Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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theiligtr. Bon sämmtllchen kt Eultusgemeinde« Mährens, welch« Zuzüglich de» Eultusvereines Olmütz) kk Matrikenbezirkr bilden, waren Delegirte erschienen, von denen nahezu alle die Dringlichkeit der vom Ministerium angeordneten Reuconstituirung der selbstständigen EultuSgemeinden anerkannten. Gegen S Uhr Abends wurde die Versammlung geschlossen, nachdem der Vorsitzende seiner Anerkennung über die rege Betheiligung an der Versammlung Ausdruck-gegeben. Die Veröffentlichung der definitiven Feststellung der TultuSgemeinde-Gebiete wird durch die Statthalterei im Verordnung«. Wege erfolgen. AuS Kzegted in Ungarn, dem Wahlorte des antisemitischen Abgeordneten Berhovay, wird folgender Vorfall gemeldet: Am vorigen Sonnabend Vormittag» brachte ein kleiner Knabe dem Spezereihändler Moritz Hirschl einen Zettel, auf dem mit übermäßig großen Schristzeichen geschrieben stand, Hirschl möge dem Knaben, wenn derselbe Tag» darauf wicderkomme, folgen, dann werde er billig zu einem Liter Ehristenb nt kommen. mit dem er unter seinen Glaubensgenossen ein gute» Geschäft machen könne. Er inüge — so hieß es auf dem Zettel weiter — auch einen Schächter mitbringen, doch ja nur spät Abends, damit sie Niemand sehe. Hirschl hielt die Sache für einen schlechten Spaß und kümmerte sich nicht weiter um dieselbe. Tags darauf erschien jedoch der Knabe in der That vor dem Gewölbe, blickte aber nur hinein und ging dann weiter. Hirschl ejlte ihm nach und nahm ihn fest. Als Hirschl von dem Knaben vernahm, derselbe sei von der Bäuerin Lidia Molnar gesendet worden, erstattete er hiervon die Anzeige beim Stadthauptmann und begab sich, von einem Commissar und zwei Polizisten begleitet, in die Wohnung der Bäuerin, wo sie dieselbe bewußtlos im Bette liegend fanden. Sie hatte an beiden Händen die Adern geöffnet. Als sie wieder zu sich kam. wurde mit ihr ein Protokoll aufgenoinmrn. Sie erklärte, sie habe sich selbst die Adern geöffnet, um ihr Blut den Juden zu verkaufen, damit sie beweise, daß die Juden Ehristenblut brauche». Wäre ihr Plan gelungen, dann wäre sie nach der Hauptstadt gekommen un > hätte dort ZeuAnschaft gegen die Juden abgelegt. Ewglawd. -5o«do», im September. (Or.-Eorr.) Wir haben un« gottlob hier zu Lande nicht oft über Angriff« von Seiten englischer Blätter zu beklagen, aber trotzdem müffen auch wir hie und da manche« bittere Wort ruhig anhvren, deffen greller Ton un« an die Redensarten Stöcker« und Eoniorten lebhaft erinnert. Am häufigsten finden sich solche Angriffe im „Spectator", einem liberalen und sonst respektablen Blatte, da« aber allem Anscheine nach von unserem Stöcker inspirirt wird. So brachte diese« Blatt jüngst eine Definition de« Judenthum», die folgendermaßen lautet: „Da« wahre Judenthum ist die Kunst, materiell vorwärt« zu kommen". Wir wollen e« hier nicht untersuchen, ob diese Definition originell, oder blo« ein Plagiat au« einer kontinentalen Schmähschrift ist, wie dem aber auch sein mag, so ist sie ebenso absurd, wie so manche andere Behauptung unserer Gegner, die mit der Wahrheit nicht immer auf vertrautem Fuße stehen. Wie kann ein gesetze«treuer Jude, der am Sabbath und an Festtagen seinen Laden schließt, oder al« Arbeiter seine Arbeit einstellt, obschon chm all dies bedeutende materielle Rachtheile verursacht, — kann er, fragen wir, nur den einen Zweck im Leben haben, „materiell vorwärt« zu kommen?" Wo bleibt da die Logik? Rein, nicht der fromme Jude, der auf sein Judenthum noch etwa» hält und demzufolge Entbehrungen aller Art sich unterzieht, sondern Derjenige ist materiell zu nennen, welcher seine Religion schmählich verleugnet, oder sie sogar mit einer anderen öffentlich vertauscht, um sich dadurch einen materiellen Gewinn zu verschaffen. Unter allen unsern Ueberläufern, die nur gewisser Bortheile wegen ihre Religion wechseln, ist kein einziger, der von echter jüdischer Pietät beseelt war, denn fonfl