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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 888 Studien, woselbst er sich auch den Doktortitel erwarb. Am 14. Oktober 1884 erhielt Wassermann seine erste Anstellung al« Rabbinatsverweser in Mergentheim, doch schon am 1. Januar 1835 kam er in gleicher Eigenschaft nach Mühringen, wo er seine Ernennung zum Rabbiner erhielt und woHer bi» zu seiner im Herbst 1873 erfolgten Berufung nach Stuttgart, also über 3V Jahre thätig war. Im Herbit 1873 siedelte Dr. Wassermann nach hier in seine« neuen Wirkungskreis über, lvo er noch jetzt in segensreicher Weise thütig ist. Auch hier hat er e« verstanden, sich in hohem Krade die Liebe seiner Mitbürger zu erwerben. Durch die Gnade dr« König« wurde der Jubilar al« geistliche« Mitglied in die «gl. israelitische Obertirchenbehörde berufen und »m Jahre 1875 von Sr. Majfftät mit dem FriedrichSorde» erster Elassr ausgezeichnet. Auch jetzt war es wieder Sr. Majestät der König, welcher den, Jubilar durch Ucbersendung de« Kronenorden« I. «lasse, womit der persönliche Adel verbunden ist, einen Beweis der Anerkennung für seine srgrnsreiche Thätigkeit verlieh. De» ersten Theil der Frier bildete die gestern Abend «folgte Ueberrrichung der JubiläumSadrrsse durch da» Feslkomile. Der Führer desselben, Oberregierungsrath v. Finkh, gratnlirte in wahrhaft herzlicher Weise und lieb dann das Wort dem Obmann dr» Festkomite«. dem Recht», anwalt Dr Max Kaulla. Dieser hob in gedrängter Kürze die Brrdienste de» Jubilar» hervor und veranlagte die Ber» lejung der Adresse durch de» Kirchcnvorltrlfer Dr. Ruff. Der durch die ihm dargebrachtrn Ovationen sichtlich ergriffene Jubilar dankte in beredten Worten und erwiderte mit vor Thränr» erstickter Stimme die Glückwünsche der Deputation. Unmittelbar an diesen Akt schloß sich dir Ueberrrichung «»er zweite» Adresse au» der Mitte der Gen>cind«nitglieder durch den Jugendfreund de» Jubilar» Rechtsanwalt Julius Jordan. Al» wesentlichster Theil der Jubiläumsfeier ist der FestgottkSdikiist zu b«rachten, der heute in der Synagoge stattgesunden hat. Demselben war ein Ständchen vorausgegangen, da» dem Jubilar von dem durch Ehorsänger de« HoftheaterS verstärkten Synagpgrnchor dargebracht wurde. Bon Lelebritäten uns««: Stadt hatten sich zu »dem Festgvttesdienste Kulturminister v. Grßler, Präsident v. Silchcr, Oberrrgierungsrath v. Finkh, Liadtdireklor Oberregierungsrath Hoser, ferner die Mitglieder der kgi. i»r. Oberkirchenbehörde. Pfarrer Presset au» Lustnau, soivir alle Kirchenvorstrhrr de» Schwarzwaldsprengel» ringcsundrn. Unter mächtigen Orgelklängen wurde der Jubilar unter Borantritt von 7 geistliche» Herren und dem Kantor Eichberg, sämmtlich in ihren Ornaten, von den Kirchrnvorstchern der Gemeinde Sruttgart auf seinen Platz geführt, während der Synagogenchor den Festgruß sang. Diesen, sowie die darauf folgende Hymne von Silcher hörte die Gemeinde stehend an. Der von Dr Stößel, dem ziveiten Geistlichen der hiesigen Gemeinde, gehaltene», sowohl an Form al» an Inhalt mristcrhaftrn Fesiprcdigt ging ein gleichfalls vom Synagogenchor gesungrner Ehoral voraus. Den Schluß der Feier bildete eine von dem Ehor gesungene Motette über einen Psalm, die bereit» vor 50 Jahren für die Synagoge vom Musikdirektor a. D. I. Abenheim komponin worden ist. (Der greise Kompositeur saß unter den Ehrengästen in der Synagoge.) (Schluß f»lgt.) Lefterreich-Ungarn. A»» Mimen. Fürwahr „er schläft nicht und schlummert nicht derHüterISraelSl" und .Nichts iftso fein gesponnen,e» kömmt an'» Licht der Sonnen". So ist denn den Bolksverführern die heuchlerische Maske vom Gesicht geriffrn, so ist denn den Phrasenhelden, die sich großmäulig vermessen, durch die Berfolgung ruhiger Staatsbürger Thron und Altar zu schützen, nachgewiesen, daß au« ihrer Partei die Königsmörder hervorgrgangen. Nvbeling und Hödel verruchten Andenken« Beide waren sie Mitglieder der von