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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 40-41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 40-41.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 809 — in fldnjni langen Zeit durch ihr ruhige». sinnige» Ler- Itrn den anwesenden jüdischen Damen-ein gute« Bei» ikl gegeben und dem Gotte«dienste andächtig zugehört hat. (ilfd, 22.®ept. (Oi.-ttorr.) In Betreff der Lanorabbinenchl grsiattea Sie mir zunächst eine Bemerkung in Nr. 37 91. richtig zu stellen, welche leicht eine irrige Vorstellung ^lassen kännte. di wird da gesagt »die einstimmig erg,( Wahl de» Herrn vr. Prager" sei regierung«seitig ch nicht bestätigt. Bon einer Rabbinerivahl Seiten« der tmeinde — um» au« jener Bemerkung in Nr. 37 d. Bl. olgert werden kan» — wissen wir hier nicht». Allerding» der Gemeinde-Borstand die verschiedene» Verein «vor» nde, ca. 20 Personen, zusammenkommen lassen und diese ihre Meinung befragt. Diese hoben sich in ihrer chrhen für Herrn vr. Prager entschieden. Gesetzlich bedarf auch nur der Vorschläge der Gemeindevertretung und de« nlehcramte» bei der Negierung, um eine Besetzung de» nvral'lnnat» zu bewirken. Wie dein nun auch sei, notdnibig wäre vor allen Dingen ein Aufraffen der Gemeinde, dciii neu eintretende» Rabbiner quasi mit einem Pro» mm entgegen zu kommen, welche» unsere Bedürfnisse und riete Wünsche enthält, aber auch Winke, wie diese letzteren leichtesten erfüllt werden. Denn gerade hier liegen die stände so verworren, da» auch der gelehrteste und erdrrnsle Führer de» Führer» bedarf. Ein Mißgriff nach einen oder anderen Seite, besonder» >>n Beginne seiner hängkrit. iväre für den fremden Rabbinen von bedenklichen eigen. Hierbei muß auch noch in Betracht gezogen werden, § außer Lasse! noch etwa 60 Landgemeinden von deutle» Rabbinen zu bedienen sind. Hier giebt e«, wie in lat glvßeren Städten. Juden der verschiedensten religiösen ichluiigen, Leute, denen Rosch-haschana und Jom Kippur uen Werth mehr haben, und Leute, denen der Schulchanwch ihr Einzige» und Alle» ist. Dazwischen die ver- «edeiisten Mittelgruppen. Die sogenannten „Orthodoxen" kel, ihre Kinder, selbst am Sablhith und Festtagen, in besten städtischen Schulen, wo dieselben, Gott weiß woher, ne» Geist der Freisinnigkeit einathmen, der sie mit dem rhodoxen Leben in der Familie in den grellsten Widerspruch eine Anzahl sehr „neuer" Jude» lassen ihre Kinder « Privatlehrern im »Jüdischen" unterrichten, und erfahren Kinder hierdurch Dinge, welche sie im Elternhause da« »je Jahr hindurch nicht zu sehen und nicht zu hören braue«. Widerspruch überall. Nun ist hier wohl eine vn'che Schule, welche von einem Dutzend Waisenkindern d an,gen der ärmsten Kinder der Äeineinde besucht wird, ic besser Sitmrte» wollen ihre Kinder diese Schule nicht lachen lassen und reden daher fortwährend von „Hebung Schulwesen»". Die Gemeinde hat die Mittel nicht, um schule so zu heben, daß sie mit den städtischen Anstalten acurriren könnte. Also „Religionsschule". Diese zu bechen. haben die Kinder bei ihrer sonstigen Schullast „keine >'. wa« sich besonder» im Winter geltend macht, und v man sich denn doch lieber den Privatlehrer wöchentlich oder zweimal de« Abend» in'« Hau» kommen. Biele pchten auch leichten Herzen» überhaupt auf „die Hebung Schulwesen»" in der Gemeinde, da in den städtischen chnlen zweimal wöchentlich jüdischer Religionsunterricht erlnlt wird und obligatorisch ist. Nun soll der eintretende «bbiner „helfen". Ist da» Ernst oder Widerspruch? Lin anderer Punkt, welcher in Betracht kommt. Ist da» l»»ogogenwesen. Die Orgel, welche hier, mit Ausnahme etwa ein Dutzend Personen. keinen beißt, ist da und »dr da. E» wäre auch keinem Rabbinen anzurathen, gegen "Mbe irgend etwa» zu unternehmen. Aber ein tüchtiger wäre geradezu noch wendig. Wer soll singen? Die *fr der Reichen? Ja, ja, da» würde schöne Antworten «n. wenn man diesen auch nur die Bitte vorlegen wollte. ■* Innen? Aber da hört man einstimmig da» Wort: «fr wir den Reichen den Narren machen? Da also ^sscht auf da» Zustandebringen eine« tüchtigen Synagogenchore« nicht