Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 844 in 2 Bänden, welche auf den ersten 2 Blättern link» und recht», mtt großen Druck einen hebräisch« und deutschen Titel bat. Der hebräische besagt, daß der Text sorgfältig nach ver Maffora durchgesehm. corrigirt und besorgt sei. durch den berühmten Belehrten Mclr Letteri«. Men bei A. Reichen äb Comp. 5682. Der deutsche Titel lautN: „Die heuigen Schriften de» alten Testament« hebräisch und deutsch I (U) Theil Wien. L. Reichard äd Lo. 1872. »Durch den auf dem hebräischen Titel genannten, al» bedeutenden Hebraisten bekannten sel.M. Letten» und in Ansehung de» ausgezeichnet schönen, dem Auge wohlthucnden sowohl deutschen, wie namentlich hebräischen Satze», und im guten Glauben, daß auch die Uebersetzung vom sei. Letteri» her» rühre, freute ich mich de« Laufe«, und stellte diese, im Text außerordentlich sorgfältige Au»gabe, neben meine andnn Bibelexemplare. Bor einigen Tagen nun wollte ich einige Stellen darin nachschlagen, wobei mir dir eigenartige An der Urbnsrtzung in qu. Ausgabe auffiel, wodurch ich Veranlassung nahm dieselbe näher zu untersuchen und mai» denke mein Erstaunen — da stehen sie, die bekannten SchibolNh: "12 IjdV 2,12) .Küsset den Sohn" 2H O nntntVI .mit gr-^gen Schaarm Evangelisten" re. re., kurz die Luthrr'sche Uebersetzung. wie ich durch Bngleiche festgestrllt! Und diese Bibeln werden, wegen der so vorzüglichen br. Typen, zum Theil allerdings ohne Uebersetzung. mit orlieb« in jüdischen Rel aionSjchulen gebraucht, da sie nebenbei gesagt, zu sehr mäßigem Preise veNauft werden. ' Wie Biele mögen wohl schon in gleicher Weise sich getäuscht sehen, da sie ebenso harmlos, wie ich. über die Bezeichnung .de» alten Testament«" auf dem Titel, hinweg-!^gangen sein dürften, ja überhaupt nicht beachtet haben, trht doch der Name .Letteri«" nebenan I Ich glaube, daß die Lache öffentlich besprochen zu wnden verdient. J. K. (Daß die von den israelitischen Bibelanstalten z. Z. ediNen BibelauSgaben. was Druck. Papier, Einband und Preis anlanat. mit denen dn Missionsanstalt keinen Bngleich aushalten. ist leider eine bekannte Thatsache. Red.) Kl. Zn» Aßeiutzeffe», Ende Oktober. Gestatte» Sie mir au£ die .zeitgemäße Anregung" in der Beilage zu Nr. 40/41 Ihre» geschätzten Blatte« eine .zeitgemäße Erwiderung". Ich bi» nämlich der Ueberzeugung, daß e» durchaus »zeitgemäß, ja ein großn Mißgriff wäre, wen» die zu berufende Lehrer - Deligirten - Eonferenz, welche in Berlin stattfinden soll,*) auch Fragen äußern, materieller Natur, die auf die Stellung dn Lchrer Bezug haben, in da« Bereich ihrer Besprechungen ziehen würde. E» wird ia nicht anSbleiben, daß in privatn Weise auch in dieser Richtung Meinungen auSgnauscht werden; abn einen realen Erfolg können diese nicht haben; und darum dürfen sich die eigentlichen Bnhandlungrn nur auf den ausgesprochenen Zweck — auf den Normallehrplan beziehen. Hüten wir un» im Borau«, Dinge anzuregen, die Mißtraum gegen die Eonferenz selbst Hervorrufen könnten und zu Mißdeutungen gerechte Beranlaffung geben. Dazu dürfte» gar Biele auf dn Laun stehen, die weder den D.-J. G.-B. noch die Aufstellung eine« Normallehrplan« wollen. Schreibn diese« war einst selbst für einm Deutsch-jüdischen Lehrn-Bund; n hat abn die Ueberzeugung gewonnen, daß die Verhältnisse dn Lchrer überall so verschiedenartig sind, daß eine Bereinigung alln oder auch nur mehrerer Länder odn pnußischn Provinzen zur Umgestaltung diesn Berhältniffe erfolglos bleiben müßte. Und wenn auch! — Diese Gelegenheit ist nicht dazu angnhan, dnaNige« anzuregen. Die vorliegende Aufgabe *) Am!iv. und 30. December c St »otrd, wie die .Jüd. Pr." au« dem Bureau de« D. I. w. B. erfahrt, beabkichttgt, der au« dreißig Schulmänner» defiehenden Beriammiung außer den Rormolplaniknnoürfen auch noch einige ander« da» Schulwesen betreffend« Fragen vorzulegen, l B. über die OpoorrunilLt de» Schechita- und de» Lehramt«» in einer Perfon; über dt« Anstellung«- und Sündigung«verdSllntsfe, über Schulinspecttonen, über