Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 343 — war er ist: eine Lodification Ix« Talmud, dann ist e« selbstverständlich, tafe er sich so viel mit den Götzendienern zu schaffen machen muff, weil die Quelle, au« der er schöpft, und die er nur. ich möchte sagen, in den handlichen Kragen von GcsrtzeSparographen verzapft, eben nicht« andere« bietet. — Wa« da« für vorwiegend christliche Zeitalter und Umgkblingrn für Zweck hat? Vor allem einen theoretischen: Die tlieoreüsche GesrtzeSkundr de« jüdischen Alterthum» war siet« da«Hauptmotiv de« Talmudstudiums im Judenthum. Er wird noch heule, in den «reisen, wo da« Talmudstudium in Folge der Vorschrift: »Forsche darin (in der Lehre) Tag und Nacht" florin, wie i» Polen, Ungarn. Palästina rc. mit derselben Minutiosität z. B. über Opsrrgrsrtze verhandelt, wie wenn der Tempel zu Jerusalnn noch heute bestände. Der Idealismus de« Judenthum« ist freilich in dem Geltung«» brrrch der groben Glocke nicht bekannt. Dab Menschen Tag und Nacht nicht« weiter treibe» sollten, al« den Talmud studiren, ohne jede praktische Nebenabsicht', da sie jeden Antrag einer Aabbnirrstclle ablehnr», um nicht ihr gottgeweihte« Studium zur milchenden «uh zu degradiren; dab sie dafür darben, ollen Freuden de» Leben» entsagen: dab sie jede ihrer besonder» Ansichten über den einen oder den ander» Punkt aus diesem Gebiete mit einer Hartnäckigkeit, einer Gluth, ja Mcksichtslosigkeit vertheidigen, al» ob da« Wohl und Wehe der ganzen Welt davon abhinge, wie die« in den «reize,> de« lalniubstudium« ganz allgemei» vorkommt — ja. davon hat die moderne, vom Egoi«mu« durchsresscnc mit deni Ideali«mu« nur kigeniiützig prunkende Welt eben keine Vorstellung: da» erscheint wie ei» Märchen au» »Tausendundeiner Nacht", wen» e« von Augeiitkugen — wie auch ich einer bin — erzählt ivird. — Wen» also die Eodificatio» de« Talmud lenien anderen al« diesen thevretische» Ziveck gelebt hätte, so wurde,, ihn Caro und Jsserle« in derselben Weise, i» derselben eorgsalt, versaht lzaben. — Allein e« hat auch ei»e» praktischen Ziveck. denn: da Bibel und Talmud die einzige Qnlle für da» jüd. Rrligionsgrsey bilden, Bibel und Talmud ober heidnische Nichtjude» und keine christliche» Nichtjuden gtsrhlich behandeln — vielleicht'mir Ausnahme der einzigen oben citirten Stelle Aboda sara 7 b — so bleibt nicht« übrig al« die religionSgesetzlichen Bestimmungen über da« Ber- HLltnih zwischen Juden und Christen au» den vorhandenen Aeslnnmungen über da« Bcrlzältnib zwischen Juden und Hcide» durch da« «riterium der Analogie zu rruiren. «atürlich ist Analogie und Eougruenz ziveicrlri. Man wird also, wir bei jedem Schlub durch Analogie, nicht blo« die gleichen, sondern auch die ungleichen Momente berücksichtigen. Alsa wird man nicht, wie Sie, Herr Profrffor, entscheiden: ba die Ehristen nicht Juden sind, folglich sind sic Heiden!, sonder» bedenke», dag man ebenso schlicbeu könne' da >ie nicht Haben sind, folglich sind sie Juden, und die« Dilemma wird zu dem Schluffe führen, dab e« ein tertrum giebt: sie sind weder Heiden, noch Juden, sondern Christen! d. h. also Menschen, die de» Glauben an einen von rc. mit den Juden gemein haben, dagegen nicht zum Vlaubensverbande de« Judenthum gehören. Man wird demnach alle die tztz, die den Heiden in seiner Eigenschaft al« vötzendienrr betrachten, ebensowenig auf sie anwenden, wie diejenigen, welche dem Juden dem ReligionSgenoffrn gegenüber al« besondere Pflichten de« Verbände» vorge» schrieben sind. Dagegen werden alle allgemeinen Pflichten der Humanität, der Liebe und Gerechtigkeit, von welchen der Heide in grwiffrr Zeit zum Theil nur darum auSgcschlosse» war, weil der Monotheismus dieser Zeit Humanität und Mo »otheiSmu« i» starrer Consequrnz tteinifizirte; also die Pflichte», welche den Juden nicht Mitglied de« confessionrllen Verbände«, soutxrn al« diichlheiden, al« Gottgläubige», al« ... Mensche» dktresse». ohne Zweifel eben durch dasselbe Gesetz der Analogie auch Ehristen gegenüber al« gültig krachtet werden. Darum dursten dir Gesetze über Akum »cht a»«grschloffen werden. (Schluß folg,.) Krrichle und Gorresporrdeirzerr. Deutschland. W. ^erkt», 2. November. Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie einem Laien auf religiösem Gebiet Ihnen die bescheidene Frage vorzulegen: wie vertrügt sich der Inhalt de« ersten leitenden Artikel« (Mahnruf an die l. College») in Ihrer letzten Nr. 44 mit dem auf der letzten Seite stehenden „Aufruf zum Bau eine« Montesiorc-Hause« in Jerusalem'?' Giebt e» eine» gröbere» Widerspruch/? Hier in Deutschland Hunderte von jüd. CultuSbeamten mit so bescheidenem Einkommen. dab sie da« ganze Jahr hindurch mit sorgen für die anständige Unterhaltung ihrer meist zahlreichen Familie zu kämpfen habe» — an eine» Reservcfond für «rankhcit oder Alter können sie gar nicht denken — und aus der anderen Seite solle» «Gelder gesammelt nxrdrn um unbekanntc. au» allen Weltgrgrnde» zusammengelaufene Individuen in Jerusalem zu versorgen und ihnen Häuser zu bauen'? E« ist Zeit, dab wir zur Besinnung kommen, da« Hemd ist un» näher al« der Rock — warum in dir Ferne schweifen wenn da« anzustrrbeiide Gute »»« so nahe liegt'? M»b sich jeder Frrnstrhriidc nicht denken, dab unsere Enllu-beamtc»- und Religionslrhrrr-Stellen brillant dotirt und ihre Zukunft gut grsicl-rrt ist. wenn man an« den verschiedene» „S p enden« Verzeichnissen und Sammellisten" sieht, wieviel Geld für unbekannte Zwecke verwendet wird'? E« mag ja sein, das» in orthodoxen «reise», wo ja Gelder zu allen möglichen Zwecken (sogar auf Ertra-Sammel-Rcisrn) mit der gröhten Leichtigkeit tributartig eingezogen iverdrn, dieser Nothstand nicht so genierkt wird — aber ich glaube, dab jede Mark, dir auf diese Weise eingetriebr» wird, »ur um für fremde Zwecke zu dirue», besser dazu benutzt iverden inübte, die (Gehälter von Rabbinern und Lehrern aufzubrssern. In mancher Gemeinde werde» von einzelne» Mitglieder» Hunderte zusauimciigetrieben für Zwecke die sie gar nicht kennen, aber ivenn r« sich um die Bedürfnisse der eigene» Gemeindebeauitc», sogar um Errichtung einer Religionsschule handelt, dazu hat die Gcmeindekassc keinGeld. E« ist Zeit, dab mit diescu falsche» Traditionen gebrochen wird! Ich habe vielrGleichgesinntc. die gleich mir ein tvarme« .Herz für unsere Religion haben, denen aber eine derartige „Wohlthätigkeit und Frömmigkeit" al« Frevel erscheint. Wie können unsere Euliusbeamtcn und Lehrer mit Freude und Eifer an ihr heiliges Amt gehen, wenn sie mit Sorgen um ihre Existenz und um ihre Zukunft zu kämpfen haben'? Und dabei soll tyeld gesammelt iverden für Häuser in Jerusalem! Sammelt lieber einen ,.Montefiore-Pension«-Fond« für jüdische Eultusbeamten in Deutschland" — da« wäre ein viel erhabener und würdigerer Bau! Um zugleich einen praktische» Versuch zu machen, um in Jahresfrist eine ansehnliche Summe für diesen Fonds zusammen zu bekomme» wiederhole ich meinen Ihnen bereits früher privatim gemachten Vorschlag: E« werden zum Rosch-Haschono-Feste in jeder Familie mehr oder iveniger Briefe und Karten nicht nur an Eltern und Geschwister sondern auch an Bekannte und Freunde versandt, die der Post Tausende Mark Porii» «„bringen. Entschliebe» wir un« einmal diese Briefe an Bekannte einige Jahre lang einzustellen und verwenden wir diese« der Post zugewiesene Geld (da» wohl in jeder Familie einige Mark beträgt) für den bereqten „PensionS-FondS". Hier in Berlin ist e« Sitte, dab Biele am 1. Januar anstatt aller Neujahr», karten einen gröberen oder kleineren Betrag an die städttschc Armenkasse zahlen und dab diese Spender dann in der Zeitung veröffentlicht werde». Mögen dir Rabbinc» dafür sorge», dab die» zum Rosch haschono von un« Jude» geschieht und e« würde» leicht 100,000 Mark zusammcnkomme». Au« Merkt« erhalten wir von schützcnSwcrther Seite folgende Mittheilung behuf» iveiiercr Verbreitung durch unser Blatt und zur Warnung'für die zahlreichen Leser desselben: »Vor Kurzem kaufte ich in einer hiesigen jüdische» Buchhandlung eine hebräische Bibel m,t deutscher Urbersetzung