaeteur, und Alle, die »viffen, in weicher Weise ich da« Ehrfftenthum gegen seine scheinchristlicheil -er» ächter wiederholt vcrthttdigt. mir wohl glauben. I« den ged. Notizen wird allerdings (gegen s>hlch Nr. 36) bemerk«, daß »auch da« Reue Testament anfiipge Stellen eutl»ält;" da» ist aber auch Alle«, nachdem M Judenthum in weitschweifiger und maßloser Weise angegnssw worden. Merkwürdig ist und bleibt die Lnrzsichtigkeii. de nicht gewahrt, wie sehr sie damit auch da« Ehristcuiha herabsetzt. So wird z. B. Lüuig David gleich audcrr, Männern de« Alt. T. l)«chst abfällig leutti-nlt. veg uni «da da« N. T. nicht mit dem Vnsuch, die Abstamm«» Jesu au« davidiiche« Hause zu rrweijen. und erwähnt «* da btt nicht mehr denn rin halbe« Huudett Juden und mchrw Jüdinnen al« seine Ahnen und seine Ahufraur» — darin»» alle jene geschmähten Männer — und läßt da» R. 2gega Schluß (Offenb. 22,16) Jesu« nicht al» »Wurzel und ->«» David«" erschttuen, bildet also jene davidische Abstamm«» nicht da« »Alpha und Omega" de« Reuen Testament»? Die Wbel erzählt un» die Tugenden ihrer hervorragcade« Männer, verschweigt aber auch nicht — in Gegensatz zu d» Sotdschttftthum alltt Zeiten — ihre Fehler; diese solle» uu» i* Warnung, jene zur Rachttferung dienen. Bei Beuriheil«» der biblische» Helden müffen vor Allem die damaligeu »■* die jetzigen Zeit- »ud Lnlrurverhältnisse in Bttrachi gczagm werden; dann erschttueu un« jene Mäunn in einem gtti andern Lichtt. Richtig, D>,vid hatte schwer gesündigt"; d>dm da« viele spätere Regenten nicht gtthau? David derrtte aber sttue Süäde sehr tief; habe» auch da« viele spatere»■ Senteu gtthan? Die Geschichte girbt darauf Intwott. —

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