Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 854 — Eonferenz wurde mir die erste detaillirte Kund« von dem Plaue — mit regem Interesse. Ostmal« habe ich mir die Frage vorgelegt .Ist erden» wirklich ein Bedürfnitz, in der Rheinprovinz eine jüdische Waistnanstolt zu gründen?" Aber immer mutzte ich mir die Frage mit „Rein" beantworten, und so freut« ich mich datz m Viesen Tagen auch von Paderborn au« mit einem „Nein" geantwortet wurde.*) Bon mehreren Seite hörte ich den Eifer, da« rege Interesse de« Lehrer« und Gemrindevorftande« in Din«laken preisen, vernahm jedoch auch von vielen Seiten, datz man sich vielerorts sehr passiv verhielte, ja datz manche Gemeinden der betreff. Angelegenheit sich entgegenstellten. Seit vielen, vielen Jahren besitzen die Schnxsterprovinzen Westfalen und Rheinland zwei Institute, die Zeugnitz geben von dem friedlichen Geiste, von dem regen Interesse: geistige« Wissen zu fördern und armen verlassenen Waisen eine sichere Heimstätte bereiten zu können. Mit dem jüd Lehrerseminar in Münster versucht (?) man in Evln (Plato) zu concurriren und dem wohlorganisirten Waisenhaus in Paderborn will man nun auch den Rücken zuwenden, i» Dinslaken eine lloncurrenzanstalt gründen. Hoffentlich bleibe» die meisten rheinischen Gemeinden der alten Fahne treu und helfen lieber auch weiter etwa« Grotze« vollenden, ol» rin Kleine« (noch nicht Vorhandene«) gründen. Echo tu Mordmeß (Roch 2 Beläge zu Rr. 45 W. .Berlin") 1. So oft ich eineSpenden-Liste von vr. Solvendi erhalte, nehme ich mit Berdrutz und Aerger »vahr, wie gerade solche Gemeinden vertreten sind, au« deren Mitte keine Mark nach Jerusalem abgeschickt werden sollte, da sic selbst an Dürftigen keinen Mangel leiden. Sei e« Eitelkeit, seinen Namen von Zeit zu Zeit gedruckt zu sehen und der Menschheit ad ocnlos zu demonstriren, was man für ein wohlthätiger Mann ist, oder seien e« andere Gründe, kurz — für wildfremde Menschen, oft ohne jegliche« Verdienst. werden jahraus jahrein in prunkender Weise Unsummen zusammrngebracht, und die eigenen Armen, mit denen die frommen Geber oft noch verwandt sind, vergehen in Elend und Roth. 2. Wichte, wie Goldwicht (Jerusalem), der sich al»,Rabbiner gerirt, aber keiner ist, wenn er auch Briest in UNsdN sNV? schreibt, verschleitzen die Erde de« heiligen Lande«. Schade, datz der Mann nicht vor der Zeit der Lreuzzüge gelebt. Der ganze Krieg war unnöchig. wenn nur so tausend Goldwichte den Potentaten und Völkern Europa» den einfachen Weg gezeigt hätten, auf welche Weise man sich in den Besitz de« heiligen Lande« setzen konnte, ohne mit Rotz und Reisigen dorthin zu ziehen. Roch so zehntausend Wichte, und e« ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der letzte Rest heiliger Erde verzettelt. Dem Manne mützie von Sultan«- und Staatswegen da« ganze , Handwerk gelegt werden; denn wenn e« Goldwicht nachginge, so fiele Palästina bald — nicht in die Häudc der Glaur«, sondern unter den Spiegel de« Mittelmeere». Kermischtr rnrd ttnußt Aachrichle*. Merkt» Am 6. November beging die ijirfi^f jüdische Lehrerbildungsanstalt in dem engen Kresse der Lehrer und Schüler die Frier ihre« sünfundzwanzigjährigen Bestehen«. Der Leiter der Anstalt, Ihr. Holzman. warf einen Rückblick auf die Entstehung und Entwickelung derselben, die bisher 16V Zöglinge mit dem Zeugnitz der Reist für da» Bolksschullehramt entlassen hat. Dabei hob er die Verdienste seine« Vorgänger«, de« Rektor« Horwitz, sowie die der Herren Or. Beit und Ihr. Sach» um die Anstalt hervor. Ehemalige Zöglinge derselbe» überreichten einen Fond« zur Gründung einer Stiftung. *)(ttan lest bit .