Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 336 — «usdrückliche Erklärungen enthalten noch viele Eapitel von Hilchoth Ak»m-. Bergl E. 146. tz 5 Jsserle»: »Dagegen „sere Völker und die JSmaeliten, die keine „Akum" sind re." L. 141.3 Jsserle«: .Und in unserer Zeit, wo dir „Gojim" besen Bildern nicht dienen" «. L. 124.24 Jsserle«: .In inserer Zeit, wo die Völker keine „Akum" sind, gilt jede Kerährung al« unabsichtiicte". Vgl. ferner E. 128, 1 und 4 Aserle»; Cap. 129.2« Jsierle»; 132,7 Jsserle«; 149,4 Jsierle»; vo überall die Richtjuden unserer Zeit im Gegensätze zu gkum stehen. Vgl. ferner Oruot» ohaira E. 154,11: .Wachslichter. die der dem Götzen geweiht hat. vom Tempel» diener ausgelöscht und einem ISrae.iten geschenkt oder verkauft werden, dürfen in der Shnagoge nicht angesteckt werden. AserleS: Obgleich der Privatgebrauch erlaubt ist. Wenn ein Apostat „Akum" einer Synagoge Wachs oder Lichter schenkt, lürsen diese nicht angesteckt werden". Dazu bemerkt B»ör beteb: Aber von einem ..Rozri", Nazarener, wird rS angenommen". — Und solcher Stelle». >vo „Akum" uns Christen im Gegensätze stehen, wird e« noch viele geben. Aber Herr Professor Gildemeister behauptet trotz alledem al» gerichtlicher sachverständiger': .Nie findet sich irgendwo in den Gesetzen Akum und Christ in Gegensatz gestellt. «fiortsepung s°tg„. Gerichte und Correspondenren. Deutschland. Lslteuz. Cs hieße offene Thüre» einstoßr», wollten wir jetzt, nachdem fast alle politischen Zeitungen Auszüge au» dem vielbesprochene» Ministerialerlasse brm-ff» der jüd. Lchüler gebracht habe», es nochmals betonen, dag die Provinzial-Ähulcollegirn viel weiter gelinde beschränkende Anträge oesicUt haben. Diesen Anträge» hat der Minister nicht willfahrt, Umbern l>at dir Direktoren ausgcsordcrt. ihren persünlichen Einfluß auf die Cllern geltkiid zu mache». WaS uns benüdt. ist, daß in dem ganzen Reskript auch nicht einmal leise » sich bekundet, daß hier über religiöse Satzungen. daß über religiös Gebotene« zu Gericht gesessen wird. C» handelt sich I. um die Befug,,iß der Cltern. ihre Kinder am Sonnabend vom Schulbesuch oder vom Schreiven loSzufordern, 2. um das üblich gewordene au» der Schule bleiben der jüd. Kinder an den beide» erste» und letzten T»gr» Pessach, schewuoth (2 T.). Roschhaschvnoh (2 T.). Succoth (4 T.). und 1 Tag Jomkippur — macht in Summa: 13 Tage lwoher die 15 kommen. von denen dort gesprochen wird, wisse» wir nichts), bei deurn e« wunderbar iväre, wenn sie alle in irgend einem Jahre in die Schulzeit fielen! 3. um da» verlegen der schriftlichen Abiturienteiiarbeitcn vom Sonnadend auf den Wochentag in Berücksichtigung jüdischer Abiturienten. Bei 1 leugnen wir nicht, daß e« dem Lehrer manchinal eine kleine Beschwerde aufcrlegt, »venu einige Kinder nicht mitschreiben. wenn sein gute« Hrrz oder die bedeutende Zahl der Nichtschreibenden ihm verbietet, am Sonnabend eine lllassenarbeit machen zu lassen. Aber wir gestehen es nicht i». daß der Lehrer durchaus am Sonnabend die Hefte heimaehmm muß. weil er am Sonntag am meiste» Zeit zum Eorrigiren hat. — Ist auch anscheinend an dem bisherigen Zustande der Dinge nicht» geändert worden, so hat e» sich doch insofern ander» gestaltet, al» e» jetzt dem Lehrer viellcicht als Pflicht erscheinen könnte, e« den Cltern deutlich ju beweisen, wie sehr da» Nichtschreiben ihr Kind zurück» bleiben läßt. Einmal Sitzenbleiben, da» ist ein gar scharfer Tiachel! Hat hierbei der Herr Minister so gar nicht dahin ge» hmchl — und er hat doch sonst ein gar feine« Ohr dafür — wir eine Aufforderung zu Gewisscnsdruck zwischen seinen Zchen hrrausgelesen torrbm könnte, so ist» noch schlimmer 2. Hier verhehlt r» der Minister gar nicht, daß es ihm am lirbstm wäre, ivenn e» dahin zu bringen wäre, daß die *) Wahrscheinlich Hoaohana r*bb> und Tiacho b’Ow. (Red.) jüd. Kinder nur 2—3 Tage (also wohl nur 1 höchsten» 2 Tage