Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 828 — Erschwerungen erwachsen; aber die meisten Provinzial- Schul-Kollegien. darunter auch solche, in deren Aufsichtsbezirken die-jüdischen Schüler einen höhere» Procentsatz der Gesammtfrequenz ausmachen, sind doch derAnsicht, das, diese Schwierigkeiten sich ohne Anordnung besonderer Maßregel überwinden lassen, und sprechen sich deshalb für die fernere Beibehaltung der bisherige» Bestimmunge» aus. Da ich den für diese Auffassung geltend gemachte» Erwägungen nur beistimmen kann, so muff ich Bedenken tragen, dem Antrag deSKönig» lichcn Provinzial »Schul-Kollegium» auf Abänderung der durch die Verfügung vom 6. Mai 1859 und vom 30. Januar 1869 (Wiese I, 149) getroffenen Anordnungen Folge zu geben; vielmehr muß ich annehmen. daß der geregelte Gang hinreichend gesichert bleibt, wenn einerseits die angezogenen Bestimmungen über Dispensation vom Besuch de» Unterricht» oder vom Schreiben am Sonnabend vorschriftsmäßig gehandhabt und bei der Einholung derselben die Eltern von den Direktoren ausdrücklich darauf hingerviefe» werden, daß die Schule keine Verantwortung für die aus derartigen Dispensationen bei den betreffenden Schülern entstellenden Folgen übernimmt, und wenn andrerseits alle über da» gestattete Maß hinauSgehende» Forderungen der Eltern zurückgewiesen werden. — I» letzterer Beziehung sehe ich mich veranlaßt, in», besondere darauf hinzuweisen, daß für die Anfertigung der schriftlichen Arbeiten in der Reifeprüfung seitens der jüdischen Schüler eine Dispensation vom Schreiben am Sonnabend nicht beansprucht werden kann. ES muß vielmehr gefordert werden, daß diejenigen von ihnen, welche die Reifeprüfung ablegen wollen, sich auch den vorschriftsmäßigen Anordnungen unterwerfen und ev. am Sonnabend sich der Anfertigung einer schriftlichen Arbeit unterziehen. ES ist ferner nicht anhängig, daß die technischen Räthe an denProvinzial-Schul-Kollegien, deren Thätigkeit durch den Vorsitz bei der mündlichen Prüfung vollauf in Anspruch gcnonNne» ist. befder Feststellung der Termine auf die Lage der jüdischen Feiertage noch eine besondere Rücksicht nehmen solle». — Hinsichtlich der jüdischen Feiertage wird in einigen Berichten geklagt, daß deren große Zahl sich einem geregelten Unterricht als erhebliches Hindcrniff entgrgenstelle, besonders an solchen Schulen, welch« von einem hohen Prv> centsatz jüdischer Schüler besucht werden, und e» wird zum Beweise darauf hinaewiesen, daß an einzrlnen Schulen eine Dispensation vom Unterricht für 13. ja selbst für 15 Tage beansprucht wird, während dieselbe an andere» Orten doch nur für 2—3 Tage nachgesucht wird. So wenig ich die Schwierigkeit verkenne, welch« aus diesem Umstande für einzelne Schulen entstehen kann, so stellen sich doch einer gesetzlichen Regelung der jüdischen Feiertage, wie sie von einigen Provinzial-Schul-Kolle^ien gewünscht wird, noch verschiedenen Seiten hin so große Schwierigkeiten entgegen, daß ich, wenigsten«?gegenwärtig, Bedenken trage, den dahin gehenden Anträgen tattzugeben. Ich darf aber erwarten, daß es auch ohne derartige Regelung den Direktoren durch geeignete Vorstellungen den Eltern der Schüler gegenüber mehr und mehr gelingen wird, diese Dispensationen im Jntereffe der Schule und der einzelnen Schüler auf dasselbe Maß herabzumindern, wie e» an den meisten Schulen gewährt wird, zumal wenn wirklich mit Ernst darauf gehalten wird, daß Lücken, welche bei jüdischen Schülern infolge solcher Versäumnisse eintrelen, auch bei den Versetzungen nicht unberücksichtigt bleiben. Berlin, den 18. Juni 1884. grz. von Goßler.' Hiernach ist also durch den neuen Erlaß in dem bisherigen Verfahren nichts geändert — bi» auf die Nichtberücksichtigung der jüd. Abiturienten — und ti ist unbegreiflich, wie die .Jüd. Pr.', die doch in Berlin erscheint, ohne genaue Kenntniß de» Wort'auts so scharf gegen den EultuSminister Vorgehen und soviel Staub unnvthiger Weise aufwirbeln konnte. Da» Präsidium der Rabbinerversammlung, da» von vielen Seiten gedrängt worden war. in der Sache energisch vorzugehen. hatte doch wohl Recht, vorsichtiger zu Werke um sich nicht zu — blomiren. Allzu großer Eifer sä nur. (Die »Jüd. Pr.' erklärt in ihrer letzten Rum,, daß nach dem nunmehr vorliegenden authentischen Wonl, die sichere Hoffnung vorhanden sei, daß auch bezüglich | schriftlichen Abiturientenarbeiten der Minister sich einer gemäßen Vorstellung wohl nicht verschließen dürste. Red) A««««»er, 15. Oktober. (Or.