Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 851 — •mit ihn der Gtricht«hof als Sachverständigen über den tzchulchan Lruch beruft, so bescheiden sei« und erklären: .Ich kenne den Schulchan Aruch nicht, ich kenne nur den Iustu«! Ueber Iustu» bi» ich bereit ein Gutachtcn abzu- Sen; über den Schulchan -lruch kann ich r« nicht; dazu lt mir die Loinzn-tenz. die erste, unerläßliche Qualität eine« Sachverständig«,: die gründliche Kenntniß desselben!" — Eine solche Erklärung mußten Sie abgeben, ehr Sie sich da« Hecht erwarben. Andere eine« — „System« von rSuschungen" zu bezichtigen! — Nachdem ich. Ihren beiden ersten Thesen gegenüber, den frwd« erbrachte, daß 1. der Schulchan Aruch kein von den Quellen und Umständen unabhängige«, die Juden bindende» Gesetzbuch ist und sein will, und 2. der Ausdruck .Akum" im Schulchan Aruch sich au«schließlich auf Götzendiener bezieht, so können natürlich 3 weder die Eitatr der „Jsaakiade". noch die de« „Justu«". die den Juden derGegenwurt ihre Verunglimpfungen ausbürden, im Schulchan Aruch stehen, und damit wäre Ihre 3. These von selbst erledigt. — Zum Schlüsse will ich. gegenüber dem allgemeinen vrstrebe» der christlichen Welt, da« Judenthum in möglichst iriiben Farben erscheinen zu lassen, zwei Stellen au» dem Talmud aliren. die die allgenieinste Beherzigung verdienen. Dir 1. steht Traktat Schebuoth 3öb und lautet: .Uebrrall wo im Buche Daniel der Ausdruck .Malta König" vorkommt, sind irdische Könige darunter gemeint; nur an der einen stelle c. 2. 37 ist G o t t darunter zu verstehen: „Du König, liinig aller Könige rc." Einige sind der Ansicht, daß auch ui dieser Stelle „Gott" gemeint ist: .Herr, der Traum Deinen Feinden und seine Deutung Deinen Hassern!" (14,16). Denn zu wem sonst könnte Daniel die« sagen'? Doch nur zu Nebuchadnezar; dessen Feinde swd aber auch Israel, und Daniel würde damit Israel sluchen. — Der Ersten aber' befürchtet die« nicht, denn )»rael wird zwar gehaßt, haßt, aber dir «Slkcr der Erde nicht: 'K31W lO'K Sn'flT HJW C'Srrmt - Also selbst Nebuchadnezar. dem Eroberer Jerusalem'«, dem Zerstörer de« ersten lempel« gegen über, fühlt J-racl nach dem Talmud io wenig Haß. daß dieser den Fluch gegen die, welche Reduchadnezar hassen, ruhig unterschreiben kann, weil ein Israelit . . . nicht haßtlll Man glaube nickt, daß dir?. Ansicht die« bestreitet; sie versteht nur untrr dem Ausdruck ^"12 und fWV an dieser Stelle die von Nebuchadnezar Gehaßte», nicht die chn Hassenden. Aber er weiß e» aber auch. und jeder der den jüdischen Eharakter kennt, der weiß r«: Israel haß» dir Böller nicht, obgleich e« v on ihnen gehaßt >>rd. und die« proelamirt der Talmud! — Die 2. Stelle lautet: Bim di »ohatith mine maja to Unohd* ba kala (Baba k. 92 b), zu deutsch: .In einen Brunnen, au« dem Du Wasser getrunken, sollst Du keinen Blei» >verfen!" E» ist die« rin auch sonst bekannt gewordene« tolmudische« Sprüchwort über die Undankbarkeit, da« aber auch auf da« Berhältniß de» Judenthum« zum Ehristenthum scine volle Anwendung findet: Da» Iudenthum ist der .Brunnen", au« dem da» llhristenthum „Wasier getrunken l" — Nachschrift der Redaktion. Wie wir au« Leipzig vernehmen, hat bat Reichsgericht a dem am 28. Oktober vor dem erste» Strafsenate verhaadelien „Jsaakiade"»Prozrsse da« von den Angeklagten ein- Aiegtk Recht«mittel der Revision verworfen. Da« Urtheil Bonner Strafkammer vom 6.