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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 822 — zur Anstellung solcher Lehrer die Gemeinden subventioniren. Ad. II macht der Bericht den Vorschlag, die Talmud Thora de» Dr. Loewen stein allmählich in ein Lehrerseminar umzubilden. Eine gesunde Grundlage ist gegeben, und die (Gemeinde Lemberg wird damit einverstanden sein und dazu lielfen. Auch für HI soll Lemberg den Anfang erleichtern. Hier besteht eine Handwerksschule. die Herr M. Bernstein f. A. gegründet hat. au-reichend für 18 Zöglinge. Diese» Hausoll durch die Alliance erweitert werden. Die Gemeinden sollen unterstützt werden, alljährlich je 10 Kim beb in die Lehre zu schicken, wa« ca. 500 Gulden jährlich kostet. (Die Rechnung ist falsch. Denn da eine 3jährige Lehrzeit für einen tüchtigen Handwerker durchaus erforderlich ist, so giebt« im 2. Jahr 20, im 3 und weiter 30 Lehrlinge, wa« jährlich 1500 Gulden kostet — wozu die Mittel nicht ausrriche», >r>e»n auch nur 10 Gemeinden r« durchsetzten!!). Auch für den Ackerbau lätzt sich schwer etwa» thun. da nicht Theoretiker, sondern Praktiker erfordert werden. Da» lNscheiteste wäre r«, wen» jüd. Pächter oder Gutsbesitzer jüd. Knaben als Ackerknechte beschäftigen wollten. Denn die Anlegung einer Mnsierwirthschaft würde 100 000 Gulden verlangen. Tftft, 10. Oft. Einer Schilderung, welche der hiesige Eorrespondent der „Münch. AUg. Zeit." von den einzelnen Parteien de» neuen ungarischen Reichtstage» entwirft, entnehmen wir die folgenden Sätze über die antisemitischen Mitglieder der „Unabhängige» und Achtundvierziger Partei": „Dazu kommt al« die dritte Richtung in dieser Partei der Antisemitismus, welcher hier zersetzend wir Schridetvassrr t'.iiuirft und diese Partei in der vorigen Session in ihre Atome aufgelvst hat. Dieser antisemitische» Beimengung tonnten sich die „Unabhängigen" und „Achtundvierziger" auch bei der »ciilichrn Revision ihre« Parteiprogramm« nicht erwehren; ja sie mutzten offen declarirte Antisemiten in ihrem Schatze dulden. Dieser Pfahl im Fleische der „Unabhängigen" freut Niemanden mehr, al« den eigentlichen „Antisemitenclub". der heute 21 Mann stark ist. übrigen» aber 25 offene und un» gczühlte heimliche Anhänger im Abgeordnrtenhause besitzt. Wa« die Antisemiten wollen, das ist nicht bald gesagt. Wir beschränken »»« für diesmal auf die Andeutung, datz auch in ihrer Mitte zwei Strömungen vorhanden sind. Die eine wirst sich auf da« bekannte Schlagwort: „Juden 'raus!" Die Juden sind entweder des Lande« zu verweisen oder niindestens für rechtlos zu erklären. Dieser rohen, gewalt» ihätigen Tendenz gegenüber, sinnt die andere antisemitische Richtung darauf, durch Reformen der Agrar» und Industrie- Gesetze dem „jüdischen Geiste" in der VolkSwirthschast und in der Societät Schranken zu ziehen. Jene betrachten die .Judenstage" al« eine confessionelle oder nationale Macht», rcsp. Gewaltfrage, diese erblicken darin vielmehr rin vor» iviegend volkswirthschastliche« und socialpolitischr« Problem. Welch« Strömung die Oberhand behaupten wird, steht »och dahin." (Wir zweifeln nicht daran, datz sich für die Dauer da« Verbleibe» dieser Antisemiten in der Partei mit dem liberalen Charakter der „Unabhängigen und Achtundvierziger" nicht vertragen wird. Bei der energische» Verurtheilung. die Kossuth, der „Unabhängige und Achtundvierziger p»r exoellenoe", über den Antisemitismus ausgesprochen hat, ist e« zu verwundern und lediglich au« der Verwirrung, welche allen politischen Parteien in Ungarn cigcnthümlich geworden ist, ,u erklären, datz GesinnungSgenoffen von Jstoczy in der liberalen Partei geduldet werden. Red) England. AuS Ls«ds», 8. Oktober, erhalten wir folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Redakteur! Als Präsident der hiesigen jüdischen Armencomniission halte ich e« für meine Pflicht, vermittelst Ihre» weitverbreiteten Organe« einen eindringlichen War» »ungsruf an unsere Glaubensbrüder in Deutschland. Rutzland und Oesterreich