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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 860 — heit der Einrichtung, warum aber sind der jüdischen Lehrerzügltnge immer noch so wenige? Run wir wissen es: »egen schlechter Besoldung und noch schlechterer Behandlung. Die Gemeinden beguügrn sich auch mit schlechteren Lehrern, degnügeu sich mit dem Hebräisch-Lesenunterricht, lassen es sich aber auch gefallen, oder fordern es sogar, daß bei Gelegenheit die Lehrer, selbst solche, die im Examen durchgefallen sind, oder auch dir. welche aller Borbildung entbehren. predigen. confirmiren, Trauungen vollziehen, Grabreden haltm und dergleichen; oder es ist gar kein Lehrer, den st« anstellen, es ist ein Metzgrrknecht. besten sie beavthigt sind, und der. wie für andere Knechts- und Hausdienste, auch für Religion«, unterricht verwenden wird; oder man findet in Deutschland keinen Lehrer, man nimmt einen fremden, umherwandernden und schnorrenden Burschen, kenntniß», sitten- und charakterlos, der Religion, Sittlichkeit und Moral lehren soll; man behält ihn, so lange es gefällt, und jagt ihn fort, sobald man seiner nicht mehr bedarf. Welch« Früchte kann ein solcher Unterricht erzielen? Welche Achtung und Ehrfurcht köunen wir. sollen Andere vor einem solchen Judenchum, vor einer solchen Religion haben? Mehr sogar noch als der Lehrer, steht bei den Gemeinden die Anstellung eines Schachet in den Bordergrund. Man stellt also einen Schächter an, und dieser ist nebenbei Lehrer. Ist ein solcher nicht gewissermaßen auch Metzgerknecht und Lehrer? Bon dem Bedürfniß eines Eantor« für di« Synagoge ist dabei in der Regel gar nicht oder zuletzt die Rede. Die kleinen Gemeinden sind rath- und hülflos, und helfen sich, wie sie können; aber sie nicht allein, sondern die Gesammtheit hat, wie wir aufs neue sehen, mit Schaden davon. Möge die geeignete Abhilfe recht bald kommm! Dr. Rothsch ild. . . Offener Brief a« Herr« Prof. g. Gtldemetfter in Bon». von vr. I. gtoldschmldt, Vejirw-Xabbiner tn WeUburg. (Schlug,. Sie übertreiben also, Herr Proststor. wenn Sie sagen, es erscheinen im Sch.-A. unaufhörlich die Aknm, mit denen man sich s o v i e l zu schaffen machen mutz. Zahlen beweisen am besten! Der Schulchan Aruch hat 1706, sage Lintausendsiebenhundertundfü ns Kapitel. Manches dieser Kapitel bat 20,30,60, ja 70 und mehr Paragraphen, z. B. Iore dea 201 bat 76, Lhoschen Mischpat E. 149 hat 39 Paragraphen. Eben Hasser L. 164 hat 126, E. 189 hat 113 Paragraphen ic. Rehmen wir im Durchschnitt 10 Paragraphen auf jedes Eapitel, so haben wir für den ganzen Schulchan Aruch 17,060 Paragraphen, und da hat Justus nur mit größter Mühe nicht mehr als 100 Gesetze zusammengestoppelt, die sich mit Akum in angeblich liebloser Weise beschäftigen. 100 von ungefä'hr 17,0601 Ferner Hilchoth Akum haben im Ganzm nicht mehr als 123 Paragraphen! Und nehmen wir noch die 172 von Mlobotb j«jin neaaeoh S, so haben wir 296 Paragraphen von circa 17,060! das: man macht sich mit den Akum so viel zu m? — Ihr 4. Beweis, daß Akum Ehristen seien, lautet: „In einzelnen Stellen ist dies auch nach dem Wortlaute unabweisbar. So in zwei in der Flugschrift berührten Borschriften: „Bor dem Kreuze, dag ein Priester oder großer Herr auf der Brust trägt, soll man sich nicht bücken;* „der Jude soll keinen bösen Hund halten*. Jsserle« sagt dazu: „Heute, da wir zwischen den Akum angesiedelt sind, ist es erlaubt*. Anderswo, Paragraph von den „Gützenfesten*: „Man muß vermeiden, was Feindschaft erregt und sich an ihren Festen mitfrrnen, weil wir »wischen chnen angesiedelt sind und da« ganze Jahr mit ihnen handeln wüsten*. — Herr Professor! Hier vergaßen Sie. um was es sich handelt. «* handelt sich um den Beweis für die These: der Ausdruck .Aku«» bedeute