Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 40-41.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 807 — lobrr vielleicht „®ojim", der Plural schließe Israel au«. Illach falsch: Gene«. 17. 4 und 8 wird Abraham zum Pater I tiaer Menge von .®oiim" und und ebenso Gene«. 36,11 | von Jakob u. s. w. — Also diese grundlegende Gegensätzlich- I keil zwischen J«rarl und den Böllern außer Israel im I Grundbegriffe .Goi" oder .Goim" ist gleich nicht«, al»... Hypothese! Nun weiter: ,Jm später» Hebräischen wird au» ihm nn neuer Singular gebildet Goi ein einzelner Richti-raelit. Synonhm sind eine Anzahl ähnlicher Worte: Fremde. Andere re.Also Nichtjuden; also auch Christen." Halt, Herr Professor! So scknrll geht da« nicht! Wa» würden -Sie zu folgender Schlußfolgerung sagen: „Nicht-Breußen" sind keine Preußen: also auch — dir Bonner nikht l Nicht wahr. da« wäre possirlich? So possirlich ist Ihr Schluß: „alle Nichtjuden. also auch Christen!" — Doch dafür könne» Sic nicht». Herr Professor; da» liegt in Ihrer — ich darf tt wobt auch al» Jude sage» — unchristlichen Aus» snsjung vom Christenthum. Christen und Nichtchristcu. dr>» sind Ihnen »ud Ihresgleichen Gegeusäde, nicht D<il die Christen durch ihr Christenthum bessere Mensche», sonder» »veil sie — getauft sind! Nicht dir Schlechten erschenie« den Antisrmitrn al« lyegensatz' der Christen — und dauut möge» sie mit Bezug aus sich selber au» löblicher Lelbilerkenntniß Recht hal»e» — sondern die Ungetaufte »! So iwl Vrssing nicht gedacht. so denst da» Christeniduin nicht, und so denkt auch da» Judtnthum. dir lllkuiter de» Christenthum». nicht. Da» Iudenthum hat solgende Denkungsart: .Nichtjude»", d. h. solche, dir dir Grundlehrrn der jüdischen Religion nicht anerkennen und durch ihr ganze» lieben im Gegensätze z» derselben stehe», also nicht dir Christen, die diesen Namen mit Recht tragen lvkit cinem Wonr: dasselbe, wa« die Christen zu Christen nacht, macht sie dem Judeuthurne zu — Juden! Da« soll für die Christen keine Chre sein, die Christen machen sich daraus keine Chre: aber für« Iudenthum ist Im« eine Chre, io denst die jüdische Lehre! Aber Sie hal>en noch einen Bewei«, einen furchtbar iänveriviegenden: »Weib doch jeder, wa« ,Goi". .Schabba»- Äoi" u. dgl. im Munde unserer heutigen Juden bedeutet", jawohl, unsere heutigen Jude», da« sind kompetente Autoritäten, um über Talmud und Schulchan-Aruch, um über die ältcslr monotheistische Religion, die Mutter aller monotheistischen Acligione» der Welt, zu Gerichte zu sitzen! Unsere heutigen Juden, von denen SO Procent kaum eine Idee von Hebräisch hat. sie sind die Geivährsmänner de» Herrn Professor Gildemeister! Wie, wenn ich. um den Begriff .Jude" bei Origene« «der auch bei Luther festzustellen. sagen würde: weiß doch jeder, wa« der Ausdruck »Iud" in dem Munde unserer heutigen Christen bedeutet Sir zerlegen nun den Begriff .Akum": .C« sind die Ansangsbuchstabcn von Obvd« Koohabim U Maaxalot, »Diener (resp. Dienst) Berehrer der Sterne und Thirrkrri«- zeichen". Dir Benennung wird in der Mischna gebraucht und bezieht sich hier überall auf die heidnischen Religionen, da da« Christenthum »och nicht in de» Gesichtspunkt der lRijchna fällt, nicht aber bloß auf eigentlichen Sterncultu« und Astrologie, sondern auf die griechische und römische Aeligion. mit der die Juden jetzt in so lebhafte Beziehung gekommen waren. C« heißt also überhaupt Götzendienst." La« ist ungemein richtig. Aber wa« für rinn» Schluß üchrn Sie, Herr Profeffor, au» dieser so richtigen Prämisse? Hon und staunt: C» heißt also überhaupt Götzendienst und daher. . . . jeder nicht-israelitische Cultu« oder alle Richtjuden." Aber, Herr Professor, wenn e« „überhaupt Götzendienst" bezeichnet, dann kann e» doch die nicht israelitischen i!uUr. die nicht Götzendienst, und die Richti«raelitcn, die nicht Götzendiener sind, nicht bezeichnen. Wiffen Sie, der Eie die Logik so meisterlich commandiren, denn gar nicht» von dem Unterschied« zwischen einem