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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 880 — 1 realschule stieg die Zahl der jüdischen Schüler von 60 auf 00. An der k. k. Staattgewerbeschule — deren Direktor Dr. Gottlob beiläufig gesagt ein Jude ist — studiren 12 Israeliten, da« czechstche Realgymnasium hingegen hat nur einen jüdischen Schüler. Am Gymnasium ünd an der Realschule werden zusammen in 14 Stunden wöchentlich jüdischer Rrliaion«- unterricht ertheilt, außerdem ist den Zöglingen dieser Anstalten durch die vom Gemeinderabbiner gegründete Talmud-Thora Gelegenheit geboten, da« hebräische Wissen angemesteü zu erweitern. — Auch hier reichten die zwei großen dicht neben einander liegenden Tempel in dm hohen Feiertagm nicht au«, die Zahl der Andächtigen zu fassen. (£« mußte der größte Saal in der Stadt gemiethet und al« Beilocal hergerichtet werden. In der Gemeindekanzlei wurden mehr al« 2000 Sitzkarten au«gegrbe». Der Bau eine« großen, der ganzm Gemeinde Platz gewährenden Tempel« wird ein immer dringender sich fühlbar machende« Brdürfniß. Bei dem religiösen Sinne, der sich bei jeder Gelegenheit in erfreulicher Weise bethätigt, wird sich der Plan eine« Neubaue« gewiß schnell realisiren. In der That kann die hiesige Lultu«. gemeinde in Bezug auf Brrwaltung. humane» Benehmm gegen die Grmeindebeamten und Hochschätzung der Autorität de« geistlichen Oberhauptes als Mustergrmeinde bezeichnet werden. 8—». Rußland. JMr». Bei Gelegenheit de» so schmählich verlaufenen Jubiläum» der hiesigen Universität, hat .Herr L. BrodSky es sich nicht nehmen lasten 6000 Rubel zu einer Stiftung herzugeben. Dafür hat er nun die Ehre gehabt, daß in dem von der Universität herau-gegebenen Stistungsverzeichniffe sein Ramcn nicht aufzufinden ist! Wer den Schade» ha», darf für den Spott nicht sorgen. — Ernster behandelt der „WoSchod" die Sache, indem er erörtert, >vie die Universität eine Gabe annehmen konnte, deren sie sich schämt! Dann aber schlägt auch diese« Blatt um und kommt in da» allgemeine Fahnvaster: Wie mochte Herr B. seine Leute so wenig kennen? Hamcliz fügt hinzu: Ist'» jetzt, wo der Jude überall zurückgestoßen, wird, an her Zeit, die Hand unserer Berächter und Bedrücker zu küssen? Dir Universität Kiew hat von jeher Juden nur dann unterstützt, wenn sie sich tausten. Dr. Mandelbaum wurde nicht zur Professur zugelasten. weil er Jude ist! Pichna und Sologin dürfe» Professoren in Kiew sein — ihre Judenfeindschast befähigt sie dazu. Ist ja auch die Anregung, die Zahl der jüdischen Gymnasiasten und Studmten zu beschränken. von hier auSgegangeu. Und trotzdem macht ein Jude, der kein Schüler dieser Hochschule ist, ein Stipendium? Giebt'» denn nicht für die Glauben«» «mosten jetzt genug Stellm, wohin die 6000 Rubel fehlm? lnd wenn auch da» Stipendium, wie man nachträglich hört, für jüdische Studenten bestimmt ist — sind die jetzigen Pro» festoren doch Bürgen dafür, daß sie e« nur solchen zuwrnden werden. die am Taufbecken stehen. Jetzt heißt e« in Rußland: Bon Juden für Juden durch Judm!!! — In viel«, Dörfern de« Gouvernement» Kiew, Bolhynim und Bestarabim sind die Juden an den hohen Festen zu Hause geblieben und habm mit ihren HauSgenostrn gebetet, um nicht von Hau« und Hof vertrieben zu weroen. tl. <^»«z, 6. Oktober. (Or.-Corr.) Die auch in Ihr esch. Blatt übergegangme Correspondenz de» .Hameliz" «treffend dm Prediger Radin hat hier Lächeln und Kopfschütteln erregt. Man hätte dein Herrn Radin mit seiner stürmischen Vergangenheit einen größeren Dienst erwiesen, wenn man ihn ohne Sang und ohne Klang hätte über'» Meer ziehm lasten. Man frage nur dm hier noch immer von seiner mehrjährigen Wirstamkrit am hiesigen Orte her in allm, selbst hochorthodoxen Kreisen verehrtm und geliebtm KrriSrabbiner Herren Dr. Caro in Pilsen, ob man in Lodz nur die Sprache der Heuchelei und Schmeichelei versteht. Der Herr hat un« oft genug von der Kanzel herab und im privaten Gespräch die bittersten Wahrheitm hören lastm. nur stand sein eigene« Lebm mft seiner Lehre nicht im Widerspruch — hino U1m UorimMt Mit der Bollmdung dc» nmen prachtvollen Tempel« will die deutsch-i«raelitische Gemeinde auch wieder -zur Besetzung der Predigerstelle mit einem gelehrten und gesinnung«tüchtigrn Theologm schrritm. Ker«ifchte im* rrenrstr Nachrichten. Magdelurß. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Beschluß der Schweizer Thierschutzvereine gegen die Schechiia dem de« Leipziger Eongreflr», daß nur durch Blutrntziehung getödtet iverden dürfe, diametral zuwiderläuft. — Die Frage, ob eine leichte Betäubung durch Gase vor dem Schlachten sich mit den rituellm Vorschriften vereinigen laste, dürfte vielleicht von Autoritäten in Envägung zu ziehen sein. Kä»tl», 2l. Oktober. In dem Proceß wegen der Reustettiner antisemitischen Unruhen, zu welchem die Rückkehr der in dem Synagogen brand sreigesprochenen Juden im März d. I. Beranlassung bot. wurde heute vom hiesigen Schwurgericht folgende» Urtheil gefällt: Die Geschworenen — »nter denen sich kein Reustettiucr befand — erklärten die Rädelsführer Karl Paywald und Raatz de« schwere» Landfriedenbruch» mit mildernde» Umständen, Pirsich und Bansemer de» einfache» Landfrieden bruch«. Friedrich P a tz w a l d und Be chert de» grolv» Unfug» schuldig. Dir beiden Letztri' erhielten eine sechswöchentliche Haft, die durch dir Unters»chu»g»haft al» verbüßt angesehen wird, Pirsich eine sech» monatliche, Bansemer eine n e u n mo»atliche. Karl Patzivald eine zweijährige. Raatz eine dreijährige Gefängnißstrase. Are»ta». Am 12. d. Mt».. Nachmittag-, fand in, Saale der kacholischen hölieren Bürgerschule eine Schulfeier zu Ehrm de« hundertjährigen Geburtstage» Mose»' Montcfiorr» statt, wobei der Dirigent der Anstalt. Herr Prediger Dt. P. Neustadt, eine Ansprache hielt, welcher freie Borträge von «chülern und Schülerinnen folgte». Die sich daran schließende Festrede eine« Lehrer» feierte de» Jubelgreis als „bat Ideal eines treffliche» Patrioten, eine» guten Bürgers und braven Juden". Um da» Andenken de« um die Mensch, heit hochverdienten Jubilar« in der Jugend lebendig zu erhalte», hat die Leitung der Schule unter de» Zöglingen einen Montefiorc-Berein begründet, der nach Art anderer Pfmnig. vereine Kindern unbemittelter Eltern den Besuch »höherer Schulen" ermögliche» soll.") Herr Kaufmann Th. Oschinski hat die Freundlichkeit gehabt, die Rendantur de» neue» Vereins zu übernehmen. Die Eltern der Schüler und Freunde der Anstalt hatten sich zahlreich eingefunden. Krefeld. Wie der Rabbiner au« Düsteldorf, so war auch unser Oderrabbiner zum Frstdiner, welche» der Kaiser auf dem Schlöffe zu Brühl nach der Parade gab, befohlen; er und der Bischof von Münster erschienen in Amtstracht Vsrdtaufe», 1. Oct. Herrn Dr. S. Gelbhau« ist die rabbinische Brrwaltung der i«r. Eultu«gemeinde Immenrode überwiesen worden. Ktullaart. Im Berlage derKüßli ng'schenBuchhandlung in Leipzig erschien eine Strrrtschrist gegen den jüd. Schlachtritus -da» Schächten", von I. St. (unschwer al« der Exrabbiner Stern von Buttenhausen zu erkennen). Derselbe sucht in dieser vrochüre darzuchun, daß e« de« Israeliten au» religiösen Gründen geboten sei, den bisher üblichen vchlachtritu« durch die weit humanere Tödtung«art der Schlacht¬ oder Schußma«ke zu ersetzen (?!) Den Thierschutzvereinen soll diese Schrift in ihren Agitationen gegen da« „Schächten" zur neuen. Waste dienen. Slnttgart. Herr Kirchenrath Or. Wassermann vollendete am 18. Oktober er. das 60. Jahr seiner seelsorgerischen Thätigkeit. Um diesen Tag in einer de« hochvndienten Jubilar« würdigen Weise festlich zu begehen, hatte sich ein Count« au« Mitgliedern der i»r. Obernrcheabehörd<. Bor- •) Hat BrrSlau schon einen 8min zue Unterstützung jüdischer Handwerttiehrllnge? (Red.)

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