Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Liftiimnt so Anerkennrnswerthes geschaffen. Gegen SUHr begab sich nach dem schützen Haus«, woselbst fast alleMtglieder der M,n>igogkn> Gemeinde mit grauen und Jungfrauen sich ein- I^ndc» hatten. Bis 10 Uhr erfreute man sich in dem >r»dm. mit zahlreichen bunten Laternen erleuchteten Garten lj yr Sonzertmusik und an dem zwischendurch abgebrannten I«hlgelnngrnem Ftuenverk. Dann rief der Schall der Trom» d,e meisten Festgäste in den Saal zum Aden besten,' das II» „ach 12 Uhr dauerte und von Reden „zahllos wie die Mm»c am Himmel und der Sand am Ufer des Meeres" Lclcbi wurde. Wir begnügen uns deshalb nur von zweien Ko, Inhalt wiederzugeben. Au» der ersten Tischrede de« «»lllehers Aronsohn heben wir die Mahnung zur Ein- Iiacht a» die Gemeindemitglieder hervor. Es seien, so führte «kdncr au«, ja vor und während der Bauzeit verschiedene Meinungen laut geworden. Einzelne hätten den Bau der Mynagoge für unnütze Geldausgabe erklärt. Jedoch sei da» fr,n würdiger Zustand gnvesen, daß die Geineinde ihren Wattesdiknst an hohen Festtagen da hätte abhalten müsse». Iw am Abend getanzt werde. Jetzt, wo da» Gotteshaus Eoflnttxt sei, müsse die Gemeind« auch ihre Ehre darin suchm, lie eingcgangrnen Verbindlichkeiten bestens zu erfüllen. — Herr Lderbürgermeister Bachinann gab dem Wunsche beredten «„»druck, daß in dem schönen Tempel stet» dir Selbstrrkenntniß lud andere Tugenden gefördert, daß die wahre Menschenliebe I„d die Pflicht der Gemeinnützigkeit stete Pflege finden inöge. Efrmi nur wer Liebe säe, lönne Liebe ernten. Bei solcher Gesinnung, die durch die erhebenden Worte de» Herrn Radln, rr» Dr. Gebhardt am Morgen neu anaefacht sei, reichten «hinten und Juden zum gemeinsamrn Wirken die Hand. «Vir nennen nur »och die Namen einiger Redner: Rabbiner IDr. Prann, Barnaß. Or.Rosenthal, Flieh, Jenisch, Jacobsohn b llarow u. a.) Der Schluß de» schöne» Feste« trat erst nm 6 Uhr früh rin. da die tanzlustigr Jugend auch zu Ichmn guten Rechte kommen wollte. I dl. Zu» Meäptzake», im September. (Or.-Eorr.) Da« wünisterialrescript betreffend da« Schreibe» der jüdischen Schüler höherer Lehranstalten an Sabbath und Feiertagen muh in allen jüdischen Kreisen ein schmerzliches Gefühl Hervorrufen, um so schmerzlicher, al« es von einem so hoch-!nnu,Heien Manne, wie der Minister v. Goßlrr, herrührt.!d dasselbe seinen Ursprung au« antisemitischen Tendenzen fherlntei. dürfte doch immerhin recht ziveifrlhaft sein; auf >eden Fall trägt, wir solches ja auch schsd in diesen Blättern heworgehoden ist, der Jndifferentismu« der Juden selbst einen großen Theil der Schuld. Bon denjenigen Juden, welch«, di, Gymnasien und Realschulen besuchen, selbst von denen, fa wirklich auf den Wunsch orthodoxer Eltern, es möglich machen, sich während ihrer ganzen Schulzeit de« Schreiben« an Sabbath und Feiertagen zu enthalten, behält nur rin iußcrst geringer Theil diese löblich« Gewohnheit für den übrigen Iheil ihre« Leben« bei. Wenn dir Behörde sieht, wie bic Juden überall am Sabbath ihren Geschäften nachgchen — man braucht ja nur in Berlin einen Blick auf die Börse und in die Läden jüdischer Kanfleute zu werfen, adgkskhen von den jüdischen Beamte», Aerzten und Recht«» aawältcn — so kann man e« kaum der Regierung verdenken, bom sie um eine« reinen Princip« oder um einer kleinen Minorität willen, ihre Schulordnung nicht derangiren lasten will. Am Schlimmsten wird durch die ministerielle Bersügung der jüdische Religionsunterricht an den höheren schulen, ohnehin eine schwächliche Pflanze, getroffen. 