vorhanden ist, so muß man sich eben so behelfen. Wie erhebend aber würde e» sein, wenn ein recht vollzähliger Männerchor bestände,") da der jchige Lhorleiter mit ganzer Seele bei der Sache ist und bei den schwachen Hilfsmittel» die ihm zu Gebote stehen, auch jebt da» Menschenmögliche zu leisten strebt. Ferner müßte die Kanzel in die Mitte der Synagoge versetzt werden, da e» die Ordnung während de» Gotte»dlenste» ungemein stört, wen» vor und nach der Predigt die Wanderung der Hörenwollenden beginnt. Die Frauensynagoge müßte entschiede» umaebgut werde», schon der bessern Ueberwachung wegen, wie denn überl)aupt die „Ordnung" noch manche» zu wünschen übrig läßt. Woher d,i» Letztere kommt? Die Andacht, die wahre, echte innere Andacht kann bei den Meiste» nicht da sein, da da« Ber» ständniß de» Hebräischen fehlt. Da» Alle» sind Angelegenheiten. ivelche dringend der Lösung harren. Der neu eintretende Rabbiner soll Besserung schaffen. Frage: Werden diejenigen, und e» sind leider die Meisten, welche Sabbath und Festlage ihren Geschäften nachgehen, mit dem Eintritt de» neuen Remitier» in die Gemeinde, ihre Geschäfte am Sabbath unterlassen und den Gottesdienst besuchen? Werden sie zur Verherrlichung de» Gottesdienste» beitragen durch Betheiligung am Lhorgesang. durch musterhafte Ordnung und Ruhe, durch andachtsvolle» Gebet, durch aufmerksame» Lausche» auf die Worte ihre« Rabbinen? Hoffen wir da» Beste, aber „Hoffen", da» klingt ja schon nach „Zukunftsmusik". — Ein Dritte» bildet die Ueberwachung de» rituellen Leben». Hier ist die Anwesenheit eine» Rabbinen sehr nothwendig. Wir Hobe» schon vor einiger Zeit in d Bl. über diesen Punkt Einige» gesagt; e» läßt sich aber eben nicht Alle» sagen. Auf diesem Gebiete wird der Rabbiner Arbeit bekommen. Da» Einzige, wa» auf leichtem Wege Ordnung in die Ueberwachung de» „Koscher und Treife" bringen könnte, auch der Gemeinde große Erleichterung im rituellen Leben verschaffen wiirde, ist die Wiedecherstellnng der „Schirne", welche wir besaßen, aber verloren haben, und welche mit verhältnißmäßig nur geringen Kosten herzustellen wäre. Aber gerade hierfür scheint beim Gemeinde-Borstand keine rechte Sym» pathie zu herrschen, und dieselbe au« Privatmittel» zu schaffen, dazu fehlt e» in den orthodoxen Kreisen denn doch an Opferwilligkeit. Wir hatten ein „israelitische» Krankenhaus", ein herrliche» Institut. Man hat e» eingehen lassen, das Hau» ist verkauft. (?! Red.) Die Wiederherstellung desselben könnte ein Segen und ein Schmuck für die Gemeinde sein. Ein schöner Fond ist vorhanden. Warum hat man e» einfach aufgegeven? Hier könnte sich ein Rabbiner ein große» Verdienst schassen. E» ließe sich dem noch Viele» aureihen, wenn e» der Raum einer Zeitung gestattete. Aber e» tritt ja auch zu allem noch die Thätigkeit de» Rabbinen den verschiedenen Landgemeinden gegenüber. Hier muß vor allen Dingen betont werden, dag von dem Verhalten de» Landrabbinen den Lehrern und überhaupt allen Angestellten gegen über Viele» abhängt. Ei» liebreiche»,sauste»Vorgehen da. wo ein Eingreifen de» Rabbinen nöthig erscheint, hebt die Achtung vor dem thätigen und gewissenhaften Mann. Ein wilde« Hineinsahren mit der Peitsche de» Fanatismus, wie wir das auch schon erlebt haben, wenn auch nicht in Kassel, wendet sofort alle Herzen ab. Ein Gehen-lasse», wie e» eben geht, würde für die hiesige Gemeinde eine schreckliche Enttäuschung sein; ein sehr energische» Auftreten würde alle» verderben. Ader eine zähe Geduld, ein unverdrossene» Bemühen allmählich auf die Familien Einfluß zu erlangen und da da« religiöse Leben anzufachen, allerdings eine enorme Arbeit und ein Dornenpfad, da» ist die oonditio sine qan non, um nach und nach etwa» zu erreichen. Dabei keinen Unterschied kennend zwischen arm und reich, in welcher Beziehung man hier schr empfindlich ist. *> Da« wissen «Ir au» eigener Erfahrung: der .Magdeburger Shnagogengesangveretn" — in welchem Mitglieder der «emeindevertrerung (auch der Borsideude der Repräsenianten) Mitwirken, macht sogar den Gebrauch der Orgel überflüssig. (Red.)

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