Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938183--5421-5377507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ftrtxm der hies. Qkmniibt und 8etttrt«n der Filialgemeinden grbilbet. (Bericht in nächster 9fr.) Wir». Der Reich«tag«abgeordnete Or. 8. B l o ch und ein Hrrr Dornbusch beabsichtigen hier je ein jüdische« Blatt fir jüd.-vsterr. Interessen herau«zugeben. Ob neben der .Neuzeit" und dem seit »kurzem hier erscheinenden .Organ für da» moderne Judenthum" von O«kar Waldeck noch ein Bedürfniß für eine jüdische Zeitung ist, wird sich beim Beginn de« neuen Quartal« gleich zeigen. (Böhmen). Der hier jüngst verstorbene Later de« Statthalter« Baron von Krauß ist noch al« Jude berrdigl worden. Au« Wrng wird gemeldet, daß Rohling einen 6 monal» lichen Urlaub nachgesucht habe, um eine Reise in« Ausland zu machen. Man meint, daß selbst Cardinal Fürst Schwärzenlvrg ihn nicht mehr halte» will und dieser .Stolz" der Prager Universität damit endgültig verschwinden werde. Hkeü, 20. Oktober. Bei der Adres, de batte im Unterhause sprach der Ministerpräsident T i« z a sehr energisch gegen den Antisemitismus und erklärt«. er iverde die antisemitischen Lehren aufmerksam verfolgen, »m eine Verbreitung derselben I und der Vergiftung de» Bolle« durch dieselbe», soweit nur! möglich, zu verhindern. Die Gerechtigkeit erfordere, daß nicht der Jrrraeführte, sondern der Irreführende büße. Cr bestreite, das, die Juden überall die Regierung unterstützen, in einzelne» Fallen hätten ringeschüchterte Jude» sogar für die antisemitische» Kandidaten gestimmt. Der »katholische Priester Janossy verwahrt sich gegen die antisemitische» Reden zweier andere» Pnrsirr, sowie gegen dir Auffassung, daß sie die Gefühle de« laibolischen »kleru» verdolmetscht hätte». 3M, 10. October. In Angelegenheit der Judeiikrawalle im Oedendurgrr »komitat hat l)e»te da« letzte Forum, die Igl. Kurir, grunheilt, und zivar i» einer Weise, welche «ensatio» erregen wird. Das höchste Gericht hat nämlich die von de» niederen Instanzen de» Hauptangeklagten aus. erlegten Strafe» verdoppelt und verdreifacht. So wurde dem Hauptanstister Joseph Holzschuster, der in die Zensier der Juden schob und vom kgl. Gerichtshöfe zu Raab zu sechsjährigem Zuchthaus verurtheilt wurde, zwölf Jahre Zuchthaus Angemessen; da« Urtheil eine« andercn Rädelsführers. Joi. Weber'«, wurde vv» drei auf zehn Jalne. das de« Uarl Wolfbrin von sechs Monaten aus zwei Jahre verschärft. Hkuri». Ganz ungeheuer zahlreich werde» die Mischehen und zwar zumeist in den ärmeren Schichten. Da« giedt viel und nicht« Crfrruliche« zu denken. Hat ja schon Voltaire selbst e« al« bedenklich anerkannt, daß die Bedienten Gott lauerten! Doch wie die Obern summen, so die Untern brummen! In der Budgetcommissio» übernimmt Niemand da» Referat über da« »kultu«budget freiwillig — da« übersetzen die Arbeiter i» ihre Sprache, da sie Kirche» entweihen, da» Heilige lästern und verachten — indem sie die Religion von sich stoßen. Veter»tz«rg. Die .Deutsche Petersburger Zeitung" «fährt, die Judencommission werde zunächst da» Ansirdlungsrecht der Juden im Innern der Gouvernement« und ihr Recht auf Grundbesitz brrathe». Die Commission hatte beide Fragen den örtlichen Berwaltungbehörden zur Begutachtung vorgelegt. Die Mehrheit hatte sich für eine ganz allmählich r«. verwirklichende Erweiterung de« AnsiedlungSrrchte« au«- Psprochen; hinsichtlich der zweiten Frage seien verschiedene «einungen laut geworden, und zwar wollen die Einen den Anden den Besitz und die Pachtung von Ländereien verbieten, »>s Anderen den Grundbesitz wohl, aber nicht dir Landpachtung gestatten. Andere endlich den Juden in dieser Beziehung die «imlichen Rechte zugrstehen wie ausländischen vnterthanen. Visch»ey.M«»ß«r«tz, 