würde er lieber verhungern, als sich zu einer Religion bekennen, die Liebe predigt und deren 8e» {nutet in der Praxi« yiese schöne Tugend vollständig den Augen laffen. Angesicht« solcher Denunciationen de« Judenthum« e« erfreulich, anderechristliche Stimmen zu hören, die dari ganz ander« urtheilen. Ein in der Gelehrtenwelt Man; Londoner Arzt — Dr. Eorfield — la« kürzlich aus eia, im Haag abgehaltenen internationalen Gesundheitscong, eine Abhandlung über da« Thema: „Wiffenschaft, ei» F» der Krankheiten", worin u. A. folgende Sätze vorkvinme,^ „Die mosaische Gesetzgebung sollte von jeder christlich, Nation der Gegenwart in Brauch genommen werden. QjJ müffen wahrlich über da« ausgedehnte Wiffen, da« sich J den mos. Verordnungen hinsichtlich der Eonservirung da Gesundheit kundgiebt. nicht ivenig staunen, wie z. B. über du Verbot de» Genuffe« von Schweinefleisch und der Hcirich von BlutS-Vertvandten. Nirgend« tntt aber die Weirh« dieser Gesetzgebung klarer hervor, al« in den Maßregeln h» sichtlich der Ansteckung, Maßregeln, die mit denen identisch sind, welche die heutigen Aerzte besonder« anempfehl», nämlich Absonderung, DeSinfection der Kleider und Adkratzung der Wäude bei ansteckenden Krankheitcn". Hz« Ihr,GlaubenSgenoffcn,hm«Nichtjuden von Eurer Religi« denken? Lasset den AuSruf zur Geltung konimen: 9QV31 HüS. Amerika. Aus Anv-IFort erhalten wir folgende Bekanntmachniz zur weiteren Verbreitung durch unser Blatt: „In Betracht der Beförderung jüdischer Auüivaiibmr nach unserem Hafen durch örtliche UnterstützungS-Gesellschasta in Europa, halten wir e« für höchst wichtig. Ihre Ausmnt. samkeit dringend auf folgende Thatsachen zu lenkcn. WalinU wir al« Glaubensgenosse» für die unglückliche» Bcwvlina Rumänien'«, Rußland'« und anderer Länder, welche j, viele Jahre lang die Opfer grausamer Verfolgung gewcs» sind, die innigste Sympathie hegen, und bereit sind, m» unseren Brüdern aller Länder gemeinschaftlich, so weit e« i> unserer Macht steht, zu helfen, >o dürfen wir un« nicht duhehlen, daß e« in vielen Fällen falsche Sympathie ist. dich Leute nach den vereinigten Staaten zu befördern. Diese« ist ganz blonder« ein Land von Arbeiter». E« ist kein freie» Land für Leute, die unfähig oder abgeneigt sind, ihren Unterhalt zu verdiene» unter Bedingungen, die von allen Bewohnern hier verlangt iverden, oder die sch weigern, mir ihren Nachbarn Umgang zu pflegen und u Gewohnheit, in Ideen und in der Sprache amrrikanisin z» werden. Obgleich viele der Einwanderer während der letzter» Jahre ein willkommener Zuwachs der Bevölkerung geivorbn sind, und durch ihre Intelligenz und Energie de» gut» Willen ihrer Nachbarn ernten, so ist doch eine große Anzahl derselben theil» nach ihrer Heimath zurückgeschickt worda, getäuscht und hoffnungslos rntmuthig:, während Andere, btt hier verblieben, von ünlichen Gesellschaften unterstützt werde», oder Jnsaffen der Armenhäuser werden. Einwanderer, die gelernt haben, daß sie geduldig alt Handwerker, Ackerbauer oder in Fabriken arbeiten muffe», daß sie danach streben müffen, die englische Sprach« zu erlernen, und ihre Kinder in die öffentlichen Schulen zu schick», und die sich bemüht haben, die Sitten und Borurtheile ihn« ftüheren Seben« zu verlernen, haben von ihren Glauben«- Geaoffen immer standhafte Stütze erhalten, und sind große»- theil« auf dem Wege der Unabhängigkeit. E« ist indeffen nicht für diese Klaffe, sondern für ja* die auf unseren Straßen und in unseren Städten so hervorragend bemertb.tr sind, al« gänzlich unpaffend für'« Leb» in Amerika, die nicht arbeiten wollen, und die sich in ihn neue Loge nicht fügen wollen, daß wir Ihre Aufmerksamkeit zum Frommen bestehender Gesellschaften, in Anspruch nehme», um Sie von der Nutzlosigkeit und Ungerechtigkeit zu überzeugen. solche Auswanderer zur Reise nach Amerika z> unterstützen. Die Einwanderung«behörde, welche von der Staat»- Regierung bevollmächtigt ist, und welche mit der der B«' einigten Staaten in Harmonie arbeitet, hat strenge Maß-