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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 342 — gesprochene Verbot der Tödtung durch Schächten ein zu nackter Eingriff i« die Gewissensfreiheit wäre. Dagegen dürfte wohl die Gefahr vorhanden sein, daß da. wo rin Schlachthauszwaog eingeführt ist oder ringeführt wird, der Hebel gegen da» Schächten angesetzt und hinsichtlich de» diesem Zwange unterworfene» Fleische» etwa die Bestimmung getroffen würde, dab die betreffenden Thirre nur in einer bestimmten Weise getödtrt werden dürfen. Diese Gefahr ist um so weniger zu unterschätzen, al« die Juden zum bei weitem gröberen Theile in solchen Städten wohnen, in denen Schlachthäuser bestehen oder deren Einrichtung zu erwarte» steht. Eine solche Bestimmung kann sowohl durch rin allgemeine», die Schlachthäuser und den Schlachthau», zwang betreffende» Gesetz, al» auch, — und da» wäre vielleicht leichter durchführbar — durch locale Polizeiverordnungen erfolgen. Um nun derartigen Bestrebungen zeitig entgegenzutretrn. scheint e» mir am Zweckmätzigsren zu sein, wenn der öffentlichen Meinung und den gesetzgebenden Factorrn die Ueberzeugung beigebracht wird, rinersrit«, dab da« .Schächten" eine wirkliche und wesentliche religiöse Vorschrift de« Judenthum« enthält und dab da« Verbot deffelben eine Verletzung de« jüdischen Religion»bewub>stin« und einen Gewissen«jwang darstellen würde, Anderrrsrit« mühte erwiesen werden, dab die Methode de« Schächten» keine thinquälreische und dab sie namentlich eine solche wäre, welche für die Gesundheit und den Nahru»g«werth de» Fleische» de» Schlachtthiere« eine vortheilhafte sei. Da» Erstrre wäre Sache der Rabbinen, nicht der Gemeinden. da» Letztere mühte durch sachverständige Gutachten festgrstcllt iverden. Bei solchen Gutachten würde nicht lediglich und nicht einmal ikt erster Linie die wiffenschastlichen Thesen, sondern vor Allem die Erfahrung zu Rathe zu ziehen sein, und da muh r» doch eine Anzahl erfahrener und zugleich hinreichend wissenschaftlich gebildeter Schochtim geben, welche au« ihrer Praxi» die Resultate ihrer Wahrnehmungen vorlegen können, selbstredend ohne Rücksicht auf die B'dikah, die sicherlich kein Mensch in der Welt verbieten wird. Meine» Erachten» würde e» Sache de» Rabbinerve re in» sein, da» Material zu solchen Gutachten, welche» schon vielfach vorhanden") und nur zerstreut ist, schon jetzt zusammen zu stellen, um e» zur Hand zu haben, sobald und wo die Gefahr herantritt. Ich bin überzeugt, dah eine sorgsame, vorurtheilslose EnquSte durchaus zum Bortheile der jüdischen Schlachtmcthode aurfallen wird. Haben doch gerade di« wissenschaftlichen Resultate und die Erfahrung der neuern Zeit gezeigt, wie berechtigt da« Verbot de« Genüsse» von Schweine- und Hasenfleisch ist, und wie sehr die Anforderungen der gerade gegen die Erscheinungen der Tuberkulose de« Rindvieh» gerichteten Vorschriften der B'dikah eine Gewähr gegen so viele Gefahren bieten, und so wird c« sich auch bei der Schechitah Herausstellen, dab auch bei ihr. wie vielleicht auf dem ganzen Gebiete der jüdischen Speisegesetze, die religiösen Bestimmungen sich nicht blo» mit den Anforderungen einer höhere» Ethik, sondern auch mit denen einer strengen Sanitätspolizei durchau« decken. --— M—i. *) Unsere »Wochenschrts»" sowohl, wie ha« .Lltteraturblatt" haben ln srüheren Jahrgängen wenhvolle« Material hlerüber gebracht. (Red.) Cffener Brief a» Herr« Prof. g. Gildemeifter i« Bo»,. Bon vr. J.