8,e soll der ReligionSlehrrr die schüler lehren, daß da« echml>rn an Sabbath und Feiertagen verboten sei, wenn sie von Unterricht« wegen officiell zu demselben gezwungen Bcrden. E» steht sehr zu fürchten, daß dem jüdischen "cligionsunterrichte an Gymnasien »c. noch fernere Schwierig- Entm lerntet werden, und dag man namentlich da. wo c« "bügmorisch geworden ist, ihm diesen Eharacter nehmen wnd. U,x j,t »un zu helfen und wer soll dagegen austMen? Der Berliner Gemeindevorstand hat nur die dorttge Gemeinde zu venreten. Das Berliner Rabbinat ist keine offizielle Behörde. Der Gemeindebund hat nur den Eharacter einer Privatvrrriniaung und steht al» Deutscher Gemeinde» bund dem preußischen Minister in preußischen Angelegenheiten fremd gegenüber. Wir sehe» in diesem Falle so recht wieder, wie schlimm e« ist. daß wir in Preußen eines Organ« für die Gesammtheit der jüdischen Gemeinden entbehren. Bestände rin solche«, so wäre dir Verordnung wahrscheinlich gar nicht erlaffen, auf jeden Fall deren Aufhebung leicht zu Erwirken sein. Wir haben wiederholt, auch in diesen Blättern, auf die Roth» Wendigkeit der Schaffung einer jüdischen Eentral-Behvrdr und auf die Wege verwiesen, in welche» dieselbe zu erreichen wäre. Aber da wird tauben Ohren gepredigt. Die jüdischen Ge» meinden, vor Allem die Vorstände der großen Gemeinden, fühlen sich in ihrer Souveränität zu glücklich und wollen nicht ein Tittelchen zum allgemeinen Besten fahren lassen. So lange die preußischen Juden nicht eine gesetzliche Gesammtvertretung haben, so lange werden sie sich gefallen lasten müsten, daß der Staat und dessen Behörden mit ihnen nicht wie mit einem Gesammtfactor rechnen, sondern sie nur als Bruchstücke, in einzelne von einander unabhängige Gemeinden zerstreut, betrachten wird. Wir stehen deshalb allgemeinen Eingriffen um so schutzloser entgegen, da e« ungerade an denjenigen Organen mangelt, welche die Vcr» thcidigung der Gesammtinteresten zu führen berufen sind. Eine durchgreifmde Ordnung der jüdischen Schulverhältnisse wird so lange au»stehen, b>« solche Organe geschaffen sind und es würde eine sehr verdienstvolle Arbeit sein, tvenigsten» vorläufig eine Agitation nach dieser Richtung hin anzubahnen. Hs« Hltzei», 14. September. (Or.-Eorr.) Nur kiniae Worte gestatten Sie mir gegenüber der vorwöchentlichcn Correspondenz au» der Provinz Posen in Betreff de« Sabbathschreiben». „Der Satte weiß nicht, wir dem Hungernden zu Muthe ist!" Gewiß, wo 20 jüdische Schüler in einer Klasse erklären: Wir schreiben nicht, gehört schon etwa« antisemitische Brutalität seiten« de» Lehrer« dazu, zu befehlen: E« wird eine Klassenarbeit gemacht. Aber wo unter 80 Schüler» 2 Juden sind, von denen obendrein Einer am Schabbe« schreibt — da sieht es ander» au«! Da ilt's dem Lehrer — auch dem wohlwollenden — unter den bisherigen Verhältnissen schon recht schwer geworden, auf den Einen, der nicht schreiben wollte. Rücksicht zu nehmen! Jetzt kann, jetzt darf er e» nicht mehr! Und der Hohn, daß der Junge wohl schwerer, aber doch iminer mitkommen kann, mag seine Schärfe verlieren bei besonder« gut Veranlagte». Aber mit Verlaub — dürft» Esel nicht grsetzeStreuc Juden sein? Müssen sie Schabbe« mrchallcl sein? Beim Abiturirntenexamen wird'» dem Herrn au« Posen doch etwa« beklommener ivrrden — da iviederholt sich alljährlich der Satz: Wer nicht alle Arbeiten mit gemacht hat, ist durch — gefallen! Darum lastet die Hände nicht sinken! E« ist sehr arg — be> ander« für die in der „Diaspora" Lebenden! (Wie die „Jüdische Pr." au« Posen berichtet, ist am Mariengymnasium daselbst auf Ansuchen eine« jüd. Abiturienten die griechische Arbeit von Sonnabend auf Montag verlegt worden.) Mlluchs», 12. September. (Or.-Eorr.) Der Bericht in Nr. 37 der Wochenschrift über einen neue» Erlaß de» preußischen Eultusmiuifter« veranlaßt mich zu der Mittheilung. daß im Gegensatz zu dem in Preußen nunmehr beliebten Verfahren da« Königl. Bayerische EultuSministerium schon vor Jahren die ausdrückliche Verfügung erlasten hat, daß mit Rücksicht auf die israelitischen Schüler die schriftliche» Abiturienlcnarbeiten nicht auf den Samstag gelegt werden dürfen. Al« vor vier Jahren durch eiu Versehen unter den vom Ministerium für sämmtliche Gymnasien de« Lande« gleichzeitig festgesetzten Tagen für die schriftlichen Abiturienten-Arbeiten auch ein Samstag vorkam und sich in ganz Bayern 2 Schüler, einer in München und einer in Würzburg, zu schreiben weigerten, erklärte sich auf eine Vorstellung de« Herrn Rabbiner« l)r. Perle« der Ministcrialrefrrcnt für da« Gymnasialwesen, rin strenger