(ttfUnmg" brt tturatorüm* ta Inseratenttzeü. Rcbj MenßetH», 8. November Bor der hiesigen Etratka«, kam heute eine Sache zum AuSttage, welche ihrer Zeit, gehen re« Aussehen erregte, jener brklagen«werther Unglückes welchem der hiesige Schmiedemeister Win egge zum Opstl fiel, und al« dessen Urheber der 14'/, Äohrr alte Lehel»! Isidor Rothmann Hierselbst unter Anklage der fahrlässig,! Tüdtung durch Hinwerfen eine« brennenden Streichholz« auf die von Schnap« gefeuchteten Kleider de« W, gestellt 41 Der Gerichtshof verneinte die Vorsätzlichkeit bei fcJ Thar und erkannte auf eine Gefängnitzstrafe von 1'/, Iahe»! Bei der UrthrilSbegründung hob der Herr Präsident au.1 drücklich hervor, datz die stattgehabte Verhandlung de» Proajl seiner antisemitischen Färbung, welche rin Zeichen der tif,I geregten Zeit sei. vollständig entkleidet habe und datz achl nickt da» leiseste?ltom für die Schuld de« Angeklagte» ach! dieser Richtung qtu erbracht sei. Der Angeklagte habe sch! aber der denkbar grvtzten Fahrlässigkeit bei seiner Handlung«.! weise schuldig gemacht und sei au» diesem Grunde so schchl besstaft. Au« Htzpek», macht un» der chrwürdige trotz sc,«« Alter« noch rüstig thätige Rabbiner Herr vr. W,enri folgende, die weiteste Verbreitung verdienende Mittheilung: Da die öffentlichen Blätter sich mit deni neuesten M» sterialreskript bezüglich der Schreibe»« jüdischer schul« am Sabbath beschäftigen, so Hab« ich von unserm Gymnasia, auch ein leuchtende« Beispiel von Toleranz und Hum in,» anzuführen. Al» neulich in der Eonferenz da» qu. Miniiimalreskript rorgelestn wurde, erbat ich mir von unserm Gymnasialdirrktor vr. Brüll zur bessern Orientirung da« Schrismäch um r« nochmal« zu lesen. Der Direktor sagte mir. datz a grundsätzlich am Sabbath keine Klassenarbeit schreiben last und datz auch die Strenge de« Minister« betreff« der schnsilichen Abiturirnten-Arbeitel, am Sabbath gegenftand»lot sei. da jetzt nur 5 (nicht wie bisher 6) Arbeiten angeseni« werden, die Arbeiten von Montag bi« Freitag also beend« seien. Ich finde auch bei diesem humanen Mann (Katholik) soweit e« nach der Schuldi-ciplin zulässig. Willfährigkeit an» Entgegenkommen in religiösem Interesse. Vivat sequeni! G. Mordtz«»le«, 9. November. (Or.-Eorr.) Gestern hi» hier im .Wissenschaftlichen Verein" vor der Elite der hiesig« christlichen Bürgerschaft Herr Professor W. Preyer aus ^nu einen Bortrag: über die Kunst, da« Leben zu verlange». Er führte Sir Mose« Montefiore al« Beispiel an. und pnet ihn in begeisterten Worten al« einen .Wohlthäter der Menschheit". Auch erkannte er lobend an. datz Montefiore iteU mätzig nach streng jüdischem Rnu« gegessen und getrunken hast. Au» Weßfake». In der am 10. Oktober zu Hilchenbach qbgehaltenen zweiten Lehrerprüfung stellte der Schulrats Sieger« im .Deutsch" unter Anderem folgende Frag»: .Rennen Sie Volksschrififtrller". Einige werden genauch darunter auch BerthoÜ» Auerbach. »Warum darf eie Lehrer Auerbach nicht lesen?" Antwort nach einig» Zögern: .Er hat nicht in echt christlichem Sinne geschrieben.' Sieger«: „Rein, weil rr ein Jude ist und Judenschriften darf man nicht lesen!" Sollte der Hm Schulrach e« nicht wissen, datz Berlhold Auerbach la»ß Vorleser (seiner eigenen' Schriften) bei unserer Kaisen» gewesen? Die „Preutzische Lehrrrzeitung", die noch mchrm Fragen und Antworten au« den anderen Prüfungsgegeistände bringt, u. A. z. B.: .Friedrich Wilhelm IV. ist » gebrochenem Herzen gestorben. Sein Mörder war der Listrali-mu»'. .Der 28. Oktober hat die Bedeutung, datz » ihm di« Reich«tag»wahlen stattfinden, bei welchen der Lehm helfen mutz, die Feinde de« Kaiser« und Reich« aus b» Reichstage zu vertreiben" — fchlietzt mit den Wonen: .M würden Anstand genommen haben, diese Thatsachen hier j> veröffentlichen, wenn wst nur irgend einen Grund gehakt hätten, an der Wahrheit derselben zu zweifeln". In Wie» ist der Schriftsteller und Pädagog Laz« Horowitz gestorben, welcher in seinen Romanen die (SonflK*