Roschhaschonoh und Joinkippur) fehlen würden. Da» sollten die Direktoren durch den bekannte» sanften Druck erwirken! Also auch an den Festtagen sollen die jüd. Kinder, welche höhere Schulen besuchen, dem Gottesdienst fern bleiben! Was wird diese Cntfremdung der Gebildeten, diese» dem eul'uellcn Wesen Absterbe» zur Folge haben? Untergang de» Judenthum«? Nein! Biel el>er — Bekämpfung und Verhöhnung aller Religion! Und doch — und doch! Cinc Petition dagegen, wie ich sie früher für nöthig hielt, wie ich sie wirkungsvoll erhoffte, bevor ich de» Wortlaut der Berfügung kannte, kann ich. besser unterrichtet, jetzt nicht mehr befürworte». Der Minister hat factisch an den bestehenden Verfügungen nicht» geändert. Cr hat nur die Zügel etwa» straffer anzuziehen geboten, er hat auf die Cinwirkung der Direktoren hinge- ,vielen. Dagegen bleibt uns nur übrig, die Cinwirkung der Rabbiner und der Cltern auf die Lehrer und Direktoren wachzurufen. Wenn die Letztgenannten wollen, bleibt Alles beim Alte»! Und daß ich den formale» Cinwand: „es ist Sticht« geändert" so sehr scheue, daß ich deswegen von jeder (Gegenbitte abrathe, dazu veranlaßt mich die Motivirung von 3. Hier liegt eine «endcrung de» bisher Gewohnten vor. — Warum soll der jüd. Jüngling, der das Gymnasium bis zur Cntlaffuugsprüsung absovirt hat, entweder vom Cxamcn abslel-en, oder sein Gcivisscn mir etwa» chm religiös Verbotene» belasten? Etwa iveil die Schuldiscipli» erschüttert wird, iveil die Pädagogen erklärt haben, die Leistungsfähigkeit der Schulen leiden darunter? Nein, sondern weil es de» Lchulräthen nicht zuzumuthe» ist, daß sie bei ihrer llbermähigcn Inanspruchnahme noch daran denken sollen, wann die Feiertage dcr Juden falle»! — Um den Samstag handelt es sich in erster Reihe — und der kommt bekanntlich in jeder Woche wieder! Aber das wäre zu viel gefordert! Nun, dcr jüdische Jüngling, der Rabbiner werden soll, dcr frommgeslnnt den Satzungen seiner Religion nicht zuwider handeln möchte — er wandre hinüber in'S nicht preußische Deutsch, land, er bitte im Cinzelfalle seinen Direktor darum — und wird'« höchst wahrscheinlich erlangen, daß dieser ihin — die eine Arbeit unter seiner persönlichen Aufsicht an einem Wochentage wird machen lasse»! Cine Petition aber gegen eine solche Motivirung erachte ich al« schon von vornhinei» zurückgewicsen.- Lew in. A.B. ««»tpe» H.-K., 20. Oktober. (Or.-Corr.) Zum ersten Male" seit ihrem nrunmonatlichen Bestellen hat die hiesige „Mamreh-Loge" am jüngste» Donnerstag. Gelegenheit Kminen, mit ihren Tendruzr» und Bestrebungen vor die enilichkeit zu treten. Dieser Tag galt der Feier de» große» Philanthropen Sir Mose» Montesiore. dessen hundertster Geburtstag ein Fest- und Freudentag sein sollte für jede« Herz, da» in wahrer Liebe für da» wahre Judenthuin schlägt, für jeden Menschenfreund, dem das Wort Humanität nicht ein leerer Schall ist. Präzi» um 8 Uhr Abend» hatte» sich die Mitglieder der hiesigen Loge von Nah und Fern in dem festlich erleuchteten Saal de« Kohn'schen Hotel» mit ihren Angehörigen eiiigrfuttden. Die auf da« schönste geschmückte Tribüne zeigte im Vordergründe da» große von Palmen und Topfgewächsen umgebene Bild de» edlen Moutefiore. Die Feier eröffnete der w. Präsident Br. vr. wsä. A. R a h in e r mit einer herzlichen Ansprache. ,C» steh« dieser erlauchte und geliebte Fürst im Reiche der Humanität unserem Bruderbünde besonders nahe, weil wir in ihm die Jncarnatio» unserer Ideale erblicken, dessen ganze» Leben die Betätigung de» Bibelwortes darstelle: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst! C» sei darnm nicht nur heilige Pfl!cht, den seltenen Tag diese» noch selteneren Manne» festlich zu begehe», es sei auch ei» tief empundenr« Bedürfniß, ihn mit Inbrunst und Erhebung unsere» Innern zu feiern, und e» könne die» nicht ersprießlicher geschehen, al« durch Entrollen eine» Lebensbildes de»