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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 845 — ■ F. JßUmd, 29. Oct (Dx^lotx.) Vs» die Alliance Wtraciite für dir Hebm»g de» Knlturstoade» unserer ^Mi,br»»g«n»ftm im Orient bereit» gechan, braucht nicht MksönderS erörtert zu werden. Venter bekannt ist die in Mslpreußen vor einem Dezennium «ngerichtete Filiale der Mgiance. dir .Freischule für russisch-jüdische Kinder" in Memel. Kg Örintt ist Schule auf Schule entstanden, und eine Reihe Ktogmcc Lehrkräfte au» der Borbereitungsschule in Pari» Wb» ihre seae»«reiche Mission dort von Konstantinoprl Wonach Marokko und weiterhin au». Ander» ist e» an Mnsncr deutsch-russisch-polnischen Grenze, hinter Mmi absprrrenden Grrnzpfählen mit dem Doppeladler auf Minen engen Raum von ca. 16 Gubernien (Gouvernements) Miammrngedrängt. ca. 3 Millionen Juden wohnen, von Mnm ein grober Theil unter den bekannten Nothständen im Mischlichste» Elend vegctirt. Die Folge» der schiveren Ber- Mlgungen in Süd r u ßla n d machen sich zudem nach und Mch. in der eigentlichen Heimath der russischen Juden, in Mgestrubland. jetzt ebenfall» bemerkbar, da wo ohnehin Mr Elend de» massenhaften jüdischen Proletariat« bereit* Hiber groß genug war. Und doch könnte ein Kulturstaat Mwa» au» diesem Element machen, da» mit erbarmen-werther Mätzigkcii gegen die schwierigsten LebenSverhältniffe ankämpft. Hm a nicht bereit» durch den fortwährenden Druck ena- Mrjigcr russischer Staatsweisheit in den Staub getreten ist. Mn der Wichtigkeit dieser Frage für da» Gesammtjudenthum Md namentlich auch für die deutsche Ostgrenze war r» eine Mulklichc Fügung, .daß ein Mann wie vr. I. Rülf mitten Ms diesem schwierige» Terrain, in Memel, an dem rxpo- Mneslc» Posten de» nordöstlichen Deutschland, da» Rabbinat Hdernabin. Jhin ist e» im Wesentlichen. Hand in Hand mit Ma jetzigen Berliner Eentralc omite, zu danken, dag Mwere Kalamitäten in der dortigen russisch jüdische» Be- Milerung theil» vermieden, theil» gemildert worden sind, — Mi da» russisch-jüdische Ärenzprolrtariat nicht Mr vom Hungertode errettet, sondern mit den nothwendigstrn Mladui>g»,tücken »ersehen werden konnte dag seine Schnor- M'rn durch Deutschland eingeschränkt wurden, ja daß die Muigm Generation in der erwähnten, von Or. Rülf am M. Aovemder 1879 eröffnetrn israelitischen Freischule (Armen- Mule) einen geregelten Unterricht in hebräischen und deutschen Mdrqegenständen erhält. Bevor wir näher auf die Zustände M dieser neuerding» rrorganisirten Schule, in der wir erst Mili.y i,o»pillrr haben, ringehen, wollen wir die besondere Msnediguiig rcgistrire», welche e» allgemein hier hervorruft, Mi Herr Or. Rülf al« Gründer und Leiter der Schule Mch vor seinem 26jähr. Amt»jubiläum, da» am 16. Rov. Mcbtbba, lüttaj« morol») stattfindel, die Freude erlebt hat. Mi» Unternehme» durch rin ad hoo bewilligte» Kapital von Wvo» M seitens de» deutschen Eentralkomite'» für die Mviich jüdischen Flüchtlinge, sichergestellt zu sehen. Es fehlt Muiimchr noch der Ankauf eine» für die reorganisirte Shule Mngucicn Grundstück», für da» Herr Or. Rülf schon früher M> Kapital von 12.000 M. gesammelt hat Der Zuschuß M kill,an« ist nun seit kurzer Zeit fortgefallen, tat) kann dir Schule, die ausschließlich von halb in Lumpen Milien Kindern ausgesucht wird, die eingrkleidet iverden «iiiskn, für die u. A. Schlafgeld, Wästche re. gezahlt wird, »»d denen alle Schulutensilien rc. angeschafft werden müssen, «hae die Subvention der Alliance «techt fortbestrhen. Zu *r sür die Reorganisation der jüdischen Grenzschule zu Rmel entscheidenden Sitzung vom 18. Mai 1883 war au» «rlin al» Bertrrter de» Berliner Eomite'» Herr Justizrath «ako wer. deffen Wirksamkeit auf diesem Gebiet bekannt dl aiiwrsrnd. In dieser Sitzung wurde Rechnung über die d'cherigr Berwaltung der Fond« gelegt, die Freischule hatte 1. Mai 1882 bi» 1. Mai 1883 für 76 Schüler **. 