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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 827 — ymt Interessen wahrzunehmen. sie haben sich aber in ivmtlichen Eigenschaft jeder politischen Wahlagitation zu [Itttr Mag solches vielleicht von anderer Seite gej, so haben wir schlechte» Beispielen nicht zu folgen. Ausnahme darf c» nur da geben, wo es sich um wichtige sse» de« Judenthum» handelt. Kein vernünftiger Mensch , daran, daß im nächsten Reichstage speziell jüdische Ange» idnirn zur Sprache kommen*) oder gar diepolitische Gleichve» iznng der Juden in Frage gestellt werde. Einige antisemitische spornc mögen sich mit solchen Gedanke» tragen, allein darf der Reichsregierung eine solche Absicht unterstellt n. »och steht zu fürchten, daß eine andere Partei, als ipe;insch antisemitische.**) die höchstens in einigen wenigen plan» vertreten sein wird, an der Gleichberechtigung ln werde. Ich glaube auch kaum, dag dir conservativrn hbotcn von Oberhessen zu diesen Antisemiten gehören. dealmlb die einzelnen Juden nach ihrer Ueberzeugung tca, dir Thätigkrit der jüdischen Gemeindebehörden hat der slimmgedung nichts zu schaffen. Wir Juden müssen , >edr politische Fructifizirung des Judenthums pron> und gerade am Schärfsten, wenn dieselbe von Glaubensausgrht. _ Serichle «mb Correspo«dr»ze«. Deutfcbland. Msßdetnrg. Die .Köln. Zeit." schreibt: Die „DeutschiMigcn* cntivickeln nicht blo» in den hiesige», vielmehr m verschiedenen süddeutsche» Wahlkreisen wie in Gießen, tfiurt a. M. u. a„ einen besonderen Eifer, die Reichs- >nig und mit dieser die Nationalliberalen der Begu»g de« „Antisemitismus* zu beschuldigen. So wie das „Franks. Journal* mittheilt und belegt, im'landr der israelitischen Religionsgemeinden durch be- Zuschristen belehrt, es sei „die Pflicht aller Augede» mosaischen Glaubens, für die Eandidaluren der fcnrtcn Herren mit allen zu Gebote stehenden Kräften Wählern zu wirken und denselben möglichst viele »ai zuzuführen. Bon der Ueberzeuqung durchdrungen, kic m dieser für unsere GlaubenSgenoffen so hochwichtigen »ezmhon mit uns vollkommen gleicher Ansicht sind, und wr lLnvägung auSgel-end, dag vor der Frage unserer politischen Gleichberechtigung alle andern in Betracht «den Fragen, wenn schon auch diese nicht zu unter» >. doch für uns von nicht so hoher Bedeutung sind, wir daher an Sie das Ersuchen, daß Sie innerhalb Religionsgemeinden alle wahlberechtigten Glaubens« '.zur thätigsten Antheilnahme an der Wahlagitation freisinnigen Eandidaten bei den Wählern aller Eon» dev und zur Stimmabgabe für dieselben veranlaffen F 4« ist» wenn die von un» vertretene Sache zum gelangen soll, der angestrengteste Eifer nöthig und jede fte von Wichtigkeit. Möge daher jeder seine Schuldigkeit [“■b in dem zu erhoffenden guten Erfolg eine Ent« 1«g finden für da» an Zeit und Mühe zu bringende «ehr wünschentwenh wird es fein, wenn diejenigen .welche au« Beranlaffung ihre« Geschäfte« außerhalb Ivohnorte sich aufzuhalten pflegen, am Wahltage zu bleiben und für den Wahlerfolg wirken.* Al« Stemme ) D«» kann (o unbedingt doch wohl nichi vorausgesagi «erden, so n> A. der .Verband deuischer Thtcrschutzveret»«-, der in Dresden I*u«rr Petition an den Reichstag eine gesetzliche Maßregel 7* bewähnen jüd. Schlachlgesetze und die Reichstaascandidaten für ihren «nirag zu gewinneu. Da wird eine «egen» jüd. (tzemeinden nothwendig sein, und man ihui »» bei Aktien die ilandidaien auch von dieser Seite anzusehen. (Red. d. I. v.l <ll»d die «ti ihr eng liirte consrrvative in allen ihren (deutsch, coaservativ. srrt-conservaNv); auch unter den siebt es »tele antisemitisch Angehaucht», die, wo es sich "»«dkichiinkunge» der Juden handelt, sich in ein schr beredtes '»»'». (Red. ». I. «.) zur Rechtfertigung der Reichsregierung und Nationalliberalen gegen diese falschen Beschuldigungen stellt da« „Journal* ein grotze« Bruchstück au« einer Rede de« Oberbürgermeisters Ohly-Darmstabt, gehalten am 8. d. M. in einer nationalliberalen Wahlversammlung an die Spitze seines Blattes, in welchem e« mit Bezug auf den Borwurf, der Antistmiti«mu« werde in Berlin von oben herab un) namentlich von seiten de« Fürsten Bismarck begünstigt, hei gl: Ich will hier die Ursachen und