-Goldsch«ibt, Bepris-Xabbtner in SeUdurg. Al» zweiter Beweis dafür, dab »Akum" auch Ehristen fiik, nennen Sie .ausdrückliche Erklärungen der mabgebendsie, Rabbiner". aber Sir sind nicht im Stande mehr als de, einen Maimonide» anzuführrn. Allein gerade Maimonide«. wie jede Ausnahme die Regel nur bestätigt, hätte Jh,,e, beweisen können, da» Ihre These falsch ist. Sie zitira, Maimon. Eomm. zu Ab. sara 1.3: .W>ffe, dab diese» Volk die noaerim, die hinter Jesu» herirren. obgleich ihre Lebra, verschieden sind, alle obde aboda sara Götzendiener sind.' Wenn nach Ihrer These Akum alle Richtjusen ohne Auswahl sind, dann braucht da« von den noaerim doch nicht ent desonder» gesagt zu werden, abgesehen davon, da» die noaerim. die Maimonide» kennen zu lernen Gelegenheit hatte, also d« NoMiim seiner Zeit, ihm nicht ander» wie al» obde abod» ■ara erscheinen mutzten Al» da» schlimmste Merkmal de« Götzendienste« wird in der Bibel an vielen Stellen Dealer. 12,31 der Umstand genannt: .datz seine Anhänger selbst ihre Sah« und Töchter im Feuer verbrennen für ihre Götter". Po> den Ehristen seiner Zeit aber ivutzte Ma'monide«. das» sogar fremde Söhne und Töchter, Männer und Frauen. - er lebte 1135—1204 im Zeitalter der Kreuzzüge — m Feuer verbrennen ad majorem dei gloriam: und er. der unter den Mohammedanern lebte, bei denen die Auto-da-fe« fast gar nicht in der Mode waren, hätte die kloaerim, du er nur nach ihren Thate» beurtheilen konnte, nicht für obä« aboda sara halten sollen V Ich halte sogar auch Jusiu«, obgleich er getaufter Christ ist, und alle Fanatiker de« Glauben«, sie mögen Jude» oder Ehristen, Mohammcdaiicr oder Heiden sein, für obede aboda sara, ich halte alle» Fanatismus und alle Intoleranz für aboda »ara, rät Götzendienst. Wer dem Einen und ewige» Gon in goit loser, also ganz besonder» unmenschlicher Weise dicnt, der ist ein Götzendiener, ja schlimmer, denn er macht de» Einen, ewigen, heiligen, liebevollen Gott zum Götzen! — Sie interpretire» Maimonide» folgendermaßen: .Maimonide» lebte in mohammedanischen Ländern und brauchte sich vor Ehristen nicht zu fürchten". Also sie wollen glauben mache,. Maimonide« habe au» Feigl)eit den Mohammedanern sei» Eompliment gemacht: Herr Profcffor, da» glaube» Sie seldn nicht! Sie wissen c» sehr gut. Sie führen e» ja bald seldii gegen die Juden an. datz diese ohne Rücksicht auf Glück und Leben mit unerschütterlicher Zähigkeit an ihrem Glaube» festhielten. Ebensogut wissen Sie, datz Joseph tlaro sich eher 1000 Mal hätte rädern laffcn. al» in seinem Schulcha» Aruch auch nur mit einem Worte da» Religionsgesetz zu verfälschen. Die Sache ist vielmehr die: die christliche Lehrt kannte Maimonide» nicht, und die Ehristen. die er kann«, waren in der That nur dem — Namen nach Ehristen. Der Schulchan Aruch, und namentlich Jfferle», der in dem bamal» wilden Polen da» praktische Ehristenthum kennen lnatt erklären aber an vielen Stellen — vgl. die oben angeführten rc. — ausdrücklich: die Noaerim seien nicht al« Akum zu betrachte», da« hätten diese gegen ihre Ueberzeuguag um keinen Prei» erklärt, und hätte ihnen der Tod auch >» der schrecklichsten Gestalt gedroht. — Ihr dritter Beweis lautet so: .Näher kommt e» auf de» Sprachgebrauch de« Schulchan Aruch an. Jfferle» lebte m 10. Jahrhundert in Krakau: wo waren da die Sterna»- beier, daß er so viel Rücksicht auf sie nehmen sollte'? 3» den Theilrn de« Buches, in denen nicht blo» die Berhälinifft der Juden unter sich bchandelt werden, erscheinen unaushirlch die Akum, mit denen man sich so viel zu schaffen macht» mutz." — .Da» ist der Fluch der — Fälschung, daß f* fortzeugend Fälschung mutz gebären!" Hätte» Sie nicht Ihre erste falsche These ausgestellt, hätten Sie den Schulcha» Aruch nicht für ein .Gesetzbuch" rrtldrt, dann wäre Ihn«» dies nicht auffallend. Wäre Ihnen der Schulchan Aruch da«.

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