- Juni d. I. welche« die ^»geklagten wegen Beschimpfung de« Iudenthum« al« einer innerhalb de« Reich«gebiete« bestehenden, mit Lorporatton«- rechten versehenen Religionsgemeinschaft resp. wegen Beihülfe hierzu zu Gefängnißstrafen von 8 Wochen resp. 3 Tagen verurt'irUt Hai, ist somit recht«kräftig geworden. — Äildcmeister'« Gutachten hat also den Angeklagten nicht« genützt: auch sein eigene« Gelrhrtrn-Ansehen nicht erhöht. Gerichte «mb Correfpouberrzen. Deutscklanb. Wagdeßnrß (In eigener Sache.) Ja e« ist eine eigene Sache, in „eigener Sacke" schreiben zu müssen. Wir gehen nur mit Widerstreben daran, mehrere gcsch. College» drängen un» dazu. Sir halten unser Schweigen gegen die Verleumdungen, die der „J«raelit" über die „Diücese Magdeburg" in die Welt gesetzt hat. nicht in der Ordnung, sie halten un« da« Bibelwort 'ARIVvl '.1v D*pj DTPiTt vor und meinen, wir seien zu einer Erwiderung verpflichtet, da sonst der Artikel von anderen Blättern (auch de» Ausland«) unbeanstandet, weil unwidersprochen, nachgedruckt werde, und e« leide dadurch der Ruf einer großen, intelligenten Gemeinde, ja die ganze religiöse Richtung, die wir vertreten. Diese letzter» Gründe haben unstreitig für sich — HBHI "JfinB „Ihr habt mich überredet, ich gebe nach!" Wir lassen deshalb hier einige thatsächliche Berichtigungen, zu deren Aufnahme wir auch den Red. jene« Blatte« au» Grund de« Preßgesetze» zwingen können, folgen: 1. Der erste Paflu» in jenem Artikel: .Seit vr. Güdcmann'» Zeiten sind wir(?)baar jede« religiösen Zuspruch» u. s. w." ist eine >o handgreifliche Lüge, daß selbst rin hiesiger naher Verwandter de» vr. Güdeman» dem Red. de« .Israelit" geschrieben, e« sei eine Unwahrheit, er solle eS au« eigener Initiative zurücknehmen. (Ob e« geschehen ist. wissen wir nicht, da wir den Austausch mit diesem Blatte aufgrgebe» haben.) 2. Der nächste Passu«. daß die ..vrrehrlichc Redaktion de« ,I«raelit" in unsern Predigten abgekanzclt werde", ist wieder eine Lüge; wir machen un«einer solchen Enttvcihung der heiligen Stätte nicht schuldig. 3. Der Satz: „Mit wahrer Donnerstimme weist er sie (die Grmcindemitglieder) zurecht, daß sie so spät in die Synagoge kommen" mthält dir dritte Lüge-, Der Artikelschreiber hat die Worte „so selten" mit „so spät" verwechselt; wir hatten un» gegen die „Dreitagsjudrn". die nur an de» hohen Frirrtagen da» Gotteshau« besuchen, die da sprechen '21 "grSfon ov3 onsvo irrr\ gewendet. 4. Der Passu« über die Zeit de« TrmpklbesuchS an den 3"' enthält wieder eine Unrichtigkeit. Der Gottesdienst beginnt an diesen Tagen hier gegen 7 Uhr. wir gehen (auf ärztliche Anordnung) »m 8 Uhr zu demselben. 5. Was sodann dort recht hämisch über unsere Religion«- schule, die zu den brslorganisirten gehört, gesagt wird, zeugt von Unkenntnis» und ist erlogen. 8. Der Satz, daß Herr M. W. erster Lehrer an der hiesigen Religionsschulr sei, ist die sechste Lüge. (Herr W., rin am hannoversche» Lehrerseminar geprüfter Lehrer, bekleidet gegenivärtig hier rin StaatSamt") und ist so freundlich, neben den drei Lehrkräften au«hilfs,ve,se und stellvertretend einige freie Stunden im Schreiben, Gebetelesen, Geschichte — nie Religion — Unterricht zu rrtheilen. wofür die Gemeinde ihm ganz besonder» dankbar ist, da um dieser ö—8 Stunden doch eine besondere Lehrerstelle hier nicht crrirt werden kann. 7. Der Satz: „Ein Ehillul haschem verdrängt in seiner Amtsführung den andern" ist eine ebenso dreiste Lüge, wie •) Sowie ein jüdischer Lehrer, der sein «illliir-Jahr abdient und dabet doch die Sabixlchaesetze nicht beobachten kann, drSbalb — selbst von de« rigorosesten Rabbiner — nicht für unwürdig etkUln «erden kann, in den «Hw freibleibenden Stunden an der RrliaionSschule sortzuunter. richten, — nach derselbe« «nalogte betrachten wir jede durch den Staa»»- dienst gebotene Richtdeobachtuag von «eligtonSoesehen.