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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 889 — mn nicht in Rußland nur dir Bedrückung und nicht dir jktung drr Judrn brabsichtigt wärrl! — Von vielen Seiten ,rd betätigt. daß die Führung der Geburtsregister den wiirabbiner» abgenommen und staatlichen Behörden über, mir» iverdeu soll, um den Mißbräuche», die sich bei der latrllung zeigen, ein Ende zu machen. ' i)rrtttir<M* trab neuefte Nachrichten. Aertl», 28. Oktober. Daß bei der lfeutigeu Wahl ioh brr viele« Plakate: Wählt keinen Juden! — die beiden äbijdK» Abgeordneten Ludwig Löwe und Singer al« die ,n;igen im ersten Wahlqange gewählt wurde», wird mit tntn al» ein Zeichen de» Niedergänge« de» A»tisemiti«m»« n brr Hauptstadt angesehen. AerN» Am 17. Oktober hat Herr Stöcker versucht, n einer Versammlung der christlich-sozialen Partei seine» yörern da» Ammenmärchen vom »rituellen Morde" auf« true auszutischen. lir brachte die Sensatio»»nachricht, daß m ttrakau kürzlich drei Juden zum Tode verurtheilt wären Kgm eine» Morde«, bei dem rituelle Momenie gerichtlich nijiriifllt seien." Diese Mittheilung war keine Originalermbuiig de« Herrn Holprediger», sondern v >n ihm »ach der .schlesischen Zeitung" reproduzirt. Doch selbst mit seinen iicnen hat Herr Stöcker Pech. Die drei verurtheilten Jude» in? dekanullich ein E hr ist. ein Jude und dessen Frau. Äußerem ist weder ini Urtheil, noch in de» ganzen Verhandlungen, ioch auch i» der Anklage die Betonung irgend welche» iturUnt Momente» auch nur versucht worden.*) LerN». Hier hat sich eine dritte Loge der B'nai öniiß. die den Name» „Montefiore" führt, consiituirt. M«ßdel»r§. Der fanatische Agitator gegen die Vivisettm. liuiit Heinrich v. Weber, ist vor Kurzem zu achtwöchenticher Arreststrase verurtheilt worden. In der von ihm redigiuc» skiischrisi »Der Thier- und Menschenfreund" hatte derselbe amlich unter der Ueberschrist »Menschen-Vivisettion" die tcichiichl veröffentlicht, daß vor ungefähr acht Jahren »von mcm Iudenarzte in Osnabrück" der Schlosser A. S. nach liijiabc von dessen Mutter und Schwester in scheintodtem jinlande, also lebendig sezirt worden sei. Aus Grund diese« lmlcl» erhob vr Pelz, der diese Sestion vorgenommen »ii. bic Klage. Auch der Verfasser de« Artikel», Pfarrer nobt »> Munster, erhielt eine sech-wöchentliche «Äefängniß. Kaie. «Wie viele Monate Gefängnißstrafe würde wohl der mdoboxe Rabbi vr. Lehmann in Mainz und sein Berichteriuttcr »au« der Provinz Sachsen" erhallen, für die alligc» Verleumdungen, die er jüngst wieder einmal über unser paupiausschüttet.erhalten'? Mögen dieHerrcn nicht allzusehrkuf ■nfere Gutmüthigkeit bauen, die hat auch ihre Grenzen, und dann lönnte einmal ein Exempel statuirt werden, da« dem sikdacieur und seiucm Correspondenten denn doch etwa» theuer itchen kommen könnte.) KkeinUtz. Am Montefiore-Adeud fand hier die Eon» Kuirung der „HumanitaS-Loge" statt. ^Näherer Bericht folgt K die nächste Nr.) Au» Krefeld theilt uns Herr Oberrabbiner l)r. Horomit. daß die der A. Z. d. I. entnommenen Mittheilung, r sei zum Festdiner de« Kaiser« nach Brühl beföhlen gewesen, >»' imhümliche sei; Brühl gehöre gar nicht zu seinem bberrabbinatssprengel. In Hteiihemdach (Schlesien) lvging die Gemeind« da« djahrige Atntsjubiläum ihre« Prediger». M Cohn, am '■ Cttubcr in festlicher Weise. E« wurden dem pflichttreuen mikbik» Beamten vielewvhlverdienleAusmerksainkeite» zuTheil. "> Air wollen selbst unsere» Gegnern gegenüber gerechl sein. In “ dieser Leute scheint da» (bester unierbliedene) Gutachten ^viener Rabdinat« herumzuspulen. welche« schon zu vielen Mis>. "»indniiien Brranlastung gegeben ha». (Sieb.) DKemek. Herr Rabbiner vr. Rülf begeht am 15. Nov. sein 25 jährige« AmtSjubiläum, zu dessen würdiger Feier sich hier ein Eomit« gebildet hat. (In nächster Nr. Nähere«.) Hter»c«fte^ 21.Oct. (O.