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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 40-41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 40-41.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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sehr auf, wenn man von dort au» den Weg nach Eodom einschlägt I Aber au» dem Jom Kippur hinau» direkt nach Sodom und flmora? Da» ist ein Salto mortal«, den kein Kunstreiter, — aber viele Juden alljährlich machen. Da» ist eben der Kreb»schaden de« heutigen Judenthum«. oder richtiger der heutigen Juden, daß sie dir Mittelstufe» übersprungen haben beim Abwärtsgehen, während sie in die Hvhe chiiiauf gar nicht genug Halt- und Ruhrpunkte. Nachstoß« und (frlieber, bekommen können I Geht'» ja mir dem (Ihillul Schabbo». mit dem Schreibe» am Sabbath z. B. eben so. Weil der Vater e» für unmöglich meint erkannt zu haben, sein Geschäft zu betreiben ohne Sabbathentweihung. darum mutz sein Sohn schon recht früh — womöglich schon in der Vorschule — am Sabbath die Feder fleißig brauchen! Weil die Elter» der Ansicht sind, daß der Sohn al» Herr Referendar oder Doktor u. s. w. doch wird schreiben müssen, darum wäre es ja Unrecht, dem Kinde erst Tewiffen-skrupel zu erwecken! „Werden Sic meinen Kindern das Schreiben am Sabbath als erlaubt darstellc»?" — so lautete die Frage eine» Repräsentanten an einen Bewerber um da» Rabbinat?— „ich schreibe und ich will in den Augen meiner Kinder kein Sünder sein'?" — Ob dir Nichtwahl mit der verneinenden Antwort zusammcnhängb, da« gehört nicht hieher! Aber wohl ist der Hiniveis nvttng, wie das Schreiben dem Zivang, der Bequemlichkeit, gefolgt ist, und wie eine solche Rechtfertigung eine erkünstelte laudatio exaistenti« eine Umschreibung von „Was ist. ist vernünftig" wäre. Dem Kinde ist der Vater sicher nicht verächtlich, der dem Ki»dc es zugesteht, daß er gegen seinen Wunsch und seinen Willen Etwa» thut, wa» er unter anderen Verhältnissen nicht gethan haben würde! Möge die Suckah alle Israeliten mahnen, die Stufen zu beachten und sie itlcht so schnell zu überspringen — e» geht dann gar allzu rapide abwärts. Lernen ja viele Kinder jetzt schon gar kein Hebräisch — nicht einmal lesen. Wozu auch? Er braucht'» ja doch nicht, von Trffilli», vom Gottesdienst, keine Spur — e» wird nicht gebraucht! Und so werden die Kinder gezwungen, wenn sie einmal religiös gestimmt werde«, dafür außerhalb des Judrnthum« Sättigung zu suchen. Alle«, weil man e» den Kindern leicht mache» will — weil man da» Kind mit dem Bade ausschüttet. Möge die Suckah e« bewirken, daß auch dir Eltern, welche am Sabbath schreiben, ihre Kinder — so lange, als e» nur möglich ist — vom Sabbathschreiben zurückhalten. Der moralische Gewinn, die religiöse Festigung, wird für den Einzelnen nicht zu unterschätzen sein. Aber besonder» wird die Gesammtheit dadurch gewinnen; denn, wie sollen Ander-gläubige unsere religiösen Institutionen ehre« und Hochhalten, wenn wir sie verachten und verwerfen? An diese Mahnung sei die Aufforderung an den „Vorstand*) de» verband«» der deutschen Rabbiner" geknüpft; recht baldigst kundzuthun, ob und wa» er gegen den Erlaß de» EultuSministerS gethan hat. Die Sache ist sehr ernst — für die Zukunft vieler Menschen geradezu gestaltend und entscheidend, für di« Gesammtheit aber eine Ehrensache und eine Lebensfrage! Welche Schulen sollen z. B. unsere künftigen *) Die Geschäfte desselben versieht — wir der Herr Lollege L wohl iveift — bl» zu der noch t«m«r bevorstehende» Lonftttnirung de» „geschästSsührrnden Borstand««", resp. „dluSschussrS", der seinen Li» in Berlin haben