Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 852 — der Satz: »Er (Dr. Rahmer) hat solch« Zustande geradezu heraufbeschworen!" (Siebente und achte Lüge!) 8 Der Paftu«: „Dr. Rahmer wohnte der Lude" (so schreibt nur ein Am haarez» eine» nach jüdischem Gesetz in Blutschuld erzeugten Kinde» bei", ist zwar keine Lüge, aber er enthält eine doppelte Unterlassung, e» fehlt die wesentliche Angabe »al« pTJD” (der da» Kind auf den Knien zu halten hat), sodann hat der orthodoxe Redactenr die Grsrtzrtstclle anzuführe» vergessen, nach welcher die» verboten sei. S. »Er (Dr. Rahmer) hat mit der heil. Thora in der Hand von der Kanzel herab eine Ehe. die die Thora mit der Strafe der Ausrottung belegt, sanctionirt" — da« ist die neunte Lüge**), denn wir haben mit ostentativer, voriger avisirter Weglassung der Worte »Ehefrau de» Hrn . bei der Namengebung de» Kinde« die Mutter nur ermahnt, dir Pflichten einer israelitischen Mutter stet« getreulich zu erfüllen. und da« Knäblein gesund an Körper und an Geist, religiö» zu erziehen. Wir glauben mit dieser unserer Haltung bei solchen oder ähnlichen Vorkommnissen — wo eine staatSgesrtzlich gültige Ehe eininal vorliegt — auf dem echt konservativ:» Standpunkt de- Judenthum» un» zu befinden. Oder glaubt der Redakteur de« »Israelit" und sein Attikelschreiber, das, wir vielleicht in diesem Falle für.Ausrottung" hätten beten sollen! Mögen die Orthodoxe» fluchen und poltern, verleumden und Hetzen, wir werden fortfahren zu segnen und die Gesetze unserer Religion stet» im humansten Sinne und im möglichsten Einklang mit den Landesgesetzen zu handhaben. Darin fühlen wir un» im vollsten Einverständnisse nicht nur mit unserer Gemeinde, sondern mit Allen, denen dir Ehre und da» Heil de« Judenthums am Herzen liegt.**) M«gdet»rg. Der Ausschuß de« D. I. G.-B. (Abtheilung: Aufmunterung zur Ausbildung für Handwerk, Landwirthschast und technische Gewerbe) macht un« folgende Mittheilung, die wir zur iveitern Kenntniß bringe»: „Auf ein in diesem Jahre umhergeschickieS Circular, in welchem die Bitte ausgesprochen war, un« solche Handwerksmeister nam^ hast zu machen, welche den religiösen Gefühlen der Lehrlinge keineti Zwang anthun, ihnen also gestalten wollen, an Sabbathen und Festtagen zu feiern und auch den andern religiösen Vorschriften nachzukommen, sind un« au« den verschiedensten Gegenden de« Vaterlandes 193. darunter auch etwa 50 nichtjüdische Meister namhaft gemacht worden, welche sich angeboten haben, unter Berücksichtigung des oben ausgesprochmen Wunsche« jüdische Knaben in Lehre zu nehmen. Die Liste der Anerbietungen verzeichnet folgende Gewrrbtreibeude: Bäcker. Buchbinder. Bürstenbinder, Cigarren« macher, Drechsler. Färber. Fleischer, Gerber, Glaser, Gold- und Silberarbeitcr. Graveure, Handschuhmacher, Klempner, Kürschner, Landwirthe, Lederarbeiter, Maler und Anstteicher, Maschinenbauer, Mechaniker, Müller, Sattler. Schlaffer. Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Seifensieder, Seiler, Tapezier. Tischler, Uhrmacher, Vergolder, Weber, Weinbauer und andere mehr. Rach den Provinzen vertheilcn sich die Anerbietungen folgendermaßen- Rheinprovinz 62, Prov. Hessen-Nassau 27, Prov. Hannover 25, Prov. Posen 20, Prov. Pommern 7. Prov. Schlesien, Prov. Sachsen und Großherzogth. Heften je 6. Königreich Württemberg. Westpreußcn und Großherzogthum Sachsen je 5. Bayern, Brandenburg (mit Berlin) und —> Neun Lügen und einige Unrichtigkeiten in einem einzigen Artikel de« .Israelit" — so viel leistet selbst ein protesiantischer Hospredtger nicht! Darin ist ihm der orthodox« Rabbi doch .über". ***) Daß diese nnse-e rabbinische AmwthStigkeit auch auherhalb unsere« Gemeinde bezirk« da« vollste Verständnis, findet, beweisen die vielen Fäll«, in denen man un« nach Gemeinden in der Räh« de« orthodoxen Halbrrstadt zur Vollziehung rabbinischer Iunclionen beruft. So hat'in jüngster Zeit erst wieder eia« streng konservative Gemeind«, die seit ihrem lange« Bestehen unter dem Rabbinat Halberstadt stand, au» freien Stücken in einer Generalversammlung beschlossen, fortan in allen ihren religiösen Jnstititulionen (Schechiia, Schule, Lultu» u. s. w.) unserer rabb. Beaufsichtigung unterstellt sein zu wollen, vir habe« aus schriftlich« Insrag« un» gern damit einverstanden erklärt. Meiningen je 4, Elsaß und Schle-wig-Holstrin je 2. Mecklen. bürg, Oldenburg und Westfalen je eine. Der Ausschuß de« D. I. G.