Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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unb pot in Rücksicht auf feine Dienstzeit unb szchtigkeit. I Ms» Mßet». (Or.*fforr.) »Theuer fft mir Freund [lato. theuerer aber die Wahrheit". Ihr Evrrespondent Ree» glaubte daS Eö liier Plato'sche Lehrerseminar von Makel reinwaschen zu müssen, dag unlängst bei der in „gtmrg stattgefunbeaen Lchrerprüfung nicht soviel Zöglinge ^rchgefällen seien, al« ein Torresponbent au« Hessen an» «t>e„ hatte. Dagegen kann ich au« zuverlässiger Quelle .^sichern, baß zu der in Brühl bei Eöln vor 14 Tagen allgehabten LehreraSpirantenprüfnna sich anch 4 Zöglinge Uttaoriliodoxer Bildung au« dem Lölner Lehrerseminar ge- Vribet hatten. Da« Resultat der Prüfung war, bafj alle Cer — sage alle — durchgefallen sind. Da« sind die Resultate Wer Anstalt, wofür die armen Inden auf dem Lande in jlispruch genommen werden, wofür man Icporatsynagogen aut unb Separatgemeinden gründet, wofür in aller Welt (ebettrlt wirb. Ich glaube, e« werden die Eltern, die ihre hnber zum Lehrer au«bilden lassen, e« sich überlegen, ob für die wissenschaftliche Ausbildung ihrer Söhne nicht pselilenswerther wäre, dieselben einem anderen Seminar, 8. dem vortrefflich geleitete» Seminar in Hannover oder Berliner. Easseler u. a. anzuvertrauen. ZSürttemüerg. Der für die ca. 200 Seele» starke itraelirische Gemeinde im Bau begriffene Tempel in Liidwig«burg geht seiner Vollendung entgegen und wird Li, Anfang Deeember seine Weihe erhalten. Bom Bahnhof di,« gesehen gewährt da« neue Gebäude mit seiner schön erzielten Kuppel einen recht hübschen Anblick. Die Koste» «lausen sich auf 4Ü 000 Mark; die größere Hälfte dieser :um»>e, nämlich 28 000 Mark, ist von hiesigen Gemeinde- ^gehörigen gezeichnet worden, 2 700 Mark hat der Staat an Unterstützung gewährt, den Rest hat die i»r. Gemeinde bei ■ LltramtSsparkasse ausgenommen. Die Synagoge wird an llmsang und Einrichtung so ziemlich derjenigen in G ö p p i ngen Izleichkommen. Der Tempel ist 20 Meter lang. 18 Meter breit ■unb di« zur Spitze der sog. Lichtlaterne 19 Meter hoch, lettene entlzält da« Gebäude eine Borhalle, recht« und link« Ihievo» je ein Zimmer für die Sitzungen de« i«r. Kirchen- Ivarsiaiide«, bezw. Ankleidezimmer für den Geistlichen. -Oestlich »an der Borhalle befindet sich der Männerraum mit 140 Stühlen unb 30 Kinderplätzen. Bon der Borhalle au» führen recht« unb link» steinerne Treppen zu den Emporen, wovon die mutiere die Orgel, die zur rechte» und linken Seite die Frauenräuuie mit zusammen 82 Stühlen bergen. Der Chawkter de» Gebäude« schließt sich im äußere» dem romanischen Stile an. Da« Tageslicht fällt durch Rosettenftnster sowie durch 12 Fenster de« quadratischen, auf Gurtbögen ruhende» Aufbaue«, sowie durch die aufgesetzte genau 8 eckige kkuvpel. Die Beleuchtung bei den Rachtgotte«diensten wird durch einen dem Stile angepaßten 28 flammigen Kronleuchter und durch Wandorme, welche a» den Pilaster» angebracht sind, sowie durch 2 fünfflammige Kandelaber zu beiden Leiten de« Altar« und einen kleineren Kronleuchter in der Aorhalle, im Ganzen durch 80 Flamme», erzielt. .OrfterreitfcalMftarit. Zu» SUfrtu. Au« dem kleinen, durch seine Höhlen berühmt gewordenen Dorfe Sltuy kommt un« eine Nachricht, die da« Dörfchen in den verdacht bringt, daß e« auch in anderer al« naturwissenschaftlicher Beziehung eine Berühmtheit t>> werden strebe. Der sensationelle Fall, wie er un« von gutoerbürjter Seite geschildert wird, ist folgender: »Gegen «ibe de« vorigen Monat» brach in einem Kaufmann«hause in Zloup um 1 Uhr Morgen« Feuer au«, welche« den Dachsb>hl de« Hause« verzehrte. In diesem Hause hatte der Kaufmann Wilhelm seine Borräthe aufbewahrt; derselbe ttu aber zur Zeit de« Brande« bei seiner in Brünn in der Vtistgasse wohnenden Schwägerin G. zu Besuche und wurde t» Hause durch seinen 28 jährigen Bruder Bernhard Wilhelm •Wirten. Der Gendarmerie, die an der Brandstätte erschien, «ab die Magd Wilhelm'« die Au«kunft, sie