soll, da« Präsidium — Vö' "pHT 711 Rabbiner besuchen und sollen die Kinder^vvn Rabbinen auf Privatunterricht angewiesen sein? — Wohl ist dem Belieb« de» betr. Direktor» oder Lehrer« ein weiter Spielraum gt. geben: Aber in Preußen muß man dem Gesetze, nicht dm Menschen in die Hand gegeben sein. Sollte von Verein», wegen nicht» geschehen, so würden — UTK piW Dp82 — wir Rabbiner de» Rheinland«», wo die Frage eine rech, heikle durch die geringe Zahl der Schüler ist — gezwung« sein, die Herren Collegen zu bitten. einer von u » » vor;», bereitenden Eingabe an da» Ministerium beizutreten. Eoblenz. _ Lew in. vfte»er ©rief an Herrn Prof. I. Gildemeister in Bou». Bon Dr. I. «oldschmidt, Bestkt« Nabbiner in Weiidurg. n. Ihre erste These. Herr Professor, ist au« dem Felde geschlagen. Da« tväre nicht schlimm: irren ist menschlich! Alter auch Sie sind au» dem Felde geschlagen, Ihre Kampfe», weise hat sich al« eine wenig noble entpuppt — denken nur an die Art. wir Sie Grätz vor einrm Gerichieliose eitiren! — und da» geht schon über» Menschliche hinaus Ich sagte: „Ihre KampfrSwcisc"! Ja wohl: „ Ihre Kampfe« weise" I Sie standen zwar »> keinem Kampfe. Sir stände, al» unparteiischer Sachverständiger vor dem Jnbunale eine« preußischen Gerichtshof«, da« Recht spreche, wollte, heilige» Recht nach Jht-er Begutachtung, Hm Professor, udd Sie eitiren Grätz mit Ihren ominosr» Punkten!! So haudelt nur. wer al» Partei in einm offen erklärten Kampfe sich befindet: aber ein Professor Gildemeister sollte selbst in einem Kampfe nicht so handln! Doch da« ist wiederuin Geschmacksache. . . also weiter, zu Ihrer zweiten These: „Die Ausdrücke „Akum". „Goi" k >m Schulchan-Aruch, wie auch schon in der syemara, bedeute, alle Nichtjuden, folglich auch die Christen." Diese These ist durch und durch falsch, sie ist da« Gegentheil der Wahrheit. Die Wahrheit ist. da» „Akum" und „Goi" überall ausschließlich ..Heiden" bezeichnen, wenn nicht ausdrücklich dabei bemerkt wird, daß auch „die Völker unserer Zeit" darunter zu verstehen sind. Ich werde Ihnen da« zum Schluffe diese» Theile« durch evidente Ttiatsachen beweisen. Vorläufig wollen wir nur wieder un« de« Vergnügen machen, Ihre Methode t» der Beweisführung kennen zu lernen. Sie sagen S. 9: „Goi hat zuerst den allgemeine» Begriff Volk und bezeichnet im Plural Gojim, die VStkrr außer J«rael, die ja keine» israelitischen Cultu« haben." Schon falsch: „Goi" bezeichnet ebenso wohl Israel, wie irgend ein Volk. Ausdrücklich heißt e« Samuel II, 7.23: „Ümi keamoha Iisrael goi sohad baares, „Und wo ist, wie Dein Volk Israel ein Volk (Goi) auf Erden." (3a es ist merkwürdig, daß Baba bathra Ivb R. Eliezrr au» Modaiu in dem Proverd. 14,34 den Ausdruck „Goi" nur auf Israel bezieht, während R. Nechunia b. Hakana unm den Ausdrücken „Goi" und „Löumim" diese« Verse« ohne Unterschied, Israel und die andern Völker versteht und i» dieser humanen Auffassung Rabban Jochanan b. Sacra, de» letztern gegen seine eigene frühere, weniger generell humane Auffassung dieser Schriftstelle beistimmt*). — Sir meine» *) So stuft man nämlich diese Stelle verstehen, wenn sie über- Haupt verständlich sein soll. Nechunia Überseht: „Wohllhätigkeil crtzeti jede« Bolk und Lieb« ist ohne Unterschied sür alle Böller, n laumim) ein Sündopser." N. I. b. S. hatte aber Israel ursprüo» ltchau«grschl«sse»; für die« sei „Sündopser", wa» für die andern .Liede* werte", und um „ohaaad" auch für Israel gleichwerthig mit „ohatatV zu machen, recipirt er Nehunta's Deutung: HpTK HVTO MVTV V mten TOjSl i7mtrh TCfTl d. h. für Israel und «tu» n» Sündopser. —

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