Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 40-41.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 808 — „Äfum* k. nicht alle Richtjudea, sondern ausschließlich .Götzendiener- und „Götzendienst^ bedeutet, wie wir gesehen haben, so versteht es sich im Gegentheil von selbst, daß die „Christendie wirklich „Christensind, eben darum nicht eingeschlossen sein können.- (Fortsetzung folgt.) Berichte «»d Gorrespo»dr»;e«. De«tf«bland. Magdetnrg, 22. September. Man schreibt uns au» Tarnowitz: Der in der .Israel. Wochenschrift- Rr. 37 unter Magdeburg veröffentlichte Artikel »Aus dem Posenschcn- und die in demselben versuchte Interpretation der jüngsten Verfügung. das Schreiben der israelitischen Schüler am Sabbath u. s. w. betreffend, veranlaßt mich. Ihnen in aller Kürz« folgende Mittheilung zu machen. Ich habe Gelegenheit gehabt, dir ausführliche Bersügung. welche bereits auch an den Direktor des hiesigen Realgymnasiums gelangt ist. selbst zu lesen. Sic läßt nicht den geringsten Zweifel daran zu, und spricht mit voller Deutlichkeit und Bestimmtheit au», daß von nun an auch dir jüdischen Abiturienten gehalten seien, die Prüfungsarbeiten am Sabbath anzufertigen. und daß jede» Gesuch um Dispensation nicht mehr zu berücksichtigen sei. Wahrend des Schulbesuche» soll allerdings ein Zwang, am Sabbach zu schreiben, auf die israelitischen Schüler nicht auSgeübt werden; indeffen soll, wenn sich bei Bersrtzunge» Lücken im Wissen der vom Sabbath-Schreiben diSprnsirten Schüler zeigen sollten, die» besonder» von den Lehrern vermerkt werden. Jedenfalls ist die Beflimmung in Betreff des Abiturienten-LxamenS Han und schwerwiegend genug, um die zur Abwendung dieser Maßregel geeigneten Schritte schon jetzt als unerläßlich erscheinen zu lasten?) Magdesnrß. Wir müssen wiederholt unsere Stimme gegen einen litterarischen Schwindel erheben, mit welchem sich ein Wiener Reciamenheld an die jüdischen Borstände in Deutschland herandrängt, und zu Subscriplionen. angeblich im Interesse de« JudenthumS. in Wahrheit aber um de« eigenen JnzereffeS willen, auffordert. Dieser junge Mann, vor kurznn noch Schüler an einer RrligionSlehrerpräparandie. dann ZeitungSreporter. hat sich allmählich zum Broschürenschreiber herausgeblldet. Diese unreifen Früchte seiner reichen Muße versendet rr an hochgestellt: Personen, an Könige. Minister. Professoren, Dichter de» In- und Auslandes, die au» Höflichkeit ihm in bald mehr, bald weniger Zeilen ihren Dank für die Zusendung schrribtn. resp. schreiben lassen. Der Eine oder «ndere der Herren, die den Autor für einen Bertreler und Sachwalter de» Judenthum» halten, lasten sich auf einzeln« Punkte der Broschüre ein. verurtheilen auch die antisrn,irischen Ausschrritungen und Judenhetzen, indem die Jude» doch nicht so arg seien, sie weisen die Zumuthung, daß dir ganze Bewegung nur darauf hinauslaufe, daß die Juden Christen würden, entschieden zurück u. dgl. m. Diese Antwortschreiben, die der junge Mann in de» Zeitungen und den zweiten Auflagen seiner Broschüren zuin Theil bereits sattsam veröffrntlicht hat, will er nun unter dem hochtönenden Titel: „Bvlkerstimmen über Juden und Judenthum- oder .Briefe berühmter Zeitgenoffen über die Judensrageals besondere Broschüre herausgeben, Preis zwei Markt und wendet sich nun an alle isr. Gemeinde-Vorstände. Subskriptionen zu diesem Zwecke bei den Mitglieder der Gemeinde zu veranstalten, denn „es sei — natürlich — heilige Pflicht jeder Gemeinde, solch' hohe und edle Zwecke durch ihr Scherflein (wir hätten gleich gesagt: Schäflrin) zu fürdern." «chon aus purer Dankbarkeit gegen dir Berfaffer jener Antwortschreiben, sei es Pflicht mit .vereinten «rästenderen Worte wie ein Evangelium unter das Volk zu trage», damit endlich die Rächt dem Tage weichet Zur gefl. Benutzung erlaub« ich mir. eine Sud- *) ®it würden den gmhnen Linsender ersuchen, uns gefl. eine wortgetreue Abschrift der ihm zugänglichen Bersügung zukoiume» zu lassen. (Red.) skriptionsliste betzuschließeu. Der Preis beträgt k 3 Mark- Dem da noch nicht ein Licht darüber aufgeht, wohin da» Ganz« hinausläust..dem ist allerdings nicht zu helft«! —Wir hätten darüber überhaupt gar nicht so viel Worte gemacht. — denn der praktische Sinn unserer Vorstände ft, Deutschland