Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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819 — Offerier vrief s» Herr« Prof. 3. Sildemeister in von«. von Dr. I. Goldschmidt, 8qirtt<9tabblnrr in Stilburg. (5ortfc|ung.) Ihr .Wen»", Herr Profeffor, ist also au» der Luft gtgrifsen und so schwebt Ihre These: .Akum" ,c. bedeute alle Richtjude». folglich auch .Christen". lediglich auf - dem Aruade einer falschen Voraussetzung. — In einer Rate polemisiren Sie gegen Herrn Rabbiner Pl»l>ppso». welcher behauptete, daß Aussprüche de» Talmud Mr gegen Christen gerichtet sein können, weil in Babylon, wo der Talmud geschrieben ist, sich damals keine Christen befanden. Sie halten ihm die eben behandelte Stelle entgegen. Run, wenn die L. A „jorn hanozri“ echt ist, so holen Sic Recht. Sie schließen al>er au* dieser Stelle: e» müssen also Christen in Babylon damals gewohnt haben, und dieser Schluß ist wieder nicht begründet. Babylonien ml seinen Hochschulen war damals Mittelpunkt der jüdischen Tmspora, und da konnten auch auswärtige Anfrage» die Tircussion über den „Jom ha-noeriu veranlaßt haben. — eo viel aber steht fest, da hier der christliche Sonntag ausdrücklich ,jom hanozri“ und nicht ,Jom ha-akum“ genannt ist. so ist es offenbar, daß „flfum“ nicht die Christen bezeichne. und das, was Sie als Hauptbrweis f ü r Ihre These aiisühren konnten, ist ein entschiedener Beweis gegen dieselbe! — Sic schließen den - wie ich Ihnen bewiesen habe — durch und durch morsche» Aufbau Ihrer These, .Akum re. dedcurc alle Nichtjudr», folglich auch Christen" mit folgendem Possue ab: .Es läßt sich nur aus den Umständen entscheide» wo diese allein gemeint sind". .Diese allein!" d. h. die Christen allein — das ist wieder so eine schein» darc Harmlosigkeit, die aber, eben deshalb, bei dem Leser »der Hörer uni so giftiger wirken inuß. Der Leser oder Hörer muß denken: Also der Schulchan-Aruch enthält auch öcsimnnungen gegen .Akum", wo nur Christen allein im Gegensatz zu Heiden genannt sind, und zu Ungunsten der Ehrisik». — Das ist aber einfach nicht wahr! Alle Bestim» >»nge» des Schulcha»>Aruch, die Christen allein benefsrn, sind solche, welche Christen, als Monotheisten, von den (hesktzeii gegen die Heiden ausnehmen. In solchem Falle ist ade: nicht .auS den Umständen" zu entscheiden, ob ildristkn allein gemeint sind, sondern es ist ausdrücklich gesagt. und wenn a» solchen Stellen der Ausdruck .Akum" «»» Christen gebraucht, so ist es ganz handgreiflich, daß kn .Akum" nur als vorchristliches Synonym für „eno Jehudi“ .Nichtbekenner des IudenthumS" sich cingeschlichen du. Sie kommen später selbst hierauf zurück, und da werde ch wieder Gelegenheit haben zu zeige», wie Ihre eigenen «affen die Spitze gegen Sie kehren. — Jetzt kommen wir zu dein Glanzpunkt Ihrer ganzen Ewchure. S. 10 sagen Sie: .Seit man christlicherseita me solche Benennung übel empfunden, haben die Juden — »nb da« gehört zu dem System der Täuschungen, womit sie harmlo e Christen in» Dunkel zu erhalte» suchen — getagnrt, daß unter Akum auch Christen zu verstehen seien; 's seien „ur die alten Sternonbeter gemeint". .Seit man christlichrrsritS eine solche Benennung übel empfunden" — harmlos das klingt! .Uebel empfunden!" Herr Pro- Wfor, mein Compliment: .Sie spielen wirklich die Rolle de» -harmlosen Christen" höchst meisterhaft! Dir böse», Wen Juden behandeln in ihren Schriften und Gesetzen dir rjn!,fn in der schnödesten, ungerechtesten Weise, und die Willen, .harmlos", wie sie sind, lehnen sich endlich nach «hchmidenm dagegen auf und . . . . .empfinden es "'l!' dir schlaue» Inden aber sind um eine Ausrede nicht Liegen und machen de» .harmlosen Christen" ein x für ™i u öor! — —. Ja, was da« .Uebel empfinden"^ der .harmlosen Christen" in Wirklichkeit bedeutet, davon wissen die Annalen der