-T.) Heute feiert hier da« Ehepaar Adam und Rosa Hirsch da« seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Eheleute erfreuen sich seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Bon ihren 1» Kindern, die sie hatten, lebe» »och 10, von denen 8 zum Thcil au« Frankreich und Amerika mit ihren Kindern gekommen waren, um ihre Elter» zu ehren. Die Zahl der Kiuder, Enkel und Urenkel beträgt 36. Da« Fest erhielt seine Weihe in der Shnagoge durch die treffliche Predigt de« Herr» Oberrabbiner vr. Zuckermaudcl au» Trier. Die «ynagoge war von Christen und Juden gefüllt. Der Herr Landrath und der Herr Bürgermeister beehrten da» Jubelpaar durch ihr Erscheinen in der Synagoge und nahmen die Bürger der Stadt großen Antheil an der Feier. Die Gemeinde ehrte da« Jubelpaar durch Widmung eine« silbernen Pokal«, den der Oberrabbiner überreichte. Ein Festmahl vereinigte die Familie de» Jubelpaares und kamen außer vielen persönlich Gratulireude» zahlreiche Telegramme. Briese und Geschenke von Nah und Fern ein. Möge e» dein Jubelpaar gegönnt sei», in Rüstigkeit die diamantene Hochzeit zu feiern! Kakßerftadt. <Or.-Eorr.) Wie gewissenlos häufig christliche Metzger in Bezug auf da» von ihnen zu verkaufende Koscherfleisch sind, illuslrirt folgender Fall Eiil hiesiger Metzger, der viele Juden zu seinen Kunden zählt, nahm viesach die Gelegenheit wahr, die angeheftelen Koschersiegcl loSzulösen und diese aus andere», nicht rituell geschlachtete« Fleisch zu kleben, bi) die Sache durch eiue» au« dem Dienste entlassenen Fleischergcsellen ruchbar wurde. Von Seiten der Gemeiude wollte man den leichlfertigeu Metzger nicht gerichtlich belange», doch hat dafür bereit« die Eoncurrenz Sorge getragen, denn dem Staatsanwalt ist diese Angelegenheit anonym unterbreitet worden. Jedenfalls kanu die» de» Hern» Metzgern zur Nachachtung dienen. Mte». Die Reihe der Probeprcdigtcn um die neu zu creirende Predigerstclle hat Herr Rabbiner vr. Stier au« Steinamanger am 18. d. Mt», cröffuer. Amsterdam Au» einem hiesigen Cas« „Caves de Franoe“ sind anständige und angesehene jüdische Herr» au«» gewiesen worden, weil viele audere Gäste nicht mit Juden zusammen sein wollten. Der Vater de» einen so Beschimpften ist Herr Werlheiin, Mitglied der Gcneralstiaten. Da« nimmt ein eben solche» Ende mit diesem Easä, wie mit dein Hotel de« Amerikanischen Richter». In einem freien Lande kann derartiger Unfug wohl einmal Vorkommen — aber der gesunde Sin» der Bevölkerung findet auch die richtige Strafe dafür. Die „Paine" (ein Pariser Blatt) leitartikelt über diesen Vorfall und sucht den Erwci» zu bringen, daß nur in altkatholischen Ländern der Antisemitismus zur Blüihc komme! Un» war'«" recht, ivenu der Katholicismus den Ungarn und Süddeutsche», den Polen und Galiziern den Antisemitismus auStreibe», den Rohling» und Eonsorten da» Handiverl legen würde! Hfari« Der Mainzer J-raelit hat die Wundermäre verbreitet, daß uuter 7000 Ehescheidungen, die hier von 1874—1884 gerichtlich ausgesprochen worden sind, nur 4 jüdische gewesen wären! Da« ist Humbug — schreiben die »Arch. iSr." gUftimorc. Der älteste Rabbiner Baltimore'». Rev. vr. Henry Hochheimer, feierte am 28. Septeinbcr sein 25 jähr. Jubiläum al« Rabbiner in der Eden Street-Synagoge. Zlew-^arst. Am 10. Oktober starb hier Rabbiner vr. Adolf Hübsch im Alter von 52 Jahre», er war früher Prediger in Prag. Außer rinige» Predigirn hat er die "IID TI OS nV?JO TI veröffentlicht. „I W." nennt ihn den tüchtigste» Rabbiner Amerika'«. $U»-^«rft. Da» Gericht hat da» Verfahren de« Eollektor Robertson gegen die mittellos Einwandernden gut» geheißen Auch da« Ministerium hat e» gebilligt. Darum ist Vorsicht für die Auswanderer dringend geboten.

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