sei mit dem Lichte in die Kammer gegangen und müglicherweffe habe sich etwa« entzündet. Bald darauf ober wurde die Magd von dem Wlrche W. und von anderer Seite bestürmt, ander» und zwar gegen Wilhelm au«zusagen und in der Tha« änderte sie ihre Au«sage vor der GerichtSeommission dahin ab, Bernhard Wilhelm habe ihr unter Todesdrohungen befohlen. Feuer anzulegen. Wilhelm, zum Bürgermeister geholt, erklärte sich vollkommen schuidlo», allein der Bürgermeister berief sich auf den Talmud, in dem e« heiße: »Wa« den Ehristen gehört, sollst du vernichten" — und meinte, »daher m üsseMilhelm thatsächlich den Brand gelegt haben". Nach mehrtätiger Untersuchungshaft Wilhelm'« stellte sich dessen Unschuld heraus und die Magd gestand, von den Insaffen aufgestachelt worden zu sein, gegen Wilhelm auszusagen. Wilhelm wurde demzufolge freigelaffen und gegen die boshafte Magd die Untersuchung wegen Verbrechen» der Berleumdung eingeleitet. Der an seiner Unschuld getränkte Wilhelm gedenkt auch gegen den ganz merk würdig amtierenden Bürgermei st er aufzutreten. Ztrünn, 4. September. (Schluß.) Sodann beginnt Herr Referent Baron Aichelburg - Labia mit dem Bortrage seine« umfangreichen Referat«. L« wurden sämmtliche Vertreter bezüglich ihrer Wünsche um Zuweisung von Gemeinden, die nahe der EultuSgemeinde liegen, zu letzterer vernommen. ebenso die eventuelle Bereinigung von mehreren?gegenwärtig für sich allein nicht lebensfähigen Gemeinden beprochen. Im Laufe der Verhandlungen kam zur Sprache, daß die Eultusgemeinden Raußnitz und Eywanowitz wünschen, daß der EultuSverein in Wischau einer der genannten Gemeinde» zugewiesen werde. Seiten« de« Referenten Herrn Baron Aichelburg - Labia wurde hierbei eine sehr wichttge Erkloruna abgegeben. Im g 11 de« von allen EultuSgemeinde» Mähren« gleichlautend der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegten Statute» wird nämlich festgesetzt, daß, wenn ein Mitglied einer EultuSgemeinde in eine andere Gemeinde übersiedelt, dasselbe nur in der letzteren steuerpflichtig ist Nun giedt e« aber in Mähren einige Eultu«- vereine. wie z. B. in Wischau, welche ähnlich denEultu«- aemei»i r.t ihre cultuellen Angelegenheiten selbst besorgen. E« wurd» nun der erwähnte g 11 dahin aufgefaßt, daß Mitglieder eine« Lultu« v e t e i n e« durch ihre Beitragsleistung an diesen Verein keinesfalls befreit werden von der Beitrag«pflicht an die EultuSgemeinde. in deren festzusetzendem EultuSgemeindegebiet der betreffende LultuSverein liegt. — Nachmittag« wurde noch die Zusammenlegung der 7 EultuSgemeinde» im Bezirke Datschitz, von denen der Srüßte Theil für sich allein nicht leben«fähig wäre, beschlossen. Sie nothwendig die von der Regierung angestrebte Reorganisation ist, geht darau« hervor, daß die ln diesem Bezirke befindliche EultuSgemeinde Althart 18 Mitglieder (darunter die Hälfte auswärtige). Markwaretz 7 Mitglieder (und 11 auSwärt«), sogar in andern Kronlänbern, und die Eultu« - gemeinde Wvlkina Ein Mitglied in Wölling, 18 in Zlabing« zählt! Bon den Vertretern der Eultu« - gemeinden wurden verschiedene Anträge gestellt, über welche sogleich verhandelt wurde. Die Statthalterei behält sich die Entscheidung über die von den Delegirten geäußerten wünsche vor. von welch' letzteren einige durch Gesuche und Promemorien, theil« an da« Ministerium. theil« an die Statthalterei gerichtet, nachdrücklich unterstützt wurden. Die Eultusvereine m Ung-Hradisch. Wallachisch Meseritsch und Olmütz waren gleichfall« vertreten, u. zw. mit Rücksicht darauf, daß diese Vereine bereit« eompetentenort» Besuche um Eonstituirung al« Eultu« gemein den überreicht haben und diese Gesuche auch schon in Berhandlungen gezogen wurden. Bezüglich der in den mähr. Enelaven in Schlesien gelegenen Eultu«. gemeinde Hotzenplotz wurde seiten« der mähr. Statthalterei mit der schles. Landesregierung da« Einvernehmen gepflogen, weshalb sich der in der gestrigen Bersammlung anwesende Vertreter der Gemeinde an den Berhandlungen gar nicht be-