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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 886 — seaenspendenden und darum selbftgesegneten Manne», auf daß sein Lebensbild un» zum Borbilde werde." Unter den feierlichen Klängen eine» Harmonium» intonirte der hiesige durch geschätzte Kräfte verstärkte Synagogenchor im A n klang an P>. IIS, IS da» Lied: „DaS ist der Tag de« Herrn". In stiller und heiliger Andacht lauschte di« zahlreiche Bersammlung dem herrlichen Gesänge, der sie in;enr gehobene weihevolle Stimmung versetzte, welche den Zuhörer unbewußt in tw» Reich de» Erhabenen trägt." ES bestieg hierauf Br. Siegfried Rosen bäum die Rednertribüne. Unter Hinweis auf vie Tendenzen de» Ordens B'nai Brith. zu besten schönsten Aufgaben e» gehöre, nicht nur reinste Menschenliebe zu pflegen und besten Anhängern zur Pflicht gemacht sei. Andern zum leuchtenden Borbilde zu iverden, entrollt er in markigen, kräftigen Zügen das Lebensbild des trefflichen Montefiore. Er zeigte chn un» in allen seinen Lebensstufen und wir sahen wie in alle» Phasen seines thatenreichen Lebens die reinste Menschenliebe, die sich an keinerlei confessionrlle Rücksichten binden läßt, die Triebfeder seiner Unternehmungen gewesen. — Wenn der in den füuziger Jahren seine» Leben« vom Fieber und von rheumatischen Beschwerden heimgesuchte Mann trotzdem ein so hohes Alter erreicht habe, so sei da» rin seltener Beweis der Gnade einer gütigen Vorsehung, die ihn noch recht lange in Rüstigkeit und Gesundheit der dankenden Mitwelt erhalten möge. Rach dieskm mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bonrag bestieg Br. Julius Steinitz die Tribüne zu folgender Schlußansprache: „Es möge die Idee, welche rin Lessing, ein Mose» Mendelssohn in ihren Schriften, und Moses Montefiore in seinen T haten zum Ausdruck gebracht habe, immer breitere und festere Wurzel» im Volke fasten, damit der religiöse Fanatismus durch eine geläuterte, sittliche Idee ersetzt werden und dadurch allmählich aber für immer die Schranken fallen, welche heute leider noch de» Menschen vom Menschen trennen. Die Anerkennung aber, welche Sir MoseS Montefiore bei allen Nationen und Eonfessione.i der ganzen civilisirten,Welt, in welcher sein Name wie rin herrliches fleckenloser Edelstein glänzt, durch die unermüdliche Bethätigung dieser Idee sich errungen hat. sie möge da« Frühling-wehen sein, welche-, nachdem die rauhen Winterstürme mittelalterlicher Unduldsam verblaust und verdrängt, da» Erwachen der Natur und da- Herannahen de« Völkerfrühlings verkündend, die Welt mit neuer Schaffenslust erfüllt. Dann wird der Tag nicht mehr fern fein, von dem der Dichter singt: Vorbei sei eS mit Klassenhaß und Mastenhaß und Racenhoß! Dann werden alle Menschen vom Sonnenschein reiner Humanität erwärmt, einen einzigen Bruderbund bilden, zum Ruhme und zum Wohle de» ganzen Menschengeschlechtes." Hieran reihte sich der Schlußgesang, rin vom ehemaligen hiesigen, nunmehrigen Königsberger Oberkantor Herr Eduard Birnbaum eigenfür den Zweck solcher F ier componirtrr Psalm: „Sieh' wie schön und lieblich ist e», wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen". Nunmehr begann der gemüthliche Thcil des Feste», ein Souper, welches sämmtliche Anwesende in Heiterkeit und Frohsinn bi« nach Mitternacht vereinigte. Daß e» dabei an begeisterten Toasten auf den Kaiser, auf den Jubelgreis, auf die Eintracht nicht fehlte, ist selbstverständlich. tzaffrk. In einer der vorgehenden Nummern der Wochenschrift wird von hier berichtet, daß für den Fall, daß den prtitionirenden .Landgemeinden zu L'kbe Herr vr Munk, der manche Beziehungen zur Regierung hat. zum Landrabbiner ernannt werden sollte, man in leitenden Kreisen entschlosten sei, Herrn Or. Prager auf alle Fälle das Stadtrabbinat zu übertragen. Diese Mitthrilung scheint un» nicht ganz correct zu sein. Nach den Bestimmungen der Kurhessischen Verordnung von, 30. Decembcr 1823 besteht in jeder der ehemaligen 4 Kurhessischen Provinzen: Niederheffen (Lasset), Oberhesten 1 (Marburg). Fulda und Hanau