llrheber der Antisemitenbeivkgung nicht näher beleuchten, wohl aber kann un» mub mit voller Bestimmtheit gesagt werden, dab die in der preubischen Verfassung. wie in der Reich«, acsetzqcbung unumwunden anerkannte Aleichbrrechtigling aller religiösen Bekenntnisse von der Reichsregierung gewissenhast respectirt wird. Al« aus Anlab der Antisemiien-Agitation der Abg. Hänei im Abgeordnelenhause die StaatSregierung wegen ihrer Stellung zu dieser Frage und dem im Stange befindlichen Adressensturm interpellitte, erklitnr der Biccpräsident de« Slaat«ministerium», Aras Stolberg, sofort, dab die kön ig» liche Regierung nicht daran denke, eine Aenderung de» de stehenden Recht«zustande» eintreten zu lassen. Scho» im Februar 188» halte derLronprinz de« deutsche»Reich» dem Vorsitzenden der israelitischen Gemeinde zu Berlin, dem jetzt verstorbenen Stadtrath Magnn«, gegenüber erklärte .er habe sich im Ausland« den An«l!indern gegenüber dieser Agitation geschämt.- Im Jahre 188l sprach sich der Kronprinz demselben He»rn Magnu« gegenüber in gleichem Sinne und noch viel entschiedener au», indem er sagte: „Er hege über die Antisemiien-Agitation noch dieselbe Anschauung wie im vorigen Jahre, er mifibillige und verwerft dieselbe aus« entschicdenite. «a« sein Gefühl am meisten verletzte. sei di« Hineintragung dieser Tendenzen in die Schule und in die tilrsäle In die Pflanzstätten de» Edlen und Guten sei diese» böse amenkorn hineingeivorsrn worden: hofienllich werde e« nicht zur Reife gelangen, Er vermöge e« nicht zu lassen, ivie Männer, die ans geistiger Höhe stehen, »der ihrem Beruse nach stehe» sollten, sich zum Träger und Helfershelfer einer in ihren Borau«jktzungen und fielen gleich venvers lichen Agitation hergeben könnten. Er gebe sich der sicher» Hoffnung bin, die Bewegung werde im Sand« verlausen, den» derartige ungesunde Dinge könnte» keinen Bestand haben-. Al» gleichivohl die Antisemiten- Agiiation ihren Fortgang »ahm und bi» zu lumultuarischeu Secnen sich steigerte, da machte diesem Unfug der Minister de» Innern durch einen energischen Erlab an die Behörden ein Ende, einen Erlab, der. wie alläeinem bekannt ist, dem Aillen und Befehl 8r. Majestät de» laiser« seine Entstehung verdankte. Weiter fügte Herr Ohlh „mit Genugthnung* hinzu, „das; wir Nationalllberaie unsern israelitischen Mitbürgern gegenüber stet« auf demselben Standpunkte wie der Kronprinz des deutschen Reich« und Fürst Bismarck*) gestanden und die A„- tisemitrnbewcgung nach allen Richtungen verurtheilt und abgeiviesen haben. Zur Ehre unserer Stadt sei es gesagt, daß auch wir die« in öffentlicher Stadlverordnetenversamnilung durch einstimmige energische Zurückweisung einer an un« gerichteten antisemitischen Zumuthung gethan haben. Ich gebe deshalb dni Israeliten zu bedenken, ob cs recht und billig ist und ihrem wohlverstandenen Interesse entspricht, wenn sie bei den bevorstehenden Wahlen im Lager unserer Gegner stehen und die systematische Opposition gegen eine Regierung unterstützen, welche jeden Versuch, die politische**) Gleichberechtigung der israelitischen ReichSangchörigen zu schmälern, mit Entschiedenheit zurückgewiesen hat.* 8. /Unißstzerg 16. Octob. (Or.-Corr.) Die Verfügung de« EultuSministrrS Betreffde« Schreibens jüd. Schüler am Sonnabend, war durch den Bericht des hiesigen Provinzial - Schul»Kollegium« veranlaßt und hat folgenden Wortlaut: „Der Bericht de« Königlichen Provinzial-Schul-KollegiumS vom 24. Juli 1883 — Rr. 311S — betreffend die Uebelstände, welche au« dem Richtschreiben jüdischer Schüler am Sonnabend für den Unterricht entstehen, hat mir Beranlaffung gegeben, sämmtliche Provinzial-Schul-Kollegien zur Aeußcrung aufzufordern über die Beobachtungen, welche dieselben an den höheren Schulen ihre« Ressort« in dieser Beziehung gemacht haben. In den ringegangenen Berichten tvird nicht in Abrede gestellt, daß au» dem Richtschreibrn jüdischer Schüler für die Regelung de« Unterrichtam Sonna' e»d in mancher Hinsicht ») «» Ist uns nicht bekannt, dab Fürst Bismank die Antisemitenbewegung nach allen Richtungen verurtheilt und abgewiesen habe. (Red. d. I. W.) —) Da« klingt doch etwa« sehr .politischi* (Red. d. I. «.)

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