Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 820 — Berichte ttttb G-rrefperrdeiyerr. De»ts«bl«»d. gktfl«. Sknn man noch nach Beweisen für die Unreife de» Antiscmiti«mu» suchen-wollte, so wären sie leicht durch die kindische Art zu erbringen, wie derselbe sich manifrstirt. Eine Lieblingsbeschäftigung desselben ist. den Juden anonyme Karten und Zuschriften albernen oder auch unflächigen Inhalt» zugehen zu lassen und vielfach wird dazu die Post.benutzt. So ivare» auch diesmal zum jüdischen Neujahrsfeste massenweise Illustrationen mit der Spitzmarke .Juden rausl" per tost versandt worden und auch die Eouvert» trugen den trmpel des Reichsadler» mit der Umschrift .Juden rau»". Darauf bat sich einer der Adressaten bei dem Herrn Staatssekretär Stephan beschwert und vom kaiserlichen Oberpostdirector Geheimen Postrath S ch i f f m a u n folgende Antwort erhalte»: .Euer Wohlgeboren erwidere ich ergebenst auf da» an Seine Exccllenz den Herrn Staatssekretär des Reichspostaint» gerichtete, zur zuständigen Erledigung an mich abgee' ne gefällige Schreiben vom 20. v. M.. daß die anliegende düng wegen ihre» Inhal!» und des auf dem Umschläge befindlichen Stempels von der Beförderung häte ausgeschlossen werden muffen, was versehentlich unterblieben ist. Indem ich Ew. Wohlgeborrn dieserhald mein Bedauern auSspreche, bemerke ich ergebenst, daß da» Geeignete verfügt worden ist, um der Wiederkehr einesolchen Falle» thunlichstvorzubeugeu". Au» Areska», 2. Oktober, erhalten wir von einem freundlichen Leser unsere» Blatte» nachstehend« Mittheilung: Die hierorts erscheinende, ziemlich verbreitete .Katholische Schulzeitung für Nvrddeutschland" enthält in der dieSwöchrntlichen Rr. 40 folgende Schauergeschichte aus der „Rheinprovinz" : .Ein Frevler, feine» Zeichens jüdischer ReligionSlrhrer, wurde dieser Tage gefänglich nach St. Goar gebracht, weil er sich soweit vergessen, nach einem am Wege stehenden EhristuSbild zu schlagen und ti zu zerstören. ES braucht sich ob solch' einer Unthat niemand zu vetwundern. Hat man e» gewagt, die Beseitigung der chkistlichen Bi'.der und dir Einführung der Sabbathfeier ,n gewiffe Schulen zu fordern, so hat man nur einen Schritt weiter zu thun, um bei der vorsätzlichen Zerstörung jenes dem Judenthume verhaßten Zeichens anzugelangr». .Der unfruchtbare Baum mit dem gehenkten Gott", wie Israel Kreuz und Heiland bezeichnet, ist auch heute noch wie vor 1800 Jahren der Gegenstand de» Judenhasses. Damals hämmerte die dämonische Wuth seine» Volke» den Gottessohn anS Kreuz, heute nach 180 » Jahren sucht sie >hn wieder herabzureißen. Quoasque tandem!" Vielleicht gelingt e» Ihnen, Hr. Redakteur, bei Ihren Verbindungen mit den Lehrern und sonstigen Beamten unsere» Vaterlandes zu verfahren, wa« Wahre» an dieser so unwahrscheinlichen, scheußlichen Geschichte ist. Ich möchte gern die Sache klar gestellt sehen, um eventuell die Redaction der ,Kath. Schulzeit.« zur Richtigstellung zu zwingen, denn der- E' hen mit System u. Absicht gebrachte Notizen tragen nur dstoff zur Erregung confesionellen Hader» in die betr. se. Darum wäre e« geboten, dem Blatte die Lust am Fabuliren etwa« zu legen. Wir freuen un», im Folgenden den näheren Sachverhalt mittheilen zu können: „St. Goar (am Rhein); Von hier au» meldete vor wenigen Tagen die klerikale .Lobl. Bolközeitung" (judenhaffender Richtung!), wie grauenhaft die Juden die katholische Kirche haßten, sei aberinal» constatirt, denn rin Jude habe rin Heiligenbild verstümmelt und beschmutzt. Der Thäter sei in »oft. Darauf machte,« sich in der Gegend judenhetzerische Stimmen laut. De» Reigen führte ein Landschulmeister, der in der Schule die bekannte Lieb« predigt. E» war auch wirklich ein junger Pole (ein Mensch von ca. 17 Jahren, der in Werlau zugleich Bachur und Meschore« d. h. Lehrer und Metzgerknecht bei den wenigen dort wohnenden Jude, ist!! — diese charakteristischen Zustände