eia Provinzialrabbiner und ei, Borsteheramt mit dem Sitze in den Hauptstädten einer jede, Provinz. Der Provinzialrabbincr von Niederheffen ist zugleich Landrabbiner (tz 35). Während nun außerdem für jed, größere Gemeinde oder für mehrere Geneindeu zusamt«, nach 8 7 ein Rabbiner (Gemeinde- oder KreiSrabbiner) bestell, werden kann, fällt diese Bestimmung für die Gemeinde, Lastet. Marburg. Fulda und Hanau iveg, denn im § 27 heißt e» ausdrücklich: .Der Provinzialrabbiner muß an dem One „wohnen, wo da» Borsteheramt seinen Sitz hat. besten Mitglied „er sein kann. Er ist zugleich Rabbiner der dasige, Synagogen gemeinde." Hieraus rrgiebt sich die Unz». lässigkctt einer Trennung des Stadt- (Gemeinde-) Rabbi»,!« von der Land- und Provinzialrabbinenitrlle. Was nun Herrn vr. Munk betrifft, so mag die A». deutung, daß er Bezichungen zu- Regierung habe, ga,j richtig sein; er ist Provinsialrabbiner und vorsitzendes Mitglied des BorsteheramtS zu Marburg und steht in diesen Eigenschaften in amtlichem Verkehr mit der Königlichen Reg-eruilg. Letztere würde ihre Zusfimmung zu seiner Bestellung;u, Landrabbiner geben, wenn derselbe sich uin diese Stelle deworben hätte oder dafür in Vorschlag gebracht worden min. An diese Eventualität dachte man in Marburg auch, als die Bacanz der Costcler Stelle dort bekannt wurde und kam de» Herrn vr. M. sofort m>t einer Gehaltserhöhung entgegn, um ihn dort zu behalten. Theils aus Rücksicht für seinen bisherigen Wirkungskreis, t'.-eil« auch weil er sei na Ansicht über die Orgel in Eastel, ohne vielleicht Konflikte herbeizuführen, schiver Folge geben könnte, unterließ et Herr vr Munk, sich um die Rabbinerstelle zu beiverden und fällt damit jedes Motiv zu obiger Präsumtion hinweg. Unter den vorliegenden Verhältniffen würde daher Hm vr. Munk selbst dir Berufung de« vorgrschlugenc» .Hm, vr. Prager ganz gern sehen. WaS schließlich die „petitionirenden Landgemeinden" betrifft, wollen wir nicht unerwähnt laste», daß deren, auch in der .Wochenschrift" seiner Zeit erwähnte, Petit»» durch die Befürchtung der Petenten veranlaßt war, du Borsteheramt möchte bei seinen Vorschlägen für die Landrabbincrstelle lediglich den Anschauungen de« zu den Ae, rrunqen im EultuSwesen hinneigenden TheileS der Easseler Gemeinde Ausdruck verleihe».*) Nachdem eS sich aber zeigte, daß zu dieser Befürchtung kein Anlaß ivar, daß da« Vornehnamk, wie die« die leiden von ihm veranlaßtrn Berufungen z, Probeprrdigten bewiesen, sein Augeninerk auf Bewerber richic«, die. abgesehen von ihrer Nachgieb gleit hinsichtlich der Existenz da in der Easseler Synagoge nun einmal befindliche» Orgel, durch bisherige Wirksamkeit und religiöse Richtung auch de» Landgemeinden Vertraue» einflößen. hörte jede Agitation auf und erfolgten nur Zeichen der Zustimmung zu dem Vorgel),» de« Vorsteheramts. E» herrscht Frieden zwischen Stadt» und Landgemeinden. Man weiß an maßgebender Stelle auch nichts w» Schritten derOrthodoxen gegen die Berufung de» vorgeschlageac» Herrn vr. Prager. Letzterer macht von seiner orgelfrindlich» Gesinnung gar kein Hehl. Ob e» ihm aber gelingen wird, sie, wie er gern möchte — zum Schweigen zu bringe», dürste allerdings stark zu bezweifeln fein.**) R. Aus A^et«ßeffe« im Oktober. Man sagt, daß die Wogen des Antisemitismus zur Zeit niedriger gehen & scheint so; die Flammen de» fanatischen JudenhaffeS schlage, freilich nicht mehr so hoch auf, aber da» Feuer ist doch noch nicht gelöscht. Man thul auch zu wenig dafür, u» de» Feuer« Herr zu werden; im Äegentheil hi Reden, >» der Presse, in Schule», in Fainilie», im Offenen wie (« Geheime» wird es noch immer geschürt. Man merkt dir« ") Und darum muhten Hunderte von ehren me ritzen Rabbinern * der Regierung verleumdet «erden! (Red.) *■) Man kann — die« sei hier au» vlelsachen Ersahrungcn der«» offen ertltln — rin ganz konservativer Rabbiner sein, wenn mau «M den von der Majorität der Gemeinde — nicht blo» der GeineiiM- Vertreter — gewünschten Orgelgottetdienst jetzt duldet. (Red.»

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