-B. bittet nun ergebenst, ihn in seinen Bestrebungen, die Jugend zur Ausbildung für Handwerk. Landwirthschast und techn. Gewerbe hinzuführen, freundlichst zu unterstützen und ihm Knaben namhaft z, machen, »velche Lust habe» und auch geeignet erscheinen, n, Handwerk u. s. w. zu erlernen. Der Ausschuß wird nach wie vor bestrebt sein, für die Unterbringung solcher Kiiabrn seine Vermittlung zu gewähren, nach Maaßgnbr der Mittel arme Kinder zu unterstütze» und diese, sowie auch solche, die der Gklduntrrstützung nicht gerade bedürfen, sowohl während der Lkhrling«zeit, als auch späterhin unter seinen Schutz zu nehmen. (Meldungen sind p, richten an da» Bureau des D. I. G.-B., Berlin W. SigiSmundstraße 5.) Ktetli», 5. November. Der Leitartikel in Nr. 44 Ihre» geschätzten Blatte«: .Hilf Dir selbst, so wird Dir Gon helfen" wird so manchem Leser deftelbcn die Feder in d,e and drücken und auch ich mache von Ihrem Anerbieten, hr Blatt zu einem Meinungsaustausch zur Berfügung z» stellen Gebrauch, indem ich uin Aufnahme dieser Zeilen bitte. ES dürste kaum einen jüdischen Beamten geben, in deffen Herz die in dem genannten Artikel ausgesprochenen Gedanken de« Herrn Dr. Weinstein nicht den mächtigsten Widerhall gefunden hätten. Wohl giebt e» unter der großen Zahl der in Deutschland fungirrnden Rabbiner, Prediger, Cantoren und Lehrer auch solche, — namentlich in großen Gemeinden — die froh und heiler in die Zukunft schauen können, aber gerade die vom Glücke so Begünstigten müssen, so sie um offenen Augen die traurigen Zustände ihrer College» in kleinen Gemeinden sehe», ja sehen wollen, sich sagen, s o kann e« nicht weiter gehen, und da die Gemeinden den Ucdeiständen nicht abhclfen wolle», oft aber auch nicht abhelfai können, niüffe» die Beamten selber an die Besserung ihrer Lage Hand anlegen. Unter den viele» herrlichen Gebeten de» ganzen Jahres sind cS besonders die Worte ■U3,bm 7* ."Upi HS1?, welche in den heiligen Tagen des Monat« Tijchri so oft über unsere Lippen kommen, die wir ein rother Fadri sich durch das ganze Leben der jüdischen Beamten zielst und oft die Freudigkeit am Amte trübt, und wenn auch bei einen großen Theile dieser Beamten, so lange sie noch arbeitsfähig sind, jener bescheidene Wunsch unsere» Stammvater« Jacob. TJ31 'TOkS Orb sich erfüllt, so sind sie immer der Sorge noch nicht enthoben für die Zeit, von der eü heißt: UTD rv*733. Darum unterschreibe ich den Mahnruf de« Herrn Dr. Weinstein voll und ganz, und die Vorschläge deftelbcn der Unterstützung aller Gemeindrbeamtcn war» empfehlend, gehe ich noch eine» Schrill weiter und schlage vor. die Gründung eine« Verein«, wenn auch unter anderen Ranien, aber nach Form de« in Berlin von melnem gcehnc» Freunde Max Karfunkel gegründeten ..E«ra-Bereni«".'- Einen Beitrag von 50 Pfennig zahlt jeder gern und ich will mich verpflichten, so sehr ich schon sonst meine Gemeinde in Anspruch nehme, drn»och hundert Mitglieder noch j» stellen. Wenn jeder' Beamte mit Eifer sich der Sache unterzieht. mit Muth und Vertrauen an« Werk geht, kann unbeschadet der bereits bestehenden Vereine große» noch geschafft» werden. Zum Schluffe möchte ich noch einen Uebelstand zur Sprache bringen, dem abzuhelfen Sache de» Gemcindebunde« sein wird, denn Beispiele au» der neuesten Zeit zeige» uns, daß. soll nicht rin Beamten-Proletariat herangezogen werde» -der Äemeindedund dafür eintretcn müffe. daß nicht so viele kleine Beamte kleinerer Gemeinden so ganz der Willkür der Vorstände auSgesctzt bleiben. Dem einen Beamten wird ohae jegliche» Verschulden nach 13 jähriger angestrengter Arbeit •) vir glauben, daß dieser Berrin seine Dhätigkrtt liebrr de» obigen Zwecke zu wenden sollt«; Sammelbüchs«« für Palästina gü>>« nachgerade wirklich «ehr al« genug. (Red.)