wenigstens, wie'« damit in Oesterreich steht, misten wir nicht) wird sie vor einem „Reinsall" bewahren — wenn nicht zu befürchten stände, daß ein dem Circulair bei. gefügter Artikel au« der »Neuzeit- (von Dr. Jellinek) vielt Vorstände vielleicht irre leiten könnte. Herr Dr. Jellinek, der den werthvoll'ten Brief der ganzen Sammlung (den von Barthelemy St. Hilaire, de» auch wir vor mehreren Woche» im .Familienblattgebracht haben) au« dem Französische, übersetzt und ia der „Neuzeitveröffentlicht hat. ließ sich » Sinn Gutmüthigkeit zu einigen empfehlenden Worten de» nternehmen» bestimmen. Cr scheint nicht gemußt zu haben, welche häßliche Repliken schon die Veröffentlichung einiger Antwortschreiben seitens der Schreiber (Victor Scheffel, Robert Hamerling) in Berliner Blättern angeregt har, um, uns mehr Chillul Haschem eingebracht hat. als der ganze Nutze», den der Herausgeber daraus zu schlagen beabsichtigt, je werth sein kann?) Cs ist offenbar viele,» Autoren, die u einem Pnvatbrief aus Höflichkeit gegen den jüdischen Einsender einige judrnfreundliche Worte vorsichtig niederschreide«, höchst unlieb, sich dann öffentlich als „Judenfreund und Judrnthumvertheidigerin jüdischen Blättern gerühmt und in christliche» an geklagt zu srhcn. Darum: 1N7N7I 0*235! «osnri: JkM Mellfake«, 1. Oclober. (Lr.-Corr.) Der als Begründer der ArbeitScolonie Wilhelmsdorf und verschicdruer wohlthätiger Anstalten rühmlichst bekannte Pastor v. Bodels ch w i n g h giebt in seinen Krankenhäusern zu Bielefeld da» Beispiel einer sehr löblichen Toleranz. In der für epileptische Kranken bestimmten Anstalt befinden sich häufig Inden, welchen, wenn sie die Synagoge zu Bielefeld besuchen moUca, solche» nicht allein bereitwilligst gestattet, sondern ihnen auch stet» von der Anstalt eine geeignete Begleitung für den Besuch der Synagoge während der Dauer de» GoNcSvic»ite» gemahn wird, da diese Kranken nicht ohne Aufsicht grlasse, werden dürfen. So hat auch am gestngen Bersöhnangstagt eine junge jüdische Dame aus der gedachten Anstalt de» Gottesdienste sowohl am Kol-Nidre-Abende, al» am folgende. Tage in Begleitung einer in der Anstalt al» Pflegerin fu«> girende Diakonissin beigewohnt, und sind beide Mädchen va« Morgen bi« zum Schluffe de» Gottesdienste» am Abeud ununterbrochen in der Synagoge geblieben. C» dürfte wohl überflüssig sein zu bemerken, daß auch die Diakonissin während *) Wir geben hier einig« Proben: t. .Durch alle Blätter gingen in diesen Tagen di» Au«Iassungt» zweier hervorragender Dichter — Scheffel und Hamerling — Uder Mt Judensrage. Beranlasn wurden di« beiden Kundgebungen durch ei« Broschüre: »Sollen die Juden Christen «erden?* Der Autor, ein gt- «iffcr Isidor Singer, hatte di« Broschüre an verschiedene Auloriiaiti versende« und wuchert nun nach der An seine« Stannne« mit dem InM, zu dessen Leistung er durch seine Sendung de« Sänger« Höstichkr» genäthigl halt«, indem rr unter dem hochtönende» Titel ,Au» mrimr Briefmappe* die betreffenden Dankschreiben veröffentlicht und aus düse Weis« Rrttamc für sein Schriftchen macht*. 9. .Herrn Isidor Singer hat da« Renommirrn mit den Zuschnitt» erster deutscher Dichter der Legenwart zu Lunstr» seiner Broschüre. »Sollen die Juden Christen werden*, nicht eben die lühesten ^rüchu getragen. Wie un« au« Wien geschrieben wird, hat Biktor v. scheßti de« Brrleger der Broschüre aus du neuerlich« Zusendung eine« Lrrmplart, der zweiten Auflage, in welcher Singer da» dem Dichter des Ltkrharti abgenvthigU Artigkei tisch reiben, unttt schnöder Verdrehung der lurzt« Sätze Scheffel« zum Legenstand« einer seitenlangen Widerlegung macht, «ine ebeaso bündige al« geziemende Antwort enheili; er soll nämlich Mt neue Sendung unter Berufung aus da« Gesetz über Autorrecht •* Jahre 1870 einfach an die Berlaaibuchhandlung zurückgeschickt bade» Den Berfaffer, welcher so wenig Takt und Selbstachtung hatte, bah tr sich von sei»« Lite!keil und Retlamesucht zu eine» derartigen Biiddraach hinreihen ließ, würdigu der Dichter keine« «eiteren Worte« — er hältr ja sonst gewärtiara müssen, von Herrn Singer »dermal« gegen ieior» Wille» in die Ditkussioa der Semitenftage hlneinoezerrt und »on dirft« schlauen Herrn als unfreiwillig« Folie feine» Autoreuruhme« dcaöp zu «erden*.