-Eorr.) Auf Anordn, oe» Herrn Landrabbiner» vr. Gronemann wird in säm, liehen Gemeinden der LandrabbinatSbezirke Hannover Lüneburg der hundertste Geburtstag Montefiorstl durch eine gottesdienstlich: Feier begangen. Für diejenigen Gemeinden, die eines Predigers embchn,! ist ein hebräisches und deutsche» Gebet vom Landr>,dd««I verfaßt, die der Lehrer beim Gottesdienste vorzutragcn fal Wir theilen da» letztere für manche Lehrer oder beter in anderen kleineren Gemeinden mit. Dasselbe ist m| freie Uebrrsetzung de» hebräischen (M«scheberach): .Tiefbewegten Herzen« nahen wir Dir, Herr und Paurl und rufen Dich an. Angesichts des Tage», an welchem, oo,| Deiner Gnade geleitet, unser großer Wohlthäter, Mose« Montefiore hundert Jahre eines ruhmgckrönten Leben» zurücklegi, dql Du ihm sendest den reichen Segen, mit dem Du da» Lckal der Erzväter und das Leben der Frommen der Vorzcn im| ausgezeichnet Du weißt e«, o Herr, wie dieser Edle UM geopfert für sein Volk, wie er sein ganze» Leben dem Xmrikl desselben geheiligt, wie er unermüdlich gearbeitet für fall Wohl seiner Glaubensgenossen, für dir Verbesserung idml Lage, für die Hebung ihrer Ehre und ihre» Ansehen», «I er zu allen Zeiten und an allen Orten mannhasi für ml eingetrrten, den Zorn der Verfolger zu besänstige» und dkl Thränen der Verfolgten zu trocknen. Du hast ib» mH belohnt. Allgütiger, für sein aufopferndes Wirken. Du tun ihn geleitet durch wilde Meeresfluthen hin nach unwirihlichal Gegenden, hast sein Wort gesegnet, ivenn er die Rechte sei«! Brüder vor Königen vertrat, demselben Eingang unv Enchl verschafft vor Mächtigen und Geivaltige». Du hast ihn sichilch l ausgezeichnet unter den Menschen, indem Du ihm die ünpl de» höchsten Altera gegeben, die strahlende Krone eines scliaml GrrisenalterS auf oen Gefilde» einer gottgesrgnete» Lieb»! thätigkeit ihn hast finden lasten. Wir bringen Dir, o LmI dafür unfern inbrünstigen Dank dar au» der Tiefe unicnll Brust und flehen Dich an, daß Du die große Gnade. Du bisher in hervorragendem Maße ihm bewiesen, auch «chl weiter in reicher Fülle ihn, lastest zuströme». Laß iv^chal über ihn auch fernerhin Deine Huld, offenbare an ihm dnchl weitere Vermehrung seiner Tage der Menschheit rin besonder««! Zeichen Deiner Gnade. Geivähre eS ihm. Allbarmher;>git! die Früchte seiner hingebenden LiebrSwerke »och auf tfrtal zu >«hauen, mit eigenen Augen e» noch zu sehen, wie Dtfl Gute, daS er an verschiedenen Orten auSgestreut. don }«| herrlichen Saat ist aufgrgangen. Laß ihn erleben die Zoll de» Heil» für Zion und der Erlösung für die noch Verfolg«! in Israel, die Zeit, da Haß und Eifersucht unter w| Menschen schwinden. Liebe und Eintracht alle Bewohner ri**l Lande» umschließen und in Frieden alle Bürger zusammc»! halten und zu gemeinsamer friedlicher Arbeit sich verbind»! So sei e» Dein heiliger Wille, o Herr, darauf sprechen «I Alle: Amen.' I Kami»»-, 19. Oktober. Wie in vor. Rr. miigecheilt I sprach gestern Prof. Lazaru» »lieber ethische» Wisse» «M Leben im Judenthum" vor einem äußerst zahlreichen licum in seiner bekannten tiefdurchdachten, seotenzciirenha I und bis in» Kleinste hinein abgerundeten Weise und g«* I dadurch den Hörern zahlreiche und mannigfache Anregung» I zu fruchtbaren Gedankenreihen. Der Redner ging au» ** I dem fundamentalen Gegensätze zwischen der Anschauung da I Arier, al» deren Vertreter er vor allem die Griechen heraaziz I und derjenigen der Semiten, vor allem der Juden, über d«z1 wa» der menschlichen Lebensführung Ziel und |