Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 292 Die Antwort de« greisen Jubilar« ist schriftlich erfolgt und lautet folge»dermaß!m: „Hochgeehnester Herr Loetorl «Mtabtrr Kreiind und Lollege! Sie haben mich als Vorsitzender im Namen de« Verein« tSrael. Lulm«deamlen Vitlteldeuischtand« durch di« mir aütigft üderrrtchie, herzinnige, mich sehr ehrende und h«der!reuend« Vdreffe «u «eine« 70. <tzeburrsiage und ÜOjührigen Dienstjubiläum wahrhaft beglückt und »um innigsten Danke verpsUchtet, den ich hiermit au« vollem Herzen gerührt au»wreche mit der inständigen Bitte, de« verehrten Vereine gegenüber der freundlich« Dolmetsch meiner Lesühl» »u seln. L« ist mein inniger vunsch »u «on. dag derselbe auch trimer unter seine« würdigen Vorsitzenden »um Heile Israel« und seiner Diener so segensreich blüh«, wachs» und gedeihe. Zu «einem aufrichtigeu Bedauern ist es mir nicht vergännt, de« veredrlichen Verein am kommenden Sonntag in Halle persöulich meinen wärmsten Dank au«»usprrchen, da unser» Serien erst am 1. Juli beginnen, ich wegen Erkrankung verschiedener Lehrer nlcht wohl Urlaub n«h««n kvnnte. «ein« Kinder und Enkel »heilweise noch hier sind, und di« Freude und a roste Dheilnahme «Ich auch dermasten ergriffen hat, dast ich für jed« bei «eine« Alter kein« Reise wagen dürste. So Von Leben und lliesundheit schenkt, werde ich auch hinsort de« heilbringenden Vereine meine innigste Dbeiluahm» weihen und «ein kleine« Scherslein deijutragen suchen »ur Erreichung so hoher Ziele. Heldenheim." «Schluß folgt.) Kerichte u»d Correspoudenxen. Deutflkbland. Magst«t»rß. Mit Bezug auf da« in Berlin al« Agitation-mittel bei der Wahlbewegung von Herrn Stöcker und anderen Antisemiten l>äuptlingen wieder in die Arena geführte Judenhetzroß sei hier ein Passu« au« einem coiisewativen Blatt (,Bromb. Tagebl.", demselben Blatte, dem der heutige Leitartikel entnommen) angeführt. »Wir glauben, daß die Berliner Antisemiten bei den «konservativen immer mehr an Sympathie verlieren werden, wenn sie fonfahren, nur zu lrrtzen, statt sich an den große» Arbeiten der Zeit zu detheiligen. Dem Fürsten Bismarck muß diese« ewige Reden mit der Zeit sehr kindisch Vorkommen. um so mehr, al» die antisemitischen Wortführer absolut nicht« Neue« über die Iudenfragr Vorbringen können. Aufgeklärt ist die öffentliche Meinung über diese Frage genug. Da« ewige Wiederholen und Schimpfen erzeugt nur schädlichen Arrger auf beiden Seiten. Steckt etwa» Tüchtige« in den antisemitischen Wortführern, so mögen sie doch endlich mit Organisationen beginnen, «m dem geknechteten Handwerker und Landwirth aufjuhelfen. Für ein große« Fest hat man in Berlin eine große Summe (50,000 M.) verausgabt. Unsere« Erachten» würde man da« Geld zweckmäßiger angelegt haben, wenn dainit der Grund zu einer Bolksbank gelegt oder ein ge- »osfrnschaftliche« Kleidermagazin re. gegründet worden wäre. In Versammlungen und Presse führt man jetzt den armen Leuten, die unter der Noth der Zeit schwer zu leiden haben, ihr Elend immer von Neuem vor Augen: da» ist ater auch alle«. Geholfen wird ihnen nicht. Im Äegentheil bereitet man ihnen nur Schaden, indem man sie mit den Jtraeliten, die ihnen Kredit u. geben, in bittere Feindschaft brachte. Der Weg der genossenschaftlichen Bereinigung zur Hebung de« Wohlstände« der deutschen Handwerker, Land» wirthe rc. steht den Antisemiten frei. Weder die .Fortschrittler" — denn diese sind ja für genossenschaftliche Selbsthülfe — noch die Juden können und werden e« ihnen verwehren, den Kampf auf diesem Gebiete aufzunehmen. Man zeige, wa» man kann. Wir sind auch überzeugt, daß ein ruhiger Weltkampf auf wirthschastlichem Gebiete der Judenfrage die jetzige ungesunde Schärfe nehmen wird. Reden ist leicht, handeln schiver. Gehören die Juden einmal zu un«, so muß man Mittel und Wege zur Verständigung und zur Hebung de« Wohlstände« für Alle, sowie der Ehre für Alle finden. Solche Mittel giebt'«, besonder« wenn wir Glück in der Kolonialpolitik haben. Ganz unzweifelhaft aber wird die iveitere Schürung de« Hasse« gegen die Juden dem deutschen Wohlstände schaden. Da« kann