21. Oktober. Die krieg«gerichtliche Verhandlung gegen 72 an den Ausschreitungen gegen d«e Auden jn Kunawino betheiligten Personen ist heute beendet worden. Bon den Angeklagten wurden 11 wegen Todtschlag» zu 12bi« 20 jähriger Zwangsarbeit verurtheilt. Wegen Raube« wurden 27 zu 1bi« 3 jährigem Zuchthau», 16 zu Gefängnihstrafen von zwei Wochen bi« zu 3 Jahren, einer zur Deportation »ach Sibirien und sechs zu Arreststrafen verurtheilt. Rur 11 Angeklagte wurden freigesprochen. In Hii»«5»rg (Rußland) hat der Bildhauer Jaffa eine Statuette von Sir Mose« gefertigt, deren Ertrag für die Colonisatton Palästina'» verwendet werden soll. Aufftz. Am Hellen Tage, vor den Augen eine« Polizisten stößt ein Bojar eine Leiter absichtlich um. auf welcher ein Jude steht, der an der Wand etwa« arbeitet. Der Jude erfaßt einen Wandvorsprung, um nicht hinabzustürzen — aber der Edelmann zerrt ihn herab, damit er hart auf den Steinen auffalle. Der Polizist amüsirte sich köstlich über diesen gnädigen Scherz, der doch nur einem Juden Hals und Bein kosten könnte. Auf der jüngsten ÄewerbeauSstellung wurde auf Beschluß de« Comitäs kein Werk eine« jüd. Handwerker« zugelasscn' Wo die Juden nicht Handwerker sind, loiro darüber raisonnirt. Sind sie e«, dann will man ihnen die Möglichkeit, sich damit zu ernähren, nicht gönne». (Jwri) (Bosnien). Im Schuljahre 1882/83 waren von 8114 in der Provinz die Schule besuchenden Kindern «16 (7,57 •/,) Juden. $«pfi«. Die bulgarische Presse verwahrt sich neuerving» gegen die Einwanderung so vieler Israeliten aus Rumänien, Rußland k.; sogar von den jüngst au« Berlin Ausgewiesenen haben nrelche ihren Weg hierher gefunden. Die Blätter werfen ihnen besonder« vor, sich überall in Äemcindcangelegenheiten zu mengen. G»»lk««ti»« (Algier). Ein hiesige« Blatt meldet, daß da« Consistorium de« Departement bcmiffiouirt habe. Die Gründe diese« befremdenden Schritte« sind »och unbekannt, DirBeschuldigung, daß jüd. Händler au« den Cholerabezirkcn alte Kleider und Wäsche eingeschmuggelt haben, ist — von jüd. Händlern auSgegangen! Die Untersuchung l>at ergeben, daß die verdächtigsten Ballen Militärsachrn enthielten, dir in Pari« gekauft und ri« Havre nach Algier geschickt worden waren. (Ueberall daffrlbe Bild — der Jude macht da« Rischu», und dein Jude» wird da« Aergste zugetraut — Sobald aber ehrlich untrrsucht wird — zeigt sich« al« erfunden!) Algier. Unter de» Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Cholera empfahl der .Conrricr d'Oran" auch — die Schließung der Synagogen am Jomkippur. (Der weise Rathgeber kennt da« Judenthum so genau, daß er folgenden Satz zu leisten vermag: U brigen« gebietet die mosaische Religion jedem ihrer Gläubige», ein ganze« Huhn zu essen. ,Daü ist nicht ein Vcrsöhnungüfest. sondern ein Fest de« verdorbenen Magen»." — So geistreich und gelehrt sind unsere radikalen Freunde). Algier. 1883 sind statistisch bei den Juden der Provinz 40"/, mehr Geburten al« Todesfälle festgestellt (bei den Europäern nur 17 '/,) nämlich auf 2144 Geburten 1300 Tode«fälle. Gegen 1882 zeigt sich ein Mehr von 47 Ehen. 101 Geburten und 66 Todesfälle. Au« kommt, außer den bekannten Dingen, daß trotz der Erlaubniß de« Sultans einwandernde Juden zurückgewiesen, von Beamten und Juden um Geld geprellt werden, die Kunde, daß au« der Colonie Sa marin 15 Familien »ach Amerika ausgeivanvert sind. A«r»s«lem. Die au» Armen hierher eingewanderten Juden — von welchen wir hofften, daß sie an Arbeit und an heiße« Klima gewöhnt, Pioniere der Colonisatton sein würden — verkommen in Hunger und Elend. An der Chalukah wird ihnen kein Theil gegeben. Herr M a r k u « Adler sucht im »Jew. Chronicle" die Mildthätigkeit für sie anzurrgrn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.