Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 299 — das wäre unrtligiM, sondern Liebe zu Gott, dem Vater aller Menschen, und Liebe zu allen Menschen, den Linden, eine« göttlichen Vater». Hieran schloß sich die Spezialdebatte über diese Thesen. These 1 wurde aus Vorschlag de« vr. Rahmer in folgender Formulirung angenommen: Der Unterricht in nachbiblischer Geschichte ist beim Religionsunterrichte unentbehrlich. These 2 gab Veranlassung zu lebhafter Debatte. Herr Dr. Rahmer verwirft entschieden die Theiiung der nochbiblischen Geschickte in Leiden«» und Litt erat Urgeschichte, n wünscht, daß der Unterricht mehr in Biographien der hervorragendsten Personen, der Träger jeglichen Zeitalter«, erfolge. »in welch« dir sonstigen Thatsache» »nd Ereignisse zu gruplnren sind. Der Vorsitzende. Herr vr. Kroner, wünscht, baß die nachbiblische Geschichte sich mrhr an Thatsache», historisch« lkreigniffe anlrhnc. nicht aber zur bloßen Nomenklatur werde. E» wird über verschiedene Anträge abgestimmt und salgcnder angenommen: „Die nachbiblische Geschichte ist möglichst in Lebensbilder» der hervorragendsten Männer zur Darstellung zu bringen, in lorlchen dir sociale Stellung und dir littcrarischen Leistungen bk« Zeitalter» zum Ausdrucke kommen. Auch sind Proben der letztere» i» Urbersetzung zu geben." Für These 3 wird vom Herr» vr. Kroner folgende Fassung vvrgrschlagrn und von der Eonferenz gebilligt: „Ungerechtfertigte Angriffe auf Bibel und rabbinische» Echristlhum sollen auch in dem nachbiblische» Geschicht«. «nlerrichte in geeigneter Form de» Kinder» zur Kenntniß gebwcht und wahrheitsgemäß beleuchtet iverdrn. These 4 einstimmig angenommen. Pom Herr» Prediger Rosenthal in Eöthe» wird eine i. These beantragt und von der Eonferenz angenommen, die also lautet: .Au« den Geschichte» entwickele der Lehrer den Gedanke» der gdttlichen Vorsehung in Belohnung und Bestrafung der Tugenden und Sünde» J-rael», weise auf die darau« sich ergebenden Pflichten der Israeliten gegen Glaubr»»- genosseiischaft und Menschheit hin und versäume nie, dir daran sich schließenden rrligionSgesctzliche» Einrichtungen zu erwähnc»." Al» Schlußthese wurde von Herrn vr. Rahmer loch hmzugefügt: .Der Unterricht i» nachbiblischer Geschichte muß in möglichster Verbindung mit der Wrltgeschichtedargestellt werden." Zum Schlufle erhielt noch Herr vr. GelbhauS au» Rordhausen als Anreger de« Tl)ema's ba« Won. Derselbe möchte nur diejenigen Stoffe au» der nachbiblischen Geschichte imierrichtn wissen, au» denen sich halachisch« Gebote entwickeln lassen. Schluß der ersten Sitzung um 8 Uhr Abend». Um 9 Uhr fand auf Einladung eine» EomitsS unter Theilnahme mehrerer Mitglieder der GemeindevcrtrNung ein von vielen Reden und Toaste» gewürzte» Abendessen statt, da» di« tief in die Nacht hinein währte. Montag, den 30. Juni 1884. Dir Sitzung wurde Borniittags 9'/, Uhr wieder ausgenommen. E» wurde zunächst zur BorstandSwahl geschritten, die am 1. Tage der vorgerückten Tageszeit wegen nicht mehr vorgenommen werden konnte. In den Vorstand wurden Herr Rabbiner vr. Kroner- «futt und Prediger Fackenheim - Mühlhausen wieder» und pn Tantor Jacobsohn- Leipzig mit absoluter Stimmen- Echrhrit neu gewählt. IV. Punkt 4 der Tagesordnung. Die Eoncentratton de» Religionsunterricht», vonrag de« Herrn vr. Kroner, *uBtt zum großen Bedauern der Eonfrrenzmitalirder de» Angela an Zeit halber für die nächstjährige Eonferenz aufdroben werden. „ V. Der Herr Vorsitzende vr. Kroner empfiehlt de» "nsermzmitglirdern eine rege Betheiligung an der Unter« stützungSkasse, welche ein Hauptbindemittel der einzelnen Confnenzmitglieder zu werden verspricht, fordert zu Sammlungen für die Kasse auf und theilt mit, daß von der Gemeinde Nordhauscn ein namhafter Beitrag in Aussicht stehe. VI. Freie Besprechungen: 1. Ein Antrag de» Herrn Prediger Wolfs-Eöthen wird verlesen und abgelehnt. 