271)4 gekostet, eine im Berhältniß zu der Anlage >>e» Mje» Untrrnchmen», da» mehr vollständige» Erziehung»- s«Ntut al» Privatschule ist, winzige Summe. Ferner waren da» von Herrn Or. Rülf in Memel begründete Krankenhau« eia Kapital von 7080 M. vorhanden und ebenso für den Au»waaderung»fond» 3900 M. Auch hier hat da« Berliner Eentralkomite die Rothwendigkeit einer Erweiterung eingesehen, da fast allwöchentlich Mittel für solche Au«. Wanderer verlangt werd.n, die von Verwandten in'« Au«- land gerufen werden. Jndeb kann auf diesem Gebiete der Thätigkeit de» Grenzcomite'» einstweilen, wenn nicht Ereignisse in Rutzland. die für imicc v.'rhütet sein mögen. e» ander» wenden, mit den vorhandenen Mittel», von denen ein Theil durch Hrn. vr. Bamberger-KünigSberg auch in Tilsit durch den dortigen Ort-rabbin« vr. Fciedeberg verwaltet wird, da» R ithwendigste bestritte» werden. Ander» steht e» mit dem „Armen-Jnstitut", denn so muß man diese Schule, die z. Z ca. 70 Kinder besuchen, bezeichnen — da haben bereit», um da» Unternehmen nicht in Frage zu stellen, Schulden gemacht iverden müssen. Wenn man iin Uebrigen die Protokolle de» Unterstühungtkomite» für da» letztvergangene Jqhr durchblättert, so erhält man einen Einblick in die unaufhörlichen Bestürmungen, denen da» Hilfskomite auSgesrtzt ist. Die Seele de» Eomite'S ist Herr Or. Rülf. auf ihm ruht die ganze Arbeitslast. Abgebrannte Städte und abgebrannte Menjchcn vulgo Schnorrer grnannt, wenden sich unaufhörlich von allen Ecken und Enden der russischen Grenze an ihn. Ost bringt dir Erledigung solcher Bittgesuche auch tausenden von gedrückten braven Menschen Erlösung und Hilfe. Im Einzelnen die Aktion de» Hilfskomite» zu skizzire». bleibe einem nächsten Artikel Vorbehalten. So wird da» 26 jährige Amt-jubiläum de» vr. Rülf in Meine! nicht ein Jubiläum wie jede» anierc sein, sondern e» wird zu einer Anerkennung der so speziellen Arbeit im Osten iverden müffen, für die der Jubilar seine Gesundheit ausgeopfert hat. für die er jede andere Rücksicht, selbst unter Verzicht auf eine Besserung seiner Position, die ihn aus diesen traurigen rrponirendc» Posten festhält, seinem Ideale nachgestellt hat. Möchte ihin doch der 16. November auch durch eine äußerliche Anerkennung seiner Verehrer beweisen. das, sein Mühen verstanden wird. Kt«ttß»rt, 19. Oct. (Schluß.) Dir erste Gratulationsdeputation. die sich nach dem Gottesdienste in der Wohnung de» Jubilar» einfand, war die de» Gemeindcrathe», geführt vom H.irn Olierbürgermeister Or. v. Hack. Der Jubilar, »icf ergriffen von der so seltenen Au»zcichnung. dankte für die ihm ausgesprochenen Glückwünsche, den Wunsch aussprechcnd, daß die Stadt sich noch lange zu ihrem Heile der Leitung ihre«.Oberbürgermeisters erfreuen möge. Als weitere Deputation erschienen dann: die Arltestendeputation, da« Kirchenvochcheramt, die der Rabbiner und Lehrer de» Lanre». die Vorstände de» FrauenvereinS, der Wilhelmspflege, de» KrankcnunterstützunzSveccinS, die Kirchenvorstehrr de» Mühringer Rabbinat», der Shnagogenchor und zum Schluffe die Deputation der von dem Kirchenrathe während seiner AmtSthätigkeit in Stuttgart konfirmirten Damen. Den würdigen Abschluß der ganzen Feier bildete das Festbankett in dem großen Königsbausaale. E» hatten sich nahezu 200 Theilnehmcr, darunter Präsident v. Silcher, OberregierungSrath v. Finkh und der Stadtdirektor OberregierungSrath v. Hofer, eingefunden. Der unter den Klängen eine» MendelSsohn'schen Marsche» von zwei Kirchenvorstehern eingeführte Jubilar wurde von dem N. A. Kaulla begrüßt und an seinen Platz geleitet. Den ersten Toast brachte Herr Asseffor Or. Schmal auf Ihre Majestäten au». Der geist- und schwungvolle Trinkspruch wurde von der Versammlung mit jubelnder Begeister ing ausgenommen und auf Antrag de» Herrn B. Eoenfeld telegraphisch an die kgl. KabinetSkanzlei nach Friedrichshasen gerichtet. Hierauf ergriff Herr Präsident v. Silcher da» Wort, um im Namen de» Kultusministeriumsein Hoch auf den Jubilar au»zubringe«. Sowohl dieser al» auch der Trinkspruch de» Herrn OberregierungSrath» v. Finkh, der die Israeliten versicherte, daß man von Seiten der Oberkirchenbehördc unentwegt an dem Prinzip« der Gleichberechtigung festhalten werde, machte auf die Anwesenden den mächttgsten Eindruck. In herzge-

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