Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 108 adn getroffen, da« Landen von unbemittelten Immigranten , tiefem und anderen Häfen de« Lande« zu verhindern. Ta« LandeS-Gesetz stiebt ihnen da« Recht, zu vechindern, frecher Sträflinge. Wahnsinnige und Person»». die un» zhjg sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ubrn zu lasten, und diese allgemeine Beschränkung wird tu ihnen conftruirt, auf solche Einwanderer Bezug zu haben, iklche von europäischen Gesellschaften oder Be» jrden zurHerreise unterstützt worden, und welche utteflo« und fteundlo« hier eintreffen, und die weder Handkil noch Gewerbe haben. In der Thal, Personen, die den Kommissionären al« oldK "scheinen, die möglicher Weise den Behörden zur Last allen, werden von ihnen al« Emigranten verworfen, und w Schiffs-Gesellschaften. die sie hieher gebracht haben, werden czwungen. sie nach Europa zurück zu nehmen. Die Unfähigkeit der jüdischen Gellschasten hier, diese itmnt Leute zu unterstützen, die weder geistige noch physische jäh,gleiten besitzen, ihre Existenz zu begründen, und der ieschlnß der öffentlichen Behörden, hier da« Landen solcher indeinittellen Einwanderer zu verhindern, sollte die Unter myiings-Gesellschafte» in Europa beivegen, keinen unserer unglücklichen Brüder auf eine fruchtlose Reise zu schicken, Mer sie haben sich, nach genauer Untersuchung, überzeugt, daß sie willen« und im Stande sind, ein fleißige« Lebe» an foeien emsigen Gestaden z» führen. Es ist hart, daß die tberfiiUten Städte Europa'« mit diesen Flüchtlingen belastet werden sollen; es ist aber iveit härter, sie tausende Meilen weg »ach einem fremden Lande zu schicken, um bei ihrer Ankunft hier mit demselben Schiffe zurückbefördert zu werden. Wir geben daher der Hoffnung Raum, dag die örtlichen -chörden, so weit e» in ihrer Macht liegt, e« verhindern Serbe», gleichzeitig eine große Anzahl von unseren Leuten »ach Amerika zu schicken, und daß sie sorgfältiger den Eharaber und die Fähigkeiten eine« jeden Emigranten prüfen, che sie ihm zur Auswanderung nach Amerika rathen, und am irgend ein Mißverständlich auf Sriten der Einwanderung«. Behörde zu verhindern, würden wir anrathen, eine Liste au»- j-serlige» welche Namen, Alter, Gewerbe und Anzahl einer jeden Familie giebt, und solche einige Tage vor Abreise der Emigranten an die .Office der United Hebrew Eharitie«- zu schicke», und daß außerdem die Auswanderer volle Information m Hinsicht ihrer pecuniären Berhällnisse geben, sowie die 9h,»r» und Adressen von Berwandten hier, die im Stande >ad. für sie Sorge zu tragen. wodurch ihre gezwungene Rückkehr nach Europa verhindert iverden könnte. Gesunde und kräftige Einwanderer. Handiverker, Landlmner und Tagelöhner.' die fähig sind, ein Leben zu machen, ttn„en hier Arbeit finden; für Müßiggänger indessen, welche mvarten, von Unterstützung allein zu leben und die den isfintlichen Behörden oder Gesellschaften fortwährend zur Last lallen, hat unser Land kein Asyl. I. 8. Jsaae«, Sekretär. Henry Rice, Präsident." Vermischte «nd neueste Nachrichten. AerN». Mr. Elan de Goldschmidt Montefiore m> Reffe de» bekannten britischen Philanlropen. der am Oktober d. I. sein 100. Lebensjahr vollendet) ist au« England hier eingetroffen, um der Hochzeit feiner Schwester harloite Rosalinde Montefiore mit Mr. Lewi« Mac Jvor izmvohnen. Die Einsegnung dieser Ehe wurde gestern «mittag in dem Gotte»hau» der jüdischen Resormgemeinde «n Herrn Prediger vr. Ritter vollzogen. Al« Trauzeugen angitten der Reich«tag«abfteordnete 0r Schräder und snne lkmahlin; die Herrn Russak und Minden vertraten den «tt'tand der Reformgemeinde. (Der Bräutigam bekennt sich i»r anglikanischen Hochkirche, die Braut ist Jüdin.) 