empfehlen wir dn Beherzigung de» Gemeindebunde»» auf Denunciation zwei» I Juden dingfest gemacht worden. Vor dem Richter gab tt | an. er habe einen schweren Korb Fleisch einen steilen Bq hinaufgetraaen und ihn ermüdet in der Nähe eines alte, hölzernen Bilde« hingestrllt. Al» er nach kurzer Rast de, Korb wieder aufnahm, glitt er selbst au», der Korb schlu, an da« verwittert morsche Bild und der Kopf nebst ei«. Arme fielen ab. Heimgekehn habe er kein Hehl au» de, unangenehmen Zufall gemacht. Gern hätte er sich als de, unschuldigen Urheber bekannt und den Schaden ersetzt, wen, er nicht gefürchtet hätte, daß man ihn. den Juden, döswilliz verdächtigen würde — ivie e» ja auch geschehen ist. Da Ott und «achbefund die Richtigkeit seiner Angaben erwies«, wurde er sofort freigelassen und die Behörde»! ließen e» an ernste» Mahnungen bei de» Hetzern nicht seht«, j Die .Eobl. Zeitung" brachte bald den wahren Sachverhalt. Da» klerikale Blatt dagegen, obschon ihm die richtige Dar. stellung zugesendet worden ist. berichtete erst nach mehrere, ] Tagen, daß 2 Juden die Anzeiger gewesen und der Beschul, digtc vorläufig freigelaffcn worden ist. (Hoffentlich ist die Redaktion der Bre-lauer .Statt).I Schulzeit " (Hr. Franz Goerlich) wahrheitsliebender, als tat klerikale rheinische Blatt, haben wir doch hier im proiei'ta». tischen Magdeburg im Verkehr mit kath. Mitbürgern oft Äe> lezrnheit gehabt, uns davon zu überzeugen, daß die Gtakatholischen weniger antisemitisch angehaucht sind, als de! Gutprotestantische». Red. d. J»r. W.) SFafai, 6. October. (Or.-Eorr.) Die jüdische Geschichte lehrt, daß der Tempel in Jerusalem zum Theil in Falze von Zerwürsniffe», in Folge der Zersplitterung unter de, Juden selbst, zerstört worden ist. Die Geschichte der Jude, | in Posen zeigt, wie in Folge von Zerwürfnissen rin Tcmpelbau vereitelt wird. E» ist bekannt, daß in Posen Orthodor» I und Reformer sich gkgeuüberstel)en. Die Elfteren un« vr. Feilchenfeld, der in der alten und in der neuen schul predigt, die letzter», die sogenannte Brüdergemeinde M Dr. Bloch. Daneben aber schivelgen in dem Bewußtsein I einer selbstständigen Existenz: dir KönigSberger. die Humna» tätSverrinler, die vom Beth Hamidrasch, die vom Bctk I Sohlomo, die über der alten Schul, die neben der alte» Schul, die Pleßnerianer und — last not least — die Goldschmidtianer. Da bietet eines Tag» ein Zufall, in Gestalt einer Polizriverfügung, Gelegenheit, der Zersplitterung ä> Ende zu machen. Die alte Schul und die neue schul! »verden polizeilich beanstandet und geschloffen, da sic »I FcuerSgefahr nicht die geringste Sicherheit gewähren. Gl wird daher die Frage ventilirt: Umbau oder Neubau. Dchi sich unter den Reformern keine Begeisterung für einen Tcuyul I der Orthodoxen findet, darüber kan» man sich füglihl nicht wundern, die Brüdergemeinde erfreut sich eincs ichrz würdig auSgestatteten Gotteshauses. Bei den Orthodox» I hätte man diese Begeisterung aber voraussetzen müffen. 3*1 dessen da« Gegentheil davon ist im Ueberfluffr Vorhand»! Sofort erklärte sich ein Theil der Orthodoxie mit alte 1 Schärfe gegen einen Neubau. Die Frage wurde acut tal der Neuwahl de» Vorstände» der Synagogcngemeinde. $>| Reubauer — Hie Umbauer. Eine lebhafte Agitation bega»I die äußerste Orthodoxie wählte ihre Borstandscandidatcn oii I der Reihe der äußersten Reformer. Natürlich. »I mußten ja Männer gewählt werden, die aller Berechn«! I nach gegen einen Neubau stimmen würden. Und die ftfj einigung der Reformer und Orthodoxen ad hoc griutl Wa» in Posen, dem Lentrum der Orchodoxir. nicht für «fl lich galt — geschah, die Majorität de» Vorstandes u»l au» Reformern zusammengesetzt und damit die Tempelsafl entschieden, e« wird nicht gebaut, e« wird nur reno»'"! Diese spaoiaa der Orthodoxie, die lieber einen Reformer )* I Vorstand»mitgliede wählt, al« einen Orthodoxen, te würdige« GotteShaul bauen will — diese spaoies hW*!