2. Ei» vom Herrn Eantor Jakobsohn-Leipzig schriftlich eingebrachter Antrag: Wie kann man dir Kinder systematisch zur Betheiligung am Gottesdienste erziehe»? (Schulandachten.) wird als Anregung dankbar entgegengenvinmen. 3. Einer Mittheilung de« D.-J. Gemeindebundezu Folge iverden die beiden Herren vr. Kroner und Jacob« sohn al» Delegirtc der Eonferenz zn einer nach Berlin zu berufende» llommissivn für die Bcrathung des NvrmalplaneS per Akklamation gewählt. Hierauf erfolgt die Festsetzung der Tagesordnung für die nächste Eo»sere»z. die in Magdeburg ltattfindc» soll: 1. Prvbelcction im Gebet - Uebersetzen der Mittelklasse. 2. Da« Gebetbuch in feiner Verwendung beim Religionsunterricht. (Herr vr. Rahmer.) 3. Barmizwah und Eonfirmationsfeirr. (Referent: Jacobson.) Mit einem dreifachen Hock auf unser» Hcldenkaiser Wilhelin de» Siegreiche», de» mächtigen Fricdensfürste», schloß der Herr Vorsitzende die Eonferenz. I. Baumgarl, Schriftführer. Kerichte «nd Correfpoudenren. Deutschland. O»»lg»t«»§ » 19. Leptemlier. (Or.-Eorr.) Auch eine R e u j a h r » m a h » u » g. Die hiesige „KönigSb. Hartung'fchr Zeit." enthält eine Inserat, betreffend den Eintritt in die Hauptsynagoge am bevorstehenden Neujahr»- und Versöhnung-feste. Danach werden Karte» «ur an steuernde Mitglieder der Gemeinde verabfolgt welche mit ihren Beiträge» nicht im Rückstände sind. Es liegt u»S fern, speciell Künigsbergervrrhältnissc eincrKritikzu unterziehen, denn es ist ja bekannt, daß auch andere Vorstände denselben Standpunkt oerirrte». Nur da» Princip wolle» wir bekämpfen und wir glauben, daß ein großer The>l unserer Glaubensgenossen mit un» gegen eine derartige Bestimmung Verwahrung cinlegt. Allenthalben, auf allen Gebieten des Lebens ist nia» bemüht, die Lage der ärmeren Klassen zu beffer», die Gesetzgebung ist bemüht, der Armuth zu steuern und der Vorstand einer Synagogengemeinde schließt die Armuth von dem Besuche ihrer Hauptsynagoge au». Der Anne und wer seine Steuern nicht pünktlich zahlt, kann sein Gebet anderwärts verrichten. Soll denn die Synagoge ein Parterre von Eommerzienräthen fein? Denken wir doch an den Gottesdienst in den christlichen Kirchen, wird es irgend Jemandem einfallen, einen Armen von dem Besuche der Kirche zurückzuweiscn? Das Prinzip ist verwerflich. Der Ausdruck ist hart, aber eS darf rin solche» Prinzip im Juden« thum nicht Platz greifen. Wenn die Synagogen nicht für Alle Raum gewähre, so möge man nicht die Armen zurückweisen. E« ist nicht gerade erfreulich, daß man derartige Mahnungen an Juden richten muß, ich glaube aber, daß ein offenes Wort, da« nicht Personen, sondern ein verkehrte» versahrei, tadelt — jetzt und immer am Platze ist. Durch Ausschließung von der Synagoge einen Druck auf Diejenigen auSzuüben, die mit Struerbeiträgrn im Rückstände sind, verdient ebenfalls keine Billigung, richtiger erscheint da» ander- »värt» beobachtete Verfahren, eine Anzahl Karten unentgeltlich an Arme zu vertheilen. #«• der yr**fa| M«se«. (Or.-Eorr.) Während sich in Folge von Bedrückung und Zurücksetzung die Bekenner jüdischen Glauben» zu allen Zeiten und aller Orten inniger und fester an einander anaeschlossen haben, bietet die Geschichte doch auch manche» Beispiel einer geradezu unbegreiflichen