21. Septbr. Die hiesige ca. 43 Jahre «e Synagoge wurde in diesem Jahre renovirt und verschönert, "an muß gestehen, daß an derselben viel gethan worden. um die inneren Räume würdig herzustellen. Bei Wiedereröffnung de« Gottesdienste« am 17. d. M. fand eine kleine Feier statt, welche sich in erhebender Weise vollzog. ES wurden zuerst vom Synagogen-Ehor einige hierauf bezügliche Lieder gesungen, dann im feierlichen Umzuge im Tempel unter Absingnng de« Ps. 29 die festlich geschmückten Thora-Rollen in da« Allerheiligste gestellt. Hierauf bestieg der erste Vorsteher, Herr Kaufmann Berliner, die Kanzel und übergab in kurzen, herzlich gesprochenen Worten der Gemeinde da» GotteShau«, und dem Herrn Rabbiner die geschmückte Kanzel, mit der Bitte, die Weihrede zu halten. Die daraus folgende Rede des Herrn Rabbiner Brann fand allgemeinen Beifall; er sprach sodann ein Gebet für Kaiser und Vaterland; der Chor reeitirte de» 150. Psalm und mit dem Abendgebet schloß diese wahrhaft erhebende Feier. Stuttgart. Der Unterstützungsverein israelit. Lehrer und Vorsänger für Württemberg hat der Wittwe de« vom Blitze erschlagenen Lehrer« Heß in Zirndorf au« seinen Mitteln eine Unterstützung zufließen lassen. E« ist gewiß eine rettende That, ivenn sämmtliche israelitische Lehrervereine Deutschland«. in diesem traurigen Falle, ihre Zusammengehörigkeit und Berbrüderüng durch Handreichung an die unglückliche Wittwe und die Waisen darthun. Die enggezogenen Grenzen der VereinSslaluten können da nicht hindernd iu den Weg treten. —n. H^rag. Der „Verein für geregelten «Gottesdienst", deffen geistliches Oberhaupt Herr Universitäts-Professor Or. S. I. Kaempf ist, hat zum 100jährigen Geburtsfeste de« großen Philanlropen Montefiore eine Stiftung in« Leben gerufen, laut welcher am Geburtstage 100 Personen ohne Unterschied der Consessio» mit bedeutenden Geldspenden bedacht tverden sollen. Herr Pros. Kaempf feiert heuer am Suckothfeste den Eintritt in sein 40. AmtSjahr als Prediger der hiesigen Tempelgemeinde. Bei der körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische de« Jubilar« steht zu erwarten, daß die Prager Tempelbesucher noch manches Jahr das Vergnügen haben werden, seinen geistreichen Reden lauschen zu können. Au« wird berichtet: Einer der vor der Synagoge in der Tabakgaffe postirten Konstabler entdeckte am Sonnabend gegen 12 Uhr Mittag«, also zu einer Zeit, wo anläßlich de« jüdische» Reujahrseste« viele Personen im Tempel weilten, ein größer.'« Papierpacket an einer der eisernen Gitlerthüren des TempelvorhofeS hängen, welche« sich früher dort nicht befunden hatte. Der Polizist öffnete das Packet und fand in demselben eine eiserne, mit einer Zündschnur versehene Bombe; er brachte dieselbe sofort zur Polizei, welche die Bombe behuf« näherer Untersuchung der Militärbehörde überschickte. Die Bombe hat circa 10 Cenlimeter im Durchmesser, die Zündschnur ist mit zwei Drähten verbunden, welche in^Glaoröhren münden, die in die Bombe eingesührt und mit Schellack befestigt sind. Bi« Abend« war die Untersuchung der Bombe seitens der Militärbehörde nicht beendet und daher nicht zu entscheiden, ob wirklich ei» Attentat auf den Tempel geplant gnvesen sei. — Wie die neueren Pester Zeitungen mittheilen, soll die Hohlkugel leer und da« Ganze ein schlechter Spaß geloesen sein. In Hk«»-^ort starb kürzlich ein reicher Jude deutscher Abkunft Namens Meier Schutz, der 1860 vor Ausbruch de» Kriege« im Süden seine Ausstände im Betrage von 150,000 Dollar eingezogen und im Coup« hatte liegen lassen, das er in Washington verließ. Al« ihm auf der Heimreise der Geldsack von einem Bahnbeamten unversehrt wiedergegeben wurde, traf ihn ein Schlag, so daß er seitdem gelähmt war. No«. Der Cholera wegen ist eine beschleunigtere Räumung de» Ghetto angeordnet worden. 5000 FrcS. sind dereitgestellt, um den Aermeren den Umzug zu ermöglichen. Da» Elend klammerte sich so fest an die altgetvohnte Stätte, daß selbst die Ehasaka (d. h. da« durch lange» Jnnehaben erworbene Recht, da» Gepachtete ungestört zu behalten) in Kraft blieb, damit die Mietpreise nicht erhöht würden.