den bekannten Juden- Hetzern geschaffenen christlich-socialen Piarteil! — wie der damalige Schriftsteller dieser Partei. Herr Grünt«, jetzt in den öffentlichen Blättern bekannt giebt.f Und nach der grauenvollen That hat den Herrn B«>h. Verführern nicht etwa da« Gewiss«, geschlagen, haben sie «u reumüthig beschlossen, von ihrem Wandel abzulassr». l Mitgliederlisten, die die Namen der Königsmörder rmbirltq, wurden heimlich vernichtet und mit dreister 2,in da« Falfsche System für jene Missethaten verantwortlich p macht. Ist denn da« Gefühl der Scham gä»ziich verton, gegangen? Müssen den» nicht Alle, die jemals wissen», oder irregeleit« in das Horn de« bekannten Hofpredigm gestoßen haben, vor Scham vergehen? Haben dem, z, Herren, deren Parteimitglieder Hödel und Robiling geives^ noch immer die dreiste «tirn, sich al» Hüter und Stütze ft Throne» aufzuspirlen? Ist den» die Gerechtiglen , Deutschland eingrschlafen? Ist r« möglich, daß rin Mo« in eine gesetzgebende Brrsammlung gewählt wird, der de, Gesetz zum Hohne Thatsachen verschwieg, die wichtig mm bei einer Untersnchung gegen die Königsinörder? Doch seien wir gerechter, al» man gegen un» >var urt ist. Wir wollen nicht in sr«nde Fehler verfalle». kann eine Partei und sei sie »och io venverflich, mrtjt s, die extrem«, Schritte, für den Wahnsi»» einzelner Milglieda verantwortlich mache». Auch die christlich-sociale Parici da keine König-mürdrr großgezogen. aber die Berbrrnnung da Mitgliederlisten charaktrrisirt sich al» eine Fälschung n» Hintergehung der öffentlichen Meinuiitp al« eine Beriündigniy 6egen die Wahrheit, als Theilnahme an dem Bergel>eii. t» lntersuchung gegen Königsmürder verdunkelt zu thibtn.*) Dieser Uulhate» klagen wir jene Partei an und brzeichnco a al« eine freche Urbrrhebung mit solchen Thaten ois dem Gewissen über die moralifche und sittlich Qualität israelitischer Staatsbürger ei» Uiidnl abgeben zu wolle». — Wahrlich seitdem diese Thatsachen bekannt geworben lut die christlich-sorialc Partei e« venvirkt, da» Wort .ttümz«- Ireue" auch nur i» den Mund nehmen zu dürfen. 6. Rußland. Kschernigo». Der Gvuvnneur hat einen Erlas, « alle Behörden ergehen lasse» folgende» Inhalt«: Rach tz 1005 Abschnitt 11 de« Gesetzbuches. Aurgste 1857 die Juden betreffend, ist die Aufficht über den otowdienst der Hebräer, die Entscheidung religiöser Fragen, fc Ordnung der Beschncidung. Matrikrlführung, Trauung «■» Ehescheidung, Beerdigung u. s. f. nur den Rabbinen üdatragen, welche von den Behörden ringrsetzt sind und außr ihnen hat Äiiemand da» Recht, die brzrichneten Pflichte« p erfüllen — ia ei» Ausüben dieser Funktionen durch Unberechtigte ist strafbarl Trotzdem ist es bekannt geworden, daß in einiga Städten unsere» Gouvernement« e» Hebräer giebt, die ich Rabbiner nennen, ohne die regierungsseitige Erlaubnis j> haben, und alle Pflichten eine» solchen erfüllen. Einer daselben hat sich in Angelegenheiten der hebr. Soldaten f mischt und Borschläge zur Aenderung ihrer Verpflegung)» machen gewagt. (Ein Rabbiner hatte «nein General eck Eingabe überreicht, er möchte e» seinen jüd. Soldaten amöglichen, koscher zu essen — und diese Bittschrift .Duchowny rabdin" unterschrieben. Der General hat. trg» lich darob, diese« Schriftstück dem Gouverneur zugrstellis Deshalb wird in Erinnerung gebracht, dag nur * Kronrabbiner und ihre Stellvertreter zu derartigen amtlnjj» Kundgebungen berechtigt sind. Wenn Andere sich Amtr« anmaßen, sollen sie dieselben anzeigni, damit s« »d straft w«drn können. — So unangenehm diese Bersugol augenblicklich ist, könnte sie auf eine heilsame Regelung » Ordnung der Heranbildung tüchtiger Rabbiner hinwicken - •) 9* sind ja schon Filllk im politischen «eschtchtleden der b vorgekommen, daß man Berschwürunge», Alteniate u. dgi geplant Hai, um Fürsten und Regierungen zu einem Lin len len in liondre Bahnen dadurch zu ndchigen.

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