Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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829 — bictrn soll, unb zeigt», wir schon lange bevor bei den Griechen nur ähnliche Anschauung Raum gewinnt, bei den.Juden die Macht de» Gedanken» hervortritt. Wissen und Weisheit al» da- Höchste gepriesen wird, und die Träger dieser Weisheit, Lchrcr und Propheten, geschätzt und geehrt werden. An dem Knspikle der Könige Salomvn und David und an der Hand ba LcbcnSgewohnheiten. der Sitten und Einrichtungen de» Bolle» Israel wurde dann da» Charakteristische de» ethischen lenlkii» und Wisscn» und der Einfluß auf die Lebensführung br* Einzelnen nachgewirsen, und zeigt, >vie diese LcbenSweiSheit ,u die breitesten Schichten deS Volkes eingeführt und durch acwisskndastr Lehre auSgrbilder und verbreitet wurde, so daß ,chon fast zwei Jahrtausende vor unsrrm Jahrhundert bei kt, Israeliten von einem obligatorische» Schulunterricht gesprochen werden kann. Daneben bot Herr Proseffor Lazarus höchst bemerken»- und erwähnnngSwerthr Bemerkungen, durch die er die Beziehung seiner Ausführungen mit der Gegenwart berstellte. Vor allem gehört hierher die Bemerkung. daß in dem augenblicklich tobenden Kampfe, in dem die Israeliten mit Verlästerungen und Schmähungen jeder Art von den (tiegnem überhäuft werde», die Art ihrer Abwehr gar zu jchr einen apologetischen Charakter angenommen habe und wie i» dem Bestreben, den Gegner zu widerlegen, nicht selten bie^rage vergessen iverdc: Wie bin ich selbst'? Nicht minder bemerkenSweNH waren die Schlußausführungcn. daß schon im Altcrthum von den Juden daS Moment der Vererblichkeit, welch«'» bekanntlich gerade jetzt da» wiflenschastliche Denken in btvorragendrr Weise beherrscht, wohl gekannt gewesen sei und m vielen Aussprüchen Ausdruck erhalten habe; wie aber auch gerade aus diesem Wisse» das Bestrebe» hervorgrgangen sa. durch stete neue Anregung der drohenden Versumpfung vortul>eugen, ein Bestreben, den» man gerade heute wieder besondere Beachtung schenken sollte, da kein Volk der Kenntniß seiner Geschichte so sehr bedürfe, ivie gerade daS Volk Israel. Äit reichem Beifall dankte das Publicum dem Herrn Redner für feinen Vortrag. Nach dem Bortrage fand im Hotel Hirschel zu Ehren de» Vortragende» ein. von dem bekannten Philantropen Herr» Josef Lieberman» gegebenes Diner statt, an dem die Elite der Hamburger Judenschast theilnahm. Herr Dr 3*1*1. der Vorsitzende, ergriff zuerst da» Wort, um im Aamen Aller den Dank für den herrlichen Bortrag au»zusprechen »nd schloß mit einem Hoch auf Proseffor Lazaru». Hinaus antrvortete der Letztere in geistreicher Weise für die hier gefundene freundliche Aufnahme dankend, und äußerte zur Freude der Theilnrhmer. daß er hoffentlich nicht zum letzten Male hier gesprochen. Herr Vorsteher Schön seid ließ Herrn Dr. JSler leben. Prediger Dr Lrimdörfer. der berestS in der VormittagSpredigt über »Idealismus in Israelredend, den Vortragenden feierte und ihn jetzt al« am Al>rnd des Sabbat Bereschith als einen »Chosten bercschi»" be^ichnrte in der Bedeutung: Bräutigam des Beginnes der Vorträge in diesem Jahre, schloß mit einem begeisterungSvoll aufgenommenen Hoch auf die Wissenschaft de» JudenthuuiS, dieser Braut, mit der wir uns immer mehr zu vermählen deitteden sollen. Noch andere erhebende Tischreden wurden Schallen, e» »var eine wirkliche Simchath Thora in zweiter Auflage. Proseffor Lazaru« gab endlich auch noch Anregung i»r grüßen, Unterstützung des iSr. Gemeindebundes, die auch lebhaften Anklang fand. Longe nach Mitternacht trennten sich die Theilnehmermitdem beseligenden Bewußtsein »Gott geschaut und genoffen zu haben* (s. Raschi z. St. 2. B. Mos. 18.12). ^esterreiev-Ungarn. ' AraRa», 13. Oct. (Or.