Ehristen. Ist es da von Belang, ob man fc vor dem Kreuze, da« ein Priester k. trägt, bücken darf? dir Stelle ist Iore dea 160,3. Entweder ist die L A. unsrrrr Ausgaben richtig dann ist überhaupt nicht vom Kreuze, sonder, von Götzen-Figuren die Rede, oder aber es giebt. wie vr. Ecker zu der Stelle freudig anmerkt, „noch unversäljchu alte Texte*, welche die L. A. Khathi wtwtb haben, »»,. dann steht hier der Ausdruck „Akum* gar nicht*. — Ebenso ist dir dritte Stelle nicht von Belang. Dieselbe befindet sich Iore dea 148,12 und lautet: „Einige sind der Ansicht, alle« dies sei nur gesagt für jene (alte) Zeit; aber in unserer Zeit sind sie keine Götzendiener (Akum darum darf man mit ihnen Geschäfte machen an ihren Feittagen tc. Dazu bemerkt Jsserle« die von Ihnen angefühne, Worte: „Man muß vermeiden, was Feindschaft erregt uat sich an ihren Festen ,c* — was hat da» also mit der deutung von „Akum" zu thun? — Da» widerlegt ja ihre Behauptung! — Die zweite Ihrer citirten Stellen, Ehoschen Mischpat 4VS.Z. wäre von Belang, wenn .... Sie richtig citirten. I« da« richtige Eitiren fällt, wir schon oft gesagt, manchem s, schwer! Ich habe eine Eh. M.-Au»gabe Wien 1802. (bä Joseph Raschanski), sogar ohne Eensur, vor mir. und da lese ich: „Der Jude soll keinen bösen Hund halten", und Jsserle« sagt dazu: „Heute, da wir zwischen den Akum und de, Böllern — möltfl masn ra — angesiedelt sind ic*. Meine Ausgabe denkt also daran, daß heute Juden zu, Theil unter Heiden, zum Theil untdr nicht heidnische» Böllern angesiedelt sind, denen der Name „Akum" nicht zukömmt. — Ihre Beweise sprechen also wieder nicht für. sondern gegen Ihre These. Ihr 6. Beweis: „Es läßt sich überhaupt nicht absche«. wie sich die Juden ernstlich gegen diese Erklärung w» Akum tu s. w. so zu sperren suchen. Objektiv betrachtet muj dir Benennung al« eine nothwendige Eonsequrnz aus de» abstrakten Monotheismu» und dem Berbot nicht blo» der Eultusbilder, sondern aller Bilder, sobald sie lebende Wesen darslellen (sie ließen ja zu Tausenden sich hinschlachin. ehe sie einen römischen Adler al« Feldzeichen in ihr Laad komme» ließe») erscheinen. Wollen sie da« jetzt nicht zugedea. so kann daraus nur auf ein böses Gewisten geschloffen werde»'. Oder darauf, daß Sie, Herr Profeffor. nicht unfehlbar sind. Sie wollen dir Logik commandiren, die Juden wolle» aber nur das Eommando der Logik anerkenne». Warm Sie der Logil ergeben, wie Sie sie meistern wollen, so würde» «k rinsehen. wie die Juden sehr wohl „in ihrem Lande*, welche unter theokratischer Bersastung die Heimathstälte de« Monotheismus war. keinerlei lrbmde Wesen darstellende Bilder dulden wollten und dennoch außerhalb ihre» Lande« nur den al« „Akum* betrachteten, der faktisch ein 0b«ä Koohabim, ein Götzendiener, ist. Ja wohl, wir wehren un« ernstlich dagegen, dag alle Richtjuden „Akum" sind, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es eine . . . Lüge ist' Mit dem zweiten Theilr Ihres Gutachtens währen wir somit fertig. Es bleibt un« nun noch der dritte übrig, der die Frage behandelt, ob die in der „J>aakiade* citirten Sltzc wirklich im Schulchan Aruch stehen. Für Sie, al« 2ach> ve, ständigen, bildete die« die .Hauptfrage", für unseren Zweä ist da« Rebensoch«. Die „Jsaakiade" habe ich nie zu Gesichte bekommen. Ich habe es nur mit ihrem Gutachten, Hen Profeffor, zu thun. Ihr Gutachten aber ist wiederum u»-e> heuer — sophistisch gehalten. Sir sollen begutachten, ob d« Eitale der Jsaakiade rm Schulchan Aruch stehm, und iveise« nach, daß sie im . Justus stehen! Ist das erhört' Freilich kann man sich im Justus leichter einlesen. alt im Schulchan Aruch. Wer aber im Original d^ Schulchan Aruch nicht gründlich Bescheid weiß, der ««»,

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