ergehen zu lassen, um ihnen von einer Einwanderung nach hier, in der Erwartung entweder hier einen Lebensunterhalt zu finden, oder von hier au« zur Weil» emigration nach Amerika affistirt zu werden, auf das Alst, entschiedenste abzurathcn. Ich fühle mich zu diesem Mahn^ gedrungen, da e« zu meiner Kenntnitz gekommen ist. d, kontinentale EomitäS keine Bedenken tragen, viele der noh. leidenden Brüder zur Reise nach England zu überreden, o* ihnen zu diesem Zwecke nur gerade genug Mittel geben, q London zu erreichen. Sämmtlichr Ziveige der Industrie, fet Handel und Gewerbe« sind hier zu Lande mehr als übersich tagtäglich wächst die Noch, überall stötzt man auf Hnnstn, von Beschäftigungslosen. die gern irgend welche Arbeit richten würden, ivenn sie solche nur finden könnten. Xit russischen Verfolgungen und die bedauernSivertlien religiös socialen Reibungen auf dem Eontinrnt während der letz,, drei Jahre, haben seitdein die Reihe» unserer hiesigen llmn. stützungSbedürfligrn bedeutend verstärkt, und wenn es dies», die. nachdem sie hier schon angesiedelt, und mit unsmc Sprache. Sitten und Gebräuche» einigermatzen vertraut sj»ö. schivrr fällt, einen Lebensunterhalt zu finde», wie kann tt da erst den Neuangekommene» ergehen! Früher war es uat ermöglicht, dir durch den Zuflutz der fremden Armen ent» stellende» Schwierigkeiten zu überwinde»!, indem ivir rinnt Iheii derselben zur Weitercmigratio» nach den Bereinig,n Staaten behülflich waren: atwr dieser Ausweg steht uns nicht mehr offen; die amerikanischen Behörden haben uns eindringlit gewarnt, datz sie nur rüstige» und wirklich arbeitsfähig«, Emigranten da« Landen gestatten und datz selbst solche etwa» eigene Mittel besitzen müsse». Manche der Emigranle», d» diesen Anforderungen nicht entspreche» konnten, sind wird» »ach Europa zurückverschifft worden und, abgesehen, von da, auf solche Weise unnütz vrrschivcndctkn Gelbe, sind dics« Armen dadurch grotzrr Noth und Entbehrung ausgrsetzt ge. wesen. Wir ivarrn stets gern bereit, unseren voin Eoniinm kommenden Brüdern, soweit es unsere Mittel erlaubte», hüls, leistende Hand zu reichen, und mit gerechtem Stolze könne, die Jude» Englands auf ihre Bcmühungcn in dieser ftüm# deuten, die r« Tausenden von deutsche» und russischen Glai> benSbrüdcrn ermöglichten, sich erfolgreich in Amerika und de, Eolonien niederzulaffen oder hier zu Lande einen — wai» auch weniger sicheren — Lebensunterhalt zu finde», Ö* die Verhältnisse aber jetzt liegen — autzergrwöhnlichet Darnirderlirgen von Handel und Gewerbe hier, und autzergewöhnliche Beschränkungen für Eimvanderer in Amerika - ist e« unsere Pflicht, unsere Brüder dringend darauf aus. nierksam zu mackic», datz. ivenn der Zuflutz der Auswanderung wie bisher anhält oder gar gröbere Dimensionen anniiniut. e« un« absolut unmöglich sein wird, ihnen hier Hülse zu gc> lvahren und datz sie ohne solche der Ruth erliegen oder schlietzlich wieder in ihre alte Heimath unter schlimmer» Verhältnissen, al« sie sic vcrlaffen, zurückkehrcn muffen. Mein eindringlicher, wohlgemeinter, brüderlicher Mahnru ergeht daher an alle die Institutionen, deren Aufgabe es ist. der Noth unserer leidenden Brüder abzuhclsen, die bisherige Weise, sie einfach nach hier zu schicken, aufzugeben. Mil de» Hierhersenden ist den Armen nicht geholfen, im Gegemhäl wird ihr Leiden durch bittere Enttäuschung und zwecklose Hin» und Herfahrt nur unnütz vergröbert. Ich bitte Sie, geehrter Herr Redakteur, mich in dieser Angelegenheit durch Veröffentlichung diese« Schreiben« » Ihrem virlgelesenen Blatte zu unterstützen. Genehmigen Sie, gcehrter Herr Redactrur. die Versicherung meiner Hochachtung. Ihr ergebener Lionel L. Cohen Präsident of the Board of Onarditsi for the Relief of the Jewuh Poo«. Vermischte nttb neueste Nachrichten. Magdeßrtrg. Wie man un« mittheilt, hat da» Präsidium der Berliner Rabbiner-Versammlung allen Gericht«' behürdrn die von den Rabbiner» Deutschlands erlaff«

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