ein Kind begreifen." (Aber Herr Stöcker nicht!) - / r.. Pr««Ickrß, 10. September. Die hiesige Synagoge» Gemeinde kann auf den gestrige» Tag der Einweihung ittm Tempel« mit gerechter Genugthuung znrückblicken. Mach, da» ganze Festprogramm schon einen guten Eindruck, so h« sich, begünstig« vom herrlichste» Wetter, jeder einzelne ii# de« geschickt und sinnig entworfenen Programmein so ha,, manischer Weise abgespielt, daß rin jeder Festtheilnehmer ua eine dauernd erhebende und angenehme Ennnerung bereichen worden ist. (Wir übergehen die Einzelheiten der Einweihung«, frier, die ja bei allen solchen Feierlichkeiten gleich sind my 5eben nur die Hauptmomente nach dem Berichte de« ,Bco«t. 'bl." hinzufügend, daß von den geladenen Rabbinern der Provi^ erschienen waren: vr. Brann (Schneidemühl). Or llol,, (Jnowrazlaw), Or. Oppenheim (Thorn), vr. Prrli» (Rakel), Or. Popper (Ezarnikau). Herr Rabbiner vr. Gebhardt, der da» Wo« in der Gewalt hat. ließ sich » der Weihrede über die Bedeutung de« Tempel« in fesselnd« Weise au«; er hob den beglückenden Werth de- Wann Gotte«, da« in der Synagoge gelehrt und erklärt werde, hervor, doch machte er in mild-ernster Weise auch auf bk große Gefahr aufmerksam, die au« dem Glauben entstehn könne, auf den Fanatismus. Deshalb müsse zum fühlendn Herzen der führende Berstand treten. Die Weihesprüche. de der Herr Rabbiner, nach dem Allrrheiligstrn, der ewign Lampe und der Kanzel gerichtet, au»sprach, ivaren sehr sin», voll. Da« Schlußgebet de« Herr» Rabbiner Oe. Theodor verrieth religiöse Ergriffenheit. A» dem Herrn Blaustei, besitzt die Synagoge einen mit schöner Baritonstimmc begabten Sänger. Da« erste Gebet in drin neuen Tempel für den Kaiser und König hörte die Versammlung stehend u. Schon vor dem Eintritt hatte der Vorsitzende der Synagoge,- gemeinde, Herr LouisAronsohn, zum Herrn Regierung». Präsidenten gekehrt, betont, daß i» dem Gotteshausr allst tohe und Gute, besonder« auch die Liebe zu König »ad aterland eine Pflegestätte finden solle, worauf Herr Präsiden v. Ti «dem a»n bei der Erschließung der Pforte dem Wunsche Ausdruck gab. daß stet« Gotte« reicher Segen über das da Anbetung de« Allmächtigen geweihte Hau« ruhe» möge. - Zu dem Festmahl in Moriv Hotel, da« gegen 3 Uhr begann hatten sich ungefähr 120 Personen eingefunden. Die 2ti>- mung war eine sehr animirte und erreichte ihren Höhepunli bei dem packenden Trinkspruch de« Herrn Regierung-präsidenten v. Tiedemann auf Se. Ma>estät. Redner begann, nachdem die Versammlung sich schoben hatte, mit de» Watte, „daß au« den Erzählungen und Dichtungen späterer Zeit üb« unsere große Gegenwart sich rin Bild besonder« leuchte»» hervorheben werde: da« Bild de« von seine,» Volke vercliite, und geliebten Kaiser», der. obwohl an Jahren ein Greg, an Thatkrast rin ganzer Mann und an idealem Wolle» u,d Frische der Empfindung ein Jüngling sei. der seinen Krieger, in die Schlacht voraneilte und in ernster Regentenarbeit ei, Beispiel seltener Pflichttreue gebe. Da» Königreich d« Hohenzollern habe sich unter der Regierung diese« Monarch« . ausgedehnt. Wa« aber geblieben, da« sei die alte Art der Grwissen«freiheit unter den Hohenzollern, die e« jede» religiösen Brkenntnifle gestatte, sich zu offenbaren. Redner sprach seine Ueberzrugung dahin au», daß der Kaiser, obivohl ein strenger evangelischer Ehrist, auch diese« Tage« sich srnie» werde, an dem für die israelitische Gemeinde Brombrrg der langgehegte Wunsch der Vollendung ihrer Synagoge in Erfüllung gegangen sei. Den» schützend und liebend umfjff* der Arm de« Kaiser« alle seine Kinder". In das dreimalige Hoch stimmte die Versainmlung begeisterungüvoU eie und sang dann stehend noch da« .Heil Dir im Siegerkranz' ES war bestimmt worden, daß nur dieser eine Trinkfprnih ausgebracht werden sollte. Später erhob sich jedoch der Herr Regierungspräsident v. Tiedeman nochmal», um d« Pflicht der Dankbarkeit gegen die beiden Männer zu genüge, denen der Synagogenbau in erster Linie zuzuschreioe» sei-' ei seien die«: Herr L. Aronsohn, der durch Energie M* Thatkrast, sowie Herr Landbauinspektvr Muttray. der durch