-Corr.) Nach etwa 18 tägigen Verhandlungen vor dem hiesigen Schwurgerichte ist endlich am 10. d». Mts. (Hoschana rabba) der Rittersche Proccß zu Ende geführt worden. — Leider waren wir noch bis vor ^S>nn her Verhandlungen der optimistischen Meinung, dieser vwceß iverde ebenso günstig ausfallen, wie jener zu Tisza War. da dir hiesigen Vertheidigrr jene» in TiSza Eßlar sowohl an Fähigkeit wie an BorurtheilSlosigkeit nicht» nachgaben. Al» jedoch der Staatsanwalt gleich bei Eröffnung der Verhandlungen erklärte, die jüdischen Geschworenen seien von jeder Thcilnahme an diesem Proceffe uuSgeschloffen, und da« Endresultat blo« von dem Ausspruche der christlichen Geschworenen abhängig machte, konnten wir nn« keiner Täujchungmehrhingrben.daßdiegiftige Hydra desAntiscmitiSmuS auch hier ihr Spiel treibe und das Urtheil dem des vor zwei Jahren in RzeSzow gleichlauten werde. Und so war e» in der That, denn unter den 12 Geschworenen war kein einziger, der für die Unglücklichen auch im 'geringste» Herz und humanes Gefühl bekundet hätte. Trotzdem der Verlauf der Verhandlungen keinen klaren Beweis von der Schuld de» Moses Ritter und drffe» Gattin zu geben vermochte, sprachen sie Alle da» .Schuldig" au«, auf welche« die Berurtheilung znm Tode erfolgte. Al« Beweis. daß selbst dem GcrichtShos diese unmotivirte Verurtheilung sehr nahe zu Herzen ging, diene der Umstand, daß derselbe sich unmittelbar nach Ausspruch bo» Urtheil« zur Berathung zurückzoq. deren Resultat eS war, seinerseits die Sache dem Kaiser zu unterbreiten. mit der inständigsten Bitte, die Ivdesstrafc in eine beliebige Gcfängnißstrafe zu verwandeln. Die vorzüglichen Vertheidigcr. namentlich der Dozent Dr. Rosenblatt und Dr Machalski ließen e« gewiß während der Verhandlungen an nichts fehlen, was zur Freisprechung de« Rilter'schen Ehepaare« nöthig war. weil man allgemein die richtige Ueberzeuguug hatte, daß bloS der dritte Angeklagte Zlochlinski, ohne irgend welche Thcilnahme. der eigentliche Mörder der Mnich war-, da er die ursprüngliche Auüsage, Ritter l>Utc ihn durch Geld zu diesem Morde veranlaßt. widerrufen, zu der er blo« durch dir qualvollen Martern der Gendarmerie genüthigt worden. Zuin Schlüße meldeten die Bcrtheidiger gegen da« Urtheil die Nichtigkeitsbeschwerde an, die sie i» tiefster Ueberzeuguug von der Ungerechtigkeit dieses Urthrils auch mit vollem Eifer realisircn werden. Hoffen wir. der Wiener KaffatiouShof werde die Sache selbst in die Hand nehmen und sie nicht wieder einem andern Gerichtshof im Lande zuweisen, wa» doch der Sache durchaus kein Heil bringen würde. Mien. Doppeltes Interesse enveckt der 23. Bericht de» Verein» zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirendcr. Er zeigt, was getha n wird — er ehrt die Wohlthäter, und den Mann, der zum edlen Thun beständig anregt — er zeigt aber auch, wie die Juden aufftrcben! Freilich in Deutschland wird da» srltsameWort au« dem Mund? eine« Fürsten der Wiffenschafl colporlirt: »Von einem armen Ma»ne hat die Wissenschaft Nicht« und er hat Nichts von der Wissenschaft-, ein Wort, da« hier in Oesterreich uwgeprägt worden ist in die typische Figur de« „Schwcfclhölzchcn feilbietenden Studenten-. Im Judenthum dagegen gilt'S: »Habt Acht auf die Söhne der Armen, den von ihnen wird die Wissenschaft gepflegt und gemehrt-, E« wurden 338 Studirendc unkcrstützt, und zwar 57 Juristen. 188 Mediciner, 10 bei der philosophischen Fakultät Jmmatrikulirte, 5 0 Techniker, 3 Landwirthe, 7 Pharinaceuten und 10 Veterinäre (Thierärzte) mit der Summe von 3405 Gulden. DaS ist verhältnißmäßig wenig. Aber 2710 Gulden halsen Collegiengelder und Prüfungsgebühren zahlen, d. h. waren Hilfe zur Fortsetzung oder Beendigung der Studien — sind also nach ihrer Einwirkung berechnet, sehr viell Die Stiftungen mehren sich, der Verein besitzt mehr als 25,000 Gulden Effecten und was am meisten werth ist — auch die Rückzahlungen früher erhaltener Beihilfen nehmen zu. Lassen wir uns nicht irre machen. Vorwärts ist eine Losung, die allein Neid Hervorrufen kann! Bester beneidet, als bemitleidet! Stfrfca, im Oftüb. (Or.-Eorr.) Das neue Schuljahr, das mit dem lS. September begonnen hat, brachte keine wesentliche Veränderungen in der Anzahl der die höheren Lehranstalten besuchenden Israeliten. Am k. k. Obergymnasium verließen 25 jüdische Abiturienten die Anstalt, die Zahl der Neuaufgenommenen hingegen beträgt circa 60. Im Ganzen giebt eS elwa 230 jüdische Gymnasiasten. In der Staat*ober-