kontradiktorischen und conträren Gegensätze? Soll ich e« Ihnen erst sagen, daß »Götzendienst" und .israelitischer Cultu«' konträre Gogensähe sind. — a:b während .israelitischer Cultu«" und -nicht i»rarlitischer Cultu«" kontradiktorische Gegensätze sind, a:non a, und daß der Schluß: a ist nicht b und a ist nicht non a, folglich ist jede« non a — b ein falscher ist? Brrzeiheu Sie mir, Herr Professor, daß ich Ihnen so schülerhaft demonstrlre. Aber wenn rin Professor so gegen die Clemrnre der Logik verstößt, bleibt einrm da etwa» ander« übrig? — Freilich wenn jede« non a — b wäre, und e» nicht auch ein o und ein d und rin x und ein y gäbe, dann wären Sie ain Ziele Ihrer Wünsche, dann wäre .Akum" — Riltzt-I-raelitenthuin und folglich auch — Christen und Christenthum. Da aber.Ak»ui" kein negativer Begriff, also nicht darum .Akum" ist. iveil er .nicht J-raclit", sonder» weil er positiv e>» .Akum", ei» Götzendiener oder Gützrndienft ist. darum ist e« ei» Sprung über eine» logisch nicht überbrückbare» Abgrund, wen» Sir so ohne Weitere« schließen: .Götzendiener", also alle .nicht Jsracliten". also auch .Christen". Sie haben aber auch einen Bewei«: .Die Mischna »ennt al» Feste der .Götzendiener" Kalende», Satnrnalic» u.s.w. .Die Gemara in ihrer Behandlung der Stelle rechnet ohne Weitere» dazu »den Tag de« Nozrri. dc« Nazarener«", de» .Sonntag". — .Ohne Weiterr»"? Wa« heißt da«? Natürlich: al» rtiva» Selbstverständliche», ob e« gar nicht anders sein tünntr. Brrzeiheu Sic, Herr Professor, da« ist einfach nicht wahr! Ohne Weitere» rechnet die Gei»ara dc» Tag de« Rozri nicht zu den Festen der Götzendiener, vielmehr ist e« Rabbi Tachlipha bar Abdima, der e« im Namr» Samuel« referirt, daß .»ach den Worten de« Rabbi Ismael der Tag de« Nvzeri eivig verboten sei" (Aboda aara 7b). Heißt da«: Dir Gemara rechnet ohne Weitere« dazu, ivenn ein Rabbi e« erst auSsprechc» muß, daß nach de» Worten de« Rabbi Jsinacl auch der Sonntag verboten f«t? Cs muß also doch zweifelhaft gcivcsen sei», t» scheinen also doch auch andere Ansichten vorhanden gewesen zu sein? Sie meinen aber wohl: .ohne Weiteres", ohne andere Begründung — aber, Herr Professor, warum so jiveldeulig, ivenn Sie nicht» al« die objektive WahrlM wollen? — Und dann: ist r» nicht Begründung genug, wenn R. Tachlipha sagt .nach den Worte» de« R. Ismael''? denn »ach Ihrer Begründung, durch Identität von .Akum" und .Christen" wäre der Tag de« Rozri nichc bloß .»ach den Worten de» Ismael", sondern auch nach den. Gegner» de» Rabbi Ismael verboten. Freilich sind die Warle de» R. Tachlipha sehr dunkel; so viel aber ist klar, daß er nicht, wir Sie behaupte», »ohne Weitere» den Tag de« Nozri dazu rechiirt". — Au« Ihrem Argument wäre also etscr ein Brrvei» gegen Ihre These, al« für dieselbe zu führen. Aber selbst angenvmuirn. Ihre Argument spräche in dein Maße für Sie,wir e« gegen Sie spricht: wawürde daraus folgen? Für jeden Äe,chicht»kundigen, der da weiß, daß da« Chrlstenihuin bei den Heidenchristen der ersten Jahrhunderte »och sehr heidnisch ausgefaßt wurde, würde nicht» weiter daraus folgen, al« daß die Rabbinrn sehr wohl davon wußlen, dag dre Heidenchristen der ersten Jahrhunderte zum grögtcn Theil den Ramen „Christ" nur in nuo», nur der Tause, nicht aber dem We^en »ach verdienten. Und da e» den Juden nicht aus die Taufe, sondern auf die Gesinnung und die wirkliche Bethütigung dc» Monotheismus antommcn konnte — wie ja auch ausdrücklich der Heide, der nicht Götzendiener war, davon ausgeschlossen wird — so mußte natürlich der in diesen ersten Jahrhunderten der Tag de« Rozeri wie »Feste der Götzendiener" behandelt iverdcn. Wa» hat da» aber mit der Bedeutung von „Akum" im «chulchau-Aruch und für unsere Zeit zu thnn, wo die Chnstrn. wen» auch nicht allesammt echte Christen, aber doch keine Gützenoicnrr sind? Sie sagen: »Bezeichnen die Worte also alle Nichtjudeu, so versteht sich von selbst, daß die Christen mit eingeschlossen sind." O erhabene Weisheit! Natürlich: .wenn"! Da aber