den neuesten Mnisterial-Lrlaß, betreffend da» Schreiben am Sabbath u. a. m. fft eben so wichtig al» schwer. Dn Normalplan soll »ich nur de« jüdischen Religionsunterricht einm. innern Hall grbm. dm diefn zur Zeit noch entbehrt, weil dn Eine ftr wichtig hält, was dn Andere verwirft, weil da« Alte verschwundm und unmöglich gewordm und da« Reue sich noch „ich; herauSgebildet hat. — n soll auch Licht bringen in d« israelitische Lehrrrweltl Er wird und muß an sich eine, wohlthätigm Einfluß habm auf die Hebung de« iSr. Lehrer, stände«, dem eine »Norm" gegeben wird für sei» eigene« Wiflen und Können, für seine Leistungen, für die Erfüll»«, seine« Berufe« und deren richtige Beuriheilung. Dir wolle, un« nicht verhehlen. daß unter dmjenigen, welche sich ,i«r. Lehrer" nennen und iSr. ReligionSuntnricht zu nthciln, haben, noch immer leider sehr viele sich befinden, d« jene« Namen durchau« unwürdig und zur Ausübung diese« heiligen Berufe« untüchtig sind, ganz abgesehen von de, leidn auch sehr vielen, die — können und nicht wolleir Da» ist die ärgste Krankheit, an dn dn i«rielitische Lehrerstand und nach meiner Auffaffung auch daS Juden»,uw leidet. Denn dn Obscurantismu» und Jndiffemitismu« würdm nicht einen so hohen Grad erreicht haben, wenn durch den ReligionSuntnricht ein tiefer religiösn Grund i» da« Gemüth dn Kinder gelegt würde. Steht aber rinmil fest, wa» gelehtt werden muß und weiß der Lehrn auch, wie gelehrt wndm muß (die Methode), dann wird e« auch Licht werden im Lehrnstande; dann wird man die Männer, btt dm Lchrbnuf al« ihre LedenSaufgabe und den Religion«, unterricht al« die Krone alles Untnricht« erkennen, vo» denjenigm unterscheiden, die nicht» gelemt und nicht« vngesse» baben, und die dm Lehrrrstand in Berruf dringen. Air legen mit dem Berfaffer jene« Artikels ein großes Gewicht auf dir Entwicklung der Methode de«Religio»«unterricht« und seinn Hilfszweige — Hebräisch — weil wir au« Erfahrung wissen. daß unsere Glaubensgenossen in diesn Richtung allzu optimistisch und noch immer der Ansicht sind, daß dir sachlichm Kenntnisie an sich zum Untenicht befähige». Da« ist überall und insbesondne beim Reliaion-unterrichte weit gefehlt. weil nur ein gediegener Untnricht den Einfluß aus Geist und Gemüth hat. der für« Leben wirksam ist. Und um diesen ntheilm zu können, muß man pädagogische« Wiffen haben, da« leidn unter un« noch sehr vernachlässigt wird. — Darum hoffen wir. daß der Normallehrplan auch die Grundlage bilden wird für die sachliche und berusliche — pädagogische — Ausbildung der künftigen Religionslrdrci. Tüchtige Lehrn werden aber auch ihren Weg finde» im Lebe» und ein tüchttgn jüdischer Lehrrrstand wird sich einst sctdst die Stellung erringm, die ihm gedühn. DieGegenwarl mit ihren Wirmiffen scheint un» zu derartigen Brstrebungr» nicht geeigntt, schon weil da» Bnhöltniß de« Staate» zu» Judmthume und zu den Religionsgesellschaften selbst i» allzu tiefeinschneidmder Umbildung begriffen ist. Unsere Auigade kann zur Zeit nur sein, den Lehrrrstand nach und nach vou seinm unsaubnm Elementen zu reinigen und ihn so zu Hede», daß n zielbewußt und seinn Aufgabe gewachsen ist. Dazu, scheint mir, wird - dn Normallehrplan einm vortrefsiicht» Bodm b'lden. Bleibm wir darum bei dn Aufgabe stehen, die i» Augmblicke vorliegt. E« wird ein sprechende« Zeugniß mehr de« idealm Strebm« und unzerstörbarer Kraft für da« Judmchum dn Gegenwart sein, wmn in diesn Zeit äusierer Angriffe und mannichfachn hemmendn Strömungen die bedeutsamste innere Frage ihre zeitgemäße Regelung findet. Wir habm dir Aufgabe, da« Gleichgewicht herzustellm zwischen dm mannigfachen Bildungsbedürfnissen unsernZeit, wo üdcral in den Schulen von »Ueberbürdung" gesprochen wird und dm Anforderungen, die die Religionsgmoffmschast. st dir Religion selbst, an die religiöse Bildung stellm muß. i«n« jene, die RrligionSgmossenschaft. lebmSfähig sein und bleibe« soll. Lüsm wir diese Aufgabe, dann, so glaub« ich. hrb» wir für jetzt da« unsere gnhan. Da« Andere — wird sich auch finden.