jüdischen Geschichte gar blutige Mär. — Rein, mein verrhrtrstester Herr Profeor, so war es nicht, sondern: seitdem die Dominikaner in Cvln — die harmlosen Dominikaner! — mit ihrem Hochstraten. Ortuin GratiuS, Arnold von Tongern. — lauter harmlose Christen! — an der Spitze. den elenden Pfefferkorn, einen gewissenlosen Täufling mit einem niedlichen Weibchen, dazu mißbrauchten, da« Judenthum durch falsche Interpretation de) Talmud und de» talmudischen Schriftthum» bei der christlichen Welt zu verleumden. und eine »harmlose" Verbrennung de« Talmud, sowie die Einsetzung eine« ebenso .harmlosen" ständigen Inquisition» - Tribunal« mit Hochstraten als .harmlosen" Großinquisitor vom Kaiser zu cnvirken") — seitdem sahen si 1> die Juden gezwungen, solchen Bcrlcumdnngen vorzubengen und ihrem Schriftthum Vorbemerkungen über die Bedeutung der Worte .Akum" re. voranzusetzcn, damit die wirklich harmlose» Christen nicht von den Verleumdungen derben harmlosen Spielenden vcnvirri würden. Nicht um harmlose Christen im Dunkel zu erhalten, sondern um Auto-da fe'S und Verdunkelung der wirklich harmlofenChristen zu verhüten, sind die betreffenden Erklärungen abgegeben worden. — lieber diese Erklärungen äußer» Sie sich folgendermaßen : .So steht in oder vor manchen hebräischen Büchern, vielleicht wegen der Censur, ein Passus abgcdruckt, in dem sie sagen, sie behielten nur au« Pietät und Gewohnheit den alten Ausdruck „Akum" bei, es seien aber du.chauS nicht die Christen damit gemeint, denn diese glaubten ja an die Schöpfungsgeschichte, den Auszug aus Egypten und andere alttestamentliche Erzählungen, wie sie selbst". Warum, Herr Professor, fällt Ihnen das richtige Ci tire n so schwer? Was ist leichter, als fremde Worte zu citiren, und doch — denken Sie nur an Grätz! — fällt Ihnen dies so sehr, sehr schwer! Söa« soll das heißen: .sie behielten nur aus Pietät und Gewohnheit den alte» Ausdruck .Akum" bei?" Wenn da« wirklich Jemand geschrieben hätte, so müßte er verrückt gewesen sein. .AuS Pietät und Gewohnheit?" Also .Akum" bedeutete früher .Christen", heute alvr nicht mehr, und nur .auS Pietät und Gewohnheit" werde der Ausdruck beibehaltcn? — Herr Professor, das haben Sie nirgends gelesen, dahaben Sie sich gemacht, um den Geist harmloser Christen zu verdunkeln! Im Gegcntheil heißt es in allen solchen Erklärungen: .Akum" re. habe niemals .Christen" gemeint, sonst würde weder .Pietät »och Gewohnheit" stark genug gewesen sein, diese Ausdrücke bcizubchaltcn; allein cs habe nie „Christen", sondern immer .Heiden" bedeutet. und darum bedarf e« weder der „Pietät noch der Gewohnheit", um die .Akum" betreffenden Gesetze und Aussprüche dem Christenthume gegenüber zu entschuldigen. Freilich der von ihnen citirte Eibenschütz hat eine derartige Wendung, e« werde das bribehalten, weil es in den alten Büchern so steht. Aber. Herr Professor. Eibenschütz spricht nicht vom Ausdruck „Akum", sondern von Verwünschungen der .Akum" und ganz besonders von dem Ausdruck: Nozerim! Ja wohl: Nozerim! Er hat nämlich bei seinen mangelhaften philologischen Kenntnisse», gestützt auf David Kimchi. ausgeklügelt, daß man schon in dm ältestm Zeiten alle Heiden .Nozerim" genannt habe, u. z. weil da» Haupt aller Heiden Nebukad-nezar hieß, dessen Schlußsilbc der Bildung Nozrim zu Grunde liege. So erklärt er auch de» Ausdruck .nozerim" Jirmija 31,8. Von diesem Ausdruck .nozerim" lagt nun Eibenfchlltz. daß er in alter Zeit die Heide», und in unserer Zeit die Christen bezeichne; er werde aber doch au« falscher Pietät, wie E. ausdrücklich sagt, beibehalte», und da« hat eine» Sin». Ihre Darstellung dagegen: „Akum" werde au» „Pietät und Gewohnheit" beibehalten, ist außerhalb, eine« „System« von Täuschungen" vollständig sinnlo«. — (Fonsetzung folgt). *) e. «rt», Gesch. d. I. IX S. 118 und Rote 2.